Dohle und Pfau

Kennt Ihr Dohle und Pfau? Das ist eine Fabel, die man im Lateinunterricht gern mal übersetzt. Für jeden, der null Ahnung hat worum es da geht, eine kleine Zusammenfassung:

Dohle findet Dohlen scheiße und Pfauen toll. Dohle findet Pfauenfedern und steckt sie sich an, mischt sich dann unter die Pfauen. Pfauen verprügeln Dohle, weil das voll respektlos von ihr ist, ne. Dohle flieht und will sich mit den Dohlen versöhnen, aber die Dohlen haben keinen Bock mehr auf sie.

Ende.

Sehr motivierend.

Aufgabe war dann, jene Fabel modern zu interpretieren.

Geht los.

Gruppenbildung ist scheiße. Geschlechtsaufteilung und Standards sind scheiße. In unserer Gesellschaft muss man reinpassen. “Warum hast du keine Haare, warum trägst du Klamottenaus der Herrenabteilung, warum bist du anders, warum bist du du selbst?”

Wie können Menschen es wagen sie selbst zu sein, wenn man selbst zu sein nicht passt?

Man hat es leichter wenn man passt. Ich hatte es leichter, als ich gepasst habe. Lange Haare, bunte Fingernägel, Hauptziel: Passen.

Ich mag meine Freunde, meine Freunde mögen mich auch. Glaube ich jedenfalls. Ich habe eine gute Freundin, die passt. Und ich mag sie, aber das Letzte was ich will, ist sein wie sie. Und manchmal wünsche ich mir, sie wäre nicht meine Freundin, denn jeder, den sie kennt, jeder, den ich durch sie kennenlerne, passt. Und ich passe halt nicht.

Seit ich kapiert habe, dass ich nicht passe, geht’s eigentlich. Ich will kein Kerl sein, aber eine stereotypische Frau, deren Bild zu 90% von heterosexuellen Männer sowohl geformt, als auch beurteilt wird, das will ich auch nicht. Da bin ich doch lieber ein Kerl. Aber ich bin halt kein Kerl. Ich passe halt nicht. Was man auch daran merkt, dass man bei bestimmten Aktionen der Jungs dann doch nicht integriert wird. Und dann kommt wieder: “Sei doch einfach mehr Mädchen.” Und dann geht man zu der weiblichen Seite der Geschichte und dann kommt wieder: “Sei doch einfach mehr Mädchen.”

Und auch wenn es eigentlich geht, geht’s eben eigentlich doch nicht. Ich will kein Kerl sein, ich will kein Mädchen sein, ich wäre gern ich selbst. Es ist schwer man selbst zu sein, wenn das Selbst was man ist von keiner spezifischen Gruppe vertreten wird, denn Menschen definieren sich über Richtlinien, welche die Gesellschaft vorgibt. Hierbei schließe ich mich ein.

Aber keine dieser Richtlinien passt. Zumindest nicht zu mir.

Und während die Gruppe die mir vielleicht eher steht, mich doch lieber auf der anderen Seite sehen würde, da wo die Mädchen hingehören, möchte ich nicht auf der Seite stehen, schon eher auf der anderen, aber irgendwie auch nicht. Ehrlich gesagt, weiß ich nicht was ich will. Ich will meine eigene Seite. Aber die bekomme ich nicht. Deshalb muss ich mich integrieren, auf der Seite, auf der die Welt mich sehen will. Aber das kann ich scheinbar nicht.

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