Eine Woche Folkmusik

Inside Llewyn Davis (2013)


„Inside Llewyn Davis“ (2013) ist der neueste Film der Coen Brüder und es ist ein Guter und vielleicht auch einer ihrer Besten. Am Ende eines seiner Auftritte sagt der titelgebende Hauptcharakter Llewyn Davis so etwas wie: „If it’s never new and it doesn’t get old, it’s a folk song.“ Zumindest die zweite Hälfte dieser Aussage passt auch auf die Filme von Joel und Ethan Coen und besonders auf ihr neuestes Werk. Man kann sich gut vorstellen, wie dieser Film sich im großen Coen Universum niemals alt anfühlen wird. Bekannt für ihre stets besondere und ausgefallene Musikauswahl ist „Inside Llewyn Davis“ eine Ode an die Folkmusik der 1960er.

In seinen 105 Minuten Lauflänge erzählt uns dieses Werk die Geschichte von Llewyn Davis (Oscar Isaac). Dieser erlebt in der erzählten Zeit von ungefähr einer Woche verschiedenste Abenteuer, während er mehr schlecht als recht durch die Folkmusikszene in Greenwich Village navigiert. Richtiger Erfolg hat sich in seiner jungen Karriere noch nicht eingestellt und aus diesem Grund befindet sich unser Held stets in finanziellen Problem, die sich auch negativ auf seine Wohnsituation auswirken. Auf der Suche nach dem Sinn seiner Karriere und Schlafplätzen finden sich sowohl komische, als auch absurde oder ernste Charaktere in seinem Weg wieder. Viel mehr sollte an dieser Stelle zum Inhalt des Filmes nicht verraten werden, denn es sind diese frischen Begegnungen, die dem müden Llewyn Farbe einhauchen. Der leicht verschobene Handlungsablauf animiert dabei schon während des Abspanns eine weitere Sichtung des Filmes.

„Inside Llewyn Davis“ besitzt zahllose Elemente die es lobend zu erwähnen gilt. Im Nachhinein nicht unerwartet, aber während des Sehens ein wenig überraschend, sind die durchweg komödiantischen Elemente des Films. Hier sind die Coen Brüder ganz in ihrem Element und erschaffen durch ihre Dialoge und Charaktere einen Lacher nach dem Anderen. Man kann es sich gut vorstellen, wie die Brüder am Set kichern, wenn Llewyn von Jean (Carey Mulligan) verbal übertrumpft wird. Ein Highlight des Filmes ist die Szene einer Aufnahme eines fantastisch, wie urkomischen Songs. Hier wird Komödiengold geschaffen. Weiterhin beweisen die Coens einmal mehr ihr Auge für die besonderen Charaktere. Gemeinsam mit Llewyn begegnen wir eckigen, außergewöhnlichen Charaktere, denen man in irgendeiner Ecke dieser Welt sicher auf die ein oder andere Art begegnen kann. Eine weitere Stärke ist in dieser Hinsicht auch die Besetzung, die abgesehen von oben genannten besonders mit einer extravaganten Vorstellung von John Goodman punkten kann. Einmal mehr ist es typisch für die Gebrüder Coen, dass sie uns gerade so viel von den Nebencharakteren erzählen, dass der Zuschauer am Ende des Filmes gerne weiter über sie nachdenkt.

Schließlich ist es der emotionale Kern der Geschichte, der den Zuschauer für den gebeutelten Llewyn fühlen lässt. Das Thema der Versöhnung wird auf melancholische Weise betrachtet und ist die allgegenwärtige Idee. Es ist die Versöhnung mit Menschen, mit seiner Musik und in letzter Konsequenz vor allem mit sich selbst, die Llewyn herbeisehnt, auch wenn er dies unter Umständen nicht weiß. So ist er blank vor Staunen, als er seinem offenbar dementen Vater ein Lied vorspielt und dieser sich währenddessen in die Hose macht. Im Englischen gibt es den passenden Ausdruck: I don’t give a shit (Das interessiert mich einen Scheiß). In der Interpretation der Szene kann dies bedeuten, dass die Versöhnung mit dem Vater geglückt ist. Dieser tiefsinnig skurrile Level an Humor ist es der die Filme der Coen Brüder im Allgemeinen auszeichnet und „Inside Llewyn Davis“ im Besonderen.

Alles in allem findet der Zuschauer in den engen Gängen der Appartments und den ausschweifenden Dialogen der einzigartigen Charaktere von „Inside Llewyn Davis“ einen ruhigen Film zweier Brüder, die genau wissen was sie tun und es verdammt gut tun.

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