In memoriam


Johny überquerte kurz beschleunigend die vierspurige Straße und ging dann die Stufen zum Shepard’s Memorial hoch. Dass Denkmal bestand aus einem großen Zementblock auf dem ein bestimmt zwei Meter hoher Helm aus Stahl lag. Das Design irgendwie…spacig. Aus den Atemschlitzen vaporisierte Dampf.
Johny lies sich auf eine der Granitbänke sinken und starrte den großen Helm an.
„Du gehörst vermutlich zu der Majorität an Menschen, die keinen Schimmer haben, was es mit dem Teil auf sich hat, oder?“ Jesse lies sich neben ihm auf die Bank sacken.
„Kümmert mich nicht. Moderne Kunst vermutlich. Versteht doch eh keine Sau. Aber die Tochter des Generals weiß bestimmt, was es damit auf sich hat.“ Gab er süffisant zurück und sah sie auffordernd an.
Jesse zuckte nur mit den Schultern: „Klar. Ich könnt Dir natürlich die Langfassung geben aber…für Dich genügt wohl: Es ist ein Kriegerdenkmal. Der Typ war ein Held. Musste eine schwere Entscheidung treffen, die viele Leben beeinflusste und hat sich am Ende selbst geopfert. Nichts nach Deinem Geschmack.“
„Als wüsstest Du, was nach meinem Geschmack ist. Also was hat die Auswertung Deiner Aufnahmen denn nun ergeben…Jade?“ Sein Mundwinkel zuckte.
„Hör auf mich damit aufzuziehen, keine Ahnung was mit der KI in der Kamera nicht stimmt, aber ich krieg das Problem schon noch behoben und bis dahin sammeln ich halt…Perlen. Oder was auch immer. Solange das blöde Ding photographieren und uploaden hinbekommt ist es mir eh eins.“ Jesse zog die Augenbrauen zusammen. Die Sache mit der Kamera nervte sie mit Sicherheit mehr, als sie zugab.
„Also das hier ist“ Sie zeigte Johny einen Abzug auf dem ein Mann mit einem schwarzen Aktenkoffer abgebildet war. Sehr konspirativ. „Das ist James McGuffin. Er transportiert…Sachen.“
„Sachen? Ernsthaft, Jesse?“
„Es ist kompliziert. So wie der Bruch Deiner Nase nach dem nächsten dummen Spruch. Also, er transportiert nahezu alles. Daten, Waffen, Geld, Menschen, Tiere…alles eben. Und das hier“ Sie zeigte ihm ein weiteres Photo. Ein Mann in langem dunklen Mantel mit schicker Sonnenbrille. „Das ist Adam J. Tatsächlich konnten wir nahezu nichts über ihn herausfinden. Der Mann ist ein Geist. Und außerdem McGuffins Bodyguard. Gilt als…harte Sau. Ich würde mich von ihm fernhalten, wenn ich Du wäre. Aber jetzt zum interessanten Teil: Die Scans, die meine Kamera gemacht hat, lassen darauf schließen, dass in dem Koffer genau das ist, was der General will. Und was Du besorgen wirst.“
„Was ich besorgen werde, wenn ich annehme.“ Johny guckte missmutig und kramte in der Innentasche seines Mantels nach Kippen. Er fand seine Packung…Leer. Na toll.
„Das wirst Du schon.“ Jesse lächelte zuckersüß, zog eine Packung Zigaretten aus ihrer Tasche und warf sie Johny zu. „Wir legen auf die Kippen noch zwanzigtausend drauf, wenn Du den Koffer besorgst.“
Johny pfriemelte eine Zigarette aus der Packung raus und steckte sie an. Er nahm einen tiefen Zug und atmete hörbar aus. „Dreißig. Ich hab schließlich keine Ahnung auf was für einen Mist ich mich da einlasse. Zu wenig Informationen zum Ziel und gar keine Informationen zum Inhalt des Koffers.“
„Fünfundzwanzig und ich lass Dir dieses Mäppchen hier mit Informationen, die das Büro des Generals nie verlassen haben.“ Sie hielt Johny eine Mappe hin, während sie in die andere Richtung sah. Johny klappte die Mappe auf und blätterte. „Na das sieht doch schon besser aus. Fünfundzwanzig. Deal.“
Jesse wandte sich ihm wieder zu und lächelte einnehmend: „Prima! Ich wusste doch, dass ich auf Dich zählen kann. Oh und ich hätt’s fast vergessen: Womöglich haben Reepe und ihre Leute auch ein kleines Interesse an dem Koffer.“
Johny entgleisten die Gesichtszüge für einen Moment. Dann fing er sich wieder: „Jesse Du bist ein verdammtes Miststück.“
„Danke!“ Jesse grinste breit.
„Ich sollte dem General vielleicht mal raten, seine Sicherheitsmaßnahmen zu überprüfen. Du weißt schon: Der Risikofaktor Mensch.“
„Netter Versuch, Johny, aber wir wissen beide, dass Du das nicht machen wirst. Anyway. Solltest Du Probleme mit Reepe bekommen, ruf diese Nummer an.“ Visitenkarte. „Vielleicht können wir Dir dann etwas zur Hand gehen.“
„Lieber nicht.“ Johny lies die Karte in seiner Tasche verschwinden. „Die Trampel unter Deinem Kommando kann man doch nicht ernst nehmen. Ich werd’ schon klar kommen.“
„Ja…wie letztes Mal…“ Nuschelte Jesse vor sich hin.
„Was?“
„Nichts nichts, Du hast es das letzte Mal ganz souverän gelöst, indem Du das Paket vernichtet hast, statt es Reepe zu überlassen. Ich mein’, so hatte niemand was davon aber hey, besser als es den falschen zu überlassen. Good Job.“
Johny stand auf: „Ich mach mich dann mal auf den Weg. Vergiss nicht Deinen Sarkasmus mitzunehmen, wenn Du gehst. Nicht das noch jemand drüber stolpert.“ Er drehte sich um und ging die Stufen runter zur Straße. Auf der anderen Seite parkte ein roter Sportwagen. Die Frau am Steuer lächelte Johny zu, setzte ihre Sonnenbrille auf und fuhr los. Johny seufzte.

War ja klar.