Achtung Diskriminierung — So schreibst du AGG-konforme Stellenanzeigen.

Wir schreiben Stellen aus für Manager und Sekretärinnen in jungen Teams — und werden verklagt. So schreibst du korrekte Stellenanzeigen und bleibst verständlich.

Das Wichtigste: der Titel

Die Stellenanzeige muss ausdrücklich allgemein und neutral ausgeschrieben sein, sodass sich beide Geschlechter angesprochen fühlen. Dabei musst du besonders im Titel aufpassen, denn der ist das erste, was deine Bewerber sehen:

So ist es erlaubt: Manager (m/w), Manager/in, ManagerIn, Manager*in, Manager_in

So nicht: Manager, Managerin

Die häufigste Variante aufgrund der Lesbarkeit: Manager (m/w). Hier werden männliche und weibliche Manager angesprochen. Willst du noch einen Schritt weiter gehen und dich als modernes Unternehmen präsentieren, greifst du zur Gendergap — Manager_in– oder zum Gender-Sternchen — Manager*in. Der entstandene Freiraum steht symbolisch für alle sozialen Geschlechter, sodass sich dort alle diejenigen einordnen können, die sich weder dem weiblichen noch dem männlichen Geschlecht zugehörig fühlen.

Prof. Dr. Anja Mengel, Rechts- und Fachanwältin für Arbeitsrecht

In der heutigen Zeit schützt die rechtskonforme Formulierung einer Stellenausschreibung nicht nur vor kostenträchtigen Streitigkeiten. Sie steht vielmehr für einen modernen und aufgeschlossenen Arbeitgeber und ist daher auf der Suche nach gut ausgebildeten Fachkräften auf dem modernen Arbeitsmarkt unerlässlich.

Es dürfen nur dann Ausnahmen gemacht werden, wenn die Tätigkeit es erfordert. Wird beispielsweise eine Geschäftsführerin für einen reinen Frauenverband gesucht, ist das laut § 8 AGG zulässig. Die körperliche Leistungsfähigkeit ist aber kein Grund. Selbst wenn dein Unternehmen also Mitarbeiter sucht, die 100kg Betonsäcke tragen, darfst du die Stellenausschreibung nicht nur an Männer richten.

Weitere AGG-Fallen

Alter: Such nicht nach „jungen Mitarbeitern“, da du ältere Bewerber damit ausschließt. Auch auf die Formulierung „junges Team“ solltest du sicherheitshalber verzichten. Je nach Kontext ist das zwar laut Rechtsprechung erlaubt, da es sich nicht direkt auf das Alter des Mitarbeiters bezieht; dennoch bietet der Ausdruck genügend Angriffsfläche und damit zu viele Gefahren.

Sprachniveau: Statt „Muttersprachler” solltest du lieber „sehr gute Sprachkenntnisse“ in die Voraussetzungen aufnehmen.

Religion: Vermeide Formulierungen wie „Sie sind katholisch … “ oder „als Mitglied der katholischen Kirche …“, da du so bestimmte Personengruppen aufgrund ihrer Weltansichten ausschließt.

Bewerbungsfoto: In Amerika ist es bereits normal, auf das Bewerbungsfoto komplett zu verzichten. In Deutschland aber noch längst nicht. Darauf bestehen ist dennoch nicht AGG-konform, denn so kann man dir vorwerfen, du hättest nach dem Aussehen entschieden.

Der Experten-Tipp

RA Volker Stück, Leiter Personal und Compliance Beauftragter Hochspannungstechnik, ABB AG, Hanau:

Unternehmen sollten auf jede Bewerbung eines nicht geeigneten Bewerbers eine ausdrückliche Absage aussprechen. Sonst ist der Arbeitgeber, da die Frist des § 15 Abs. 4 AGG nicht in Gang gesetzt wird, noch längere Zeit Ansprüchen abgelehnter Bewerber nach dem AGG ausgesetzt.

Bewerber, denen du eine Absage erteilt hast, können ihren Anspruch auf Diskriminierung bis zu zwei Monate geltend machen. Aus diesem Grund solltest du als Arbeitgeber irgendwie festhalten, was der Grund deiner Absage war und diese Dokumente mindestens drei Monate aufheben.

Anforderungen an gute Stellenanzeigen

Der Anspruch an deine Stellenanzeige ist natürlich nicht nur, nicht verklagt zu werden. Du willst natürlich auch die richtige Zielgruppe erreichen und qualitative Bewerbungen verzeichnen. In unserer Checkliste findest du die wichtigsten Fragen, die du dir zu deiner Stellenanzeige vor dem Publizieren stellen solltest:

Checkliste für erfolgreiche Stellenanzeigen der Absolventa GmbH
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