Fantastic Beasts and where to find them- Chaos in NYC und in meinem Kopf

Tittaenälg
Nov 28, 2016 · 4 min read

Als vor ein paar Jahren angekündigt wurde, dass ein Spin-off zu Harry Potter in Planung war, war ich mäßig begeistert. Ich bin mit Harry Potter großgeworden und habe meine Kindheit und Jugendjahre hindurch immer das neue Buch oder den neuen Film gespannt erwartet. Und wie alle war ich traurig, als es zu Ende ging. Aber manche Dinge sind besser abgeschlossen. Die meisten Sequels die ich gesehen habe, sind meistens schlecht und nur ein Versuch, noch etwas mehr Profit aus einem erfolgreichen Original zu schlagen. So dachte ich auch über Fantastic Beasts and where to find them und hatte nicht unbedingt vor, ihn mir anzuschauen. Als er nun vor fast zwei Wochen herauskam und die ersten (positiven) Reviews erschienen, änderte ich meine Meinung und wurde neugierig. Ich muss allerdings sagen, dass dieser Film meine Meinung zu Sequels, Prequels und Spin-Offs nicht gerade verändert hat.

Quelle: Google Images

(Enthält einige kleine Spoiler)

Zum Film: Es gibt ein grundlegendes Problem in Fantastic Beasts and where to find them, welches vielen actionreichen Filmen der letzten Jahre zugrunde liegt. Sie verlassen sich zu sehr auf ihre visuellen Stärken und lassen die Story dafür schleifen. So gern ich mir auch zwei Stunden lang die kontinuierliche Zerstörung von Infrastruktur anschaue- bombastische Specialeffekte und aufwändige CGI Animationen sind einfach kein Ersatz für eine solide Geschichte. Wenn ich an Doctor Who Folgen aus 2005 zurückdenke, sind die Specialeffekte teilweise einfach grauenhaft- ein Gesicht mit blauer Farbe vollgeschmiert zählt bereits als Alien. Aber nichtsdestotrotz steckte sehr viel Aufwand hinter einem Plot der gut durchdacht war und immer zu überraschen wusste. Das überraschendste an Fantastic Beasts and where to find them war, dass im Kinosaal während dem letzten Drittel des Filmes das Licht an- und auch nicht mehr ausging. Natürlich sind die Animationen gut gemacht, die „fantastic beasts“ beeindruckend und teilweise sehr niedlich- aber die Verfilmung eines magischen Streichelzoos ist einem Harry Potter Spin-off einfach nicht würdig. Wer den Trailer gesehen hat, kann natürlich davon ausgehen, dass ein Großteil des Films damit zu tun haben wird, die mehr oder weniger harmlosen Viecher, die aus dem Koffer des Protagonisten Newt entfleuchen, wieder einzusammeln. Meinetwegen hätte das ruhig etwas kürzer gehalten werden können, denn in Wahrheit passieren weitaus spannendere Dinge im Big Apple.

Womit wir beim zweiten Problem des Films wären: er greift einige Ideen (und somit auch einige Handlungsstränge) auf, die prinzipiell spannend wären und dann aber zu kurz kommen.
Etwa die Vereinigung „New Salem Philanthropic Society“, geführt von Muggeln (oder No-maj, wie sie in den USA genannt werden), die nicht nur an die Existenz von Hexen und Zauberern glauben, sondern es sich auch auf die Fahnen geschrieben haben, sie auszumerzen. (Zumindest auf lange Sicht scheint das ihre Ziel zu sein).
Kurz wird auch erwähnt, dass in den USA weitaus strengere Gesetze gelten, was die Beziehung zwischen magischen und nicht-magischen Menschen angeht- nämlich gar keine. Weder Freundschaften, noch romantische Beziehungen oder Heirat sind erlaubt.
Dann wäre da noch die ganze Grindelwald Geschichte. Grindelwald ist, für alle, die sich im Potteruniversum nicht ganz so auskennen, der berüchtigste schwarze Magier vor Lord Voldemort. Bereits in den ersten zwei Minuten des Filmes gibt es einige starke Indikatoren, dass Grindelwald eine zentrale Bedeutung für den Plot des Filmes innehaben wird. Meiner Meinung nach kommt das aber dennoch zu kurz.
Und was zur Hölle in der missglückten Exekutionsszene passiert ist, entzieht sich völlig meiner Kenntnis.
Prinzipiell werden die Handlungsstränge zwar zusammengeführt, aber dennoch verlässt mensch irgendwie unbefriedigt den Kinosaal, denn in erster Linie ist der Film verwirrend. Nicht etwa in der Art und Weise eines spannenden Mysterythrillers, in dem neugierig auf die Auflösung des Ganzen gewartet wird. Stattdessen ist es einfach frustrierend, weil mensch während dem Film das Gefühl hat, etwas nicht mitbekommen oder missverstanden zu haben. Zumindest war das mein Eindruck des Filmes, auch wenn mir am Ende die Zusammenhänge klar wurden. Gemurmelte Gespräche während des Abspanns von meinen Sitznachbarn verrieten mir allerdings, dass ich nicht die Einzige war, die Probleme hatte, dem Film zu folgen.

Zu guter Letzt möchte ich mich noch ein wenig über die Hauptcharaktere echauffieren, denn die meisten von ihnen haben wenig oder gar keinen Charakter, sind flach und scheinen lediglich Props für die Tierwesen zu sein, die die wahren Stars des Films sind.
Eddie Redmayne spielt den, passenderweise rothaarigen, Newt Scamander, ein tierlieber Exzentriker, dem die Gesellschaft von fantastischen Wesen mehr zusagt, als die von Menschen. Abgesehen davon, dass er ungefähr einen einzigen Gesichtsausdruck für fünfundreißig Gefühlslagen beherrscht, erinnert er in seiner Art, alle von der Harmlosigkeit seiner Viecher überzeugen zu wollen, an einen langweiligen (und deutlich kleineren) Hagrid.
Auch die anderen Hauptfiguren sind nicht unbedingt eindruckswürdig.
Jacob Kowalski, ein pummeliger, gutmütiger Muggel mit dem Traum eine Bäckerei aufzumachen…genau. Das ist es eigentlich schon, vielmehr lässt sich über ihn nicht sagen.
Die Goldstein Schwestern Tina and Queenie wären prinzipiell gute Charaktere, enttäuschen aber dennoch. Queenie ist eine hübsche Gedankenleserin und ein wenig „quirky“- allerdings nichts im Vergleich zu Luna Lovegood und somit auch leider nicht ganz so interessant.
Ihre Schwester Tina, eine ehemalige Aurorin, versucht ihre Karriere auf so plumpe Art und Weise zu retten, dass man einfach nicht hoffen kann, dass sie es schafft. Sie ist auch der implizierte Love-interest von Newt.

Alles in allem ist es natürlich schwer etwas herauszubringen, das mit dem Kultstatus von Harry Potter konkurrieren muss, aber es hätte besser gemacht sein können. Nachdem aber noch vier Filme in Planung sind, könnten einige von den angeschnittenen Themen vielleicht noch zur Geltung kommen und die Figuren sich noch zu dreidimensionalen Charakteren entwickeln. Ansonsten gehe ich (und ich glaube, auch die meisten anderen) mit einem Verlangen aus dem Film: ich möchte einen Niffler.

Tittaenälg

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