Welches ist die beste Methode, Bücher im Regal zu ordnen?

Fragen, die die Welt bewegen oder auch: von Büchern und Borden

Mich beschäftigt diese Frage seitdem ich vor gut dreißig Jahren mein erstes Billy-Regal kaufte. Vorher hatte ich einfach noch nicht so viele Bücher, dass dieses Problem überhaupt relevant wurde. Das Regal habe ich übrigens heute noch, es ist eines von den soliden mit so viel FCKW drin, dass Spuren davon sich noch heute in unserer Raumluft nachweisen lassen dürften. Im Laufe der Jahre wurden es immer mehr Regale, erst seit drei Jahren stagniert die Zahl der Bücher, weil ich mittlerweile in der Lage bin, mich von denen zu trennen, die ich nicht mehr mag.

_Exkurs: 2 x lesen…
Außerdem komme ich jetzt in das Alter des zweimal-Lesens, das heißt ich nehme mir Bücher vor, und lese sie wieder. Früher undenkbar für mich. Das ist ein interessanter Prozess, denn ich verändere mich beständig und damit ändert sich auch mein Verhältnis zum Gelesenen. (Seit ich allerdings Jasper Ffordes LitAg Thursday Next (sic) kenne, weiß ich, dass sich auch Bücher verändern (können). Aber das ist eine andere Geschichte).

Angefangen habe ich mein zum-zweiten-Mal-Lesen übrigens zaghaft mit ein paar Karl-May-Romanen in der historisch-kritischen Ausgabe. Das Ergebnis war eher enttäuschend. Die Erfahrung mit Kästners „fliegenden Klassenzimmer“ hingegen war erfrischend, dieses Buch bleibt ewig jung. Auch die Buddenbrooks lohnten sich ein zweites Mal gelesen zu werden. Arno Schmidt war sogar eine späte Erleuchtung. Über die weiteren Ergebnisse werde ich beizeiten berichten.

_nach dem Alfabet…
Zurück zum Bücherbord. Natürlich liegt es nahe, die Bücher einfach nach dem Alfabet zu ordnen. Ich habe das auch schon getan und praktiziere es die letzten Jahre in einer spezifizierten Form wieder. Das Problem ist, dass die Lieblingsbücher dann immer in den untersten Reihen stehen und man sich die Knie schubbert. Im Zentrum, auf Augenhöhe (!) des Betrachters steht dann garantiert etwas, das Halbgebildete zu kurzgeistigen Äußerungen bringt: Nietzsches „Wille zur Macht“ („bist du Faschist?“), Bukowskis Gedichte, die einer schrieb, bevor er aus dem 38. Stock sprang („so etwas frauenfeindliches liest du?“) oder Dieter Roths „Typische Scheiße“ („soll ich dir einen guten Psychiater empfehlen?“). Ich balle dann immer die Faust in der Tasche und beruhige mich mit der Tatsache, dass es nicht unbedingt das Buch sein muss das hohl klingt, wenn es mit einem Kopf zusammen stößt. Und dann gibt es natürlich noch Hans Erich Nossack, der gegen die alfabetische Ordnung wetterte, weil Bücher eben keine Briefmarken oder Schmetterlinge seien, sondern „höchst lebendige Individuen, die nie aufhören, Rücksicht und Teilnahme zu verlangen.“ 
Oder so.

_ nach Farben, Größe, Themen, Ehrfurchtsfaktor…
Jedenfalls habe ich es auch schon mit Sortierung nach Farben versucht. Das war allerdings totaler Blödsinn. Die Sortierung nach Größen hätte Analcharakteren gefallen, mir war das zu ordentlich und außerdem auch der falsche Parameter.

Mein ältester Freund Michael hatte seine Bücher nach „Themen“ geordnet. Beim Thema „Anarchie“ stand dann Bakunin neben Nietzsche, dem Mescalero und der Anleitung zum Bomben bauen. Ich glaube das ist das genialste Ordnungsprinzip, aber es versteht eben nur derjenige, der es angelegt hat. Ich bin mir nicht sicher, ob Michael das Prinzip immer noch innehat. Bei unserem letzten Besuch versäumte ich zu fragen. Ich glaube übrigens auch nicht, dass er die Anarchistenecke noch betreibt, schließlich ist er mittlerweile im diplomatischen Dienst. 
Ein anderer Freund packt seine Lieblinge in die unteren Etagen, damit er sich quasi ehrfurchtsvoll vor ihnen hinknien muss, will man eine Sentenz nachschlagen. Die Sachbücher kommen nach oben, denn „der Weg zum Wissen muss ein beschwerlicher sein.“ 
Naja, geht so.

_nach korrespondierenden Helden oder einfach in die Sonne…
Eine andere Bekannte stellt die Bücher, die in ihrer Gunst gefallen sind in die Sonne oder an die Heizung, damit die Rücken bis zur Unkenntlichkeit ausbleichen oder der Bindeleim austrocknet. Ich verstehe den Hintergrund, denn schlechte Bücher können uns Lebenszeit rauben. Solche Rache muss ich aber an Büchern nicht nehmen, ich gebe sie dann einfach weiter. 
Von einem spannenden Ordnungsprinzip las ich erst kürzlich. Romane werden nebeneinander gestellt, deren Helden sich gut verstehen könnten, falls sie sich kennten. Dann stände also Prousts Swann neben den Buddenbrooks, Philip Marlowe neben Mario Conde und der Gatsby neben Jane Eyres‘ Rochester? — Und wohin dann mit den vielen zickigen weiblichen Romanheldinnen?

_Bücher auf dem Nachttisch!
Einen konkreten Vorschlag habe ich übrigens noch für Bücher auf dem Nachtschrank. Ich glaube er war von Julian Barnes: „nur Bücher, die sich gut auf dem Nachttisch machen, falls man plötzlich und unerwartet verstirbt.“

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Wir haben uns von vielen Büchern getrennt. Das war schwer.