Erwachsen werden

Ganz weit hinten (2013)


Der Versuch die Inhalte des Kinos auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen ist nicht schwierig und die Antwort darauf offenbar und einfach. Das Kino in seinen Facetten und Geschichten möchte stets ein Abbild des echten Lebens sein oder Aspekte des Lebens verwandelt darstellen. Durch die Visualität des Mediums vermag es auf seine ganz spezielle Weise wahrhaftige Geschichten zu erzählen, die lebensnahe Emotionen ausdrücken. Die Filme, die Jahr für Jahr produziert werden begleiten so nicht nur ihre jeweilige Zeitgeschichte, sondern auch die Geschichte der Zuschauer. Ganz thematisch gesehen gibt es in dieser Hinsicht Filme über jedes Stadium des menschlichen Lebens. Von der Geburt, über das Heranwachsen, das Berufsleben und schließlich auch das alt werden und sterben. „The Way Way Back“ (Regie: Nat Faxon & Jim Rash, 2013), der den an Kinokassen verwirrenden deutschen Titel „Ganz weit hinten“ bekommen hat, gehört zu jenen Filmen die sich mit dem Erwachsen werden beschäftigen.

Ganz weit hinten beginnt auch die Handlung des Filmes während die Kamera den schüchternen, vierzehnjährigen Duncan (Liam James) beobachtet, der auf der hintersten Rückbank eines Autos Platz genommen hat. Das Auto wird in diesem Falle von Trent (Steve Carell), dem neuen Freund seiner Mutter (Toni Collette), gelenkt. Zusammen mit Trents Tochter fahren sie in den Sommerurlaub in ein Ferienhaus. Kurz nachdem sie dort angekommen sind wird klar, dass Duncan Probleme hat sich in die Aktivitäten der Anderen einzufügen. Während die Erwachsenen mit Freunden all abendlich (und manchmal auch morgens) dem Alkohol und „gutem“ Leben frönen, beginnt Duncan Ausflüge mit dem Fahrrad zu machen. Diese Touren bringen ihn schließlich zu dem Water Wizz Wasserpark, wo er den Bademeister und Manager des Parks Owen (Sam Rockwell) kennen lernt. Mit dieser Begegnung verändern sich sowohl Duncan, als auch seine Umgebung.

„Ganz weit hinten“, stammt aus der Schreibfeder des Duos Nat Faxon und Jim Rash, die schon mit „The Descendants“ (Regie: Alexander Payne, 2011) ihr Auge für lebensnahe Geschichten bewiesen haben. Ihr neuestes Werk führt diese Art des Erzählens konsequent fort und weiß durch seine bodenständige Qualität zu überzeugen. Auch wenn die Geschichte an sich keine radikale Innovation ist, ist es ein filmischer Glücksfall, dass die Darstellung des echten Lebens so gekonnt gelungen ist. Die Handlung entfaltet sich hierbei gelassen und gibt den durchweg erstklassigen Schauspielern genügend Raum ihre Charaktere realistisch zu interpretieren. Aus dem Ensemble ist an dieser Stelle besonders die wunderbare Chemie zwischen dem jungen Liam James und dem stets fesselnden Sam Rockwell hervor zu heben. „Ganz weit hinten“ weiß sehr genau, dass das Leben sowohl Tragik als auch Humor mit sich bringt. Diese beiden Gegensätze sind sehr fein ausbalanciert, sodass sie nicht mehr als Gegensätze präsentiert werden, sondern als zwei Facetten des Lebens. Der Film weiß auch, dass Menschen nicht eindimensional sind und er nimmt die Entscheidungen, die diese Menschen treffen oder noch zu treffen haben ernst. Bezeichnet als Komödie und Drama weiß dieser Film ebenfalls, dass Entwicklungen Zeit brauchen. In der Realität verändern sich die Dinge schließlich auch nicht von jetzt auf gleich. Im Kino entsteht nur eine emotionale Verbindung zwischen Zuschauer und Film, wenn der Film die Gefühle des Zuschauers real werden lässt. Dieses Kunststück, welches immer auch eine Gratwanderung ist, gelingt „Ganz weit hinten“.

Würde man von der Inhaltsbeschreibung schließen, dass dies ein Film sei der vor allem die Altersklasse des Hauptcharakters anspricht, so läge man mit dieser Annahme sehr falsch. Vielmehr verlässt der Zuschauer das Kino mit der Erkenntnis, dass das Erwachsen werden nicht allein Aufgabe der jüngeren Menschen ist. Duncans Geschichte handelt von den großen Dingen des Lebens, Freundschaft, Liebe und der eigenen Identität. Seine Geschichte ist eine sehr persönliche und dies gilt ebenfalls für die Geschichten, die sich um ihn herum abspielen. Die Welt des Filmes ist eine Welt in die sich der Zuschauer leicht versetzen kann, denn er kennt sie. Es ist die Eigene, die eines jeden Lebens und „Ganz weit hinten“ ist daher im Kino ganz vorne mit dabei.

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