BOOMblogs auf der #denkst16: ”Sind Blogger Relations immer gleich Paid Content?“

Am vergangenen Samstag, den 23. April 2016, fand die erste Ausgabe der Familienblogger-Konferenz #denkst in Nürnberg statt. Und auch wenn in Sachen Organisation noch nicht alles rund lief, schreit das Blogger-Klassentreffen nach einer Fortsetzung. Denn es war ein unterhaltsamer, informativer und inspirierender Tag. Ich selbst durfte als Speaker auf die Bühne. Thema meines Vortrages war “Sind Blogger Relations immer Paid Content?”. Den Titel hatte ich vor etlichen Wochen an die Veranstalter Susanne und Sven geschickt, ohne mich bis dahin wirklich mit dem Inhalt beschäftigt zu haben. Klar war nur, dass es um die Bezahlung von Bloggern durch Kunden gehen soll. Zuerst wollte ich es wie Heftig angehen: “Du wirst nicht glauben, wieviel Du mit Deinem Blog verdienen kannst…”. Aber das war offensichtlich gar nicht nötig, denn am Vormittag erwähnten bereits einige Blogger, sehr gespannt zu sein, da ich die Erwartungen durch die Ankündigung recht hochgeschraubt hätte. Vielleicht lag das an der längeren Beschreibung auf der Website:

“…Wie schön wäre es, wenn ein eigener Blog nicht nur Leser anlockt, sondern auch noch für ein Einkommen sorgt. Als Blogvermarkter kläre ich auf, wann ein Blog das Potenzial hat, für Veröffentlichungen bezahlt zu werden. Und auf was die Kunden und Agenturen bei Ihren Anfragen Wert legen. Warum es nicht nur auf die Größe ankommt. Aber eben doch ein bißchen. Und was man tun kann, wenn man sich mit der Schreiberei finanzieren möchte…”

Auf jeden Fall habe ich mich sehr gefreut, dass trotz starker Parallelveranstaltung die Sitzplätze in meinem Raum nicht ausreichten. Besten Dank an alle Zuhörer. Und das ihr alle bis zum Ende geblieben seid.

Mein Vortrag war als Online-Präsentation mit prezi.com erstellt. Das erlaubt wesentlich flexibleres Präsentieren und ist gerade an so einem Tag eine Abwechslung zu den vielen Powerpoint-Folien. Komplett teilen möchte ich das hier aber nicht, unter anderem aufgrund einiger Bilder. Hier ist die Zusammenfassung:

Auto-Blogger sind einen Schritt voraus

Jeder Blogger ist anders, aber…

Zur Verdeutlichung, wie sich die professionelle Vermarktung der Family-Blogs entwickeln könnte, habe ich die Autoblogger-Szene vorgestellt. Denn dort hat sich insbesondere aufgrund von Daten, welche die Autohersteller erheben, um sich Setcards zu jedem Blog anzulegen, eine Marktbereinigung auf Bloggerseite stattgefunden. Erhoben werden von den Autoherstellern unter anderem die Reichweite, KPIs zu “social influence” und qualitative Merkmale wie Text, Bilder, SEO und Ladezustand des Blogs. Daraus berechnen die Hersteller den “relevance score” eines jeden Blogs. So verkleinerte sich die Anzahl der relevanten Blogs und übrig blieben reichweitenstarke Seiten, die meist bestimmte Nischen bedienen.

Status der Family-Blogs

Status bei Family-Blogs

Bei den Familienblogs ist das Angebot an Blogs immer noch riesig. Es braucht keine Qualifikation außer bestenfalls einem Kind und einem Blog, es gibt die unterschiedlichsten Motivationen (Ventil, Netzwerken, Frust loswerden, Produkte abgreifen) und verschiedene Schwerpunkt (Privatleben, DIY, Kochen, Reisen, Shoppingtipps…). Fast jeder Blogger betreibt parallel alle Social Kanäle, baut sich ein Netzwerk zu Bloggern und Kunden auf und ist in Sachen SEO, Bildbearbeitung und Textqualität mehr oder weniger professionell. Entweder geht der Blogger aktiv Firmen und Verlage an (Push) oder er wartet drauf, von allein angesprochen zu werden (Pull). Außerdem ist zu erkennen, dass selbst die kleinsten Blogs schon Kooperations-Seiten und Media Kits haben.

So agieren Werbekunden und Agenturen

Ähnlich unterschiedlich wie die Blogs selbst sind auch die Anfragen, die im Posteingang landen. Einige Agenturen und Kunden betreiben “Blogger Relations” sehr professionell mit qualifizierten Mitarbeitern. Andere versuchen, Werbebotschaften zu platzieren, SEO-relevante Backlinks einzukaufen, Produkte als relevante News zu “verkaufen” oder Blogger mit Produkten für Ihren Aufwand zu entschädigen. Ein Umdenken und eine Professionalisierung ist somit auf beiden Seiten wünschenswert.

Was können wir von Autobloggern lernen

Danke an Tollabea für dieses Foto

Voraussetzung dafür müsste eine einheitliche und öffentliche Ausweisung der Reichweiten werden. Bisher misst jeder Blog seine eigenen Zahlen, daher gibt es aufgrund unterschiedlicher Meßverfahren keine Vergleichbarkeit. Aus Sicht der Vermarktung gibt es zuviele Familienblogs, daher wäre auch hier eine Übersicht mit Setcards zu jedem Blog sicherlich eine Erleichterung. Aber dafür braucht es die Bereitschaft zur Transparenz. Ihr Leben mit Bloggen finanzieren zu können, werden nur wenige Family-Blogger schaffen.

Tipps für Kunden und die Blogger

Empfehlung an Werbekunden und Agenturen lautet: erstmal die Zielgruppe zu einer Aktion definieren und dann schauen, welche Blogs dazu passen. Nicht immer auf Masse statt Klasse setzen. Auf jeden Fall Ziele definieren, um nach der Aktion checken zu können, ob es Optimierungsmöglichkeiten gibt. Insbesondere die großen und reichweitenstarken Blogs nehmen für Beiträge mit werblichem Hintergrund Geld.

Als Blogger sollte ich mir überlegen, was ich vom Bloggen erwarte. Produkte? Geld? Spaß? Gleichgesinnte? Wieviel Zeit kann ich aufbringen? Möchte ich mir durch die Schreiberei ein Taschengeld dazuverdienen oder möchte ich mein Leben darüber finanzieren? Was macht mich relevant, also was unterscheidet mich von anderen Blogs? Habe ich einen USP? Wer genau liest meinen Blog und wie wirkt meine Seite auf die ersten drei Sekunden, die sich potenzielle Kunden oft nur für einen Check Zeit nehmen? Und zu guter Letzt: wie bleibe ich authentisch, halte also meine Leser bei Laune — trotzdem werblicher Inhalte.

Ein paar Tipps aus eigener Erfahrung

Wir betreiben das Väter-Magazin DADDYlicious bereits seit fast drei Jahren und haben uns auch intensiv mit Vermarktungsmöglichkeiten befasst. Hier unsere Tipps:

  • Bannerwerbung klappt nicht im Alleingang — außer mit AdSense
  • Der Aufbau eines Netzwerkes braucht Zeit. Das gilt auch für Reichweite
  • Akquise auf Messen klappt nur mit Termin
  • Display, Adsense und Affiliates reichen nur für ein Grundrauschen
  • Einen Preis bei Anfragen festzulegen, ist schwierig
  • Social lässt sich erst ab hohen Fanzahlen separat vermarkten
  • Andere Blogger machen Viel für wenig Lohn. Nicht irritieren lassen
  • Ist ein Produkt für meinen Blog relevant? Kann jeder selbst entscheiden
  • youTube wird bei Family-Bloggern noch zu wenig bedient
  • Kann ich ewig Family-Blogger bleiben? Eher nicht
  • Kann ich vom Blogger leben? Wahrscheinlich auch nicht
  • Die Familie leidet, wenn ich immer das Smartphone parat habe

Netzwerke erleichtern die Vermarktung, denn

BOOMblogs als Vermarktungsnetzwerk von Family-Blogs

Voraussetzung zur Teilnahme an BOOMblogs:

  • 15.000 visits pro Monat (laut google Analytics)
  • Stimmiges Design
  • mind. 3 Posts pro Woche
  • eine Prise Lifestyle
  • das gewisse Extra
  • social power

Fazit

Bloggen darf “paid” sein, sollte aber immer leidenschaftlich betrieben werden. Um sich über den Blog finanzieren zu können, darf es nicht im Vorbeigehen passieren. Um relevante Einnahmen zu erzielen, braucht es täglich viele Stunden für Texte, Bilder, Videos, Netzwerkpflege, Events und Korrespondenz.

Anders sein kann helfen, der Blogger sollte sich überlegen, was ihn und seinen Blog zu etwas Besonderem macht. Denn danach suchen Werbekunden. Die Reichweite ist nicht alleinentscheidend, aber ein wesentliches Kritierium.

Und man sollte nie vergessen, authentisch zu bleiben und den Leser mit seinem Interesse in den Vordergrund zu stellen.

Über Kai Bösel

Jahrgang ’71, Patchwork-Dad aus Hamburg, Gründer von den Start-ups Adventman, Geschenkman, Daddylicious, BOOMblogs und motoso.de (bereits ausgestiegen).

Redakteur und Kolumnist bei den Print-Magazinen Warum!, Junge Familie, Kinder! und Men’s Health Dad.

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