Till Jungmann
Sep 5, 2018 · 4 min read

Specialized Kenevo Turbo

Lange hatte ich schon die Idee im Kopf ein E-Bike Rennen zu fahren. Einfach mal schauen wie es so ist. Kann ja nicht so hart werden, hat ja einen Motor dachte ich mir.

Weit gefehlt würde ich jetzt sagen.

Aber wie es mir letztendlich mit dem E-Bike erging, kommt jetzt.

Die erste Frage war natürlich, woher bekomme ich ein E-Bike?

Also versuchte ich mein Glück bei dem örtlichen Specialized Händler
der Biwak BikeVilla. Nach einer kurzen Schilderung meines Vorhabens hatte ich auch schon die Zusage. Es wird ein Specialized Turbo Kenevo mit einem Brose Aggregat.

Ich, als alter E-Bike Spezialist, wusste natürlich mit den Werten von 504 Wh etwas anzufangen. NICHT!

Naja, gut dachte ich mir, 180 mm vorne und hinten, das wird schon passen.

Also Ladekabel geschnappt und ab ging die Reise.

Spätestens 20 Meter weiter wurde es dann schon schwierig.

In meinem kleinen Peugeot 208 solch ein „Mopped“ einzuladen ist wirklich eine Aufgabe.

Ein paar Minuten später stand ich dann vor dem Endgegner. Einer engen Treppe die ich bis in den 2. Stock erklimmen musste. Natürlich eng und zugestellt so wie es sein sollte wenn man ein E-Bike dort hoch hieven möchte.

Oben angekommen ging es dann schnell ans Umbauen.

Montiert wurden:

- Dickere Griffe

- Klick Pedale

- Mushguard

- Ersatzschlauch

- Pumpe

Und dann konnte es endlich los gehen.
Mein erstes mal auf dem E-Bike. Die Erwartungen waren den Erzählungen und Berichten entsprechend hoch. Kurz durch die Altstadt und ab auf den Radweg Richtung Balduinstein.

Auf dem Radweg entschied ich mich vorsichtshalber lieber nur in der untersten Stufe zu fahren. Nicht das ich nachher in die Röhre gucke dachte ich mir, sieht ja dann so aus als hätte ich keinen Plan :D

JA GUT, ich hatte tatsächlich keinen wirklichen Plan was jetzt passieren würde aber egal, zurück auf den Radweg. Nach gefühlt 5 Minuten war ich dann auch schon in Balduinstein. Keinen Tropfen geschwitzt, angenehm pedaliert und auf Instagram schon die ersten Erfahrungen geteilt J

Dann ging es mit meinem Buddy Joshua an den ersten Anstieg. Er BIO Biker und ich als E-Biker unterwegs, da waren die Stärken deutlich zu erkennen.
Ich konnte immer noch absolut entspannt pedalieren. Niedrigste Unterstützungsstufe und den Sattel hoch und ab geht die Fahrt!
Nach einigen Minuten wechselte sich dann mein Einsatzbereich und ich fand mich in der Rolle eines Abschleppunternehmens wieder. Aber erstaunlicherweise absolut kein Thema für das Kenevo. Ich erhöhte die Unterstützung um zwei Klicks und flog dann mit Joshua am Arm die steile Straße hoch.

Und das Allerbeste! Selbst bei solchen Aktionen blieb mein Puls in der perfekten Frequenz zwischen 125 und 145. Oben angekommen ging es dann direkt in die erste Abfahrt. Erst mal locker rollen war der Plan, bevor dann all In gegangen wird.

Also früh bremsen und nichts riskieren.
Nach 2 Kurven war dieser Plan dann auch schon vergessen und es war ein regelrechtes Feuerwerk auf dem Trail.

Das Kenevo gibt dem Fahrer ein wahnsinnig sattes und sicheres Fahrgefühl. Man hat den Eindruck, Herr der Lage zu sein und nie aus seiner Komfortzone zu geraten.

Selbst rutschige Kurven oder ein plötzliches Ausbrechen lässt sich super easy und überschaubar wieder einfangen. Echt der Wahnsinn mit diesem Bock um Kurven zu driften!

Der positivste Punkt für mich ist jedoch die Trainings Effizienz.

Mit einem E-Bike spart man natürlich viel Kraft in Anstiegen und erklimmt diese auch schneller, keine Frage.

Aber man schafft dadurch auch dass doppelte an Abfahrten.

Heißt doppelter Spaß, doppeltes Abfahrtstraining und doppelte Technik.

Für mich definitiv ein Kompromiss !

Am nächsten Tag ging es dann für mich an den Schläferskopf in Wiesbaden.

Ich hatte den Plan soviel Zeit auf dem E-Bike zu verbringen wie möglich um mich so gut es geht auf die Deutsche Meisterschaft vorzubereiten. Und das natürlich auf möglichst unterschiedlichen Terrains.

Am Schläferskopf ist die Strecke eher von der steingen Sorte, zumindestens im oberen Teil. Ab der Mitte wird es dann eher flowig mit einigen Sprüngen.

Hier galt es für mich zu erfahren wie sich das Specialized Kenevo verhält wenn es etwas steiniger und ruppeliger wird. Natürlich aber auch um zu sehen wie so ein Rad eigentlich fliegt.

Nach einigen Abfahrten war dann klar, wir beide verstehen uns gut und passen super zusammen. Es kommt meinem Fahrstil entgegen und kann diesen auch absolut easy verkraften und wegstecken.

Sehr wendig und trotzdem sehr laufruhig. Eine Spurtreue die ich so noch nicht erlebt habe.

Natürlich spielt hier das zusätzliche Gewicht von 23 kg eine große Rolle.

Im Stand erschlägt einen das Gewicht schon sehr, dass muss ich sagen.

Aber sobald sich das Rad bewegt und den Trail gegen Tal schießt merke ich das Gewicht nicht mehr als Belastung. Ganz im Gegenteil, der permanente Bodenkontakt ermöglicht eine ganz neue Linienwahl und macht irre Spaß!

Das Kenevo über Sprünge zu schießen ist dagegen schon wirklich eine Aufgabe,

im positiven Sinne.

Es will immer mehr und immer weiter, man muss wirklich aufpassen nicht jeden Sprung zu überspringen und in die Landung des nächsten Sprungs zu segeln.

Absoluter Wahnsinn wie diese Rakete gegen Tal schießt.

Fazit: Low-Budget geht anders. Man erhält für sein Geld ein Rad welches keine Wünsche offen lässt. Beim Konfigurieren wurde ein riesen Kreuz über die komplette Seite gezogen, was man hat, hat man, stimmt’s? Die Rockshock Lyric RCT 3 funktioniert wie erwartet absolut perfekt. Der Öhlins Coil Dämpfer ist eine Klasse für sich und arbeitet hervorragend und bis jetzt das Beste was ich gefahren bin.

Der Rest des Rades ist durchweg solide. Nur die Bremsen sind für meinen Geschmack etwas unterdimensioniert. Im Gesamtpaket erhält man ein Top eMTB. Welches im Grunde keine Wünsche offen lässt.

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