Werde ich jetzt Filmkritikerin? | Life update

Dieser Blogartikel ist etwas komplett Neues: er umfasst eine Filmkritik (sie ist positiv, keine Sorge!) und ein paar Gedanken über meine Zukunft. Soll ich Filmkritikerin werden? Wo möchte ich hin? Was wartet am Ende des Tunnels auf mich? Leset selbst…

Ahnungslose Twenty-Something sucht nach etwas Neuem…

First things first… die Filmkritik

Wenn ihr mich persönlich kennt, und mich in letzter Zeit nach einem guten Film gefragt habt, werde ich vermutlich gesagt haben: „I love you, Phillip Morris“. Da ich dieses Semester einen Kurs zu Filmanalyse besuche, und wir als Hausaufgabe sowieso eine Filmkritik schreiben sollten, möchte ich euch mein Meisterwerk (Achtung, Sarkasmus! Konstruktive Kritik sehr erwünscht) auch gar nicht länger vorenthalten:

Der Sonnenschein und der Betrüger

Dass „I love you Phillip Morris“ (USA, 2009) auf wahren Begebenheiten beruht, ist nicht nur verwunderlich, sondern auch beunruhigend. Die Geschichte eines Mannes, der derart geschickt aus jeder noch so prekären Situation ausbricht, alles unter dem Deckmantel der Liebe, ist einmalig.

Die Filmhandlung beginnt in einer US-Vorstadt und mit einer ‚normalen‘ Familie, die nach Hollywood-Klischee in solch einer Vorstadt wohnt. Jim Carrey spielt die Hauptrolle, er ist Polizist und überschwänglicher Familienvater. Nach kurzer Zeit wird dieses ‚perfekte‘ Familienbild umgestoßen, denn Steven Russell (Jim Carrey) outet sich. Russell erzählt dem Publikum aus der Zukunft, wie sich damals alles zugetragen hatte, und diese Erzählung ist rasant. Zum Glück wird das Bild öfters angehalten und Carreys Erzählstimme erklärt noch einmal alles ganz genau.

Besonders gern spielt der Film mit Verwechslungen — z.B. in der ersten Sexszene zwischen Steven Russell und seinem Nachbarn, kurz nachdem wir Zusehenden erfahren haben, dass Russell schwul ist. Dieser Verwechslungsmoment gibt einen ersten Ausblick auf das, was in diesem Film noch passieren wird: Russell ist ein Meister im Betrügen und windet sich im Laufe der Handlung durch allerlei Berufe, ausweglose Situationen und sogar Verfolgungsjagden.

Filmplakat — jimcarreyonline.com

Wie der Titel bereits verlautbart, steht bei all dem ein gewisser Phillip Morris (Ewan McGregor) und Steven Russells Liebe zu ihm im Vordergrund. Doch zuerst erzählt uns Russell aus der Zukunft, wie er sich von den Berufen Polizist zu Finanzboss zu Anwalt durchschwindelt, und das alles nur, damit er und sein Partner Morris ein schönes und reiches Leben verbringen können. Die Justiz macht dem Betrüger zwar wiederholt einen Strich durch die Rechnung, doch bleibt sie ihm gegenüber auch größtenteils blind. Auch die Zusehenden werden ordentlich an der Nase herumgeführt, immerhin täuscht (ACHTUNG JETZT KOMMT EIN SPOILER! LEST ERST WEITER UNTEN WEITER WENN IHR ES NICHT WISSEN WOLLT!) Russell sogar seinen eigenen AIDS-Tod vor, nur um seinen Phillip Morris wieder zu sehen. Ihn hat er nämlich bei all seinen Betrügereien mit hineingezogen und ins Gefängnis gebracht.

Russell scheint weder in dieser Situation, noch damals gegenüber seiner Ex-Frau und seinem Kind jemals Schuldgefühle zu haben. Es verwundert mich, dass sie ihm sogar verzeihen und sein Benehmen lediglich mit einem Stirnrunzeln quittieren. Phillip Morris versteht erst spät, dass sein Lebenspartner ein unglaublicher Betrüger ist, doch nach einer saftigen Ohrfeige scheint sein Hass auch wieder verflogen zu sein. Erst nach dieser Reaktion wirkt Morris ein wenig ernsthafter, immerhin war er bis dahin in der Handlung der naive und liebe Sonnenschein. Sein erster Auftritt ist das Non-Plus-Ultra: blonde Mähne, sonnengelber Sträflingsanzug und ein wärmendes Lächeln sind ein großes Ausrufezeichen für seinen Charakter.

(JETZT KÖNNT IHR WEITERLESEN!) Die Message des Films ist simpel: Für die Liebe musst du alles geben! Der Wermutstropfen: Russell zeigt keine Reue für sein schamloses Betrügen, was das Ende etwas schmälert.

Der Film erinnert ein wenig an „Catch Me If You Can“ wegen der spannenden Verfolgungsjagden, doch auch an „Good Will Hunting“ wegen der Message. McGregor’s sonniges Strahlen ließ mich natürlich auch an „Brokeback Mountain“ denken. Auch Carrey übertrumpft sich in diesem Film selbst, ohne dabei anstrengend zu werden, wie in früheren und typischen „Jim Carrey“-Filmen (z.B. „Dumm und Dümmer“).

I love you Phillip Morris“ besticht also vor allem wegen seiner beiden Hauptdarsteller, und nicht wegen der Message. McGregor verkörpert den sonnigen Homosexuellen par excellence und Jim Carrey kauft man ohnehin jede Figur ab, in die er sich gerade verwandelt hat. Ein schneller, vielseitiger und warmherziger Film, mit Twists and Turns und vielen unerwarteten Lachern.

Und nun zurück zu mir…

Ich habe „I love you Phillip Morris“ übrigens 9/10 Punkten gegeben!

Was mein Life update betrifft, möchte ich eigentlich nur „laut“ überlegen, was ich als nächstes tun will. Nachdem ich vor kurzen meinen Online-Marketing-Job gekündigt habe, habe ich nun endlich das Gefühl, dass ich mich neu kalibrieren kann. Aber wo will ich hin? In Richtung Filmkritikerin? Oder in Richtung Theater?

Es gibt so vieles, was mich interessiert, und erst kürzlich hatte ich mit meinem Ex-Chef ein Gespräch darüber: er fragte, was ich einmal machen möchte (blödeste Frage ever, aber egal) und ich meinte, keine Ahnung, ich schau mir jetzt mal viele verschiedene Sachen an und dann wird schon was kommen. Vermutlich wollte er hören, dass ich in seinem Unternehmen bleiben möchte und es mein absoluter Traumjob ist, dort zu arbeiten. Aber ich kann nicht lügen und erst recht nicht arschkriechen, also hab ich die Wahrheit gesagt, dass ich eigentlich bei Theater und Film sein möchte, und nicht auf Facebook. Ich will „irgendwas mit Medien“ machen, oder „irgendwas mit Menschen, mit Kindern, aber bloß nicht mit Tieren“!

Habt ihr Ideen, was ich tun soll? Lasst es mich wissen!


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