Rasseportrait: Shiba Inu

Von Tierärztin und Gastautorin Patricia Vehrs

mutig – treu – selbstbewusst – klug

GESCHICHTE

Der Shiba ist eine uralte japanische Rasse und zählt – ebenso wie Hokkaido, Kishu, Shikoku, Kai und Akita – zu den Spitzen. Molekulargenetischen Untersuchungen der National Geographics zufolge ist der Shiba der genetisch am nächsten mit dem Wolf verwandte Hund und damit eine der ursprünglichsten Hunderassen dieser Welt.

Zur Herkunft des Namens Shiba gehen auch in seiner Heimat Japan die Meinungen auseinander.

Die Haupttheorie besagt, dass er den Namen seiner gängigsten Fellfarbe (Rot) verdankt. Diese erinnert an die Farbe des herbstlich goldenen Reislaubes (Shiba), durch dessen Dickicht sich der flinke Jäger geschickt und mühelos bewegt.

Im alten Dialekt der Provinz Nagano bedeutete das Wort shiba „klein“ und könnte daher auf das Erscheinungsbild der Rasse hinweisen. Der Shiba ist mit einer Größe von knapp 40 cm der kleinste der sechs japanischen Spitze.

Auch gibt es die Meinung, dass der Name Shiba von „shiba mura“ – einem Dorf der Region Shinsho in Nordjapan – kommt.

Außerhalb Japans ist der Shiba eine recht seltene Rasse. Erst Anfang der 80er Jahre wurde der erste Vertreter seiner Rasse in Deutschland registriert und erfreut sich zunehmender Beliebtheit.

Der Shiba zählt zu den ältesten Hunderassen überhaupt. Archäologische Funde gehen bereits auf die frühe Jomon-Ärä (10.000 bis. 300 vor Christus) zurück, wo der Shiba – anders als die Hunde Europas – nicht nur als Jagdhund gehalten wurde, sondern ein Familienmitglied war, welches in der Familiengruft bestattet wurde und sich sogar mit seinem Herrn die Grabstätte teilte. Mit dem Übergang der Kultur zur Agrarwirtschaft entwickelte sich die Rasse im Zeitverlauf immer weiter zum Familienhund.

Als man Mitte des 19. Jahrhunderts zunehmend englische Rassen für die sportliche Jagd nach Japan importierte, wurde der Shiba durch diese stark zurückgedrängt und mit Ausbruch des Ersten Weltkrieges durch die herrschende Not der Menschen und die um sich greifende Hundestaupe an den Rande der Ausrottung getrieben.

1928 war der reinrassige Shiba eine wahre Rarität und konnte nur durch gezielte Zuchtmaßnahmen und die Etablierung eines verbindlichen Rassestandards gerettet werden.

1937 erklärte man die Rasse – ebenso wie den Akita – zum Naturdenkmal, und unterstellte diese Rassen somit einem besonderen Schutz. Dass die Japanischen Rassehunde in ihrer Heimat mehr sind als nur Hunde, spiegelt sich auch im öffentlichen Leben und in alten Traditionen wieder.

In der heutigen Zeit wird der Shiba nur noch sehr selten jagdlich geführt, sondern ist eher als Begleit- und Familienhund zu finden. Sein Jagdtrieb ist aber dennoch mehr oder weniger stark ausgeprägt. Die Erziehung des geschickten, selbstständigen Jägers erfordert viel Geduld, Konsequenz und Verständnis für die Rasse.

AUSSEHEN

Das ideale Erscheinungsbild des Shiba Inu ist in dem von seinem Heimatland Japan formulierten Rassestandard (Nippo-Standard) festgehalten.

Der FCI-Standard orientiert sich weitestgehend am Nippo-Standard und weicht nur in einigen wenigen Punkten geringfügig ab. Der Shiba ist ein wohlproportionierter kleiner Hund, athletisch und besitzt einen guten Knochenbau.

Das Verhältnis von Widerristhöhe zur Körperlänge beträgt im Idealfall 10:11. Die Rüden sind mit 39,5 cm etwas größer als die Hündinnen mit 36,5 cm. Eine Abweichung von 1,5 cm wird jedoch toleriert.

Der Kopf ist breit mit deutlichem Stopp, die Ohren (Stehohren) verhältnismäßig klein, dreieckig und leicht nach vorne geneigt. Auch die Augen sind eher klein und dreieckig und sollten von dunkler Farbe sein. Die äußeren Augenwinkel sind leicht angehoben.

Der mäßig dicke, sich allmählich verjüngende Fang und die kräftigen Backen runden das Gesamtbild ab.

Der Hals ist dick und bildet einen harmonischen Übergang zu dem geraden und kräftigen Rücken. Die Lenden sind breit und muskulös, die Brust tief bei mäßig gewölbten Rippen, der Bauch gut aufgezogen.

Die Rute sollte hoch angesetzt, dick und im Idealfall gut eingerollt sein oder in sichelförmiger Haltung getragen werden. Das Deckhaar des Shiba Inu ist hart und gerade mit reichlich dichter, weicher Unterwolle.

Die häufigste Fellfarbe ist Rot, weiterhin im Standard zugelassen sind Schwarzloh, Sesam, Rot-Sesam und Schwarz-Sesam. Wie beim Akita kommen auch beim Shiba die Farben Weiß und Creme vor, sind. allerdings im Standard nicht zugelassen. Als Pinto bezeichnet man ein Scheckenmuster, welches sehr selten vorkommt und als Fehler bewertet wird.

Alle aufgeführten Farben müssen das sogenannte „Urajiro“ aufweisen. „Ura“ bedeutet Rückseite, „jiro“ ist weiß. Das Urajiro wird im Standard als „weißliches Haar seitlich am Fang und an den Backen, unter dem Fang, an der Kehle, an der Brust und am Bauch, an der Unterseite der Rute und an der Innenseite der Gliedmaßen“ definiert. Der Übergang des Urajiro sollte fließend sein.

Bei Welpen sind die Stellen, wo das Urajiro erscheint, zunächst dunkel und werden erst mit der Zeit heller. Zum Teil dauert dies bis zu 18 Monate.

Mit zunehmendem Alter können die Farben verblassen – insbesondere das Gesicht wird immer heller.

WESEN

In Japan wird der Charakter des Shiba Inu mit drei Worten beschrieben: Kan-i, Ryousei und Soboku.

Kan-i

Kan-i steht für Mut, Kühnheit, Aufmerksamkeit und einen starken, ruhigen und ausgeglichenen Geist. Diese Eigenschaften beschreiben den Shiba wohl am treffendsten. Der Shiba ist ein psychisch starker Hund. Mutig, doch niemals aggressiv und rücksichtslos.

Ryousei

Ryousei bedeutet gutmütig, sanft und freundlich, umfasst aber auch Eigenschaften wie Loyalität, Treue und Gehorsam. Der Shiba Inu ist in Japan ebenso wie der Akita bekannt für seine Treue und Loyalität.

Einst waren sie die Begleiter der Samurai und es finden sich noch zahlreiche Fotos und Statuen, die die japanischen Krieger mit ihren treuen Begleitern zeigen.

Gehorsam ist in diesem Zusammenhang eher als Ausdruck jagdlicher Eignung zu verstehen und nicht als bedingungslose Folgsamkeit oder der viel zitierte „will to please“.

Der Shiba ist intelligent, selbstständig und zu eigenen Entscheidungen fähig, niemals unterwürfig.

Soboku

Soboku steht für natürliche Schönheit und schlichte Eleganz ohne Übertreibung. Weniger ist mehr.

Dieses Verständnis für Kunst und Ästhetik spiegelt sich in vielen Bereichen japanischer Kultur wieder. Bekannte Beispiele hierfür sind der Zen-Garten oder Suiseki – die Kunst, Steine und Wasser miteinander zu kombinieren und zu präsentieren.

Die Begriffe Kan-i, Ryousei und Soboku bilden zusammen eine Einheit und beschreiben den Shiba in seiner Gänze. Im Gegensatz zu unserem Verständnis bilden Körper und Geist eine untrennbar miteinander verbundene Einheit und können nur als solche betrachtet werden.

Quellen:

Copyright Bilder und Text: Patricia Vehrs

)
Dr. Ann-Kathrin Fritsche

Written by

Tierärztin. Spezialgebiet: Tierverhaltenstherapie. Schreibt 🖌über Tierverhalten, Hund-Kind-Interaktion, Tiermedizin. Berlin. Mehr: https://tierverhalten.berlin

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