Schönheit um jeden Preis?

Von Dr. Ann-Kathrin Fritsche

Viele der derzeit beliebten Hunderassen wie Mops und Französische Bulldogge haben vererbte Fehlstellungen, Schmerzen und ein lebenslanges Leiden.

Hunderassen wie Bulldoggen, Französische Bulldogge oder Mastiff werden auf immer größere Köpfe gezüchtet so dass die Hündinnen ihre Welpen nicht auf natürlichem Weg bekommen können. Die Welpen würden im Geburtskanal stecken bleiben und damit ihr Leben und das Leben der Hündin gefährden. Kaiserschnitte sind bei Bulldoggen in 86% der Geburten notwendig, bei Französischen Bulldoggen in 81% und bei Mastiffs in 65% (www.rspca.org.uk/doghealth).

Ein anderes Problem haben Hunderassen mit faltiger Haut. Bei Rassen wie dem Shar pei oder dem Neapolitan Mastiff sind die losen Hautlappen und -falten so massiv, dass schmerzhafte Entzündungen entstehen. Es siedeln sich dort Bakterien und Pilze an. Durch die Reibung der Hautlappen verschlimmert sich das Problem noch. Eine Abhilfe schafft in schlimmen Fällen nur eine chirurgische Entfernung von der überschüssigen Haut. Mir stellt sich da die Frage: Warum werden Hunde gezüchtet, die um gesund zu sein eine Schönheitsoperation benötigen?

Das Brachycephale Atemnot Syndrom (BAS) beschreibt eine Kombination aus verengter Nasenöffnung, Nasenhöhlen und einem zu langem und dicken Gaumensegel. Bei Hunden wie z.B. der Französischen Bulldoggen und Mops muss daher manchmal neben der operativen Erweiterung der Nasenflügel auch das Gaumensegel gekürzt werden.

Leider geht die Liste noch weiter. Bis zu 10–15% der Cavalier King Spaniel entwickeln Symptome wie nicht lokalisierbaren Schmerz, plötzliches Aufschreien, unvermitteltes Kratzen, einer Syringomyelie (SM, Flüssigkeitsansammlung im Halsrückenmark). Die vermutete erbliche Ursache einer Verlängerung des Kleinhirns (CM) wurde allerdings bei 90% der Cavaliere gefunden. Trotz Chiara-ähnlicher Malformation (CM, halswärts verlängerter Kleinhirnwurm) bilden 75–80% der Cavaliere (www.ccd-cavaliere.de) keine Syringomyelie aus. Dies benötigt weitere Forschung um die Ursachen zu verstehen.

Hunde (Chinesischer oder mexikanischer Nackthund) wie auch Katzen (Sphynx) mit keinem Fell haben oft ein schwächeres Immunsystem und leiden verstärkt bei Wärme oder direkter Sonneneinstrahlung. Auch das Auftreten von Hitzschlägen oder Hauttumoren sind im Vergleich mit ihren felligen Vierbeinern wahrscheinlicher.

Pekinesen und Möpse werden mit extrem platten und kurzen Gesichtern gezüchtet. Doch nicht nur Hunde sind betroffen. Bei Katzen werden Perser und Britisch-Kurzhaar-Katzen mit immer platteren Nasen und größeren Augen gezüchtet. Dies entspricht dem gewünschten Kindchen-Schema. Für die Tiere bedeutet es Atemprobleme, Schwierigkeiten beim Fressen, Zahnfehlstellungen und durch die großen Augen ein hohes Risiko für Augenentzündungen und der Entwicklung von Hornhautulzera. Die Qualen wurden lange ignoriert und langsam wird umgedacht.

Im März diesen Jahres hat die Bundestierärztekammer (BTK) zusammen mit anderen Verbänden zu einem Treffen geladen um die Qualzuchten zu thematisieren. Die Arbeitsgruppe Qualzucht der BTK stellte sich und ein Hauptanliegen vor: Tiere mit Qualzuchtmerkmalen nicht als Werbeträger in die Öffentlichkeit zu bringen. Dies würde die Käuferanfragen erhöhen und die Gesundheitsprobleme von Mops und Co herunterspielen. Vielen Partner aus der Wirtschaftswelt wurde das Anliegen schon erfolgreich vorgestellt und Werbungen zurückgezogen.

Abschießend lässt sich sagen, die Gesundheit und nicht die Optik im Mittelpunkt sowohl privater als auch Verbandszuchten stehen sollte.

Ein Verbot der o.g. Rassen steht im Gegensatz zur Rückzucht zu normalen Merkmalen. Ein zurück züchten dauert länger, aber die Rasse würde weiter existieren. Beim Mops wurde mit dem Retro-Mops (Beagle x Mops) bereits ein erfolgsversprechender Versuch gestartet.

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