Wie ihr eure Kinder für Pen & Paper Rollenspiele begeistern könnt

Oder: Aus dem Leben eines Kinder-DSA-Gruppen-Meisters :)

Habt ihr euch auch schon überlegt, eure Kinder in die Welt der P&P-Rollenspiele zu entführen?

In den letzten Monaten habe ich mit meinen Kindern (7 und 9 Jahre) und deren Freunden eine Rollenspiel-Gruppe aufgezogen. Was als kleines Experiment begann, hat meine Kinder inzwischen völlig in den Bann gezogen.

Erstaunlicherweise gibt es im Internet sehr wenig nützliche Infos zu diesem Thema. Daher möchte ich hier meine Erfahrungen in die Runde werfen und einen Austausch zu diesem Thema anstoßen. Es würde mich riesig freuen, von euren Ideen, Fragen und Erfahrungen in den Kommentaren zu lesen.

Ab welchem Alter ist Pen & Paper möglich?

Die Kinder in meiner Gruppe sind zwischen 7 und 9 Jahren alt. Alle können einfache Wörter lesen, bei komplexen Texten ist es mit sieben Jahren knifflig.

Wir verwenden daher eine stark abgespeckte Version von DSA als Regelsystem. Die Kinder leben den Rollenspiel-Part so unglaublich natürlich aus, dass der Regel-Anteil einfach in den Hintergrund wandern muss. Das Meistern übernehme ich.

Es hat sich gezeigt, dass das Alter kein Problem ist. Im Gegenteil: Das eigentliche Rollenspiel macht mit den Kindern richtig Spaß, da sie es in dem Alter noch nicht verlernt haben!

Stark vereinfachte Regeln

Um die Komplexität für die Kinder zu reduzieren und den Fokus auf den Rollenspiel-Teil zu legen, habe ich die DSA-Regeln drastisch reduziert:

  • Jeder Held hat nur drei Eigenschaften: Klugheit, Geschicklichkeit und Körperkraft
  • Es gibt wie gehabt je einen Wert für Attacke, Parade und Fernkampf
  • Die Astralenergie heißt schlicht “Zauberenergie”. Beim Sprechen eines Zauberspruchs ist nur eine schlichte Klugheitsprobe nötig
  • Es gibt nur fünf verfügbare Helden-Typen: Kämpfer, Zauberer, Jäger, Elf und Zwerg.
  • Wir haben keinerlei Talente, keine Sonderfertigkeiten und von sowas wie Trefferzonen brauchen wir erst gar nicht zu sprechen. :)

Vereinfachter Charakterbogen

Basierend auf den vereinfachten Regeln habe ich einen passenden Heldenbogen gebastelt, der aus einem einzigen A4-Blatt besteht. Alle Wert sind mit einem Bild versehen, um meiner 7-jährigen Tochter das Lesen etwas zu erleichtern:

Die Heldenbögen meiner “kleinen” Heldengruppe

Ein simples Steigerungssystem

Das Steigerungssystem ist derzeit sehr einfach gestaltet: die Spieler dürfen nach jedem Abenteuer eine der folgenden Steigerungen vornehmen:

  • Eine Eigenschaft um einen Punkt erhöhen
  • Attacke, Parade oder Fernkampf um einen Punkt erhöhen
  • Lebensenergie oder Zauberkraft um drei Punkte erhöhen

Das wird wohl nicht auf Dauer funktionieren, da es nach oben hin zu günstig ist. Für den Einstieg hat es sich jedoch als prima erwiesen und später passe ich das einfach noch an.

Quellenbücher für Kinder

Das Stöbern in Quellenbüchern, Anschauen von Waffen und Durchforsten der Zaubersprüche ist für Kinder genauso verlockend wie für Erwachsene.

Meine bisherigen DSA4-Regelwerke haben sich als zu komplex für die Kinder erwiesen. Ich habe mir daher stattdessen auf eBay die guten alten DSA 2 Boxen gekauft, mit denen ich groß geworden bin. Ich finde, dass die darin aufgeführten Infos, Waffen und Zaubersprüche genau die richtige Komplexität für diese Altersgruppe haben. Detaillierte genug, um Anreize zu bieten. Aber dennoch nur so komplex wie wirklich nötig.

Die guten alten DSA 2 Regelboxen, die meine Kinder als Lektüre nehmen

Item Cards für das besondere Etwas!

Als sehr motivierend für die Kinder hat sich die Verwendung von Item Cards herausgestellt. So schreiben wir Zauber, Tränke und besondere Gegenstände nicht einfach in den Heldenbogen. Stattdessen gebe ich diese in Form von schicken Item Cards in den Besitz der Spieler. Meine Gruppe liebt das.

Tipp: Es gibt im Internet einen ItemCard-Generator namens Tabula Rasa, der hierfür echt spitze ist. So sieht das beispielsweise in unserer Gruppe aus:

Wo bekomme ich passende Abenteuer her?

Die heutigen DSA-Abenteuer sind für meine Kinder-Gruppe nicht ohne Änderungen geeignet. Entweder sind die Vorgänge zu komplex, der Plot zu politisch oder der Inhalt ist für Kinder zu heftig/brutal.

Ich habe daher bisher entweder selbst erfundene Abenteuer verwendet oder kommerzielle Abenteuer (stark) angepasst.

Tipp: Die Verwendung von angepassten, kommerziellen Abenteuern hat den Vorteil, dass ihr von den stimmungsvollen Texten in den Abenteuern profitieren könnt. Die kommen in meiner Gruppe sehr gut an.

Herausforderungen und Tipps

Meine Kinder und auch deren Freunde lieben unsere Rollenspiel-Sessions. Sie sind dermaßen begeistert davon, dass wir teilweise schon mehrmals pro Woche spielten.

Hier sind noch einige Tipps, die ich mit der Zeit gelernt habe:

  • Kinder sind im Vergleich zu Erwachsenen lauter und emotionaler. Drei Kinder in einer Gruppe sind ideal, bei mehr wird es unruhig.
  • Es ist wichtig, dass jedes Kind zum Zug kommt und spannende/lustige Momente hat. Sorgt hier für ein gutes „Balancing“, notfalls durch Improvisation an den richtigen Stellen.
  • Profane Dinge wie „Geld verdienen“ sind sehr wichtig. Meine Gruppe möchte beispielsweise am liebsten Abenteuer, bei denen sie einen Auftrag zu erfüllen haben — denn dafür gibt’s Kohle, und dann kann man sich was Schickes kaufen. :)
  • Habt keine Hemmungen, die Regeln jederzeit anzupassen. Ich habe beispielsweise erst im Laufe der Zeit ItemCards eingeführt, das Steigerungs-System etabliert und die verfügbaren Zaubersprüche erweitert. Fangt einfach an und baut es nach Bedarf aus.
  • Haltet die Spielwelt einfach. Verzichtet auf politische Themen und lasst die Götterwelt Aventuriens erst mal außen vor.
  • Spielt am Abend, da ist die Stimmung meiner Erfahrung nach besser.
  • Lasst etwas Mittelalter-Hintergrundmusik laufen, um gleich zu Beginn die richtige Stimmung zu erzeugen. Auf YouTube gibt es hier reichlich.

Das ideale Einstiegsabenteuer für eure Gruppe

Falls ihr mit euren Kindern loslegen wollt, dann beginnt mit dem guten, alten Abenteuer „Über den Greifenpaß“.

Wir haben inzwischen so einige Abenteuer gespielt, wovon ich gerne ein anderes Mal mehr erzähle. Der Greifenpaß war jedoch das absolute Highlight darunter. Das Abenteuer ist einfach perfekt: Es hat eine lineare aber dennoch spannende Story, sehr vielseitige Ereignisse, einen klaren Bösewicht, viele Fantasy-Elemente und zudem noch lustige Momente. Mit diesem Abenteuer hatte ich meine Kinder bezüglich Pen & Paper sowie DSA in der Tasche. :)

Den Dämon musste ich auf kindgerechtes Niveau verharmlosen, aber ansonsten waren wenig Anpassungen nötig. Auf eBay ist dieses Abenteuer immer noch erhältlich.

Habt ihr Fragen? Oder Erfahrungswerte?

Ich hoffe, ich konnte euch mit diesem Betrag etwas inspirieren.

Wie zu Beginn gesagt würde ich mich riesig über Kommentare freuen.

  • Habt ihr Fragen?
  • Spielt ihr mit euren Kindern auch P&P-Rollenspiele? Welche Erfahrungen habt ihr dabei gemacht?
  • Welche Rollenspiel-Systeme und welche Abenteuer könnt ihr empfehlen?

Hinterlasst einfach einen Kommentar!

Viele Grüße,

Zottel
(aka Androsch, Sohn des Xandrosch)