Geburtstagsparty mit neuen Freunden

und: warum schreibe ich hier eigentlich?

13. August.

Unsere Große hat Geburtstag. Große Aufregung, weil wir gestern Nachmittag spontan entschieden haben, doch deutlich größer als ursprüngliche geplant zu feiern: wir erwarten ca. 15 neue Freunde aus Palästina. Hektisch haben wir noch Kuchen und Gebäck zusätzlich zum selbstgebackenen Geburtstagskuchen gekauft, außerdem etwas Baklava und Säfte.

Es wird 15.00 Uhr — doch die Gäste bleiben aus. Vielleicht haben sie nur aus Höflichkeit zugesagt? Kam unsere Einladung zu schnell? Haben wir etwas falsch gemacht? Wir Erwachsenen sind unsicher, die Große untröstlich…

Zwanzig nach drei klingelt es dann doch. Vor der Tür stehen unsere neuen Freunde, die Kinder frisch frisiert und wie aus dem Ei gepellt.

Sie entschuldigen sich überschwänglich für die Verspätung. Sie hätten sich erst noch zurecht machen müssen. Das dauerte länger als erwartet.

Kein Thema. Wir freuen uns, dass sie da sind. Was nun beginnt, ist der ganz normale Geburtstagsfeierwahnsinn: Kuchen und Saft, Luftballons und Seifenblasen, Kinder im und am Riesenplanschbecken und beim Fußballspielen. Wir fotografieren uns alle gegenseitig, lachen, essen und lernen uns näher kennen.

Gerade frage ich mich, warum ich das hier eigentlich aufschreibe. Warum ein Blog über Banalitäten? Über Selbstverständlichkeiten? Wir feiern zusammen mit neuen Nachbarn den Geburtstag einer Neunjährigen, na und? Was genau ist daran lesenswert? Macht die Tatsache, dass unsere Gäste Flüchtlinge sind, das Ganze spannend? Wenn ja: was sagt das eigentlich über uns aus?

Die Kinder sind mutig und trauen sich, unseren Hund zu streicheln. Die Frauen wollen von mir Deutsch lernen. Die Männer reden über die zurückliegende Flucht.

Wir erfahren, dass die Familie zwanzig Jahre in Lybien lebte, bevor sie nun nach Deutschland kam: mit einem winzig kleinen Boot übers Mittelmeer, nach Sizilien. Der nächste Fernsehbeitrag über Flüchtlinge in Booten hat eine neue Dimension für uns: Das sind von jetzt an keine abstrakten Geschichten namensloser Flüchtlinge mehr. Auch unsere Nachbarn, unsere neuen Freunde, haben diesen gefährlichen Weg übers Meer nehmen müssen.

Während einer Reportage im Fernsehen über in Booten ankommende Flüchtlinge auf Kos:

„Mama, schau mal, wie winzig diese Boote sind. Das ist ja krass!“

„Zum Glück sind unsere Freunde nicht untergegangen.“

„Ja, das ist wirklich ein Glück“, sage ich. Und denke mir still, dass die vielen Menschen, die nicht so viel Glück hatten, sicher auch nette Menschen waren und uns gute Nachbarn geworden wären.

Laut der UN-Flüchtlingsbehörde haben im vergangenen Jahr 219.000 Flüchtlinge und Migranten das Mittelmeer überquert. Mindestens 3.500 kamen dabei ums Leben. Die Zahlen im Januar und Februar 2015 waren der EU-Grenzbehörde Frontex zufolge um ein Drittel höher als im Vorjahreszeitraum.

Quelle: heute.de


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