Die Autoindustrie wird noch Deutschlands Verderben sein!

… und warum das schon bei den Nazis begonnen hat

Rate mal, was das hier ist? Richtig, eine Zapfsäule!

Als sich um Martin Eberhard, JB Straubel und Marc Tarpenning die ersten Ingenieure zusammenfanden, um mit Tesla das erste amerikanische Startup in der Autoindustrie seit 1925 aus der Taufe zu heben, da haben die Etablierten nicht mal gelacht — dazu hätte man Tesla wahrnehmen müssen. Heute lachen sie auch nicht, sondern reißen sich die Haare aus, warum zum Teufel die Sache ein Erfolg ist.

Autos sind seit man sie in Deutschland zum ersten Mal wirklich zum Laufen brachte ein Symbol für Fortschritt und Erfindungsreichtum. Seit jeher waren es vor allem deutsche Ingenieure, die hier die Meilensteine bestimmten. Made in Germany, das rollte vor allem auf vier Rädern daher. Durchaus berechtigt, denn mit der Zulieferindustrie bildet die Autoindustrie die dominierende Industrie des Landes. Oder mit anderen Worten, werden keine Autos mehr verkauft, ist die Kacke aber so richtig am Dampfen. Kein Wunder also, das jeder Politiker im Land ein kleiner Verkehrsminister ist. Es verwundert wenig, dass mit VW das Flagschiff der deutschen Autoindustrie 1938 von den Nationalsozialisten gegründet wurde. Und seit dem hat sich die enge Vernetzung zwischen Autoindustrie und Politik nie wieder gelöst. Nur wer ist dabei die Spinne und wer die Fliege?

Jahrzehntelang ist diese enge Vernetzung und die damit einhergehende, wenn natürlich auch nie offen ausgesprochene, Bestandsgarantie durch den Staat nie so recht jemanden aufgefallen. Das lag vor allem daran, dass in den Jahrzehnten nach dem 2. Weltkrieg die Autokonzerne noch von ihren Gründern und von Ingenieuren gelenkt wurden. Das waren Macher, es ging voran.

Der deutschen Autoindustrie fehlen die Macher

Doch die Macher sind inzwischen klammheimlich verschwunden und an die Spitze von VW, BMW, Daimler & Co. traten Manager. Innovationen waren nicht länger eine Investition in die Zukunft, sie wurden zum Kostenfaktor. Und was macht man mit Kostenfaktoren? Richtig, man reduziert sie. Nach außen wurde der Qualitätsfaktor als USP gerade so noch hochgehalten, nach innen — na ja, wir alle wissen inzwischen das Software bei manch deutschem Autobauer in erster Linie zur Manipulation von Abgaswerten programmiert wurden. Und wenn sich die Verdächtigungen in Sachen Absprachen auch nur insofern bestätigen sollten, wie es bis jetzt im Gerede ist, ist die Frage wer im Netz die Spinne ist endgültig geklärt. Der deutsche Automanager scheint inzwischen so abgehoben, dass mancher Schauspielkurse nehmen muss, wenn ihm noch einer seine Entschuldigung glauben soll. Gesetze? Ach ja, dass ist doch das, was für die anderen gilt, oder?

Kapitalistisches Gewinnstreben kombiniert mit einer geradezu sozialistischen Staatsgarantie — selbst wenn man Innovationen nicht von selbst eingestellt hätte, ein Klima dafür gab es nicht mehr. Und so sind auch die Versuche in Richtung Elektroauto und autonomes Fahren eher ein Hinterherlaufen. Deutsche Ingenieure erfinden nicht mehr Dinge, sie kopieren bei Tesla & Co. in der bloßen Hoffnung vielleicht durch einen Zufallsfund doch noch einen Schritt voraus zu schaffen.

Andere Staaten sind schon weiter

Der deutsche Staat sorgt weiterhin für ein Klima in dem Innovationen quasi noch immer nicht notwendig sind. Treudoof hat gerade Brigitte Zypries, die ihr politisches Gnadenbrot als Bundeswirtschaftsministerin genießt, versichert ein Ende des Verbrennungsmotors bräuchte man nicht festlegen.

Dabei müsste eigentlich dem letzten Depp in der Bundesrepublik klar sein, dass Erdöl a) endlich ist und wir es für andere Dinge wichtiger brauchen & b) nicht so ganz umweltfreundlich ist. Stattdessen hat Autofahren für Politiker und allzu viele Deutschen noch immer nichts mit Fortbewegung zu tun, sondern ist das Sinnbild für individuelle Freiheit. Ja, der Führer wusste schon, warum er die Deutschen automobilisieren wollte.

“Es wäre ein guter Weg, wenn wir über die Reduzierung der Kfz-Steuer einen Anreiz zum Kauf eines neuen, emissionsarmen Euro-6-Diesel setzen würden”, sagte der CSU-Chef dem SPIEGEL. Quelle: spiegel.de

Unterdessen schreitet ein Land wie Norwegen, nicht unbedingt bekannt für eine dichte Besiedelung, bei den E-Auto weit voran. Während zwar auch in Deutschland immer mehr E-Tankstellen entstehen, aber Vorreiter der neuen Technologie ihre durchaus schon für Langstrecken mehr als geeigneten Fahrzeuge nur auf gut geplanten Touren bewegen können. Aber unter uns, der ein oder andere Tesla fährt auch schon in Städten wie Würzburg, die ja gemeinhin eher als Sinnbild für die Provinz gelten.

Die Zukunft der Autoindustrie: Düster bis Schwarz

Selbst ohne ihren theatralischen Selbstmord durch Abgasmanipulationen und Kartellverstößen, sieht die Zukunft der Automobilindustrie nicht rosig aus. Auch wenn BMW & Co. fleißig an eigener Software arbeiten, der Trend zur Plattform ist auch beim Auto unvermeidlich. Und die Plattformen werden an anderer Stelle geschaffen. Langfristig wird die Autoindustrie zu einem Industriezweig, dem sie bis jetzt im Stile eines Diktators selbst die Bedingungen diktierte, einer Zulieferindustrie. Zudem ist der zitierte bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer auch ein gutes Beispiel für ein Denken, das heute wenig hilfreich ist: Das Denken eines alten Mannes. Für die meisten Deutschen mag das Auto ein Statussymbol sein, ein Symbol für die individuelle Freiheit — aber auch der schönste Werbespot kann den Trend nicht umkehren, es handelt sich vorwiegend um Seehofers, um alte Männer. Da kommt nix mehr nach. Man muss schon raus aufs Land zu fahren, um sie nicht zu sehen, die Car-Sharing-Standorte. Das eigene Auto in der eigenen Garage wird immer mehr zum Auslaufmodel und so mancher Autohändler der noch ein paar Jahrzehnte bis zur Rente hat, sollte sich vielleicht schon mal nach Alternativen umsehen.

Dem Auto an sich kann das übrigens Jacke wie Hose sein. Es wird vielleicht nicht mehr so häufig sein wie heute, aber immer noch ein Sinnbild für den Fortschritt. Nur nicht mehr in seinem Herkunftsland.

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