Apple Music.

Als langjähriger Apple User bin ich von Natur aus neuen Produkten aus dem Hause Apple sehr aufgeschlossen.

Die Ankündigung von Apple Music hat bei mir recht wenig Interesse geweckt. Music Streaming. Toll. Gibts doch schon.

Allerdings gab es auch MP3 Player vor dem iPod, Handys vor dem iPhone und auch Tablets hat Apple nicht erfunden. Gab es alles schon vorher, wurde von Apple aber zur Marktreife perfektioniert.

Und jetzt Music Streaming.

Ein Angebot das mich wie gesagt nicht wirklich interessiert hat aber da es von Apple kommt und die ersten drei Monate gratis ist, wurde es natürlich getestet.

Zwei Wochen ist Apple Music nun alt und es wird Zeit ein erstes Resümee zu ziehen.

Vorweg muss ich evtl. noch erwähnen das ich Apple Basher auf den Tod nicht ausstehen kann. Besonders diese Android Fanboys die den ganzen Tag auf Apple News Seiten rumhängen und unter jede Meldung schreiben „Apple ist Scheiße“ und auch diese „ohne Steve Jobs geht alles den Bach runter“ Fraktion hängt mir ordentlich zum Hals raus.

Und nun zum eigentlichen Thema.

Apple Music.

Nach zwei Wochen Test, ist der erste Schock überwunden. Eine Menüführung wie in dunkelsten Windows Zeiten. Kein bisschen intuitiv. Kein bisschen besonders. Kein bisschen besser als all die anderen.

Ganz im Gegenteil.

iTunes (das wird auch der größte Apple Fan zugeben müssen) ist seit jeher ein Graus. Doch für mich war es immer das schwarze Schaf in der perfekt funktionierenden Apple Herde. iTunes war unübersichtlich und irgendwie aus der Zeit gefallen. Ein Relikt aus vergangenen Tagen, für das es eben noch keinen Ersatz gibt.

Die Entscheidung den neuen Dienst nun in iTunes zu integrieren, anstatt eine eigene App zu programmieren, halte ich für einen der größten Fehler die hier begangen wurden.

In Zeiten wo absolut jede Website, eine eigene App besitzt, macht es schlichtweg keinen Sinn, ein neues Produkt in ein uraltes Programm zu integrieren.

Eine eigene Music App für den Mac hätte es gebraucht. Schlicht, einfach, übersichtlich. Apple eben. Leider wurde anders entschieden und da Apple seit längerem versucht, den Look and Feel von OS X und iOS anzugleichen, haben wir jetzt auf iPhone und iPad eine Music App die dem schlechten iTunes Konzept folgt.

„Für dich“ „Neu“ „Radio“ „Connect“

Die vier Tabs von Apple Music. Wobei ich den Unterschied zwischen „Für dich“ und „Neu“ noch immer nicht richtig verstanden habe. Irgendwie hätte ich das auf einem Tab zusammen geführt. Denn in beiden Tabs finde ich Dinge die „Neu für mich“ sind. Also warum so kompliziert.

Und „Connect“? Was soll das sein? Ping 2.0? Ich werd es nicht nutzen, hab es auf dem iPhone sogleich deaktiviert und noch keine Sekunde darüber nachgedacht, dies Entscheidung rückgängig zu machen. Aber ich bin auch kein Social Media Meister. Nutze Facebook nur selten, bin auf Google Plus ein wenig aktiv und Twitter mag ich sowieso nicht.

Also bin ich wohl einfach nicht die Zielgruppe.

Egal.

Gibt ja noch jede Menge anderes zu entdecken… oder? Tja. Eigentlich nicht. Ich hab die ersten beiden Tage damit verbracht, Apple Music beizubringen welche Musik ich mag. Jedenfalls hab ich das versucht, denn die Funktion der Herzen ist ja auch ein wenig seltsam. Mir wäre hier eine Daumen Hoch, bzw. Daumen runter Funktion lieber gewesen. Schließlich werden übersprungene Titel nicht berücksichtig.

Und überhaupt ist die Menüführung irgendwie seltsam. Hinter drei Punkten (die nur eingeblendet werden, wenn ich mit dem Mauszeiger darüber fahre) komme ich zu den wichtigsten Funktionen. Aber auch nach zwei Wochen hab ich mir noch nicht richtig gemerkt was dort alles versteckt ist. Werde ich alt? Verstehe ich die Logik hinter dem ganzen einfach nicht? Keine Ahnung. Irgendwie ist das ganze einfach wirr.

Und besonders die „Sender nach Interpret“ Funktion hat mich enttäuscht. Allerdings nicht aufgrund der gebotenen Musikwahl, die war Toll. Sondern weil der Stream immer wieder unterbricht. Technisch noch nicht ausgereift, könnte man natürlich sagen. Aber das ist Apple verdammt. Die müssen sowas doch vom Start weg hinbekommen.

Keine Sonos Integration! Echt jetzt. Leute die solche Dienste Nutzen werden zu einem großen Prozentsatz eine Sonos (oder vermutlich mehrere) im Einsatz haben. Hier die Unterstützung nachzureichen ist ein Big Fail. Hätte es so einfach nicht geben dürfen. Nicht nach der langen Vorbereitungszeit.

Um ehrlich zu sein habe ich den Sinn von Musik Streaming nie verstanden. Ich zahle Geld für etwas das ich auch gratis bekommen kann. Gratis und Legal, wohl gemerkt. Es gibt unzählige Internetradios. Warum soll ich für einen Dienst zahlen der mir genau das selbe bietet. OK es sind nur 10€ im Monat. Für etwas das mir einen echten Mehrwert bietet, bin ich gerne bereit das Geld in die Hand zu nehmen.

Aber nicht für Apple Music. Mir gefällt es nicht.

Die ganze von Apple eingeschlagene Richtung gefällt mir nicht.

Irgendwann wurde in Cupertino beschlossen das sich das Handling von Betriebssystemen von der alten Ordner Struktur entfernen soll.

Fand ich nicht dumm. Mir gefiel die Idee von iPhoto auch wenn sie noch nicht ganz ausgereift war. iPhoto gibt es nicht mehr. Jetzt haben wir die Fotos App und sie ist, genau so wie Apple Music, völlig unübersichtlich. Auch hier fällt es mir unglaublich schwer mich durch die verschiedenen Tabs zu klicken, denn ich bin irgendwie immer genau dort wo ich nicht sein will und ich muss ehrlich jedes mal überlegen wo sich das befindet, was ich gerade suche.

Vielleicht bin ich einfach zu sehr an die alten Strukturen der Computernutzung gebunden. Vielleicht fällte es jenseits der 30 wirklich schwerer sich an neues zu gewöhnen. Vielleicht sollte ich aufhören zu jammern und mich einfach dann gewöhnen und irgendwann finde ich das ganze dann doch logisch.

Vielleicht sollte Apple aber mal anfangen über alte Tugenden nachzudenken. Form follows function hieß es doch immer. Nach diesem Grundsatz sollten auch Apps programmiert werden. Im Moment erinnert mich die Menüführung an das (von mir durch und durch verhasste) Microsoft Ribbon. Für mich das unübersichtlichste das je erfunden wurde. Apple kann das besser. Sollte es jedenfalls.

Ich werde die drei Monate durchtesten. Aber zum jetzigen Zeitpunkt kann ich mir nicht vorstellen, dass ich danach bereit bin jeden Monat 10€ dafür abzugeben.

Während ich diese Zeilen schreibe, läuft übrigens Musik über meine Sonos Lautsprecher. Ohne Unterbrechungen, ohne irgendwelche Pluszeichen, Herzen oder ähnliches. Auch keine besondere Playlist. Nur ein Webradiosender, der wirklich tolle Musik spielt.

Mehr brauche ich einfach nicht.

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