Warum trägst Du eigentlich Deinen Ring nicht mehr?

© alexprevot/Flickr CC-BY-SA

Sohn1 hatte Ihren Ehering vor einer Woche unter unserem Bett gefunden. “Ach da ist er” sagte Sie und legte ihn in die Schublade. Wenige Tage später war die Kondompackung leer und das Sommerfest in Ihrer Firma dauerte erstaunlich viel länger als es sonst üblich war.

“Trennungsvereinbarung”, “nachträglicher Ehevertrag”, “Gütertrennung rückwirkend” waren die Suchbegriffe, die ich Google ohnmächtig an die virtuelle Stirn warf, so als wäre die Suchseite ein Ersatz für einen Punching Bag. Hilfreich war das nicht und auf dem Weg zur Arbeit schaffte ich es, meine Wut in Drehmoment zu verwandeln und übertrug die ganzen hochkochenden fiesen Gefühle auf die Pedale meines Rennrads. Kilometerfressen ist Meditation pur; der Bewegungsapparat ist abgelenkt, die eine Hirnhälfte damit beschäftigt, Hunden und Ebike-Rentnern auszuweichen und während dessen kann sich die zweite mit dem Problem auseinandersetzen.

Meine Gedanken wurden klarer: wir waren erst vor wenigen Monaten in eine doppelt so große Wohnung umgezogen, auch um Platz zu haben, uns aus dem Weg gehen zu können. Eigentlich hatte ich es doch kommen sehen. Nach der Partnerberatung letztes Jahr, die sehr hilfreich war, hatten wir erneut unseren schon länger bestehenden Plan bekräftigt, im Falle einer Trennung weiterhin zusammen zu wohnen, um unseren beiden 3 und 5 Jahre alten Söhnen ein Familienleben zu ermöglichen. Die zwei sind völlig unschuldig und dürfen nicht darunter leiden, dass Mama und Papa sich nicht mehr das Bett teilen wollen. “Klassische” Trennungs-Modelle wie das Hin- und Herschicken der Kinder zwischen allein wohnenden Teilzeiteltern kommen für uns überhaupt nicht in Frage. Außerdem müssten wir für getrennte Wohnungen schon wieder umziehen, was wir uns zur Zeit schlicht nicht leisten könnten. “Müssen wir diesen Plan jetzt also tatsächlich rausziehen?” fragte ich mich.

Samstag Abend, Freunde übernachteten bei uns, am nächsten Tag wollten wir zusammen weitere Freunde besuchen gehen. Ich war ziemlich gefasst, hatte ich doch ein paar Tage nachdenken können, und hatte doch sehr dringenden Gesprächsbedarf, weil ich es mir schon schwer fiel, so zu tun, als wäre nichts. Also fragte ich Sie als wir neben einander im Bett lagen: “Ich brauche Klarheit darüber, warum Du Deinen Ehering gar nicht mehr trägst. Kannst Du mir das bitte erklären?”. Jetzt war es heraus. Und Ihr sichtbar unangenehm, trotzdem schien auch Sie vorbereitet. Nachdem wir uns geeinigt hatten, dass es den “richtigen Moment” für so eine Unterhaltung nicht gebe, sagte Sie: “Ich hab mich in einen Kollegen verliebt.”

“Mist, verdammte Scheiße, VERLIEBT!” dachte ich so laut, dass es eigentlich hörbar hätte sein müssen. Ich hatte mit einer Affäre gerechnet, mit etwas Vorübergehendem. Ich war doch so voller Hoffnung, dass aus unserer Beziehung wieder was werden könnte, auch weil es in den letzten zwei, drei Monaten ganz gut lief. Wir hatten uns sogar mit Instandhaltungssex beschäftigt und schienen uns wirklich langsam von der Sohle des Jammertals zu entfernen. Aber Verliebtsein, das ist eine ganz andere Dimension. Mir war sofort klar, das ist jetzt endgültig.

Das alles ist jetzt ein paar Wochen her. Wir wohnen noch in derselben Wohnung. Unsere Kinder sind glücklich, sie sind es schon länger gewohnt, dass wir öfter morgens nicht im selben Bett zu finden sind. Und wir? Es sieht ganz danach aus, als könnten wir unsere Freundschaft da raus retten.

Wir sind jetzt also eine WG Familie. Wie das werden soll? Keine Ahnung, aber ich werde hier darüber berichten.

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