Mobile Recruiting 2018: Was Personaler leisten müssen und was niemand braucht.

Warum wir alles mit dem Smartphone machen (außer uns zu bewerben).

Shoppen bei Zalando ✔️ Flug buchen ✔️ Spotify Playlist hören ✔️ Paypalen ✔️ Slack checken ✔️ Lieblingsblog lesen ✔️ Nach Jobs suchen ✔️ Bewerben ❌

Wenn du ehrlich bist, hängst du 24/7 am Handy. Aber benutzt irgendwer das Handy, um eine Bewerbung abzuschicken? Recruiting Blogs schmeißen mit Buzzwords wie „One-Klick-Bewerbung“ um sich. AI erhält Einzug ins Recruiting, aber niemand bewirbt sich mobil. Was ist da los?

„Mobile Recruiting“ ist die Nutzung mobiler Endgeräte für die Personalbeschaffung — sowohl auf Kandidaten- als auch auf Recruiterseite.

Aha! Ok, auf Recruiterseite sind wir also offenbar noch nicht so weit. Oder gibt es Recruiter, die per Smartphone nach geeigneten Kandidaten suchen und Talente screenen? Ist es ein Case, mobilen Zugriff auf Applicant Tracking Systeme (ATS) zu haben?

Klar ist, dass wir User mobil mit vakanten Stellen und Jobs erreichen müssen. Schauen wir uns den Usertraffic in Google Analytics, sehen wir schnell, wieviele User tatsächlich per Smartphone auf den eigenen Seiten unterwegs sind. Insgesamt wird für 2018 der mobile Usertraffic auf 60 % prognositiziert. In der Gen Z gilt generell „mobile first“. Interessante Insights gibt es in der JIM-Studie von 2017.

Nur noch Desktop?

Alleine auf Desktop auszuspielen, ist in 2018 definitiv zu riskant. Auch wenn es in erster Linie nicht darum geht, dass sich Kandidaten mobil bewerben können. Wichtig ist, dass Jobs, Stellenanzeigen oder Bewerbermanagement-Systeme einfach und smart und auch für mobile user aufgebaut sind.

Während die Digitalisierung in vielen Unternehmen in vollem Gange ist, drohen HR und Talent Management den Aufsprung auf den fahrenden Zug zu verpassen — Jan Müller, Korn Ferry Futurestep in EMEA

Betrachten wir Kandidaten und User, lohnt es sich für die Employer Brand, auf Mobile Recruiting zu setzen: 85 % der befragten Studienteilnehmer der Studie „Wie bewirbt man sich heute?“ von der Absolventa GmbH & dem Institut für Personalwirtschaft der Ludwigs-Maximilians-Universität München wünschen sich mobil-optimierte Unternehmensinformationen, 79 % verlangen mobil-optimierte Stellenanzeigen und 40 % fordern verkürzte Bewerbungswege durch das einfache Zusenden eines Profils aus einem Business-Netzwerk wie XING oder LinkedIn. Dafür belohnen Kandidaten Arbeitgeber, die Mobile-Recruiting-Möglicheiten anbieten mit positiven Konnotationen, darunter „modern“, „innovativ“, „zeitgemäß“ und „dynamisch“. Beobachtungen in den USA haben zu dem Ergebnis geführt, dass Bewerber mobil aus der Suche eher in die Bewerbung gehen. Na gut … mobile Kandidatenansprache ist wichtig.

Und womit können wir die User mobil erreichen?

Zum Beispiel mit Job-Alerts: Gerade Jobbörsen bieten diese Funktion. Wenn du einen Newsletter für angemeldete User hast, kannst du auch deine neuesten Jobs per Mail an alle verschicken. Es muss nicht immer kompliziert und „mindblowing“ sein. Keep it simple! Hier ein Beispiel von ABSOLVENTA. Gefiltert werden Jobs aus Berlin. Für diesen Alert können sich User einfach per Mail anmelden.

Job-Alert auf absolventa.de

Video Content und klassiche Blogeinträge zu Bewerberthemen sollten immer mobil optimiert sein. Features wie z. B. das einfache Zuschicken von mobilen Stellenanzeigen per WhatsApp oder das Teilen in sozialen Medien über Social Buttons können das Spreaden von Inhalten, das sogenannte „Job-Sharing“, erleichtern. Das wichtigste Instrument bleibt die mobile Stellenanzeige. Unternehmen haben das schon weitgehend verstanden. So kann es aussehen, wenn man die eigene Karriereseite mobil optimiert:

Jobs von LIDL
Stellenangeobot von Jungheinrich

Auf der Karriereseite von Nordex wurde nicht mobil optimiert. Die Buttons sind mobil kaum sichtbar und damit nicht klickbar.

Karriereseite von Nordex

Mobile Recruiting betrifft oft auch das Social Recruiting, eine auf sozialen Netzwerken basierende Methode der Personalbeschaffung. Social Recruiting ist auch als Social Hiring, Social Recruitment und Social Media Recruitment bekannt. Hier kommen Facebook oder Instagram ins Spiel.

Snapchat & Co.: Mit der Kandidatenansprache auf Instagram & Snapchat zeigen Unternehmen, wie hip sie sind und warum sie in der Zielgruppe relevant sind. Vor allem für kreative Jobs machen diese Channel Sinn. Die Autovermietung Sixt zeigt mit ihrer erfolgreichen und innovativen Kandidatenansprache, wie das aussehen kann und punktet mit einer erfolgreichen Kampagne auf Snapchat und Facebook. Auch Jan Böhmermann hat hierzu was zu sagen, womit klar wird, dass auch TV-Kampagnen erfolgreich sein können. Mit etwas Glück klappt es auch ohne Zutun viral zu gehen:

Starbucks hat es auch verstanden und setzt bei der Mitarbeitersuche auf Instagram:

Trotzdem kein Bock auf eine Social Media Strategie für die Employer Brand?

Verständlich! Wenn du nur noch Bullshit auf Timelines in Facebook oder auf Snapchat siehst, sich am Ende alle abmelden und die Euphorie beendet ist bringt dir auch die beste Strategie nichts. Aufwand und Nutzen stehen in keinem Verhältnis. „Schuster, bleib bei deinen Leisten!“ Optimiere deine Seiten für Mobiltelefone und verlinke auch auf andere Kanäle, damit die User schnellstmöglich zu den relevanten Informationen kommen. Wenn du auf allen Kanälen unterwegs bist und sich am Ende niemand mobil bewerben kann, bringt das niemandem was. Am Ende muss die Candidate Experience und Journey befriedigend sein und Spaß machen.

Hier nochmal das 6-Phasen-Modell der Candidate Experience:

  1. Anziehung: Der potenzielle Bewerber wird auf das Unternehmen aufmerksam, z. B. über ein Imagevideo.
  2. Information: Der Kandidat sammelt Informationen über das Unternehmen, beispielsweise über die Unternehmens- oder Karriereseite.
  3. Bewerbung: Er verschickt seine Bewerbungsunterlagen oder nimmt eine Online-Bewerbung/mobile Bewerbung vor.
  4. Auswahl: Der Bewerber durchläuft die verschiedenen Phasen im Bewerbungsprozess (Vorstellungsgespräche, Assessment Center …).
  5. Onboarding: Der neue Mitarbeiter wird in den Unternehmensablauf eingebunden und fachlich, sozial sowie kulturell integriert.
  6. Bindung: Der Mitarbeiter erlebt den Arbeitsalltag im Unternehmen und gewinnt einen Eindruck von der Arbeitsatmosphäre.

Sehr nah an eine echte mobile Bewerbung à la „One-Click“ kommt die Werbeagentur Pilot aus Hamburg. Sie macht es möglich, die Bewerbung über ein Formular mobil abzusenden. Unterstützt wird das Ganze von softgarden, die sich auf E-Recruiting Software und smartes Bewerbermanagement spezialisieren.

Mobiles Bewerbermanagement von Pilot

Was solltest du als nächstes tun?

Am besten schaust du dir die eigene Karrierewebsite mobil an. Wenn diese nicht mobil optimiert ist, hast du schon verloren. Aber was, wenn du inhouse keine Entwicklung hast, die sich sofort darum kümmert? In diesem Fall kann sich auch eine Agentur um deine mobile Optimierung kümmern. Lass deine Recruiting Strategie nicht zum Showstopper werden: ist deine Stellenanzeige nicht mobil optimiert, kann sie noch so überzeugend sein. No pain, no gain!