Pipifax und das Schreiben von Blogposts

Der Kaffee getränkte Weg vom ersten Satz bis zum fertigen Beitrag — eine In-Action-Reflexion.

Eine Reflexion über das Schreiben von Blogposts — als Blogpost © Green Chameleon

“Das ist ja Pipifax.” Oft taucht ganz unerwartet eine Phrase in meinem Kopf auf. Schwirrt da herum — und will einfach nicht mehr verschwinden. So wie jetzt. Dabei will ich doch auf ganz etwas anderes hinaus. Oder passt die Phrase doch irgendwie hinein in das, worüber ich gerade schreiben möchte? Jedenfalls hindert sie mich daran weiterzuschreiben. Jetzt steht da eine Zeitlang einfach nur „Das ist ja Pipifax“. Aber das macht nichts.

Der erste Satz, das erste Wort eines Textes, die Suche danach dauert oft lange. Entweder es ist sofort da oder es dauert. Und diesmal dauert’s eben. Denn: Der erste Satz ist essenziell. Ist schon er uninteressant, wieso sollte überhaupt jemand weiterlesen? Deshalb starte ich immer mit ihm. So auch für diesen Blogpost: Es geht um qualitative Interviews. Es ist eine Reflexion meiner Projektarbeit. Und über das Schreiben dieser Reflexion reflektiere ich gleichzeitig. Eine reflektierende Warnweste ist da Pipifax dagegen. . .

Gut, ich sehe es ein, aus Pipifax wird nichts. Da fällt mir der Kommentar einer lieben Kollegin ein, den sie vor Jahren einmal geschrieben hat, darin geht es um Interviews als Königsklasse der journalistischen Textsorten. Das ist es! Damit steig’ ich ein. Wo ich hin will? Hm, ganz genau kann ich’s noch nicht sagen, aber ich möchte das Zustandekommen und den Ablauf der qualitativen Interviews skizzieren. So irgendwie. Oder ist das Pipifax? Wird schon passen und vielleicht ist’s ja sogar für irgendjemanden hilfreich, wenn er einmal selbst Interviews führen muss.

Die Gedanken ziehen ihre Kreise, auf der Tastatur tut sich nichts. Ui, ich sollte bei meinem eigentlichen Blogpost weiterschreiben. Ich werfe ein, zwei Sätze hin — Löschtaste — und von vorne. So geht das eine Weile. So richtig will mir dieser Blogpost einfach nicht von den Fingern gehen. Vielleicht hänge ich noch zu sehr am Pipifax. Mhhm, ein Kaffee wäre gut. Ja, ein Kaffee hilft denifiniv, die richtigen Worte zu finden. Hach, immer diese wunderbaren Ablenkungen . . .

Mein Schreibtisch bei Schönwetter © Verena Gangl

Grr. Es kann aber auch lästig sein, dieses Blogpost-Schreiben. Vor allem dann, wenn ich mir nicht sicher bin, was ich eigentlich sagen will und ob die Formulierungen auch so durchgehen: “Ich habe mich auch für persönliche Interviews entschieden, weil ich davon überzeugt bin, in einem direkten Gespräch thematisch in die Tiefe gehen zu können”, schreibe ich. Hmmm. Ist das so? Ja, ist so. Jedenfalls meiner Meinung nach. Gut, ich lasse es stehen.

Liegt’s an den magischen Kräften der gemahlenen Kaffebohnen oder einfach an der kurzen Pause — nach und nach reiht sich Zeile an Zeile, bis schließlich einigermaßen das gesagt ist, was ich unterbringen wollte. Noch einen letzten Satz, dann gehe ich noch einmal über den Text. Ich glaube meistens, dass ich fertig bin, bis ich den Text noch einmal lese. Auch diesmal ist das so. Da ein paar Stilbrüche, dort ein paar unkonkrete Formulierungen und natürlich Tippfehler. Aber in Summe passt schon so. Ganz sicher bin ich mir nie. Aber solange mir die Meinung anderer nicht völlig egal ist, wird das wohl auch so bleiben.

“Ready to publish?”, fragt mich Medium. Upps. Titel und Vorspann fehlen noch. Und ich dachte, ich bin fertig. Hmmmmm. Die “Königsdisziplin” muss rein und “Interviews”. Das steht fest. Oder doch . . . “Pipifax”. Nein, nicht! Immer diese Titel. Auch nach den vielen Artikeln, die ich in meinem Leben schon geschrieben habe, eines ist und bleibt für mich die wahre “Königsdisziplin” des Textens: das Titeln. “Interviews — das Spiel in der Königsdisziplin” wird’s schließlich. Dann noch ein paar Bilder auf Unsplash aussuchen, Struktur in den Beitrag bringen und Verlinkungen setzen. Tatarataaa. Ein paar Tassen Kaffee und fertig ist der Beitrag. Und er erscheint zum Glück ganz ohne “Pipif. . .”

I am an enthusiastic journalist working for an Austrian newspaper. In addition to this, I am diving into the world of Content Strategy at FH Joanneum in Graz.

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