Die Bild zeigt keine Fotos — wie schön!

Einen Tag lang (Update, 12:11: Schon vorbei, alle Fotos sind wieder da) zeigt die BILD in ihrer Zeitung und ihrer Onlineausgabe keine Fotos, stattdessen sieht der geneigte BILD-Leser nur graue Flächen: Egal ob er Sport, Politik oder Erotik sucht.

Bild.de-Chefredakteur Julian Reichelt macht das natürlich mit einem Hintergedanken: In einem Kommentar mit dem Titel “Warum wir uns zwingen müssen, hinzusehen” schreibt er, warum auch erschütternde Fotos so wichtig sind.

“Sie erinnern uns daran, wer wir sind. Sie halten uns vor Augen, zu was Menschen fähig sind. Sie mahnen uns, dass jegliche Zivilisation innerhalb kürzester Zeit zusammenbrechen kann, dass es immer wieder Menschen sind, die die Tore zur Hölle öffnen, wenn wir weggucken.”

Und weiter:

Für uns reiche Gesellschaften des Westens ist das von unschätzbarem Wert. Denn nur der Westen, mit seinen freien Medien, hat die finanziellen, humanitären und militärischen Kapazitäten und gleichzeitig die Werte (u. a. ausgedrückt durch freie Medien), sich kraftvoll und glaubwürdig dem Chaos entgegenzustellen.

Genau, die freien Medien sind unterstrichen. Die BILD ist (wieder mal) das ̶f̶̶l̶̶a̶̶k̶̶s̶̶c̶̶h̶̶i̶̶f̶̶f̶ Flaggschiff der Pressefreiheit.

Das kann man so auslegen, sich selbst auf die Schultern klopfen und sich freuen über den Coup. Die Nutzer, die wegen fehlender Bildchen wegbleiben, kann der Axel-Springer-Verlag an einem Tag verkraften, es geht um die Botschaft, baby.

Doch vielleicht zeigt die Aktion ja nicht nur beispielhaft, wie wichtig Bilder sind — sondern auch, wie skrupellos die BILD sonst operiert. Und warum man nicht jedes Bild braucht. Dafür habe ich mich mal durch die ersten zehn Seiten im Bildblog unter der Unterrubrik “Bild.de” (824 Treffer insgesamt) geklickt und die Beiträge rausgesucht, bei denen BILD das Persönlichkeitsrecht von Straftätern oder Opfern missachtet hat.

Das Tollste dabei: So vorbildlich hat die BILD wohl noch nie verpixelt.

Alle Screenshots von Bild.de

Und wissen Sie was? Alle Geschichten funktionieren — oh Wunder — auch ohne die Bilder.

Vielleicht fällt Ihnen das nun auch mal auf, Herr Reichelt.