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Erfolg im Start-up-Rennen

“So lange es Probleme zu lösen und Wünsche zu erfüllen gibt, gibt es auch Business-Ideen zu verwirklichen.” Ursula Eysin

Wer holt sich in „2 Minuten 2 Millionen“? Wer wird diese Woche in der „Höhle der Löwen“ den Investoren zum Fraß vorgeworfen? Statt Brot und Spielen gibt es Investorengeld und Start-up-Ideen im Unterhaltungs-fernsehen. Das „Pitchen“ innovativer und mutiger Ideen von Start-up-Gründern ist derzeit eine Art modernes Zirkusspektakel zur Volksbelustigung im privaten Rundfunk. Diejenigen, für die das weniger lustig ist, sind die Gladiatoren, die Inventoren und Gründer, deren Ideen von der Jury oft vernichtend beurteilt und am Boden zerschmettert werden.

All das wirkt sehr gehetzt. Noch schneller. Noch neuer. Noch innovativer. Die große Jagd nach dem nächsten „Big Thing“. Aber ist das der Weg zum Erfolg? Was macht echten, nachhaltigen Erfolg von Technologie-Start-ups aus? Es gibt dafür kein Einheitsrezept, das sich auf jeden Fall anwenden lässt, aber im Folgenden ein paar Gedanken zu nützlichen Zutaten.

Technologie im Dienst der Menschen

Solange es Probleme zu lösen und Wünsche zu erfüllen gibt, gibt es auch neue Business-Ideen zu verwirklichen. So gesehen steckt fast in jedem Problem, das einem im Alltag begegnet, eine Business- Chance. Technologien sind dabei ein nützliches Tool. Ein Tool, das immer so schön oder so hässlich ist wie seine Anwendung — oder sein Anwender.

Wichtig ist in jedem Fall, dass Technologie den Menschen dient und nicht umgekehrt. Es gibt großartige Gadgets, die uns das Leben erleichtern und es schöner machen. Wenn wir uns von ebendiesen Gadgets und der ständigen „Connectedness“ versklaven lassen, ist das dagegen weniger positiv. Aber es ist der Mensch, der entscheidet, wie er Technologie anwendet. Erfolgreiche Start-up-Ideen sollten nützlich und bereichernd sein und zur Weiter-entwicklung der Menschen beitragen, nicht sie darin behindern oder ihnen schaden.

Keine Angst vor abstrusen Ideen

Wer nur dem nächsten „Big Thing“ hinterherjagt, kann ungewöhnliche Ideen leicht übersehen. Dabei entstehen gerade die erfolgreichsten Unternehmen oft aus geradezu abstrusen Vorschlägen. Wer hätte z. B. gedacht, dass aus einer Online-Plattform für Luftmatratzenvermie- tung ein Milliardenbusiness (Airbnb) wird?

Häufig ist der Mehrwert großer Erfindungen für andere einfach noch nicht zu erkennen. „Wenn ich die Menschen gefragt hätte, was sie wollen, hätten sie gesagt: schnellere Pferde“, hat Henry Ford dieses Problem einmal sehr treffend auf den Punkt gebracht.

Gründergeist und die Gier nach dem Millionen-Exit

„Das Produkt kann ich austauschen, die Gründer nicht“, erklärt eine der Investorinnen der TV-Start-up-Challenge „Die Höhle der Löwen“. Es braucht also Gründergeist. Den richtigen Spirit. Aber was macht diesen Spirit aus?

Wer nur deshalb ein Start-up gründet, weil er auf den millionen- oder gar milliardenschweren Exit hofft, ist von vornherein fehl am Platz. Geld folgt Visionen und echtem Mehrwert. Nicht der Gier nach dem schnellen Reichtum.

Unternehmertum ist ein Abenteuer, dem man am besten mit Neugier, Enthusiasmus und Ausdauer begegnet. Und natürlich mit großer Offenheit und Flexibilität, denn es wird mit großer Sicherheit alles völlig anders kommen, als man denkt.

Authentizität — unser Vorteil gegenüber Robotern

„Sie werden nicht gewinnen, wenn Sie versuchen, das neue Uber oder das neue Airbnb zu sein“, so Renée Mauborgne, Autorin des Bestsellers „Blue Ocean Strategy“, in einem Interview.

Es braucht Menschen mit Mut, Dinge auf ihre ganz eigene Art und Weise zu tun, anstatt zu imitieren. Denn Imitationen laufen schon mehr als genug herum — auch in der Start-up-Welt.

Aus Authentizität heraus entstehen dagegen wirklich neue Dinge. Und genau diese Authentizität ist es auch, die uns als Menschen von Robotern unterscheidet. Bei monotonen Tätigkeiten, Präzisionsarbeit und Daten-speicherkapazität schlagen uns Roboter bei weitem — und es ist auch gut, wenn Jobs in diesen Bereichen in Zukunft von Maschinen übernommen werden. Denn dann bleibt den Menschen mehr Zeit, ihre Authentizität und Kreativität auszuleben. Also auch mehr Zeit für neue Business-Ideen und deren Verwirklichung.

Auf der Jagd nach Disruption

Die kreative Kraft der Zerstörung begeistert seit Schumpeters Postulat Menschen in der Technologiewelt genauso wie im Business. Aber müssen neu entstehende Geschäftsideen zwangsläufig immer auf Disruption basieren? Müssen wir immer zerstören, um Neues zu schaffen? Nicht unbedingt.

Wenn wir nur auf Disruptionen setzen, übersehen wir sogar viele andere Möglichkeiten. Innovationen können auch nicht-disruptiv sein, das macht sie nicht weniger wertvoll. So können etwa alte Probleme auf eine ganz neue Art und Weise gelöst oder bestehende Ressourcen neu kombiniert werden. Man muss das Rad nicht immer ganz neu erfinden.

Die Revolution der Geschäftsmodelle

Ich sehe viele Projekte, bei denen die Disruption nicht in der Technologie, sondern in neuen Geschäftsmodellen liegt. Plattformen wie Airbnb, Uber, Alibaba, Etsy etc. haben mit ihren innovativen Geschäftsmodellen ganze Branchen — Hotellerie, Taxitransport, Handel — auf den Kopf gestellt. Haben sie dazu eine große technologische Innovation entwickelt? Nein. Online- Plattformen und Apps gibt es wie Sand am Meer.

Nicht die Technologie ist hier das bahnbrechend Neue, sondern die völlige Veränderung der Kundenbeziehung. Kunden werden selbst zu Produzenten, Verkäufern und Service-Anbietern. Und ein neuer, bestechend einfacher Einsatz von Technologie hilft ihnen dabei.

Mut zum Scheitern und die „Krabbenmentalität“ unserer Gesellschaft

Man scheitert nie, außer man gibt auf, es zu versuchen“ ist
 ein schönes Einstein-Zitat, und es gibt Gegenden, in denen eine gesunde Kultur des Scheiterns tatsächlich und ganz selbstverständlich gelebt wird. Es ist normal, am Weg Fehler zu machen, denn „vorne ist, wo sich noch keiner auskennt“ (Stefan Raab), und „wer noch nie einen Fehler gemacht hat, hat sich noch nie an etwas Neuem versucht“ (Albert Einstein).

Bei uns ist das nicht ganz so einfach. Es bedarf schon einigen Mutes, sich mit einer neuen Geschäftsidee hinauszuwagen. Denn die sogenannte „Krab- benmentalität“ ist weit verbreitet: Beim Krabbenfang müssen Fischer den Fangkorb nicht zudecken, weil jede Krabbe, die mutig ihren Kopf aus dem Korb streckt, von den anderen sofort wieder hinuntergezogen wird. Anderen Erfolg zu gönnen, ist in dieser Mentalität nicht sehr weit verbreitet. Es gibt Widerstände, wenn sich eine einzelne Krabbe in unbekannte Gewässer vor- wagen will: von Behörden, von Mitstreitern, von Freunden, Bekannten und selbst von Unbekannten, die sich plötzlich berufen fühlen, ungefragt „kon- struktive Kritik“ zu äußern. Aber wer sich davon abschrecken lässt, hat den Sinn des Abenteuers nicht verstanden.

Der Erfolg liegt am Weg — Genießen Sie die Reise!

Das Abenteuer Start-up-Business ist keine Destination, es ist eine Reise. Und wer jeden Schritt dieser Reise mit der richtigen Motivation, mit Enthusias- mus und mit Ausdauer begeht, wird immer Erfolg haben. Denn der Erfolg liegt nicht in einer fernen Zukunft, sondern in der Leidenschaft und der Freude, mit denen man jetzt und hier etwas tut. Das gilt für Start-ups ebenso wie für jede andere Tätigkeit. Genießen Sie die Reise!


Red Swan verhilft Gründern und Menschen, die es noch werden wollen, mit Szenario-Workshops für Teams und der Entwicklung persönlicher Zukunfts-Szenerien in Einzel-Sessions zum Erfolg. Zum Einsatz kommt dafür der von der U.S. Air Force und Shell zu Strategiezwecken entwickelte Zukunftsprozess „Szenario-Planung“. Näheres dazu unter www.redswan.at/scenariosuccesssolutions/ oder im Workshop-Folder (PDF).


Dieser Artikel wurde ursprünglich in der Print-Ausgabe des Technologie-Magazins e-media (www.e-media.at) im Dezember 2017 veröffentlicht. Zur Print-Version des e-media Artikels: www.redswan.at/press