Masterarbeit mit Pages verfassen: diese Punkte gilt es zu beachten!


Ich schreibe diese Zeilen, weil ich vor 10 Monaten eine Entscheidung getroffen habe, welche ich aus Unwissenheit über einige Dinge getroffen habe. Meine Entscheidung von 10 Monaten lautete, meine Masterarbeit mit Pages und nicht mit Word zu verfassen.

Schreibst du auch gerade eine Bachelor-/Master-/Magister-/Doktor-Diplom und sonstige längere, aufwändigere Arbeit oder hast dies in absehbarer Zukunft vor? Ich kann dir nur empfehlen — nimm dir ein paar Minuten Zeit und lies dir meine Erfahrungen mit Pages durch.

Office Programme — eine Mangelware?

Nun ja, eigentlich gibt es zum Thema Office Programm in der Windows- und Mac-Welt nicht wirklich viel Auswahl. Entweder die Microsoft Office Lösung (Word, Excel, Powerpoint) oder doch eher Pages, Numbers, Keynote. Angemerkt sei, dass es natürlich noch eine Vielzahl weiterer Programme wie Open Office gibt. Diese stellen aus meiner Sicht jedoch keine wirkliche Alternative dar, da der Aufwand zur Einarbeitung dem Ergebnis in keinster Weise gegenüber steht.

Vor ca. 10 Monaten stand ich vor der Wahl Word (in meinem Fall Word for Mac) oder doch eher Pages einzusetzen. Ich habe das Experiment gewagt und mich für Apple’s Pages entschieden.

Warum Pages und nicht Word?

Jetzt mag man sich ja fragen — warum hast du Pages und nicht Word verwendet? Als das Thema Masterarbeit näher rückte hatte ich einige Stabilitätsprobleme mit Word. Ungeplante Abstürze, Aussetzer und sonstige Kleinigkeiten haben mir das Leben mit Word schwer gemacht. Ob es an meinem Mac oder an Word lag konnte ich damals trotz längerer Recherche nicht herausfinden.

Parallel dazu habe ich damals bereits viel mit Pages gearbeitet und auch schon einige längere Seminararbeiten damit verfasst.

Im universitären Umfeld ist man leider oft auf Word angewiesen, da Gruppenarbeiten meist mit Word erfolgen (es hat ja nicht jeder Pages) und auch die PC-Landschaft auf Unis / FHs mit Word standardmäßig ausgestattet ist.

Nachdem diese Faktoren im Rahmen meiner Masterarbeit aber nun keine Rolle mehr spielten konnte ich frei wählen. Und meine Wahl fiel auf Pages, das bis zu diesem Zeitpunkt mein perfektes Textverarbeitungsprogramm war.

Und so begann ich zu schreiben. Meine Beziehung zu Pages sollte sich im Laufe meiner Arbeit noch wesentlich verändern (leider nicht nur zum Positiven). Doch zunächst die Vorteile von Pages.

Vorteile von Pages

Pages vereint Usability und Funktionalität (fast) perfekt! Wer Word zum ersten Mal öffnet wird von der Menge an Funktionalitäten erschlagen. Bei Pages ist eher das Gegenteil der Fall. Es glänzt durch Reduktion auf das Wesentliche — dem Schreiben. Neben Pages zählt iA Writer zu den führenden Textverarbeitungsprogrammen welche auf minimalistische Weise das Schreiben selbst in den Mittelpunkt stellen. Möchte man seinen Gedanken freien Lauf lassen sind derartige Programme Gold wert. Dadurch ist Pages ideal wenn es darum geht sich voll und ganz auf den Inhalt der Masterarbeit zu konzentrieren.

Es funktioniert. Pages ist super-stabil und selbst mehr als 200 Seiten mit unterschiedlichen Formatvorlagen / Grafiken / Abbildungen / Tabellen bringen Pages nicht aus der Ruhe. Während der letzten 10 Monate kam es zu keinem einzigen Programm-Absturz!

Einschränkungen in Pages (gegenüber Word)

Kommen wir nun zu jenen Punkten, welche mich im Laufe der Masterarbeit vor einige Herausforderungen stellten.

Formatvorlagen: Überschriften-Hierarchie

Der Klassiker unter allen Formatvorlagen. In Word war es für mich — dank toller Word Ausbildung kein Problem neue Formatvorlagen — wie eben jene für Überschriften — zu erstellen. In Pages stellte mich diese Aufgabe zu Beginn dennoch vor einige Herausforderungen, da diese Art der Nummerierung mehrere Schritte in Pages erfordert.

1. Änderung der Formatvorlage auf Listenformat 2. Einrückungen: die Anzahl der Stellen der Nummerierung (also ob 1.1. oder 1.1.1 richtet sich nach den Einrückungen (Tabs)

Inhaltsverzeichnis / Abbildungsverzeichnis / Tabellenverzeichnis

Als ich begann meine Arbeit zu verfassen gab es in Pages noch nicht die Möglichkeit sinnvoll ein Inhaltsverzeichnis zu generieren bzw. waren die Gestaltungsmöglichkeiten sehr begrenzt! Da jedoch während dem Verfassen meiner Arbeit ein größeres Pages-Update ausgespielt wurde, wurde dieser Punkt optimiert. Aktuell ist es möglich ein Inhaltsverzeichnis auf Basis der Formatvorlagen zu erstellen. Gefühlsmäßig stellte mich dieser Punkt vor einige Herausforderungen und dauerte auch wesentlich länger als in Word — wo ein Inhaltsverzeichnis relativ simpel erstellt werden kann.

Zeilennummerierungen

Für alle welche Interviews transkribieren und diese mittels Zeilennummerierungen versehen müssen (oder aus anderen Gründen eine Zeilennummerierung benötigten): Apple bietet in Pages KEINE Möglichkeit an um automatisch eine Zeilennummerierung neben einen gewünschten Text hinzuzufügen. Nein — ich habe lange gesucht — trotz Pages Updates in den letzten Monaten gibt es diese Funktion nicht!

Im Gegensatz dazu kann Microsoft Word automatisch Zeilen in einem Dokument (oder Abschnitte eines Dokuments) zählen und die Anzahl neben jeder Textzeile anzeigen. Ja richtig gelesen, Word kann dies automatisch, während das Hinzufügen von Zeilennummern in Pages manuell (!) erfolgen muss. Apple schlägt dazu folgende manuelle Vorgehensweise vor.

Bei über 80 Seiten Interview-Transkripte musste die Zeilennummerierung somit händisch hinzugefügt werden. Dieser Punkt hat mich wohl die meisten Nerven gekostet — da eine derartige Kleinigkeit (Zeilennummern neben Text) dann plötzlich sehr viel Aufwand für den Verfasser darstellt, obwohl die gleiche Tätigkeit in Microsoft Word nur einen Klick entfernt wäre.

Querverweise

In Word kein Problem. Und in Pages? Um es kurz zu machen: So gut wie nicht vorhanden. Folglich können die für Abbildungs- oder Tabellenverzeichnisse beliebten Querverweise nicht eingesetzt werden, was wiederum bedeutet, dass diese Verzeichnisse manuell (!) erstellt werden müssen.

Seitennummerierungen

Wer unterschiedliche Seitennummerierungen (z.B. zu Beginn römische Ziffern, danach arabische Ziffern) verwenden möchte/muss, dem sei folgende Anleitung gegeben. Grundsätzlich ist es auch in Pages möglich, solch unterschiedliche Formate zu verwenden — man muss nur wissen wie ;-)

Fazit

Zusammenfassend kann ich sagen, dass ich es nicht bereut habe meine Masterarbeit mit Pages verfasst zu haben. Dennoch gab es einige Herausforderung welche sich während dem Verfassen der Arbeit herauskristallisiert haben. Mittels Microsoft Word wäre der eine oder andere Punkt wohl wesentlich einfacher gewesen. Dennoch kann ich sagen: ja — es ist möglich eine längere/wissenschaftliche Arbeit mit Pages zu verfassen — auch wenn so manche Funktionalität etwas versteckt ist ;-)


Originally published at thomas-peham.com on October 7, 2014.

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