Science-Fiction oder Realität?

Ein paar Gedanken zu Robo Sapiens und wie uns so langsam die Welt entgleitet

Vanessa Friesen
Feb 23, 2017 · 4 min read

Wenn man von “der Zukunft” spricht, denkt man an eine HighTech-Welt ohne Autos oder menschliche Organisation, nur noch mit ferngesteuerten Düsenjets und Menschen, die entspannt durch die Gegend schweben. Ohne mühevolle Abrackern, da dies alles Roboter übernehmen werden. Wir denken an Leute, die in astronatautenähnlichen Anzügen zur Arbeit fliegen werden. In den 90ern, als ich als kleines Kind mit großen Augen fernsah, wurde sie in nicht wenigen Kindersendern so dargstellt. Die Zukunft. Und es war total cool. Zumindest war dies die Meinung von Kindern, die euphorisch Richtung Neuland blickten, ohne an die Risiken zu denken.

Genug von der Illusion. Die Wahrheit über “die Zukunft” sieht ein bisschen anders aus. Naja, vielleicht kommt sie ja noch. Und wird besser als gedacht, da wir bis dato alle Probleme, die wir heute so über deep learning und künstliche Intelligenz hören, in den Griff bekommen haben könnten. Aber was wenn nicht? Ist diese Zukunft denn wirklich noch so weit entfernt, dass wir alle Unahnnehmlichkeiten für den Menschen noch beheben können?

Tatsächlich stecken wir schon mittendrin. Es gibt fast kein Wissenschafts-gebiet mehr, das nicht mithilfe von Robotern unterstützt wird. Selbst aus unserem alltäglichen Leben ist die Anwesenheit von künstlicher Intelligenz nicht mehr wegzudenken, auch wenn es sich noch so absurd anhören mag. Jeder iphone-Besitzer trägt täglich seinen intelligenten persönlichen Assistenten namens Siri in der Hosentasche. Alexa, Cortana und auch Google nutzen künstliche neuronale Netze, um — dem menschlichen Gehirn immer ein Stückchen näher — uns als kluge Wesen zur Seite zu stehen. Autark fahrende Autos gehören längst nicht mehr einer weit entfernten Zukunft an und Skype nutzt intelligente Texterkennung auf Basis von deep learning.

Doch was, wenn sich diese Entwicklung — und das ist möglich, denn so wurde sie programmiert — selbstständig macht und uns Menschen dabei über den Kopf wächst? Sind wir Menschen nicht die stärksten Geschöpfe, die einer derartigen Richtung entgegenwirken sollten?

„Künstliche Intelligenz kann die großartigste Errungenschaft der Menschheit werden. Bedauerlicherweise kann sie auch die letzte sein.” [1]

Künstliche Intelligenz wird als “Software” definiert, “die sich selber fortschreibt” [2] und somit keine User mehr benötigt um zu funktionieren. Somit ist es möglich, dass selbst die eigenen Entwickler nach einer gewissen Zeit zu “dumm” sein werden, um den Code der Maschinen zu verstehen. Schon etwas beunruhigend. Wir sind also am Zeitpunkt angelangt, an dem Maschinen klüger sind als wir. Naja, erstmals wurde das beim Brettspiel Go festgestellt, als Google einen Go-Profi besiegte [3]. Und das bereits vor über einem Jahr. Befinden wir uns am Punkt, an dem wir unsere Macht abgegeben haben? Es wird noch schlimmer: Mithilfe von Big Data, die uns heute zur Verfügung steht, kann KI noch detaillierter und feinteiliger werden als zuvor. Dadurch, dass immer mehr Daten dazukommen, erhält die Maschine immer mehr Erfahrung. Im Gegensatz zu uns lernt sie also neben ihrer eigenen auch aus der Erfahrung tausend anderer Systeme.

Aber warum male ich hier denn den Teufel an die Wand? Maschinen wurden von uns Menschen gebaut, um uns Menschen zu unterstützen, nicht wahr? Warum sollten sie uns also in den Rücken fallen? Sind sie nicht Ursache für die Erleichterung, den Fortschritt, der unser heutiges Leben ausmacht?

Meiner Recherche zufolge bin ich auf eine Antwort gestoßen: Sie wollen uns nicht in den Rücken fallen, daran denken künstliche Netze gar nicht. Sie “denken” – wenn man das überhaupt so sagen kann – an ihr Ziel, welches sie auszuführen haben. Und wenn das uns Menschen in die Quere kommt und ihr Ziel gegen unser Wohlergehen spielt, gibt es einen kleinen aber feinen Unterschied zum unserem Handeln: Wir sind empathisch. Manche mehr, manche weniger, aber wir besitzen ein gewisses Einfühlungsvermögen, das unseren sozialen Austasch ermöglicht. Sie nicht. Wir besitzen die Emotionalität, die einen Menschen von der Maschine unterscheidet. Wir können uns um andere kümmern. Sie nicht. Doch wie soll man sich das nun vorstellen?

„So, wie wenn wir einen Parkplatz bauen und alles zubetonieren: Und wenn da eine Ameisenkolonie war — Pech für sie. Wir hassen keine Ameisen, wir haben uns nur nicht um sie gekümmert.” [5]

Neben all den positiven Effekten, die wir uns vom deep learning erhoffen, müssen wir abwägen, was uns wichtiger ist. Zugegeben, es ist nicht ganz einfach. Beispielsweise sehen Informatikerinnen der IBM Zürich durch KI eine Chance, die tödliche Krankheit Krebs zu einer chronischen zu machen [5]. Nur künstlich erfassendes Wissen kann nämlich in den Datenmengen und Zahlenwerten von Krebs möglicherweise ein Muster erkennen, das Krebs als gut- oder bösartig abstempelt. Menschen können nicht einmal Bruchteile der Daten analysieren, ohne dass das Gehirn ausgelastet ist und sie vergessen.

Dennoch müssen wir bei unseren nächsten Schritten im Bereich Artificial Intelligence vorsichtig sein und an mögliche Folgen einer Super Intelligenz denken.

„Noch sind Maschinen Helfer, Assistenten, Werkzeuge von denen wir allerdings längst nicht mehr [die Finger] lassen können. Für die nächste Generation könnten sie [allerdings] zur Konkurrenz werden.“ [5]

Sobald wir etwas programmieren, das sich selbst im Griff hat, verlieren wir schneller die Kontrolle als gedacht. Wer ist nun die größte existierende Macht? Das ist definitiv keine Science-Fiction mehr. Das ist die unglaubliche Realität.


    Vanessa Friesen
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