Vom Fluch der Fortsetzung…
Was ist die Quintessenz einer guten Fortsetzung?
Eine Frage die ich mir während der letzten zwei Jahre oft gestellt habe. Früher vermutlich auch schon des öfteren aber die letzten Monate immer und immer wieder.
Fortsetzungen sind ein zweischneidiges Schwert. Grundsätzlich will man Mehr. Mehr von Allem.
Mehr Aktion, mehr Handlung, mehr Charaktere, mehr Tiefe, mehr… mehr… mehr…
Doch ist Mehr nicht bald zuviel?
Agonie hat zu diesem Zeitpunkt rund 1300 Seiten, wen wir die ersten Beide Bände zusammen zählen. Eine sehr ausschweifende und (ja Eigenlob stinkt) durchaus packende Geschichte voller verschiedener Charaktere und Handlungsstränge.
Was also will ich, wenn ich nun eine Fortsetzung schreibe?
Mein oberstes Ziel war es, den Charakteren noch mehr Tiefe zu verleihen, ihnen mehr Zeit zu geben, etwas Alltag in ihr Leben einzuweben. Natürlich wollte ich nicht darüber schreiben wie sie Fenster putzen oder Staubsaugen. Aber ich wollte Personen erschaffen, die abseits der ganz Großen, interstellaren Krisen, noch ein Privatleben führen. Ein Leben mit all den Kleinigkeiten die unsere Existenz nunmal mit sich bringt.
Daneben wollte ich politischer werden. Die ersten beiden Teile haben sich auf den Krieg konzentriert, auf die Soldaten an der Front, auf die Gefechte, den Verlust, die Angst, den Tod. Doch dieser Krieg liegt hinter uns und die Frontsoldaten von damals, sind in Friedenszeiten zu Entscheidungsträgern geworden.Zu politisch denkenden Menschen, zu Personen die Entscheidungen hinterfragen und die sehr unterschiedliche Meinungen davon haben, wohin die Reise der Menschheit gehen soll.
Das Wesen der Demokratie an sich, sollte ein Kernthema dieses Romans werden. Allerdings nicht plakativ und nicht in langen Dialogen tot geredet. Doch die Frage sollte im Raum stehen. Irgendwo zwischen den Zeilen. Allgegenwärtig und doch nie richtig Präsent.
Klingt komisch? Stimmt. Aber das war eben meine Intention.
Ich wollte auch mehr vom Weltraum zeigen, von den Spezies, die ihn Bevölkern, von den Wesen die dort draußen ihre eigenen Kulturen leben.
Agonie war bisher äußerst Menschen orientiert. Teilweise aus Berechnung, mit Menschen können wir einfacher mitfühlen, teilweise völlig ungeplant, weil die Geschichte sich eben in diese Richtung entwickelt hat.
Für diesen dritten Teil hatte ich mir also vorgenommen, auch auf andere Spezies einzugehen. Speziell auf die Babylonier und die Saddakun. Beides Völker die ich über die Jahre sehr ins Herz geschlossen habe und so werden die Hochmoore und Berge Babylons zu einem wichtigen Handlungsort werden. Allerdings erst später in der Geschichte.
Und natürlich will man auch den einen oder anderen WOW Effekt in seinem Roman haben.
Die Inschala und speziell Ischanti, waren das große Fragezeichen der letzten beiden Bücher. Immer präsent aber niemals im Rampenlicht. Das wollte ich ändern.
Ischanti und Minos Korva werden sehr viel Raum einnehmen.
Doch was will ich eigentlich sagen?
Nachdem ich Jahre an der Geschichte gesessen habe, unzählige Seiten geschrieben und wieder verworfen habe, blicke ich auf dieses (fast) fertige Manuskript und frage mich, ob ich zuviel wollte. Ob ich über das Ziel hinaus geschossen bin. Ob es zu viele Charaktere geworden sind, zu viele Handlungsorte, zu viele Storylines, zu viel Politik, zu viel von Allem.
Muss eine Fortsetzung immer mehr von Allem bieten? Hätte ich kleinere Brötchen backen sollen?
Die Zeit wird es zeigen…