Azubi-Recruiting: zielgruppengerecht, aber nicht albern!

Jugendsprache oder nüchterne Ansprache? Snapchat oder nicht Snapchat? Bewerbung per PDF oder Eingabemaske? Geht es um die Gewinnung neuer Azubis für Unternehmen, kommen viele Fragen auf. Beim Azubi-Summit von Azubi.de am 25. Juni 2018 in Bonn gingen rund 100 Fachbesucher gemeinsam mit den Referenten auf die Suche nach Antworten.

Sechs Learnings vom Azubi-Summit 2018

  • Schüler müssen auf dem Weg in die Ausbildung verstärkt an die Hand genommen werden
  • Eine Arbeitgeberauszeichnung kann bei der Orientierung am Arbeitsmarkt helfen
  • Im Azubi-Recruiting von den eigenen Azubis und dualen Studenten lernen
  • Kreativ mit sozialen Medien umgehen
  • Aufhören, neue Medien zu ignorieren
  • Leicht verständlich und gut strukturiert kommunizieren

1. Schüler wollen an die Hand genommen werden!

Schülern ist der Arbeitsmarkt noch weitgehend fremd. Ihre Erfahrung auf dem Weg zum Ausbildungsplatz ist geprägt von Unsicherheit und mangelnder Orientierung:

  • Was gehört alles in eine Bewerbung?
  • Welche Tätigkeiten verbergen sich hinter einer Berufsbezeichnung?
  • Welche Berufe kommen für mich überhaupt in Frage?

Über diese und viele weitere Punkte herrscht weitgehend Unsicherheit in der Zielgruppe. Arbeitgeber tun daher gut daran, ihre jüngsten Zielgruppen an die Hand zu nehmen, argumentierte Holger Koch, der Geschäftsführer des Marktforschungsinstituts Trendence bei seiner Vorstellung des Schülerbarometers, einer jährlichen Befragung unter Schülern.

Holger Koch, Geschäftsführer, Trendence Institut GmbH

Bei der Auswahl des richtigen Ausbildungsunternehmens, kann auch ein Arbeitgebersiegel hilfreich sein. Im Rahmen der Veranstaltung wurde auch die Trendence-Auszeichnung “Faire Ausbildung” vorgestellt. Der Auszeichnung liegt ein wissenschaftlich fundierter Audit zugrunde, welcher jährlich die Qualität und Fairness der Ausbildung im Unternehmen bewertet — und zwar aus Perspektive sowohl der Personalabteilung, als auch der Azubis selbst. Neben den positiven Effekten auf die Arbeitgebermarke liefert die Auszeichnung daher auch ein Benchmarking und viele hilfreiche Einblicke in die eigenen Ausbildungsstrukturen und -prozesse. Diese Ansätze helfen Unternehmen dabei, die Qualität der Ausbildung zu sichern und zu stärken.

Im Rahmen der Veranstaltung wurden die ersten Unternehmen mit der Auszeichnung “Faire Ausbildung” von Trendence geehrt.

2. Befragt Eure Azubis und dualen Studenten!

Alexander Schneider, Vice President Talentmanagement bei Deutsche Post DHL Group, stellte vor, auf welche Weise das Unternehmen die eigenen dualen Studienangebote optimiert. Kern des Prozesses stellt eine interne Befragung dar. Diese ermöglicht es, Schwachstellen und Stärken offenzulegen. Anhand der Ergebnisse konnte der Logistikkonzern die Lern- und Arbeitsbedingungen für duale Studenten maßgeblich verbessern.

3. Werdet kreativ!

Es müssen nicht gleich eigens produzierte YouTube-Serien wie „Die Rekruten“ von der Bundeswehr sein. Dennoch machte Dirk Feldhaus, Beauftragter für die Kommunikation der Arbeitgebermarke der Bundeswehr, klar, worum es geht: Mut, Kreativität und Kommunikation auf Augenhöhe. Die Werbemittel im Personalmarketing der Bundeswehr haben sich in den vergangenen Jahren sichtlich modernisiert und verjüngt. Die Ansprache ist auf die Zielgruppen abgestimmt worden: sinnstiftend, plakativ, markant. Mit den YouTube-Serien macht die Bundeswehr vor, dass erfolgreich ist, wer sich ein Medium der Gen Z zu eigen macht und damit kreativ umgeht.

4. Hört auf, neue Medien zu ignorieren!

Kaum einer der Gäste nutzt privat Snapchat und auch im beruflichen Kontext ist der Messenger-Dienst bisher kaum im Einsatz. Robindro Ullah warnte jedoch davor, Entwicklungen zu verschlafen und aus eigenem Desinteresse oder mangelndem Verständnis für eine Technologie Chancen zu vergeben, die junge Zielgruppe zu erreichen.

5. Seid nicht peinlich, aber sprecht eine leicht verständliche Sprache!

Im Praxistest wurden Schülern und Absolventen Stellenanzeigen präsentiert und die Reaktionen der Testpersonen gefilmt. Das Ergebnis:

  • Berufsbezeichnungen wirken häufig abstrakt auf die Zielgruppe
  • Anforderungen und Leistungen des Arbeitgebers gehen in wenig strukturierten Textanzeigen unter
  • Fließtext empfindet die Zielgruppe schnell als zu lang

Stattdessen empfiehlt Jana Teuber, die Leiterin des Content-Teams bei Absolventa, Anzeigen drastisch zu kürzen, gut zu strukturieren und abstrakte Formulierungen wie „flexibel“ mit einem Beispiel zu untermauern, also z. B. „Wenn Du bei uns arbeitest, solltest Du flexibel sein. Bei uns heißt das, dass wir auch über den eigenen Aufgabenbereich hinaus unseren Kollegen unter die Arme greifen, wenn mal Hilfe gebraucht wird.“ Auf Teufel komm raus Jugendsprache nutzen? Die Content-Spezialistin rät davon ab — schlimmstenfalls wirkt es peinlich und zu wenig glaubwürdig.

Jana Teuber, Leiterin Content-Team, Absolventa GmbH