Überblick in der täglichen Informationsflut: Warum wir ein neues Online-Medium für mehr Perspektiven-Vielfalt brauchen.

Buzzard
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Nov 1 · 5 min read

Mehr ist oft nicht besser. Luke Pritchard, Sänger der britischen Band The Kooks hat das in einem Interview mit der WELT 2008 treffend beschrieben: Unsere Generation sei überfüttert. „Mit 150 TV-Programmen, dem Internet und all den tollen neuen Kommunikationsmöglichkeiten, die so viel Informationen freisetzen, dass sie keiner mehr verarbeiten kann.“

Live-Ticker, Push-Up Meldungen, Notifications, Werbung und massenweise E-Mails — wir werden jeden Tag mit Informationen überflutet, sobald wir unsere Handys anschalten.

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An jedem neuen Tag werden weltweit rund 500 Millionen neue Tweets abgeschickt, 100 Millionen Fotos und Videos auf Instagram geteilt und 4,7 Milliarden neue Inhalte auf Facebook erstellt.

Wir sind überfüttert mit Perspektiven, die unsere Meinung bestätigen

Irgendwo in diesem Ozean kämpft sich jeder von uns täglich durch den auf ihn zugeschnittenen Informationswust und versucht dabei, sinnvolle Entscheidungen zu treffen: Worauf klicke ich, wo lasse ich es sein?

Aber sich differenziert und vielfältig über das Weltgeschehen zu informieren, wird paradoxerweise nicht einfacher, obwohl uns mehr Informationen zur Verfügung stehen als je zuvor. Im Gegenteil es wird schwieriger.

Denn es gibt zwei Probleme. Erstens, gut begründete Meinungen, die sich substanziell von unserer eigenen Meinung unterscheiden, finden wir nur, wenn wir sie bewusst suchen. Algorithmen entscheiden, was uns im Newsfeed angezeigt wird. Medienperspektiven werden nach Präferenzen sortiert. Den gleichen Menschen werden im Internet die immer gleichen Inhalte und Texte vorgelegt. Viele gewöhnen sich an die Bestätigung ihres eigenen Weltbildes. Viele sind überfuttert mit Perspektiven, die ihnen suggerieren, dass Medien gleichförmiger erscheinen, als sie es sind. Wenn man anderen Meinungen begegnet, dann oft nur den besonders lauten, den extremen. Vielfalt abseits dessen findet nur, wer sich Zeit nimmt und bewusst sucht.

Das Grundrauschen ist laut, aber das Signal ist leise

Zweitens haben sich die Nutzungsgewohnheiten und der Journalismus mit dem Internet grundlegend verändert. Immer weniger Menschen entscheiden sich für das Abo einer einzelnen Zeitung. Die Folge: Wir bekommen zwar täglich viele News aufs Smartphone, aber wenige davon sind wirklich gehaltvoll. Oft handelt es sich um schnell geschriebene Meldungen ohne Tiefgang. Dieselben Zitate derselben Protagonisten begegnen uns wieder und wieder in zehn verschiedenen Medien, weil alle auf derselben Agenturmeldung fußen. Da hilft es oft nicht, verschiedene Medienmarken anzusteuern. Das Grundrauschen ist laut, aber das Signal leise. Die wirklich guten, intelligenten Perspektivwechsel, die Stücke, die uns einen differenzierten Blick auf die Welt eröffnen, die finden wir oft nur zufällig oder dann, wenn wir ganz bewusst Quellen und Autor*innen folgen.

Was fehlt, ist eine Plattform, die einen neuen Medienkonsum möglich macht

Das ist schade. Denn das Internet ist voll von spannenden Perspektiven und gutem Journalismus, der den eigenen Horizont erweitert. Vielfalt ist da. Nur können wir auf diese Vielfalt im Alltag nicht zugreifen.

Was fehlt, ist eine Plattform, die einen neuen Medienkonsum möglich macht. Denn den meisten Menschen fehlt im Alltag schlichtweg die Zeit. Die intelligenten Perspektivwechsel, die Beiträge von relevanten Bloggern aus anderen Ländern, Augenzeugenberichte von Aktivist*innen, erhellende Kommentare aus der Wissenschaft — all das lässt sich im Netz finden. Aber oft eben nur, wenn man gezielt Autor*innen von allen Seiten des politischen Spektrums folgt und systematisch Perspektiven unterschiedlichster Medien konsumiert. Das macht kaum jemand. Selbst Journalisten fehlt dafür im Alltag oft die Zeit.

Wenn wir als Bürger einer Demokratie vernünftige Entscheidungen treffen wollen, brauchen wir vernünftige und differenzierte Informationen.

Und das ist ein Problem. Denn sich differenziert und vielfältig über das Weltgeschehen zu informieren, ist kein Luxus. Es ist essentiell. Wenn wir als Bürger einer Demokratie vernünftige Entscheidungen treffen wollen, brauchen wir vernünftige und differenzierte Informationen. Wir brauchen einen unvoreingenommenen Blick auf das Weltgeschehen. Wir brauchen Vielfalt. Wir brauchen Überblick.

Mit Buzzard wollen wir einen neuen Blick auf die Nachrichtenwelt möglich machen.

Wir haben uns entschieden, etwas Neues zu wagen

Deshalb haben wir uns entschieden, mit Buzzard etwas Neues zu wagen. Wir wollen kein herkömmliches Online-Magazin gründen. Wir wollen da ansetzen, wo Menschen Online-Medien im Alltag konsumieren und ein Werkzeug schaffen, das im Alltag auf dem Smartphone einen neuen Medienkonsum möglich macht.

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Das war nie wichtiger als jetzt. Denn Medien prägen, wie wir die Welt sehen. Und wenn wir eine Welt wollen, in der es weniger Radikalisierung, weniger Hass und Hetze gibt, eine Welt, in der Menschen mehr Verständnis füreinander haben, dann müssen wir bei den Medien ansetzen. Dann brauchen wir ein Online-Medium, das es uns allen möglich macht, öfter mit Positionen von Menschen in Berührung zu kommen, die auch in anderen Blasen unterwegs sind.

Uns ist klar geworden: Wir können mehr verändern, wenn wir nicht den klassischen Weg gehen.

Als Felix Friedrich und ich erstmals die Idee für Buzzard hatten, haben wir beide während des Politikstudiums als freie Journalisten bei Zeitungen gearbeitet. Wir waren auf dem Weg, Politikjournalisten in etablierten Medienhäusern zu werden. Aber uns ist klar geworden: Wir können viel mehr verändern, wenn wir nicht den klassischen Weg gehen. Wenn wir etwas Neues wagen und statt neuem Online-Journalismus einen neuen Zugang zu Online-Journalismus schaffen.

Felix Friedrich und Dario Nassal, Gründer von Buzzard bei der Preisverleihung der Kultur- und Kreativpiloten.

Jetzt stehen wir mit unserem Team aus acht talentierten Journalistinnen und Journalisten, Entwicklern und Designern am alles entscheidenden Punkt: Vom 5. November bis zum 8. Dezember läuft unsere Crowdfunding-Kampagne. Wen wir 4.500 Unterstützer*innen für unsere Vision begeistern, dann können wir eine News-App schaffen, die einen neuen Blick auf die Nachrichtenwelt möglich macht. Ein Medium, das Perspektiven des ganzen Meinungsspektrums in einer App bündelt — transparent und unvoreingenommenen. Optimiert für die Nutzung auf dem Smartphone.

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Wenn dir das wichtig ist und du diese Idee gut findest, dann unterstütze unser Crowdfunding! Für fünf Euro im Monat ermöglichst du uns, ein Jahr als unabhängiges, werbefreies Journalismus-Projekt für dich zu arbeiten.

Dario Nassal, Co-Gründer von Buzzard

Am Dienstag, 5. November geht’s los!

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    Journalistisches Startup. Gründe mit uns ein neues Online-Medium — für Perspektivenvielfalt, gegen Radikalisierung! Alle Infos: www.buzzard.org

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