Die digitale Assistentin: Darf ich mit Cortana flirten?

Cortana, Alexa, Siri — nur Google tanzt aus der Reihe. Warum sind eigentlich die meisten digitalen Assistenten Assistentinnen? Vielleicht weil die meisten Nutzer männlich sind?
 
 Als man bei Microsoft auf der Suche nach einem Namen für seine digitale Assistentin war, wurde man sozusagen im eigenen Haus fündig. Denn bei Halo, einem beliebten Game, gab es sie schon, die digitale Assistentin und ihr Name war Cortana. Seit dem wundere ich mich auch, warum noch kein Shitstorm wütender Feministinnen losgebrochen ist, zeichnet sich jene Cortana doch auch dadurch aus, dass ihre Kleidung eher — eher nicht vorhanden ist.
 
 Vielleicht war man bei Microsoft aber auch einfach auf den Gedanken gekommen, dass die Erstnutzer soziographisch ohnehin den Gamern recht ähnlich sind. Zwar mag es inzwischen in der Szene auch hervorragende weibliche Gamer geben, das Klischee und auch nach wie vor die Mehrheit ist aber eben männlich. Da war man mit Cortana gewissermaßen auf der richtigen Seite. Gut, es gab auch die Möglichkeit auf eine männliche Stimme umzuschalten, aber hat das jemand gemacht? Das würde mich zumindest überraschen.
 
 Und auch wenn Cortanas Stimme zweifellos nicht ganz so sexy ist wie jene von Scarlett Johansson, wer weiß schon, ob nicht der ein oder andere inzwischen glaubt im Film Her zu stecken, in dem die Hauptfigur für seine digitale Assistentin mehr als nur — sagen wir — eine professionelle Zuneigung entwickelt.
 
 In Japan ist man da seit geraumer Zeit natürlich schon einen Schritt weiter. Dort gibt es Azuma Hikari. Sie ist zwanzig, mag gerne Donuts und sieht am liebsten Anime. Und sie will eine Superheldin werden und den Menschen helfen. Einziges Problem, sie ist halt — na ja, sehen wir uns mal an, wer hinter Azuma Hikari steckt:
 
 
 
 Ja, auch meine erste Reaktion hatte was mit Bauchschmerzen zu tun. Aber dann kam mir in den Sinn wie sehr wir auf eine Singlegesellschaft zusteuern, in der immer mehr Menschen mit ihrer Einsamkeit fertig werden müssen. Ich meine, ich muss ja nur auf mich alten Dauersingle gucken. Ich habe vielleicht keine japanischen Arbeitszeiten, aber wenn man wegen dem Job um 7 aus dem Haus geht und um 19:30 Uhr wieder kommt — selbst wenn ich der Typ fürs Nachtleben wäre … Ist jemand wie Azuma Hikari dann nicht zumindest besser als Nichts?
 
 Na ja, die Antwort darauf lautet natürlich “nein”, aber vielleicht ist das auch nur eine Momentaufnahme, die am Anfang einer Entwicklung steht, an deren Ende Cortana oder Siri, die jetzt mit ihrer Entwicklung noch in den Kinderschuhen stecken, tatsächlich über eine künstliche Intelligenz verfügen, die man auch Intelligenz nennen kann? Was ist später, wenn man Cortana nicht mehr nur dazu nutzt ein Programm zu öffnen, nach dem Wetter fragt oder einen der vorgefertigten Späße macht? Was ist, wenn man sich mit seiner digitalen Assistentin wirklich unterhalten kann, und Cortana mühelos etwa den von Alan Turing erdachten Test besteht?
 
 Objektiv betrachtet wird sich dann eigentlich nichts geändert haben, der Umgang mit der Computerstimme allerdings wird uns menschlicher erscheinen. Und ebenso wie wir in unsere Haustiere menschliches Verhalten projizieren, werden wir das auch in unsere digitalen Assistenten tun. Dazu müssen sie dann vielleicht nicht einmal als Hologramm vorhanden sein oder eine “Körperform” annehmen, wenn wir eine VR-Brille aufsetzen. Die pure Kommunikation mit ihnen dürfte völlig ausreichen.
 
 Wenn wir aber nochmal auf die physische Existenz zurückkommen, fällt mir ein zweiter Film ein, Robot & Frank, der ein Jahr vor Her in die Kinos kam. Dort wird einem schon leicht dementen Mann ein Pflegeroboter zur Seite gestellt, mit dem sich der alternde Juwelendieb nicht nur anfreundet, sondern ihn auch zu Diebestouren mitnimmt. Der Film spielt in der nahen Zukunft, die freilich durchaus — zumindest (wo sonst) in Japan — schon teils Realität ist. Und auch in unseren Breitengraden werden wir gerade wenn es um die Pflege im Alter geht um die Hilfe von Robotern langfristig nicht herumkommen.
 
 Spätestens dann können — oder müssen — wir uns Gedanken machen, ob hinter den hilfreichen Assistenten vielleicht doch mehr steckt, als ein Algorithmus der unsere Terminkalender führt. Werden wir diese dann auf eine ähnliche Ebene setzen, wie wir es jetzt mit unseren Haustieren tun? Oder sogar darüber? Im Augenblick ist das noch eine spannende Frage, die aber irgendwann beantwortet werden muss.

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