Wie ich zur Trauerfrau wurde

Vor 4 Monaten ist unsere Tochter nach einer wunderschönen, komplikationslosen Schwangerschaft gestorben, kurz vor dem errechneten Geburtstermin und an ausgesprochenem Pech. Ich trauere um sie. Mein Mann und ich trauern um sie. Unsere Eltern, Geschwister, Freunde trauern um sie oder mit uns. Manche Menschen trauern eigene Verluste.

Abschluss durch Abstraktion

Ich habe, seit ich meinen geliebten kleinen Menschen verloren habe, etwas neu gelernt, das ich schon wusste: Das Ringen um die genau richtigen Worte beim Schreiben schließt einen Gedanken in mir ab, beruhigen ihn, bringen ihn zu Ende. Ich räume und sortiere so die Rumpelkammer in meinen Kopf, verpacke die Gedanken neu und verstaue sie sinnvoll. Dann kann ich mich zum nächsten zu-Denkenden treiben lassen, mit anderen, gut verstauten Gedanken im Gepäck.

Ich schreibe über Trauer als meine ständige Begleiterin, über Reaktionen, Dinge und Gedanken, die mir helfen, darüber, wie sich meine Trauer verändert. Abschluss durch Abstraktion. Abschluss von Gedanken, nicht Abschluss für den Verlust.

Meine erste Hilfe

Ich schreibe nicht über die Details einer tollen Schwangerschaft, den Schock, als unsere Tochter gestoben ist, ihre trotz allem wunderbare Geburt oder die Todesursache. Dafür gibt es andere Foren. Für mich war das eine Selbsthilfe- und Rückbildungsgruppe für Mütter, deren Kinder in der Schwangerschaft, während oder kurz nach der Geburt gestorben sind. Dort habe ich Mütter mit offenen Ohren und empathischen Herzen gefunden, mich ohne Hemmungen austauschen können, und mir Beispiele an meinen Schicksalsgefährtinnen genommen, die mit ihrer ähnlichen Situation fertig werden.

Wer eine solche Gruppe sucht: Manche Beratungsstelle rund um die Geburt organisieren Selbsthilfegruppen oder wissen von einer guten Adresse. Viele Hebammen, Kinder- oder Frauenärzte und Trauerbegleiter im Krankenhaus wissen, wo Eltern nach dem Tod ihres Kindes Raum für ihre Geschichte finden. Und der Bundesverband Verwaiste Eltern listet die Angebote seiner Mitgliedsverbände auf der Webseite auf.

Einige Gedanken und Texte haben mir geholfen: Das wunderbare Buch “An Exact Replica of a Figment of My Imagination” von Elisabeth McCracken hat viele Gedanken in mir angestoßen. “36 Things To Do For Those In Grief” von Chase Reeves haben mir Kleinigkeiten bewusst gemacht, die ich noch nicht formulieren konnte. Die Gedanken von Mellisa Reeves über den Mut, es wieder zu versuchen, hallen sicher in vielen Frauen mit Kinderwunsch nach. Vielleicht hilft meine Geschichte auch jemandem.

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