THE new NEW ALPHABET

Tobias Oertel
Jan 13 · 4 min read

UdK Berlin Kollisionswoche 2019 meets HKW — THE NEW ALPHABET — ein Review

“Sind der Binärcode, Algorithmen und die DNA die Alphabete von heute? Die gegenwärtige Wissensexplosion geht einher mit der Zerlegung der Welt in allerkleinste Einheiten. Der binäre Code — mit nur zwei Elementen die höchste Abstraktion des alphabetischen Prinzips — reduziert die Vielgestaltigkeit des Analogen und macht sie berechenbar. Projekte der synthetischen Biologie und künstlichen Intelligenz gründen sich auf eine Lesart von Leben als Code, der entschlüsselt werden kann und dadurch manipulierbar ist. Wie objektiv sind Daten? Welche gesellschaftlichen Machtstrukturen und Besitzlogiken reproduzieren sie? Welche sprachlichen Entwicklungen gehen mit der Datenförmigkeit von Wissen einher? Was wird verdrängt? Wer dominiert die neuen Wissensordnungen? Und welche ethischen Fragestellungen werfen diese Alphabetisierungen auf? Was passiert zwischen 1 und 0?”

In our Kollisionsprojekt we will explore „THE NEW ALPHABET“ together.
We will experience the artistic practices presented, and the theoretical concepts broached by „THE NEW ALPHABET“. Projektleiter*innen: Franziska Wildt (Freie Kunst/Ästhetik), Baruch Gottlieb (Medienkünstler/Kulturwissenschaftler)

Ergebnis des Kollisionswochen Seminars — die Presponse: THE new NEW ALPHABET
Presponse der Kollisionswoche mit den offiziellen Publikationen der Ausstellung im HKW
Alle teilnehmenden Studierenden konnten ihre Impressionen zum Thema “THE NEW ALPHABET” einbringen: Gedichte, Memes, Grafiken, Texte
Kollaboration von Studierenden aus unterschiedlichsten Studiengängen. Von Theaterpädagogik über Architektur bis zu Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation.
“This is what the letter asked me to tell you.” by GoldaKut inspired by Achebe
Tag der Eröffnung von “THE NEW ALPHABET” im HKW — ehrliches Berliner Wetter
Die Presponse endlich in freier Wildbahn, angekommen in ihrem natürlichen Lebensraum.

Wir sind erobertes Gebiet

Nutzerinnen sind die Ware der Plattformökonomie, da sie Daten erzeugen. Sie sind die Produzentinnen des Rohstoffs des 21. Jahrhunderts. Nutzerinnen sind gleichzeitig Ware und Rohstoffproduzentinnen.

Der Besitz von Rohstoffen hat nicht nur eine ökonomische, sondern immer auch eine machtpolitische Dimension. Diese Dimension ist immer gekoppelt an Souveräne, die Herrschaft über ein Gebiet beanspruchen.

Nutzerinnen sind dementsprechend nicht nur Waren und Rohstoffproduzentinnen, sondern auch ein Gebiet welches erobert wird.

Gebiete werden von Souveränen beherrscht. Nationen besitzen Hoheitsansprüche für die Räume Land, Luft und See.

Doch wer hat die Souveränität im digitalen Raum? Unternehmen, Nationen?

Nur weil die Daten von wirtschaftlichen Akteuren aggregiert werden, bedeutet dies nicht, dass es sich um ausschließlich ökonomische Räume handelt. Dies zeigt die Zugriffsmöglichkeit der NSA auf die Unternehmen im Silicon Valley, sowie die Zusammenarbeit von Huawei und dem chinesischen Geheimdienst.

Die aggregierten Daten werden nicht nur zu ökonomischen Zwecken genutzt, sondern auch von staatlichen Akteuren, um ihre machtpolitische Strategien zu entwickeln.

Die geostrategische Stellung des digitalen Raumes in der Sicherheitspolitik wird durch die NATO deutlich. Land, Luft, See, Internet: Für die NATO ist der “Cyberspace” seit 2016 offizielles Operationsgebiet. Virtuelle Angriffe können den Bündnisfall auslösen.

Wissen ist Macht. Macht ist eine politische Währung. Aggregation von Daten ist eine Grundlage von Informationsvorteilen.

Zum Beispiel handelt es sich bei den Kämpfen von Huawei, Apple und Google um die Nutzerinnen ihrer Plattformen, nicht um ökonomische Verschiebungen auf Märkten, sondern um Machtverschiebungen in einem geopolitischen Wettbewerb der Datensammlung.

Nutzerinnen können nicht nur Rohstoffe auf einem einzelnen Hoheitsgebiet sein, sondern auf mehreren. Das heißt, der Kampf um das Gebiet hat diverse Ebenen. Von der Infrastruktur über das Endgerät, bis hin zum Service, gibt es Territorien zu erobern, Nutzerinnen zu gewinnen und Daten zu ernten.

Die Machtstrukturen mögen auf einem wirtschaftlichen Gerüst stehen, sind aber, wie bei imperialen Expansionen immer, ein politisches Projekt der Raumerweiterung.

Gibt es eine Möglichkeit das Gebiet zurück zu erobern, wenn wir selber das Gebiet sind?

Auf welcher Seite stehen wir im geopolitischen Wettbewerb um uns selbst?

Tobias Oertel

Written by

Humanist. Digital Civil Society. Co-Founder youvo.org

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