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Photo by Kevin Curtis on Unsplash

Gut, wir scheren aus. Normalerweise dreht sich die Sammlung im Wortstoffhof hauptsächlich um Wortkonstrukte aus dem deutschsprachigen Raum. Aber heute bringen wir mal eine anglizistische Weiterentwicklung aufs Tablett, mit der wir — lassen Sie uns das Niveau nicht unnötig anheben — nicht ganz fein damit sind: die Eatery.

Für alle die nicht wissen was sie erwartet, wenn sie demnächst in eine Eatery eingeladen werden sollten: da gibt es was zu essen. …


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Eine mögliche Erklärung, woher das mit der Besinnlichkeit und der Liebe, dem füreinander da sein und dem ganzen Zirkus in dieser Jahreszeit herkommt leuchtete mir ein, als ich neulich eine BBC Doku über unseren Planeten sah. Dieses Christending, die Geschichte mit der Herbergssuche und der Geburtstagsparty im Stall, die Reisenden aus dem Morgenland und die Geschenke usw., das ist ja alles schön und recht und sicherlich auch eine ganz tolle Metapher. Aber das ganze Brimborium, das man zu Weihnachten veranstaltet verschleiert meiner Meinung nach den wirklichen Grund, weshalb wir in den letzten Tagen des Jahres doch etwas mehr als sonst den anderen zuhören, uns zusammensetzen und uns gemeinsam erinnern, uns Zeit füreinander nehmen und uns nicht alles komplett egal ist. Es liegt an der Kälte! Und das wiederum liegt an der gekippten Erdachse. …


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Photo by Federico Giampieri on Unsplash

Auf diesem wunderbaren Planeten gibt es einige Dinge, vor denen man Angst haben kann. Manche davon sind komplett irrational: Enge, Weite, Günter Netzer, Körperöffnungen. Andere wiederum lassen sich gut nachvollziehen.

In Athen oder Barcelona, in Venedig oder Palma de Mallorca, halt überall dort, wo es in dieser Jahreszeit durchschnittlich zehn Grad wärmer ist als in Resteuropa, schwappt den Touristen anstatt pipiwarmen Mittelmeerwasser eine Protestwelle entgegen. Es regt sich Widerstand gegen die hiesigen Klimaflüchtlinge, die ausser Müll und schlechten Gewohnheiten ansonsten nichts ordentliches zurücklassen. Das Geld, das sie mitbringen verschwindet in den Taschen großer Hotelkettenbesitzer und Airbnb. …


Some thoughts on systemic machinations

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“It did what all ads are supposed to do: create an anxiety relievable by purchase.” — David Foster Wallace, Infinite Jest

In all systems there is manipulation. We find signs of manipulation in biological cycles, in military training, in our daily dealings with one another and even on a microscopic level.

No matter if it’s parasites, the military or advertising. Manipulation lives from placeholders, from images and signals that obscure something original and replace it with new signals. Or it retrieves ready-made patterns of behaviour that serve the purpose of the manipulator, but not those of the victim.

“Manipulation is influencing behavior for the benefit of others.“ …


Photo by Marielle Amelie

23.11.17, Donnerstag

„Metakognition. Das ist interessant, dass sie das machen. Passiert ihnen das nur hier?“ Frau R. liefert heute bereits sehr früh mein Wort des Tages. Nach der Therapie sitze ich in Pasing, Café Brioche Dorée mit Cappuccino und Croissant und mit Stift und Papier an einem kippeligen Tisch, auf einem kippeligen Stuhl. Selbst das Tablett, auf dem der Kaffee und das Gebäck steht kippelt. Frühe Instabilität. Frau R. und ich haben uns darauf geeinigt, unsere Gespräche nur noch alle drei Wochen stattfinden zu lassen. Ich sitze draussen, es ist windstill und kalt. Die müde Novembersonne steht tief, sie wirft gnädig noch ein paar Strahlen herunter, bevor sie sich gleich hinter dem nächsten hohen Gebäude verstecken wird. …


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Um das Wort „Geschmacksrichtung“ vollumfänglich zu kapieren, muss man vielleicht zwangsläufig in Vektoren denken.

Nehmen wir also einen findigen Lebensmittelchemiker, der an einer neuen Rezeptur für, sagen wir, z.B. Mango–Joghurt tüftelt. Das soll in diesem Beispiel unsere willkürlich veränderliche Stellgröße, die unabhängige Variable sein, in unserem Fall also der geschmackliche Eindruck eines industriell hergestellten Produkts. Und es gibt die Auswirkungen dieser Manipulationen auf eine Messgröße, die abhängige Variable. Also das, was der Konsument bei besagtem Joghurt schmeckt, im Idealfall also Mango.

Starten wir bei null und der Lebensmittelchemiker wirft unüberlegt ein paar Reagenzien in sein Glas, was alles in allem den Geschmack von recyceltem chinesischen Altpapier erzeugt, wird die abhängige Variable dieses Tamtam mit schlagartigen Kotzanfällen quittieren, solch abgehärtete Geschmacksknospen besitzt niemand. …


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Photo by Tommy on Unsplash

09.11.17, Donnerstag
Alle Raucher im Haus und auch im Haus gegenüber gehen nochmal rauchen, gehen raus auf ihre jeweiligen Balkone, bevor sie in’s Bett gehen. Es ist zehn vor elf Uhr, es ist November und draussen hat sich die Temperatur unter einem gewissen Punkt eingependelt, an dem man sich das Rauchen locker abgewöhnen könnte, wäre da nicht die Sucht und die Routine, das Kleinbeigeben und der Kick und auch die eineinhalb Oktaven tiefergelegte Stimme, alles nur vom Rauchen, wie albern.

Luftkurort, aber in einem ironischen Kontext

Wirklich jede Partei in unserem Sechsparteienhaus raucht und das ist alles in allem ein besonders ironischer Zustand, wenn man bedenkt, dass wir am Ammersee in einem Luftkurort wohnen. Wie die Figuren des Glockenspiels am Marienplatz treten sie in höflicher Regelmäßigkeit auf ihre Balkone; das synchrone Klicken der Feuerzeuge in der Nacht, das synchrone Husten, der synchrone Auswurf, eine eigentümliche Choreografie. …


Deutschland hat gewählt. Es gibt keinen Grund zum Heulen. Aber viele gute Gründe, sich mehr mit der Politik unseres Landes zu befassen.

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Berliner Runde zur Bundestagswahl 2017, Quelle: ZDF

Die Bundestagswahl ist vorbei. Die einen sind ernüchtert. Die anderen sind erfreut. Wieder andere sind enttäuscht, was insgesamt eine ziemlich gute Sache ist, weil eine offensichtliche Täuschung nun endlich weg ist. Deutschland hat gewählt. Wir haben gewählt. Wir haben ein Ergebnis. Wir haben Klarheit. Und absolut nichts daran war nicht irgendwie vorhersagbar gewesen.

Mit der Politik verhält es sich vielleicht ein bisschen so wie mit dem Zähneputzen. Wenn man sich nicht darum kümmert, wird’s braun. Man muss sich jetzt am Einzug der AfD in den Bundestag nicht die Hirnrinde fransig diskutieren oder alles zu Tode analysieren. Sie ist da, leider. So deal with it. Meine Hoffnung: So, wie es nach dem Brexit zu einer zunehmenden Begeisterung für Europa kam könnte es nach dieser Wahl zu einer zunehmenden positiven Auseinandersetzung mit der Politik in unserem Land kommen. …


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Wer schwankt hat mehr vom Weg

Das Problem ist doch, dass wir viel zu viel Zeit mit anscheinend nutzlosen Dingen verbringen. Oder, vielleicht nicht ganz so generell verurteilend: Ich verbringe viel Zeit mit anscheinend nutzlosen Dingen. Nehmen wir die vergangenen zwei Stunden. Es ist jetzt kurz nach Mitternacht. Ich hätte Ruhe gehabt. Kind und Frau schlafen. Und ich, ich verzettle mich schon wieder im Internet.

Natürlich bin ich nur interessanten Dingen nachgestiegen. Aber genau das ist das Problem: alles scheint interessant. Wie viele Bücher hätte ich in meinem Leben mehr lesen (oder schreiben) können? Wie viele Kilometer wäre ich mehr gelaufen? Wie viele Stunden Schlaf hätte ich mehr gehabt? …


Meine Mutter war im vierten Monat mit mir schwanger, als es zum NATO-Doppelbeschluß kam. Ich war drei, als der kalte Krieg 1983 so überhaupt nicht mehr kalt sein wollte und die Zivilisation eine Minute vor der thermonuklearen Vernichtung stand. Meine Mutter bekam damals nicht viel von der angespannten politischen Großwetterlage mit. Es gab eine Familie, die ernährt werden musste. Und es gab kein Twitter. Auch ich habe das, was Gerald Hensel in dem oben verlinkten Artikel erwähnt als Kind nicht bewusst wahrgenommen. Und dennoch hat es meine Sprache geprägt, meine Wahrnehmung und mein Denken.

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Wie sehr die drohende atomare Apokalypse der 80er Jahre, die unterschwellige Angst aus der Erwachsenenwelt in mein kindliches Hirn eingesickert ist, begriff ich erst Jahrzehnte später. Ich merke es, wenn ich diesen Artikel lese, angetrieben davon einen halben Tag im Internet verbringe, alles über den professionalisierten Irrsinn dieser Zeit des Wettrüstens recherchiere und diese Antwort auf Medium schreibe. Da schnürt sich etwas in mir zu. …

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Abteilung für innere Angelegenheiten

Worte fürs Leben. Gelegentlich guter Rat. Häufig Idiotie.

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