#7. Ping … pong …

Ich bin ein Pendler, zwischen den Welten — Gefühlswelten, Sprachwelten, Lebenswelten…

Mein Leben ist ein Wechselspiel, nicht sanft und regelmässig wie ein Pendelschlag, sondern ein abrupter Ruck in die Höhe und dann ein plötzlicher Sturz in die Tiefe. Mal pingt es mich hoch, und dann pongt es mich runter…

Pinggg… Ponggg…

Es gibt Phasen wo alles voll ist, mein Agenda, meine Tage und Nächte, mein Leben, Ich, und dann wieder Phasen wo alles leer ist…

Es gibt Zeiten wo ich alleinstehend bin, mal sorglos und fröhlich, mal unsicher und nachdenklich. Dann wieder Zeiten wo ich Familienmensch bin, mit Verantwortung, viel zu tun und keine Zeit zum Denken…

Pinggg… Ponggg…

Wenn ich in mein angebliches Heimatland reise, dann bin ich der Fremde. Wenn ich in meiner selbstgewählten Heimat bin, dann bin ich der Fremde. Dabei fühle mich hier heimisch, und die Gepflogenheiten hier, sind die meinen. Ich bin gewissermassen ein Baum ohne Wurzeln. Nur in der Musik bin ich überall zu Hause…

Pinggg… Ponggg…

Wenn mich die Menschen für mein gutes Deutsch loben, dann finde ich das nett. Ich gebe es nicht gerne zu, aber ich bin ein bisschen stolz darauf.

Andererseits muss das ja auch heissen, dass dies nicht meine Sprache ist…? Sie ist es aber, selbst wenn ich Witze darüber mache weshalb ich keine Berührungsängste habe Schweizerdeutsch und Hochdeutsch beides zu sprechen indem ich sage “Es sind ja nicht meine Sprachen, so habe ich keinen Komplex”.

Aber die deutsche Sprache, die deutsche Literatur, die gehören auch mir, ich kann mich nicht mehr von ihnen trennen. Wenn ich sie als fremd bezeichnen würde bloss weil ich nicht mit diesen aufgewachsen bin, so wäre es, als würde ich keine Ansprüche an einem engen Freund stellen dürfen bloss weil wir keine Blutverwandte sind. Verrat an mir selbst…

Pinggg… Ponggg…

Als ich Kind war, feierte man bei uns keinen Geburtstag, keine Party, nix. Darum freute es mich besonders, wenn ich als Erwachsener gefeiert wurde, von den anderen. Für meinen 40. habe ich mir immer eine grosse Party gewünscht, ich weiss aber nicht wie es wird, wenn ich dann 40 werde. Ob mein Leben so weit in Ordnung sein wird, dass man mich feiert. Mal schauen…

Pinggg… Ponggg…

Als ich ein Kind war, gab es am Neujahrsfest ein kleiner Ritual bei uns. Ich bekam einen Klumpen Rohzucker in einem bitteren Neem-Blatt eingewickelt. Seither weiss ich, dass es im Leben das Bittere und das Süsse ihren Platz haben. Wenn man Glück hat, so halten sie sich die Waage. Bis jetzt hatte ich Glück…

Pinggg… Ponggg…

Viele Menschen haben eine relativ sorglose Jugendzeit und steigen langsam in die Erwachsenenwelt ein, übernehmen Verantwortung.

Ich bin aber im zarten Alter von 16 Jahren auf mich selbst gestellt worden, und die Last der Verantwortung folgte auch bald darauf. Und heute trage ich fast keine Verantwortung mehr. Manchmal kommt es mir vor, als würde ich darum jetzt diese verpasste, unbeschwerte Jugendzeit nachholen wollen.

Pinggg… Ponggg…

Ich bin ein Gefühlsmensch, und verliebe mich sturzartig, häufig auf den ersten Blick, meistens unglücklich.

Ich bin in diesen Momenten total zerrissen. Einerseits will ich jeden Augenblick mit der anderen sein, weiss aber dass jeder Luft zum Atmen braucht.

Ich kann es alles nicht anders. Ein Sicherheitsnetz mag ich nicht. Liebe bedeutet keine Sicherheit sondern Geborgenheit.

Pinggg… Ponggg…

Das alles weisst Du auch meine Muse, nämlich dass ich mich in Dich verknallt hab, beim ersten Anblick. Ich weiss auch, dass Du mich mehr als magst. Ob ich es schaffe Dein Herz zu erobern oder dabei scheitere, das wird sich erst zeigen müssen. Es zerrt jedenfalls an meinem Herz und an meinem Verstand.

Und ich mag geheime Botschaften dieser Art wo nur wir zwei wissen wer gemeint ist.

Pinggg… Ponggg…

Ich hab keine Angst vor dem Tod, wohl aber vor Schmerzen. Der schlimmste Schmerz ist der Schmerz der Einsamkeit. Darum will ich nie 100-jährig alleine im Heim sterben.

Ich weiss aber, dass meine Grosseltern beide ein stattliches Alter erreicht haben. So werde ich mich mit diesem Thema weiter auseinandersetzen müssen.

Pinggg… Ponggg…

Schreiben ist eine Herausforderung, weil ich zu viel von mir preisgeben muss. Dabei bin ich sehr introvertiert.

Andererseits ist schreiben nur möglich, wenn man ehrlich ist, die eigenen Gefühle zum Ausdruck bringt, ohne Hemmungen. Ich schreibe für mich, aber dass andere es lesen werden zwingt mich zu einer gnadenlosen Ehrlichkeit mit mir selbst. Ich bin dann ein Hochseiltänzer. Das Publikum schaut zu, vielleicht, aber ich konzentriere mich nur auf das Seil und auf mich selbst…

Pinggg… Ponggg…

Ich stelle fest, dass ich lieber im hier und jetzt lebe. Und dass ich dieses Ping-Pong hasse. Also STOPP!

(ENDE)

Danke Tobias Oetiker für die zahlreichen Verbesserungsvorschläge!

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