Good Bye Twitter

Heute lösche ich meinen Twitteraccount. Ich tue dies, weil weder die Plattform, noch die Polizei Berlin mir aktuell ausreichend Schutz vor Menschen bieten können, die mir dort nachstellen und mich bedrohen.

Seit mehr als 6 Monaten bin ich Anfeindungen, Bedrohungen und Identitätsdiebstahl ausgesetzt. In den vergangenen Wochen hat sich die Situation zugespitzt. Gestern nacht bekam ich wiederholt die Drohung, man suche nun nach der Grundschule meines Sohnes. An diesem Punkt kann ich das Risiko nicht mehr verantworten.

Ausgehen tuen die Aggressionen von Anfang an von einem Account, getragen werden sie durch eine Community von Trollen, Menschen die wegschauen, desinteressierten Plattformbetreibern und einer Justiz, die auch sechs Wochen nach der Anzeige noch keine nennenswerten Fortschritte nachweisen kann.

Mein Leben hat sich verändert, wie sich das Leben einer Person verändert, die dauerhaft solchen Replys ausgesetzt ist:

Mein Kind darf nicht mehr allein zur Schule, ich hoste aktuell keine Couchsurfenden mehr, da mehrfach aus der Community gedroht wurde. Bevor ich eine Reply auf Twitter beantworte, schaue ich genau in den Account und nun verlasse ich das soziale Netzwerk, was ich von allen am meisten als mein zu Hause angesehen habe. Aber am Ende ist es eben auch nur Twitter und ich nehme die vielen wunderbaren Menschen, die ich in den vergangenen 1,5 Jahren kennen lernen durfte weiter mit.

Wenn Sie sich beim Lesen dieses Textes denken: Aber ich kenne ihren Account und ich finde sie auch scheiße, sind Sie ein Teil des Problems. Nichts rechtfertigt diese Art von Angriffen auf eine Person. Nicht auf mich, nicht auf AfD-Politiker*innen, auf niemanden.

Wenn Sie denken, so etwas könnte Ihnen nicht passieren, geben Sie zum einen mir eine Mitschuld und zum anderen liegen Sie verdammt falsch.

Die Angriffe auf mich werden gerechtfertigt mit aus dem Zusammenhang gerissenen Tweets, von der Community erfundenen Lügen (z.B. ihre Freunde haben mich attackiert, sie greift meine Follower an) oder der schlichten Tatsache, dass ich aufgrund meines Seins in Trollsprache ein Alman bin, was so ziemlich jede*r ist, der gerade zur Zielscheibe wird.

Ich glaube an den Rechtstaat, ich merke aber auch, dass er aktuell nicht auf akute Gefährdungen reagiert. Ich hoffe auf Plattformbetreiber und ich bin überzeugt, es gibt deutlich mehr gute als schlechte Menschen da draußen.

Ich würde gern ein Schlusswort finden, was zuversichtlich klingt aber aktuell will ich nur noch mein Kind beschützen.

Passt auf euch auf und danke für die wunderbare Zeit.

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