Falsch, wirr und gefährlich
f_ranft
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Ich möchte zumindest ein paar der Widerlegungen sozusagen widerlegen. Da wäre zunächst der Hinweis auf Weimar. Na ja, die Weimarer Republik war ja nun keine parlamentarische Demokratie wie das heutige Deutschland, sondern eine Präsidialdemokratie. Ähnlich wie Frankreich heute, wo es bittere Routine werden könnte, dass im 2. Wahlgang um das Präsidentenamt Sozialisten oder Bürgerliche jeweils den Kandidaten des anderen wählen müssen, damit der Front National nicht siegt.

Was die weiteren Kandidaten um das Amt des US-Präsidenten angeht, sorry, aber die mögen jetzt ein paar Prozent mehr bekommen — ihre Namen muss man sich jetzt aber echt nicht merken. Da hat ja manch Zählkandidat bei Pseudowahlen in Diktaturen besser Siegchancen.

Was die Brexit-Befürworter angeht, die dann alle weggelaufen sind, zwei Worte: Boris Johnson (Ja, ich war zugegebenermaßen auch überrascht.) Und was die Entzauberung angeht, könnte man zum Beispiel auf Roland Schill verweisen, der nach seiner Regierungsbeteiligung in Hamburg doch ziemlich entzaubert war.

Bevor ich diese Liste jetzt fortführe, vielleicht einigen wir uns des lieben Friedens willens darauf, dass in beiden Texte starke und schwache Argumente vertreten sind. So als Friedensangebot, bevor ich dich im folgenden Teil zur Weißglut bringen werde. (Einfach weil es mir einen Heidenspaß macht.)

Folgenden Absatz kann ich aber nicht unkommentiert lassen:
„Dem entkommt man aber nicht durch einen „zynischen Blickwinkel“, der bei völliger Unkenntnis verzweifelt Überblick simuliert, dabei alle Unterschiede niederwalzt und jedes noch so dumme Politikerklischee bedient. „Macht, Geld und Bitches“ wird auch nicht durch ironische Mem-Bilder lustig. Das ist einfach nur scheisse. Texte im Internet werden auch von Jugendlichen gelesen, die vielleicht irgendwann mal entscheiden, ob sie sich politisch engagieren wollen. Was denken die wohl nach so einem Text?„

Oh, mein Gott, die freie Meinungsäußerung verdirbt uns die Jugend. Tut mir leid, aber ab diesem Zeitpunkt kann ich diesen Text leider nicht weiter ernst nehmen. Oder sollte ich ihn besser ernst nehmen, weil er offenbar eine undemokratische Gesinnung offenbart. Ich zumindest traue der Jugend nach wie vor zu sich selbst ein Bild zu machen, ohne das man ihr durch gefilterte Informationen das Bild quasi vorgeben möchte. Und wenn die Jugend am Ende dann AfD wählt, die Linke oder die Pogo-Partei, ist mir das immer noch lieber, als sie vor Meinungen schützen zu wollen, die man selbst nicht hören möchte. (Oder weil einem Sarkasmus und Ironie einfach zu kompliziert sind und man deshalb glaubt, auch alle anderen wären nicht in der Lage zu erkennen, dass Postillion & Co. keine seriösen Nachrichtenquellen sind.)

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