Mein Geständnis

Ich habe es getan. Ich habe den Knopf gedrückt — 8-mal sogar. 8-mal Häkchen setzen unter die AGBs, 8-mal ein kurzer Blick, ob alles mittig zentriert wurde, 8-mal versichern, dass alles richtig geschrieben ist, 8-mal habe ich Logo-Designs für einen Designwettbewerb bei einem großen Anbieter für Onlinedesigns eingereicht. Mein Vorteil als Webdesignerin: 8-mal die Chance auf ein drittes Logo-Mitglied in meiner Website-überlaufenen Portfolio-Gemeinde. Das ist gut und trotzdem ist da 8-mal dieses ungute Gefühl überspitzt gesagt ein Verräter der Kreativbranche zu sein.

Der Designwettbewerb

Der Wettbewerb, an dem ich teilgenommen habe funktioniert so: Der Kunde liefert Namen, Claim, eine kurze Beschreibung seines Unternehmens, gibt gewünschte Farben an und wählt Beispiel-Logos der Anbieter-Datenbank aus. Meine und die Aufgabe der anderen angemeldeten Designer ist es ein darauf zugeschnittenes Design zu erstellen und es hochzuladen, Anzahl beliebig. Die Logos werden bewertet. Der Kunde wählt nun aus allen Designs maximal 6 aus. Aus diesen Designs wird dann der Gewinner gekürt mit dem ausgeschriebenen Preis, der generell unter 300 Dollar liegt.

Preis-Leistungs-Verhältnis

Gute Agenturen in meinem Umkreis erheben einen viel höheren Preis für Logos. Kleine Projekte erhalten schon mal Logos für den gleichen Preis. Einen festen Durchschnittspreis habe ich allerdings noch nicht herausgefunden. Das Erstellen von unterschiedlichen Logo-Entwürfen von mehreren Designern ist nicht außergewöhnlich. Trotzdem werden Agenturdesigner schon im Entwurfsprozess von ihrem Arbeitgeber entlohnt, der sich sicher sein kann hinterher ein Logo in Rechnung stellen, zu dürfen. Ich hingegen bin im Unwissen, ob mein kreativer Erguss überhaupt gewinnt und somit bezahlt wird. Der Wert der kreativen Arbeit sinkt damit beträchtlich.

Designportale als Konkurrenz

»Lass und doch das Design (Logo, Icons und Layout) komplett an Designdiscounter auslagern. Das ist günstig und schnell.«

Dieser Vorschlag von einem Kollegen hat mich schlucken lassen. Plötzlich hatte ich das Gefühl, nicht mehr gebraucht zu werden als ausgebildete Mediengestalterin. Wofür eine Coderin/Designerin, wenn das Internet Designs für umme bereitstellt — Qualität hin oder her. Der Fokus von Agenturen ist unterschiedlich und es wird ausgelagert, was ausgelagert werden kann. Die Logos an 99designs, die Icons an freepiks, die Templates an themeforest und die Texte an textbroker.

Mein zweischneidiges Schwert

Weil ich mein Design und die inbegriffene Kreativität aber nicht auslagern möchte, habe ich beschlossen, mich weiter zu entwickeln. Schneller, kreativer und besser im (Logo-)Design zu werden. In diesem Rahmen habe ich meine Arbeit nun selbst zum Discountpreis angeboten und siehe da, ich entwickele mich weiter. Ich lerne andere Ansätze kennen, lerne mit Ablehnung umzugehen und werde schneller in der Ideenfindung. Dieser Lernprozess hat für mich großen Wert plus der Gewinnzuschlag, wenn es dazu kommt. Es gibt einen weiteren Vorteil: Alles verläuft in direktem Kundenkontakt und geht nicht durch den Filter von Drittmeinungen oder einem Bildungsabschluss.

Die Sache mit den Designportalen bleibt trotzdem ein zweischneidiges Schwert und ich bin gespannt, wie sich die Designbranche diesbezüglich weiterentwickelt.