Dimensionen

Upstream Color (2013)


Dimension Film

Die Dimensionen eines Filmes sind vielfältig. Es existiert die Betrachtung der Handlungsdimension und der handwerklichen Dimension. Desweiteren gibt es für den Zuschauer jene Dimension, die sich mit der Bedeutung des Filmes und den möglichen Subtexten beschäftigt. Schließlich gibt es die Ebene, auf der sich der Zuschauer ein Fazit bildet. Die Frage nach einem „guten“ Film und was dieser zu leisten hat kann stets in diesen Dimensionen beantwortet werden.Mit Hinblick auf die allgemeine Dimension „Film“ sind es verschiedene Aufgaben die ein Film erfüllen kann. In einer simplifizierten Ansicht möchte er den Zuschauer vielleicht an einen anderen Ort transportieren oder die reale Welt um den Zuschauer auf der Leinwand transformieren. Dieser Transport und diese Transformation finden stets nicht nur durch die Visualität des Filmes statt, sondern wenn sie erfolgreich sein möchten vor allem durch die emotionale Verbindung zwischen Zuschauer und Film. Die Filmgeschichte hat das Science Fiction und Fantasy Genre hervor gebracht, welches sich der völligen Transformation widmet. „Upstream Color“ (2013) ist der zweite Film von Shane Carruth und in mancher Hinsicht lässt er sich auch in das Science Fiction Genre einordnen. In anderer Hinsicht scheint er aus jeglichem Genre zu fallen. Als Film jedoch ist „Upstream Color“ ein Werk, dass seine eigenen Ebenen entwickelt und aus diesem Grund lohnt sich diesbezogen ein Blick auf die oben gennanten Dimensionen.

Dimension Handlung

Das Besondere an der Handlung von „Upstream Color“ ist, dass sie nicht zu beschreiben ist. Shane Carruth hat hier einen Film geschaffen über den man inhaltlich nur reden kann, wenn er auch geschaut wurde. Entweder kann zu viel verraten werden oder keine Einordnung der Handlung vorgenommen werden. Der Versuch einen gesunden Mittelweg zu gehen sieht folgendermaßen aus: Die Basishandlung des Filmes besteht darin, dass verschiedene Menschen auf mysteriöse Art zusammengebracht werden. Die Komplexität der Handlung ist damit angedeutet und es ist diese Komplexität die Carruth dem Zuschauer durch seine Narration präsentiert. Dabei reizt er die filmische Sprache in jegliche Richtungen aus, aber erlaubt es dem Zuschauer sich einzufinden und geradlinig zu folgen. „Upstream Color“ ist einer dieser Filme, die inhaltlich auf den ersten Blick sehr herausfordernd sind, aber bei genauer Aufmerksamkeit, ohne an Tiefe zu verlieren, unheimlich zufriedenstellend werden können.

Dimension Handwerk

„Upstream Color“, das ist Filmemachen als handwerkliche Ausdrucksform. Carruth ist dabei das alles beherrschende Multitalent. Neben seinen Aufgaben als Schauspieler führt er Regie, schrieb das Drehbuch, komponiert die Musik, schneidet den Film und ist als einer der Kameramänner tätig. In all diesen Funktionen leistet er bestechende Arbeit. Die Bilder, die er für die Handlung findet sind aus einem Guss und entwerfen eine markante Atmosphäre. Gemeinsam mit der Musik entwickeln sie große Momente, die die Emotionen der Charaktere verstärken und dem Zuschauer den ein oder anderen Schauer über den Rücken laufen lassen. Einmal mehr ist die Schauspielkunst des Independentkinos hervorzuheben. Carruth selbst und seine erstklassige Hauptdarstellerin Amy Seimetz finden sich im Laufe der Erzählung an schwierig charakterlichen Orten wieder, aber sie begegnen diesen Orten mit Ehrlichkeit und Kraft. All dies und weitere unbemerkte Melodien des Filmes geben ihm die hypnotische Wirkung, die eine Geschichte dieses umfassenden Ausmaßes verdient.

Dimension Bedeutung

Die Bedeutung von „Upstream Color“ ist nicht eindeutig und die Bedeutung, die einem solch vielschichtigen Film entnommen wird ist stets subjektiv. Aus diesem Grund verzichtet diese Filmbesprechung bewusst eine mögliche Interpretation des Filmes zu geben. Mit einem gewissen Maß an Aufmerksamkeit finden Zuschauer in diesem Film grundverschiedene, persönliche Gedanken. Shane Carruths zweiter Film ist keine leere Hülle, denn die großen Themen die er anspricht, sei es Liebe, Zuneigung, Tod oder das große Ganze in dem sich die Charaktere befinden, sind reich gefüllt. Die Komplexität der Handlung erklärt sich so durch die Komplexität der möglichen Interpretation. Zu keiner Zeit verkommt sie zu einem vordergründigen Effekt, welcher ein nicht vorhandene Herz verschleiern soll.

Dimension Fazit

Die Möglichkeiten von „Upstream Color“ auf den Zuschauer zu wirken sind unbegrenzt und jede Sichtung kann neue Erkenntnisse bringen. Dabei ist es nicht der Film, der sich weiterentwickelt, sondern der Zuschauer. Carruths Werk ist zwar in seiner Form endültig fertig gestellt, aber dieses äußere Merkmal trifft nicht auf seinen Inhalt zu. Dieser Inhalt ist ein niemals endgültiger, atmender Organismus. Hier wurde ein großer, komplexer Film gemacht, der technisch und narrative brilliert und den Zuschauer durch seine Handlung fordert, aber auch belohnt. Die Bedeutung ist nicht festgesetzt. Nicht im Film, da auch nicht im Leben, denn das Leben entwickelt sich stetig weiter.

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