Leipzig — Rom 2015 (Impressionen der 3. Woche)
Ende Juli 2015

Mittlerweile in der vierten Woche angelangt, bin ich hier erstmals seit Tagen wieder in der Lage, vernünftig online zu arbeiten. Das gehört nicht ohne Grund zu den existenziellen Bedürfnissen unserer Zeit, mindestens genauso wichtig wie Strom, fließendes (warmes) Wasser und eine warme Mahlzeit. All das sind Dinge, die hier auf den Alpen-Hütten nachgefragt werden. Und wenn ich wählen müsste, zwischen fließend warmen Wasser oder Internet hier oben, …die Sache wäre ohne zu überlegen entschieden: Internet. Oder, wie würdet Ihr entscheiden?
Im Anschluss an die Tage in Nürnberg entschloss ich mich aufgrund der Zeit von zwei Monaten, die mir für die Reise zur Verfügung steht, zum Transit über Ingolstadt — Dachau — München, um in Wolfratshausen bei unmenschlichen Sommertemperaturen den Weg über die Alpen anzutreten.
Dachau



Die Zeit in Dachau wird mir in Erinnerung bleiben. Ich habe dort Freunde besucht, die mir Dachau als lebenswerte Stadt zeigten; wir gingen im See schwimmen, aßen beim Italiener, lästerten über Ferrari-Fahrer (natürlich als Wanderer!) und genossen unser Wiedersehen. All das in Dachau, das mich am Morgen noch beim Besuch der KZ-Gedenkstätte in Abgründe der Menschheitsgeschichte geführt hatte.
Gleichwohl, beides ist wahr und real — eine Stadt, in der es nicht die schlechteste Idee ist zu leben, und eine unmenschliche Geschichte, die sich dort (vor aller Augen) abgespielt hat.
Erinnerung spiegelt Gegenwart. Und umgekehrt.
In diesem Zusammenhang ließ ich die letzten Reisen auch noch einmal Revue passieren: Auf jedem der Wege der letzten drei Jahre, den ich von Leipzig aus ins Ausland gegangen bin,
– 2013 nach Paris über den Ettersberg in Buchenwald, — 2014 — an der Elbe entlang nach Prag durch Theresienstadt hindurch und nun — 2015 nach Rom über Nürnberg und Dachau –
bin ich auf deutliche Spuren dieser unsäglichen Epoche “gestoßen”.
Da gibt es kein Entkommen. Die gehören einfach zum Weg dazu.
Isar

Der Isar entlang zu wandern, ihr klares Wasser zu bewundern und ab und zu hineinzuspringen und sich ein kleines Stück weit (leider zurück-)treiben zu lassen, war eine Wohltat nach der hektischen Zeit des Zugfahrens. Diese Geschwindigkeiten stören den Rhythmus und lassen vieles verloren gehen, was auf dem Weg hätte entdeckt werden können. Sei’s drum, an der Isar entlang, war die beste Einladung der Alpen. Und Bad Tölz ist schon ein schmuckes Städtchen! Irgendwie.
Lenggries und der Beginn der Alpenüberquerung



Seit Lenggries bin ich auch nicht mehr allein unterwegs. Nicht nur, dass einige Wanderer seitdem immer wieder meinen Weg kreuzen, die meisten, weil sie den sog. Traumpfad, den Weitwanderweg von München nach Venedig folgen, sondern auch, weil ich von einem Freund begleitet werde, Henrik aus Augsburg.
Es macht Riesenfreude mit ihm durch die Alpen zu stapfen, von Hütte zu Hütte uns “tiefer” in die Alpen vorzuarbeiten, manchmal kraxelnd, ein andermal geradezu schlendernd. Wir sind gut aufeinander abgestimmt. Das passt.
Wir lernen dabei urige alte Hütten wie die Plumsjoch -und Lamsenjochhütte kennen, als auch gut und komfortabel ausgebaute Hütten, z.B. die Weidener Hütte, nahe der “Swarovski”-Stadt Wattens.
Noch sind wir in moderaten Höhenlagen unterwegs, vielleicht 1500–2000 Höhenmeter. Doch merken wir schon, wie sehr die Alpen das Tempo bremsen, v.a. durch ihre wunderbaren Aussichten. Ihre schiere Größe und Ausdehnung lassen manchmal vergessen, dass sie einfach im Weg von Leipzig nach Rom stehen und überwunden werden müssen. Dann scheint es, als sei das die Reise an sich. Eine Bergtour durch die Alpen.
Auf den Gipfeln bzw. in den entsprechenden Jochs, wo wir überall nur Berge sehen, da ist es kaum zu glauben, dass es flaches Land gibt, Ebenen, die einfach abgeschritten werden können. Ich bin echt gespannt, ob und wann ich das Ende dieser Berge erreichen werde. Zeit bleibt mir bis ca. 6./7. August. Dann muss ich bereits weiter und tiefer nach Italien, Florenz und die Via Francigena, die mich als uralte Pilgerroute direkt nach Rom bringen soll.
Was ich sonst mache: www.inkovema.de