Payback

Über den Wochenendblues und Kundenbindungssysteme.


Ab und an gibt es Wochenenden, da ist es mir einfach alles ein wenig viel und ich möchte mich am liebsten daheim einmummeln und meine Ruhe haben. Gerade im Winter führt das dazu, dass ich spät aufstehe und wenig vom Tageslicht habe. Aus einer kleinen Erschöpfung wird eine schleichende Melancholie. Gestern habe ich den Kreislauf durchbrochen: Ich habe mich zum Einkaufen geschwungen.

Frischer Aufschnitt, gutes Brot, Berge an Schokolade und Süßkram, ein paar salzige Snacks, ein bisschen Antipasti und ein Berg an guten Convenient-Produkten wie Aufback-Brezn heben doch tatsächlich schon beim Einkaufen die Laune. Noch erhebender ist es, wenn dann die Verkäufer im Laden des Vertrauens auch noch sehr nett und freundlich sind. Der Wurstwarenfachverkäufer z.B. ist nicht zufrieden, wenn er beim Roastbeef statt der bestellten 200g dann doch 202g auf den ersten Wurf herunterschneidet. Auf mein „Perfekt, danke“, erwidert er zwinkernd „Nicht ganz“.

An der Kasse habe ich schließlich ein Laufband voll mit diversen, nicht ganz preiswerten Produkten. Gemeinsam ergeben sie so ziemlich das Gegenteil einer ausgewogenen Ernährung. Da kommt schon ein Sümmchen zusammen. Pflichtbewusst fragt die Kassiererin dann auch, ob ich denn Payback-Punkte sammeln würde. Ich verneine. Nun fragt sie laut in die Runde, ob nicht jemand Interesse hätte, es wären hier ein paar Punkte zu vergeben. Die junge Dame hinter mir in der Reihe freut sich: Sie hat eben ein Zehntel vom „WMF Salz- und Pfefferset Evolution“ oder wahlweise der „acme Autohalterung für Mobiltelefone“ gesammelt.


Jetzt ist Sonntagnachmittag und ich zumindest freue mich immer noch. Weniger daran, dass ich quasi ein Zehntel Gewürzset verschenkt habe, sondern weil ich die Big-Data-Kundenprofile von Payback durcheinanderbringe. Die nette Dame hatte nämlich nur gesunde und preiswerte Lebensmittel auf dem Kassenband.

FUCK THE SYSTEM! Wenigstens ein bisschen.