Warum ich unser Bildungssystem verlasse

Gleich zu Beginn möchte ich erwähnen, dass du mich nicht von meiner Entscheidung abbringen kannst. Ich hatte mehr als genug Zeit meine Entscheidung genau abzuwiegen.

Auch weiß ich, dass die Mehrheit der Allgemeinheit gegen solch eine Entscheidung ist. Das war mir sowohl von vornherein klar, ich habe dies aber ebenfalls bereits zu spüren bekommen.

Fangen wir aber ganz am Anfang an. Im Mai dieses Jahres habe ich meine Ausbildung zum Kaufmann im Einzelhandel abgeschlossen. Das Unternehmen werde ich hierbei nicht nennen.

Die Ausbildung lief leider nicht ganz so wie erwartet. Nicht dass Ausbildungsjahre keine Herrenjahre währen, aber mobbingfrei sollte eine Ausbildung dennoch sein. Wobei das bereits mentale Kriegsführung war.

Nun gut, die Arbeit an sich hat mir Spaß gemacht. Jedoch war der schulische Teil absolut für die Tonne. Den Unterricht hätte sowohl ein 4. Klässler unterrichten können als auch absolvieren können.

Nein wirklich! Ich erinnere mich an viele Stunden Wirtschaftslehre in denen wir einfach nur aus dem Buch lesen mussten. That’s it. Wir haben über viele Stunden ein Buch gelesen. Und zwar jedes Jahr 1 Buch.

Ziemlich viel Stoff, oder? (Sarkasmus Ende)

Man könnte vielleicht jetzt argumentieren, dass wir ja nebenbei arbeiten waren und man uns nicht soviel zumuten sollte. Aber wir wurden weder gefordert noch gefördert.

Ich verbrachte daher überwiegend meine Zeit im Unterricht auf Facebook, mit Malen oder andere Sachen lesen. Das fand ich sinnvoller. (War es vermutlich auch)

Gegen Ende der Ausbildung wurde es noch turbulenter, aber darum geht es in diesem Artikel nicht.

Das kranke System

Ich möchte hier auch nicht die Lehrer verurteilen. Zumindest nicht alle. Einigen wenigen von ihnen ist das System klar und deswegen bemühen sie sich nicht einmal. Andere wiederum sind leider nicht so hell und gehen teilweise durch größte Provokation gegen die Vernunft vor.

Zurück zur Story.

Nach meiner Ausbildung entschloss ich mich wieder ein Jahr die Schulbank zu drücken. Dank großartiger Unterstützung gab man mir die Möglichkeit ein Jahr Fachoberschule für mein Fachabitur nachzumachen.

Dafür bin ich auch überaus dankbar. Nicht vielen wird solch eine Chance geboten.

Aber bereits am ersten Tag habe ich mich unglaublich unwohl in diesem System gefühlt. Als wäre ich ein Fremdkörper der da einfach nicht hingehört.

Der Unterricht verläuft weder zeitgemäß noch in irgendeinem Punkt auf die Gegenwart ausgerichtet.

Ein paar Beispiele gefällig?

Im Deutschunterricht werde ich bereits seit Jahren dafür kritisiert, dass ich ab und an mal Umgangssprache verwende. Manchmal halten Lehrer auch Wörter und Begriffe für Umgangssprache, die überhaupt keine sind.

Und ja, ich bin bereits mit einem Duden gegen einen Lehrer vorgegangen. Wer heutzutage denkt, dass er mit stumpfem, rein sachlichem und langweiligem Hochdeutsch bzw. “Fachdeutsch” weiterkommt der irrt. Und zwar gewaltig.

Du musst genauso schreiben wie du sprichst. Du hast deinen ganz eigenen und ganz individuellen Schreibstil und solltest dich auch nicht für andere deswegen krumm machen.

Noch ein Beispiel?

In der Fachoberschule bekamen wir die beiden Fächer ADV (angewandte Datenverarbeitung)und DV (Datenverarbeitung).

Was sich zu beginn recht interessant anhört ist leider das absolute Gegenteil. Nach meinen ersten Beiden Stunden dachte ich, ich wäre im falschen Film.

Wir besprachen mitunter wie lang ein Passwort sein muss (auf die Ziffer genau) und was es enthalten sollte. Bis zu meinem Abgang hat man uns kein einziges Mal wirklich erklärt wozu dieses Fach genau gut sein soll.

In unserer zweiten Woche durften wir Kreise, Vierecke und Ovale in Powerpoint zeichnen. Sehr fordernd. Nicht.

Bis heute habe ich den Unterschied der beiden Fächer nicht verstanden. In beiden Fächern waren wir u. a. an den Rechnern und beide Fächer hatten nichts mit Datenverarbeitung zu tun.

Ich könnte noch Hunderte solcher Beispiele nennen. Aber ich glaube ich habe meinen Standpunkt klar machen können.

Wo geht die Reise hin?

Ich habe die Schule nach 2 Monaten verlassen. Die meisten Menschen in meinem Umfeld sind mit meiner Entscheidung nicht glücklich. Bis auf die, die den selben Mist gerade durchmachen, oder bereits durchgemacht haben.

Nur wenige meiner Kollegen und Freunde haben etwas mit ihren FOS Abschluss bisher etwas anfangen können. Und wenn du auf den Punkt mit dem Studium hinaus willst, möchte ich dich nur auf den Akademikerüberschuss in Deutschland hinweisen.

Heutzutage ist nichts mehr eine Versicherung. Ob Bachelor, Master, Fachabitur oder sonst was. Deswegen möchte ich auch meine Zeit damit nicht weiter verschwenden.

Ich möchte mich weiter den Büchern und Online Kursen widmen und mich “passiv” weiterbilden. Ich lege meine Bildung in meine eigenen Hände und behaupte mal, dass sie dort am Besten aufgehoben ist.

Aber wie sieht meine Zukunft aus?

Nun im Moment suche ich einen normalen Job. Vom Vertrieb über Service. Ich bin nicht allzu wählerisch. Ich möchte zurück in meine Heimatstadt ziehen und neben dem Job mein Nebengewerbe Stück für Stück aufziehen.

Ich habe Hoffnung. Ich habe Träume und das sind nach meiner Philosophie Ziele.

Ob ich meine Entscheidung in 20–30 Jahren bereuen werde? Ich weiß es nicht. Aber ich denke nicht.

Wenn du selbst über solch eine Entscheidung nachdenkst, dann rate ich dir zu 2 Dingen.

  1. Denke gut darüber nach. Ich habe erst nach 4 Wochen meine Entscheidung getroffen. Du solltest dich nicht weniger damit befassen.
  2. Informiere dich. Was sind deine Alternativen. Was sind deine Ziele. Welche Bücher kannst du über deine Weiterbildung lesen oder allgemein über Bildung. (Für meinen Weg empfehle ich The Education of Millionaires)

Eine kleine Empfehlung geht auch an Johannes Eder von studierdich.de der sich auf seinem Blog sehr viel mit dem Thema Bildungswege beschäftigt.

Wenn du mich weiter auf meinem Weg begleiten möchtest, dann kannst du meine kommenden Projekte abonnieren VladimirKusnezow.de und PRODUCTIVITYMIND.com oder mir einfach auf Medium folgen.

Liebe Grüße,

Vladimir

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