Ich bin cool, ich war im Horst | Club Review

Bestandsaufnahme: „Irgendetwas stimmt da nicht, aber ich weiß noch nicht, was. Pfuh, die Schlange davor war schrecklich. Es soll so das neue Celeste sein, nur größer. Also mein neuer Lieblingsclub wird das nicht. Dort sind die schoafsten Typen, bist deppat! Es war nicht gut, aber auch nicht schlecht.“

Hier das pinke Badezimmer, mehr Bilder hab ich leider nicht gemacht. Wusste ja nicht, dass meine Review so nachgefragt werden würde.

1. Der Name | lewl

Zuerst fand ich den Namen top. Ja, im Ernst. Ok, damit ist das Kontingent an Wortspielchen vermutlich auch schon wieder erschöpft. Trotzdem, bevor ich selbst Fuß hineinsetzte (der braucht vielleicht noch kurz), hörte ich immer leicht zögerlich: „Ja, wir schauen heute Abend wahrscheinlich ins Horst?“ Und das brummte ganz angenehm in meinem Ohr, uh, ins Horst gehen sie. Mhm. Klingt auf jeden Fall nicht so ausgelutscht wie Flex, Fluc oder Bfucking72.

Fazit: TROTZDEM Horst wirkt wie ein Name von Berliner Hipstern, die jetzt in die neue Partymetropole Wien gezogen sind, um dort ihren Berlin-anklingenden Club zu eröffnen und dem Wiener Bürgertum zu zeigen, wie man einen „coolen“ Club nennt.

2. Endlich drin | come on

Das erste Reinspazieren schildere ich euch jetzt ausführlich: wir tranken unsere Wegzehrung noch in Ruhe aus, stolzierten dann erhobenen Hauptes zum Eingang, wo die Türsteher etwas bissig unseren Tascheninhalt inspizierten (Achtung, mit Wasserflasche kommt man da bestimmt nicht rein!), dann zahlten wir satte 12€ Eintritt, und dann nochmal 2€ für die Garderobe, und dann gingen wir erst Mal aufs Klo. Für Mädchen alles in pink gehalten und für Jungs hellblau — ja, das ist meines Erachtens dann doch ein Griff ins Klo (ahaaa!) weil entschuldige bitte, aber 2017, fast 2018.

Fazit: das Personal ist nicht ungut, aber auch nicht warm and welcoming

3. Los Danceflores | why tho

Die Dancefloors im Horst sind eigenartig aufgeteilt, wobei ich gleich vorwegnehmen möchte, dass die Musik beim kleinen (ich hab recherchiert: sie nennen den kleinen Raum „Hannelore“) Dancefloor viiiiiiiiiel besser war, als auf dem großen. Den großen hielt man an manchen Stellen ohne Ohropax eigentlich nicht aus, da einem der Bass in die Gelenke fetzte und die Lichter einen fast erblinden ließen. Der kleine Tanzboden hingegen ist so klein und stickig, dass man schon anfängt zu schwitzen, wenn man nur hineinschaut.
Die Bar an der Pforte ist süß, aber das Butterbrot mit Kresse, was sie dort groß anpreisen, wirkt, als hätten Möchtegern-Hipster einen Club gegründet (siehe oben) und müssten jetzt irgendwelchen Standards gerecht werden. Why tho???

Fazit: So funktioniert das nicht mit dem individuellen Hipstertum, „Horst und Hannelore“!!!

4. Die Leute | i dunno

Die Leute waren so wild durcheinander gemixt, wie es nur irgendwie sein konnte. Habe Kiddies ohne jeglichen Bartansatz gesehen, Frauen an die 40, denen die viele Schminke im Gesicht leider auch nur die Hautfurchen untermalt, und Typen in weißen Hemden, denen die Passage vielleicht zu langweilig geworden ist. Also eine einheitliche Club-Geherschaft ließ sich auf den ersten Blick nicht ausmachen, und auch wir stolperten nach Orientierung suchend umher, worin wir sicher nicht die einzigen waren.

Das beste am ganzen Abend war allerdings, dass sich kein einziges Mal ein Typ mit Halbmast angeschlichen hat, um mir seinen kleinen Horst an den Arsch zu pressen. Ich musste also nicht mein Wegtanzen à la Simay auspacken, ich musste auch niemanden à la Jenna Marbles angaffen, nein, es war erstaunlich ruhig.

Fazit: der Club ist neu, es wird gemunkelt, dass er bald wieder schließt, da gehen die meisten vermutlich hin, um mitreden zu können. Genau wie ich!

5. Gogo Girls | wtf

Das, was es für mich ein bisschen komisch gemacht hat, waren die starren Gesichtsausdrücke der vier Perücken-tragenden Girls, die in regelmäßigen Abständen vor dem DJ Pult ihre Körper zur Schau stellten. Die eine (die zweite von rechts) hat überhaupt dreingeschaut, als würde sie sich gleich anspeiben, aber dazu ihr starres Grinsen und die motorischen „sexy“ Bewegungen waren dann einfach nur noch strange. Noch stranger war das Publikum, das irgendwie, wie soll ich sagen, unruhig wurde, sobald die Girls auf die Bühne stolzierten. Ich meine, ein genervtes Raunen der Damen im Raum vernommen zu haben, und ein schwanzgesteuertes Ohoooo der Männer.

Fazit: why tho, why tho, why tho????

6. Der Club an sich | najo

Die Preise sind genauso, wie man sie sich in einem eher-Richtung-schickimicki Club vorstellt, soweit ich mich erinnern kann, zahlt man für einen Spritzer 3, 60€ und für ein 0,3 Bier an die 4€ aufwärts. Ist so, habe da auch schon schlimmeres gesehen, kann man nix machen.

Die Anzahl und Aufteilung der Bars hingegen war tippitoppi, da kann man gar nix sagen, auch die Sitzgelegenheiten sahen nett aus und die Tischreihen an den Dancefloor-Flanken waren ganz gut zum Abstützen und Pause machen.

Fazit: Trotzdem, ein Celeste lebt doch von der Drängerei und der leicht angeranzten Art, oder irre ich mich? Horst versucht ein bisschen zu krampfhaft, perfekt zu sein und gleichzeitig auch noch hipstery und cool. Sorry, aber Swag kann man sich halt auch nicht kaufen.

7. Das große Gesamt-Fazit von Clubexpertin Simay | mhm, bitchez

(Nein, ich bin keine Clubexpertin, mir fehlen immer noch Auslage, Sass und Pratersauna war ich auch nur einmal, da hab ich mich aber überhaupt nicht ausgekannt so rein räumlich gesehen, also was weiß ich schon!)

Wäre beim Hinausgehen nicht eine ekelhaft brutale Schlägerei zwischen Mr. TooMuchKoksDaherBiggestEgo und den Prolo-Türstehern gewesen, hätte ich jetzt ein besseres Bild vom Horst Club. Die Fledermaus hatte nach dem Türsteher-Wechsel auch ein massives Image-Problem (also bin ich doch Expertin!) und wenn sich das Horst auch so ungeschickt anstellt, dann tut es mir leid, aber dann muss ich da nicht regelmäßig sein.

Warum heißt der Blogartikel also „Ich bin cool, ich war im Horst“? Irgendwo ist es für Wien dann doch ganz spannend, wenn sich mal was tut, und dann kommen da auch Hinz und Kunz zusammen, um sich den Horst mal anzuschauen. Horst alleine mit der Musik von der Hannelore wäre meiner Meinung nach letzten Samstag (Superdisco oder wie die Veranstaltung da heißt) perfekt gewesen, und die Gogo Girls hätten sie sich komplett sparen können, ich mein wo samma denn!?

Wie bereits öfter gesagt, ist das Horst Problem, dass es einen auf hipster-swaggy macht, aber die Umsetzung total verkackt. Von mir aus sind dort die schoafsten Typen, und ja, ich gebe es zu, auf dem kleinen Dancefloor hab ich trotz Sturzbach-Schweiß-Szenario weitergetanzt, als gäbe es kein Morgen. Aber: die bemühte Machart vermiest einem die Stimmung, die Perfektheit macht der durchgeknallten Partynacht einen Strich durch die Rechnung, und das Butterbrot mit Kresse ist einfach nur lachhaft.

Ich komme (vielleicht) wieder und dann gebe ich euch eine Review zum Buttebrot mit Kresse!

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