Kapitel 3 — Red Road Rising

‘The Red Road’ ist ein Konzept, das in vielen Indianerstämmen Nordamerikas Verwendung findet. Es beschreibt den Weg der Weisheit, Ehre und Integrität und die Einheit mit dem Heiligen. ‘Red Road Rising’ ist ein Slogan, dem man auf Twitter begegnen kann, wenn man den sozialen Kämpfen der modernen Indianer etwas Aufmerksamkeit schenkt.

Red Road Rising…

Klangvoll, oder?
Ein guter Name für die Weltrevolution.
Unser aller Blut ist schließlich rot…

Zwischen den Ureinwohnern und den übergesetzten Europäern ist in Nordamerika viel Scheiße passiert. “Du kommst hierher und gleich gehört dir alles” trällert Pocahontas in der Disney-Version der Geschichte und das beschreibt ziemlich gut den groben Rahmen dessen, was sich abgespielt hat. Weil wir hierzulande aber meist denken, dass das alles der Vergangenheit angehört, weil wir meistens keine Ahnung haben, wie schlimm den ursprünglichen Amerikanern Unrecht getan wurde und weil gerade jetzt wieder Indianer auf die Barrikaden gehen, erzähle ich euch heute von Wounded Knee und Standing Rock.

Am 29.12.1890 hat das US-Militär hunderte Oglala Sioux Indianer in Wounded Knee massakriert, darunter viele Frauen und Kinder. Das ist bekannt, auf Wikipedia nachzulesen (sogar auch auf Deutsch) oder auch in den Aufzeichnungen von bspw. Black Elk. Trotzdem hast du vielleicht noch nie davon gehört, also fasse ich es mal zusammen:

Eigentlich war den Sioux Nahrung versprochen worden, im Tausch dafür, dass sie sich auf klar definierte Gebiete beschränken würden — Reservate eben. Es gab Verträge darüber, aber jetzt hungerten die Indianer trotzdem. Eines Morgens sollten alle an einen anderen Ort gebracht — man könnte auch sagen deportiert — werden. Alle Waffen wurden eingesammelt, es kam an einer Stelle zu einem kleinen Handgemenge, ein Schuss löste sich und sofort ging eine Schießerei los. Da die meisten Waffen schon konfisziert und die Indianer sowieso in der Unterzahl waren, war das Ergebnis ein Massaker, in dem ca. 300 Indianer starben. Das ist jetzt gut 125 Jahre her, historisch betrachtet ist das nicht so lange…

Nach wie vor findet jedes Jahr ein Gedenken statt und seit 1986 gibt es sogar eine stetig wachsende Gruppe von Big Foot Memorial Riders, die sich mit Pferden auf den Weg ihrer Vorfahren von Standing Rock nach Wounded Knee machen. Zwar hat sich der US Kongress 1990 für das Massaker entschuldigt, doch das kann nicht über die unzähligen verschwendeten Leben und gebrochenen Verträge hinwegtäuschen, für die die Sioux noch immer kämpfen. Der Vertrag von Fort Laramie zum Beispiel sprach den Lakota, Nakota und Dakota-Stämmen 1868 ein riesiges Gebiet inklusive der den Indianern heiligen Black Hills zu. Als dort einige Jahre später Gold gefunden wurde, war der Vertrag allerdings hinfällig — wer hätt’s gedacht…

Bis heute haben die Sioux niemals irgendeine Entschädigung für ihr gestohlenes Land akzeptiert. Bis heute stehen sie zu ihrer Aussage, dass die Black Hills nicht zu verkaufen sind. Das bringt sie in eine sehr starke, rechtschaffene und legitime Position. Sie wollen sich nicht bereichern, sie wollen niemandem etwas wegnehmen, sie wollen bloß dass, was ihnen versprochen wurde und was ihnen sowieso zusteht.

Wir Weißen haben Ihnen Unrecht getan, als wir ihnen unsere Art zu leben aufzwingen wollten. Die Art zu leben, die die Welt jetzt zu zerbrechen droht. Wir sollten uns ganz schnell ernsthaft bei ihnen entschuldigen, ihnen deutlich machen, dass wir einsehen, wie falsch wir lagen und ihnen geben, was schon immer ihres war: Die Freiheit über ihr eigenes Land zu entscheiden.

Es gibt so viele intelligente und reflektierte Weiße in den USA, die das verstanden haben. Sie können jetzt einfach loslegen und Frieden schließen. Sie könnten den Sioux etwas Ähnliches, wie das Folgende zukommen lassen:

People of the Sioux Nation, we come to you as sisters and brothers, children of Maka Ina, all of us.
It is time to fulfill the prophecies of the sacred hoop(medicine wheel) to unite the world into a single human family.
As those who have greatly wronged you, we come to lay our sins at your feet to ask your forgiveness and to say that we are sorry for what we have done and allowed to continue to be done down to this day.
We are raising an army, 100 million strong, of financial warriors that believe in equality and freedom.
We honor the Lakota values of:
Wacantognaka (generosity),
Woohitika (courage),
Wowacintanka (respect) and
Woksape (wisdom).
Please help us in uniting all the peoples of the Earth.
To atone for our prior despicable treatment of your ancestors, and for the dishonorable way we treat you down to this day, we offer you the following promise:
If you take a stand at Wounded Knee on December 29th of this year, we, the peoples of the Earth who fight for righteousness, will take a stand with you.
We will stand on the side of honor as warriors of light.

Das ist die Falle. Eine ernstzunehmende Drohung das Land, das den Indianern sogar nach Auffassung des US Supreme Court zusteht zurückzuerobern.

Du siehst worauf ich abziele? Wir brauchen die Sioux, genauso wie alle anderen indigenen Völker dieser Welt! Gerade diese unterdrückten, nicht respektierten, nicht ernst genommenen Menschen, die seit Jahrhunderten von uns kolonisiert, ausgebeutet und dann auch noch klein geredet wurden, haben jeden Grund die momentan herrschende Weltordnung umwerfen zu wollen.

Jetzt könntest du sagen “Aber es könnten Menschen verletzt werden!” und du hättest vermutlich Recht. Aber mal ganz im Ernst, es werden die ganze Zeit Menschen verletzt. Und ich rede nichtmal nur über die Armen und Ausgebeuteten im globalen Süden und Osten, denk doch einfach mal an die Selbstmordraten. Jedes Jahr bringen sich in der sogenannten zivilisierten Welt immer mehr Leute um, allen voran Jugendliche. Irgendwie scheint doch alles egal zu sein, irgendwie hat keiner mehr das Gefühl überhaupt noch irgendeinen Einfluss darauf zu haben, was in dieser Welt geschieht, warum sich also nicht vom Dach stürzen, wenn der Schmerz und die Isolation zu groß werden?

Das muss aufhören! Und wenn es dazu einen verrückten Gedanken braucht, der auf die heute so vollends desillusionierte Menschheit erstmal größenwahnsinnig wirkt, dann komme ich damit klar. Was ist mit dir? Ich promote ja nichtmal Gewalt, ich promote einzig und allein Hoffnung, Vertrauen und Gemeinschaft. Mit einer gehörigen Portion Entschlossenheit dafür die Wahrheit auszusprechen, okay…

Wenn sich nach dem 29.12.16 eine Million Menschen in Wounded Knee versammeln, weil sie dem Aufruf gefolgt sind für eine bessere Welt aufzustehen, wirst du sehen, dass es wirklich funktioniert. Du wirst es wissen, weil du Protokoll Red gelesen hast, aber für die ganzen Arschlöcher wird es eine perfekte Ablenkung vom eigentlichen Plan sein.

Du weisst schon, der Handel des Jahrtausends.

Es gibt noch eine viel ausgeklügeltere Version des Plans, in dem die Sioux uns genauso sehr unterstützen wie wir sie, die mir ein Amerikaner letztens erklärte. Warnung vorab: Das klingt noch ein bisschen verrückter als der Rest hier, weil es noch konkreter ist. Lies es einfach und denk drüber nach…

Die US-Regierung wird eine bewaffnete Rebellion fürchten, wenn plötzlich Unmengen von Menschen gemeinsam Protestieren, vor allem, wenn die Unterstützung über die klassische Gruppenzugehörigkeit hinaus geht. Die Sioux sollten also versuchen einen Deal zu machen und der könnte so aussehen:

Die Sioux bieten an alle Forderungen nach Land der USA fallen zu lassen, wenn sie im Gegenzug

  • ihre heiligen Stätten zurückerhalten und
  • das Interstate Highway-Netz noch oben drauf.

Zusätzlich verpflichten sie sich

  • alle Erträge des Landes gleich unter den Menschen zu verteilen
  • den Verkehr zu revolutionieren, indem sie einen Weg finden die Highways zu Parks zu machen, und trotzdem die Mobilität zu gewährleisten und
  • all jene aufzunehmen, die schwören ihre Mitmenschen als gleich und frei zu behandeln.

Jetzt denk mal kurz darüber nach, was das bedeuten würde: All die Linken, Occupy-Leute, Ökos, Esos und was nicht noch alles, hätten plötzlich einen Ort, an dem sie willkommen wären. Und dieser Ort wäre über die ganzen USA verteilt, würde die ganzen großen Wälder beinhalten und durch das Highway-Netz verbunden sein. Jeder freiheitsliebende Mensch, der sich in den normalen USA nicht mehr zuhause fühlt, könnte dort so leben, wie er möchte, solange er die Anderen respektiert, und die, die keine Veränderung wollen, bleiben einfach da wo sie sind. Klingt cool, oder?

Das Highway-Netz hat einige große Baustellen, weil es in den 50ern gebaut und seitdem von jedem Staat anders verwaltet wurde. Wenn die Indianer es bekämen, könnten sie ziemlich schnell dafür sorgen, dass man von der einen Küste zur anderen laufen kann, auf sicheren Straßen, die völlig anders organisiert wären als jetzt. Mit Zugang zum gesamten System wären effiziente Experimente möglich, die die Technologie für Automatisation, Geschwindigkeit, Energieeffizienz, Lärmreduktion und und und durchführen und umsetzen. Geld dafür zu haben wäre kein Problem mehr nach dem geglückten Handel aus dem Hauptplan…

Ist es also wirklich verrückt sich auf solche Gedankenbahnen einzulassen? Oder ist es verrückt es kategorisch auszuschließen, nur weil sich in den wenigen Jahren deines Lebens keine großen Umbrüche in deinem kleinen Teil der Welt vollzogen haben..?

Ist die Zukunft für uns alle es nicht wert ein wenig zu träumen und sich was zu trauen?