Warum ich meinen Job wechseln werde.

Oder: Wer nichts mehr lernt, kann nur verlieren.

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Die PR-Branche ist diejenige mit den meisten Quereinsteigern, habe ich erst neulich irgendwo gelesen. Das kann ich gut nachvollziehen — schließlich gehöre ich selbst zu denen, die nicht auf dem direkten Weg zu den Public Relations gekommen sind.

Weil ich demnächst eine neue berufliche Richtung einschlagen werde, schreibe ich im Rahmen der Zielbar-Blogparade „Entscheidungen“ über meine Beweggründe und das Quereinsteigertum. Vielleicht erkennt ja jemand sich und/oder seine Entscheidung wieder?

Das Quereinsteiger-Einmaleins

Quereinsteiger sein heißt, dass man — vorausgesetzt einiger entsprechender Soft und Hard Skills — das, was man im Berufsalltag macht, on the job lernt. Learning by doing.

In der Kommunikations-Branche, so mein Eindruck, ist Quereinsteigertum deshalb so „normal“, weil ein — mit Verlaub — Fachidiot eh von der Realität eingeholt oder sogar überholt wird und er erst „am Patienten“ lernt, was wirklich wichtig und richtig ist. So wie ein Arzt nur dann fachlich und praktisch gut sein kann, wenn er Blut sehen kann.

Kurz: Praxis schlägt Theorie.

Damit ein Quereinsteiger auch aufsteigen kann, braucht er den passenden „partner in crime“: Ein Unternehmen, das ihm Zeit und Raum zur Entfaltung gibt, sowie (mindestens) einen Professional zum Lernen an die Seite stellt. Und vor allem eines: Vertrauen.

Chancen und Grenzen „on the job“

All das habe ich seit 2014 bei Seedmatch, Deutschlands erster Crowdfunding-Plattform für Startups, genau so erfahren. Angefangen als Praktikant im Bereich Corporate Communications, wurde ich im Anschluss als Werkstudent und schließlich als Manager übernommen. Als studierter Philosoph hätte ich es bedeutend schlechter treffen können.

Tatsächlich habe ich on the job extrem viel gelernt: über PR und Kommunikation, aber vor allem über Crowdfunding, Startups und die Menschen dahinter. Einen besseren Start ins Berufsleben hätte ich mir nicht wünschen können.

So dankbar ich für jede Etappe war und bin, so klar war mir auch: Eher früher als später flacht die Lernkurve ab. Mehr geht dann nicht. Nicht hier. Warum? Das Team ist klein, jeder Bereich ist eine One-Man-Show. Das ist per se nichts Schlechtes, im Gegenteil; das Modell hat in Bezug auf die kontinuierliche fachliche Weiterentwicklung des Einzelnen aber einfach eine Grenze.

Und will man nicht gerade als Quereinsteiger von den Erfahrungen der „alten Hasen“ profitieren?

Weitermachen oder weiterziehen?

Klar, man kann sich viele Dinge autodidaktisch aneignen und so wachsen. Aber gerade in der professionellen Kommunikationsarbeit bringt einem die Theorie bei Weitem nicht so viel, wie die praktische Erfahrung. Und auch der Gedanke, seine Arbeit auf Dauer ohne echten Sparrings Partner zu erledigen, missfällt mir.

Wer weiß, dass er nichts mehr lernen und erreichen kann, verliert an Motivation, Inspiration — und Sorgfalt.

Also: Weitermachen oder weiterziehen? Jeder sollte sich seiner Verantwortung — für sich, für die Familie, für den Job — bei der Wahl zwischen den Optionen bewusst sein.

Ich denke, dass die persönliche Entscheidung für einen Jobwechsel im Idealfall von einem Phänomen begünstigt wird: 
Dem Wissen, dass „lebenslanges Lernen“ keine bedeutungsleere Phrase ist. Egal ob Quereinsteiger, oder nicht.

Frische Fische statt alte Hasen

Da ich noch mehr vom PR-Handwerk lernen will und muss, fiel mir die Entscheidung für den Wechsel in die Agentur-Welt leicht. Nach einiger Zeit auf Unternehmensseite will ich nun wissen, wie grün das Gras auf der anderen Seite ist.

Und so freue ich mich auf meine „Lehre“ sowie die neuen Aufgaben und Themen bei der Tech- und Startup-PR Agentur Frische Fische — und bin dankbar für alle Erfahrungen, die ich als Quereinsteiger bei Seedmatch machen durfte.