Wie man sich im Theater zu verhalten hat

Als Studentin der Theater-, Film-, und Medienwissenschaften muss ich es ja wissen: wie man sich in einem klassischen Theater zu verhalten hat. Denn wer sich daneben benimmt, fängt sich oft fiese Blicke von älteren Semestern ein. In diesem Knigge erkläre ich, was man anziehen sollte und wie man es schafft, beim Beifall klatschen nicht nach zwei Minuten schwache Arme zu bekommen.

So schonmal nicht. (Foto: scumbagsteve.com)

Ich hab nichts anzuziehen!

Ein Satz, den wir alle kennen. Doch gerade fürs Theater ist es doch soooo wichtig, gut angezogen zu sein. Pustekuchen! Gerade junge Leute kommen wirklich oft in Jeans und T-Shirt und fallen mit ihrem Freizeitlook zugegebenermaßen schon sehr auf, wenn sie auf den majestätisch rotgeplüschten Barockthronen thronen, aber naja, was soll man machen. Wer sich von Herr und Frau TheatergängerIn seit 40 Jahren keine strafenden Blicke einheimsen will, kann ja mal die am seltensten getragenen Schuhe herauskramen und sich eine schlichte Bluse überwerfen. Ein paar Bling-blings (nicht die Money Boy Kette, aber ihr wisst schon) angelegt oder die Haare cool gegelt, und ab geht die Paaardde… äääh, das Theater!

Der Vorhang fällt… und ich muss auf’s Klo

Schlecht. Ganz schlecht. Tatsächlich kann man während der Vorstellung nicht aufstehen und einen abseilen gehen, nope, no-go! Daher empfehle ich schwachen Blasen einfach vor der Vorstellung (nachdem es zum ersten Mal geklingelt hat) das stille Örtchen aufzusuchen, da dies zu diesem Zeitpunkt leer sein sollte. Manchmal stehen sogar frische Trinkgläser beim Waschbecken, die sind zwar für die Dämchen gedacht, die wegen eines akuten Hustenanfalls ein Schluckerl trinken müssen, aber manchmal dürfen auch arme StudentInnen zugreifen. Die Blase ist also entleert, der Rachen ist angefeuchtet — jetzt kann es losgehen!

Gackern vor Lachen oder Lackern vor Gachen

Manche Theaterstücke sind herrlich inszeniert oder haben eine komödiantische Grundlage, weswegen man oftmals herzhaft lachen muss. Blöd nur, wenn man eine fiese Grunz-Lache hat oder sich nur schwer wieder stoppen kann, einmal angefangen zu schnauben und zu stieben. Tja. Jetzt erzähl ich euch mal was. Ich saß unlängst in einem wirklich wahnsinnig witzigen Stück (es ging um einen verkaterten Typ, der ganz à la Hangover versuchte, die letzte Nacht zu rekonstruieren) aber es war auch nicht sooo witzig. Leider saßen hinter mir die lautesten Lacherinnen aus dem ganzen Theater, die mir bei jeder Pointe ins Genick prusteten und so lange gackerten, dass ich einfach nichts mehr verstehen konnte. Selbst bei ruhigen Momenten, die eher tragikomisch sein sollten, mussten sie leise kichern. Geez. Wirklich. Mein Tipp: reißt euch zusammen. Die am meisten angenervten Leute sind nämlich nicht mal unbedingt die ältsemestrigsten, sondern die, die noch im ersten Semester studieren. (*hust*)

Was tun wenn vor lauter Klatschen die Arme wehtun?

Das Problem bei besonders guten Vorstellungen ist, dass sich der Applaus ein bisschen in die Länge zieht. Die SchauspielerInnen sehen nach der dritten Runde „reinlaufen“ auch meistens ziemlich fertig aus, und den ambitioniertesten KlatscherInnen wird wahrscheinlich nach fünf Minuten so langsam der ein oder andere Arm schmerzen. Pro-Tipp: einfach mit halber Energie klatschen. Erst wenn die wirklich umwerfend bezaubernden HauptdarstellerInnen ihre Verbeugung machen, lauter klatschen (wenn es denn überhaupt so gut war). Bei den restlichen solltet ihr lieber auf Sparflamme gehen und lieber mal dazwischen johlen — „Wooohooooo!“ das machen die Grauhaarigen nämlich seltener.

Ich bin eine Streberin und will mehr erfahren

Ok, alles klar. Ich bin auch eine Streberin, ich geb’s ja zu. Aaaalso. Für alle, denen die Vorstellung noch nicht genügt, gibt es manchmal nach dem Stück eine Diskussionsrunde mit ein paar SchauspielerInnen und dem/der DramaturgIn. Erkundigt euch bei den überkorrekten PlatzanweiserInnen, wo und ob so eine StreberInnenrunde stattfindet und setzt euch da mal hin. Ich war erst einmal dort, aber es ist schon geil, die Schauspieler in ihren normalen Klamotten und mit Bier in der Hand (Ja! Wirklich!) zu sehen. Irgendwie cool, und zeigt auch mal wieder: wir sind alle nur Menschen.

Damit will ich meine Artikel auch beenden: wir sind alle nur Menschen, und wenn ihr halt doch mal ins Theater geht mit eurer ausgewaschenen Jeans, einer vollen Blase und einem lauten Lachorgan, wird die Welt nicht untergehen. Aber irgendwo in Loge 4 (Pole Position, Bitches!) wird eine Studentin sitzen, die sich so ihren Teil denkt. Und daher dann Blogartikel wie diesen hier verfasst. ;)

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