Einfach macht jeder. Komplexität bewusst einsetzen macht Charakter.

Mona Bien
Mona Bien
Sep 1, 2018 · 2 min read

In drei Schritten zum Bankkonto in zwei Schritten neu angemeldet, mit einem Klick gekauft. So einfach kann doch alles sein. Einfachheit baut Hürden und Bedenken beim Nutzer ab, macht Prozesse effizienter und Produkte und Services beim Nutzer beliebt. Gerade bei der Überarbeitung von älteren Applikationen ist es oft ein echter Fortschritt zunächst einmal auszumisten und auf das Wesentliche zu reduzieren.

Aber aufgepasst, Einfachheit ist kein Selbstläufer — der große rote Button mit der Aufschrift ‚Do not touch’ vermeidet in Filmen ja auch nicht den Weltuntergang.

Komplexität in Prozessen kann durchaus manchmal hilfreich sein.

Z.B. kann sie dazu eingesetzt werden dem Nutzer präsent zu machen, was gerade passiert. ‚Do not touch’ macht eher neugierig. Das Wissen, das dieser Button etwas Unschönes auslöst, welche Folgen es für einen selbst und andere hat — das wäre vielleicht über einen etwas komplexeren Prozess besser vermittelbar.

Natürlich lösen die meisten Prozesse nicht gleich so fatale Dinge aus. Aber denken wir doch z.B. mal an Datenschutz und Privatheit. In vielen Prozessen wird der Nutzer irgendwann aufgefordert einfach zu bestätigen, dass die Datenschutzbedingungen gelesen wurden — natürlich lesen die meisten Nutzer diese nicht. Vielleicht ist es aber gar nicht verkehrt, die wichtigsten Informationen als kurze Checkliste anzuzeigen. Dadurch verlängert sich zwar der Prozess, aber gleichzeitig wird auch die Transparenz verbessert. Der Kunde kann den Anbieter als fairen Partner wahrnehmen und wird gleichzeitig für das Thema sensibilisiert.

Bewusstsein schaffen ist aber nur eine mögliche positive Nebenwirkung von Komplexität. Wie ist es z.B. in einem Computerspiel. Wenn der Endgegner ganz einfach zu schlagen ist, welcher Nutzer hat denn dann noch Spaß am Sieg?

Komplexität zu meistern und als ‚Sieger’ hervorzugehen, erzeugt beim Nutzer Motivation, Spaß und Freude bei der Nutzung.

Warum also nicht auch bei alltäglichen Anwendungen mal eine Herausforderung einbauen. Entscheidungen durch den Nutzer können z.B. auch Spaß machen, wenn der Nutzer dadurch seine Kompetenz unter Beweis stellen kann. Erst durch die Bewusste Entscheidung für Komplexität und Einfacheit an den richtigen Stellen entsteht so der Charakter einer Anwendung.

Also warum nicht auch mal überlegen, wie man Produkte und Services komplexer machen kann.

Mona Bien

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#NutzerImFokus, #UXStrategie, #UXDesign

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