Leipzig–Rom 2015 (Die ersten Tage)

Wieder auf der Strecke

Schwand

Die letzten Tage war ich nicht durchgehend auf der Strecke.

Mit Patrick von www.healthyhabits.de bin ich am Mittwoch bis Zwickau gelaufen (von Altenburg sind das 45 km…Danke Patrick für diesen Husarenritt! Du bist sogar noch in Leipzig nach Hause gelaufen und konntest die 50 km-Marke knacken…).

Jedenfalls war es mir dank dieser Laufunterbrechung möglich, am Donnerstag Abend in der Jugendtheaterpremiere in der Musikalischen Komödie in Leipzig über das Stück zu staunen, was da uraufgeführt wurde: “Hungrige Herzen”. Das war es wert.

Mittlerweile bin ich wieder auf der Strecke, in Schwand, einem kleinen Dorf kurz hinter Plauen, in malerisch hügeliger Landschaft, die mich schon ein wenig an die Toskana heranführen soll — in geografischer und mentaler Hinsicht.

Jetzt ist die Reise auch wirklich losgegangen, die kurze Unterbrechung zu Beginn hatte den Vorteil, dass ich die ersten Tage ein wenig testen und probieren konnte.

Nun ist es aber soweit: 7 spannende Wochen liegen vor mir, deren Verlauf nicht im Entferntesten fest steht. Das Ziel ist die Sixtinische Kapelle in Rom, bei Gesundheit bleiben, den Weg und seine Eindrücke genießen, Land und Leute kennenlernen sowie Orientierung in vielerlei Hinsicht gewinnen. Über das ein oder andere werde ich hier schreiben.

Industrie 1.0 — Crimmitschau

Mit Patrick bin ich am Mittwoch noch durch Crimmitschau gelaufen, eine verschlafene Stadt, die einstmals zum Zentrum der deutschen Industrialisierung gehörte und die die meisten Millionäre pro Einwohner im Deutschen Reich aufweisen konnte — lediglich die herrschaftlichen Villen lassen heute darauf schließen.

Wir sind das Volk — 1. Großdemonstration der Friedlichen Revolution — Plauen

In Plauen ging es heute passend weiter. In wunderschöner Umgebung gelegen, schlummert die Stadt mehr oder weniger vor sich hin — oder geht geschlossen einkaufen, entweder im Plauen Park oder mitten im Zentrum, das scheinbar auch aus einem Einkauf-Center besteht. Nein, natürlich gibt es auch einen Töpfermarkt, freilich geht es hier ehrlicher zu und vor allem mit antikapitalistischen Tendenzen. Amen.

Kaum zu glauben, dass die — in der Geschichte der Revolutionen und Systembrüche selten titulierbare — Friedliche Revolution in der DDR genau hier ihren Ausgangspunkt nahm. Am 7. Oktober “stürmten” hier die Massen nach 16.00 Uhr, also nach Feierabend in den staatlichen Betrieben, die öffentlichen Plätze und riefen erstmals laut vernehmbar: “Wir sind ein Volk!” — nicht mehr nur “Wir sind das Volk!”. Auch schön.

Aber, um nicht dem unbegründeten Plauener Überschwang darüber noch Futter zu geben: Natürlich war das nicht der einzige Auslöser, dasss die Revolution gelang und friedlich blieb. Dazu kamen die glücklichen Umstände in der ehemaligen Sowjetunion, die die Plauener nicht direkt steuerten (oder?) sowie die hochpolitischen Dissidentengruppen, die auch ihren Anteil an der “Wende 89” hatten.

Dafür ist Plauen an der Weißen Elster gelegen — und immer mit Leipzig verbunden. Sympatisch.

Wege entwicklen sich (auch) fließend.