Vertrauen, Währung für Frieden

Photo: Lisa Baird

über die Beziehung zwischen Frieden, Vertrauen und Wohlstand

“Vertrauen ist die neue Währung.” – Satish Kumar

1961 wurde Bertrand Russell während einer Demonstration gegen Atomwaffen in London verhaftet und wegen ‘Friedensbruch’ zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Der Philosoph, Schriftsteller, Mathematiker, und Friedensaktivist war damals 89 Jahre alt.

11 Jahre zuvor hatte er in Anerkennung für sein literarisches Werk über humanitäre Ideale und Gedankenfreiheit den Nobel Preis für Literatur verliehen bekommen.

1961 lebte Satish Kumar in einem Ashram in Indien. Der Ashram wurde von einem der Schüler Gandhis geführt. Satish las von dem Zwischenfall in der Zeitung, während er mit einem Freund in Bangalore in einem Café saß und auf seinen Kaffee wartete.

Inspiriert von Bertrand Russels Einsatz und seiner Bereitschaft, im Interesse der Menschheit persönliche Risiken einzugehen — und das in so hohen Alter — kam den beiden Freunden eine Idee:

“Warum machen wir nicht eine Friedenswanderung? Lass uns nach England gehen und Bertrand Russell unterstützen.”

1962 machten sich zwei junge Inder, Nachkommen der Tradition der Gewaltlosigkeit, auf den Weg von Gandhis Grab in Neu Delhi nach London, um ein Zeichen für Frieden zu setzen. Bevor sie aufbrachen, gab ihr Lehrer ihnen den Rat, ohne Geld zu gehen.

“Wenn ihr für den Frieden geht,” sagte Vinoba Bhave, “dann müsst ihr den Menschen vertrauen, denn Krieg kommt aus Angst, und Frieden beginnt mit Vertrauen.”

Für Satish Kumar war dieser Rat eine kleine Herausforderung, doch er kam von seinem Lehrer, dem er vollkommen vertraute.

Als ich vor 18 Monaten meine Blogger-Reise antrat, sah ich mich nach dem Rat von anderen Bloggern um, die Erfahrungen mit Online-Projekten hatten. Ich hatte eine Idee und eine Vision — ich hatte den ersten Band des Solo Systems veröffentlicht und war bereit, meine Arbeit meinem Publikum vorzustellen.

Doch um zum Ziel zu gelangen, lag ein langer Weg durch den Cyberspace vor mir. Es war wie eine neue Welt. An Online-Gurus gab es keinen Mangel. Viele teilten bereitwillig ihren Rat mit mir, und vieles davon klang ungefähr so:

Mach dein eigenes Ding! Entdecke deine natürlichen Gaben! Werde reich! Finde den Sinn deines Lebens! Schwindle dich durch bis zum Erfolg! Folge der Stimme deines Herzens! Kenne dein Publikum! Schaffe eine Marktlücke! Lade mein eBuch gratis herunter! Lerne die Tipps und Tricks erfolgreicher Berater! Schreibe dich jetzt ein! Baue Vertrauen auf! Positioniere dich als Experte! Verlange Höchstpreise! Verdiene ein passives Einkommen! Bezahle hier! Irgendwelche Fragen?

Ja, ich habe eine Frage. Wie baut ihr Vertrauen auf?

Was versteht ihr genau unter Vertrauen, während ihr gleichzeitig ein Unternehmen mit dem Motto aufbaut: ‘Schwindle dich durch bis zum Erfolg?’

Wer würde denn das Vertrauen anderer (miss)brauchen wollen und ein weltweites Unternehmen auf fadenscheinige Ratschläge gründen.

Ich nehme an, man braucht eine solide Grundlage aus Selbstvertrauen, Integrität und innerer Klarheit, bevor man anderen Ratschläge erteilt und Vertrauen aufbaut…

Je mehr Ratschläge ich höre, umso mehr vertraue ich meiner eigenen Stimme, und sie sagt mir: Vielleicht geht es diesen ‘gut positionierten Experten’ mehr darum Geld zu verdienen, als anderen wertvolles Wissen zu vermitteln.

2011 sprach Satish Kumar am Healthy Money Summit. Das Kernstück seiner Botschaft lautete ‘Vertrauen ist die neue Währung’.

In der Online-Welt wird Vertrauen zum Geschäft. Neulingen im Online-Business wird beigebracht, wie man ‘Leute dazu bringt, dass sie einem vertrauen, damit sie zu treuen Kunden werden, und dein Zeug kaufen!’

Warum sollte ich Leuten vertrauen, die derartige Vorschläge machen? Würdest du ihnen trauen?

Täuschung wird als Vertrauen verpackt. Es gibt bestimmt gratis eBücher zum Herunterladen, in denen jedermann lernen kann, wie man das am besten macht. Die neue Währung wird bereits verhökert.

Doch hier ist eine gute Nachricht: Echtes Vertrauen ist eine wertvolle Währung, die wir alle in uns selbst erzeugen können, und zwar vollkommen legal.

Als Satish Kumar und sein Freund 1962 ihren 8000 Meilen langen Friedensmarsch antraten, haben sie sich vermutlich keine Gedanken darum gemacht, wie sie ‘andere darzubringen könnten ihnen zu vertrauen’, um etwas zu essen und ein Nachtlager zu bekommen.

Sie vertrauten dem Rat ihres Lehrers, sie vertrauten Bertrand Russell, sie hatten Vertrauen in ihre Mission und in sich selbst, sie vertrauten einander und den höheren Mächten des Universums. Viele Menschen unterwegs vertrauten ihnen, und manche taten es nicht.

Zwei junge Männer aus Indien, ohne Geld, mit nichts als einem kleinen Rucksack und einer Geschichte von einer Wanderung für den Frieden — würdest du ihnen vertrauen?

Vertrauen entspringt einer Quelle tief in uns selbst. Kann man damit Geld verdienen? Ich habe keine Ahnung.

Ich weiß, dass Geld Misstrauen, Angst, Krieg, Gewalt, Geiz, Gier, Kriminalität und Armut erzeugt.

Vertrauen erzeugt Freundschaft, Respekt, Frieden, Liebe, Gemeinschaft, Großzügigkeit und Wohlstand.

Mit Vertrauen als Hauptwährung kann man Geld benutzen, falls dies notwendig und erwünscht ist.

Mit Geld als Hauptwährung wird Vertrauen blockiert.

Dieser Artikel worde zuerst auf selfknowledgemanagement.org veröffentlicht.

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