Life: A Tram Ride | Leben: Eine Fahrt mit der Straßenbahn

By Reilly Witheford, BK’19

Through an anecdote about riding the tram in Düsseldorf, Germany, Reilly retraces her past and explores her conflicting sense of home.

ORIGINAL

Bam, Bam, Bam. Der Takt seiner Schritte ist laut genug, das laute Rattern der Straßenbahn zu übertönen, die mich zum ersten Mal nach Hause bringt, seit ich es vor fünf Jahren verließ. Mein Herz beginnt nach dem Metronomenrhythmus zu klopfen. Der Takt hält nur an, als er “Fahrschein bitte” sagt. Es ist ein leiser Befehl, versteckt als höfliche Anfrage. Nachdem er ein Ticket von der Frau drei Reihen hinter mir abgestempelt hat, beginnen seine Schritte wieder im Gleichklang mit meinem Herzen zu pochen. Ich erwarte ihn wie eine Patientin, die auf ihre jährliche Impfung wartet.

In Düsseldorf habe ich in der Zeit, in der ich die Grundschule und die Realschule besuchte, nur Gerüchte über diese Art von Dingen gehört. Gerüchte, die ältere Schüler in Umlauf brachten, um den Ruf des “Coolsten” in der Klasse zu bekommen; ich kann nicht glauben, dass er die Straßenbahn ohne Ticket gefahren ist. Ich, auf der anderen Seite, strebte nie nach einem solchen Etikett; Ich war vollkommen zufrieden damit, das gute amerikanische Durchschnittskind zu sein. Ich machte immer meine Hausaufgaben, ging ins Bett wann immer meine Eltern es wollten, und hatte immer einen Überschuss von Fahrkarten in meiner rosa- und lilafarbenen Roxygeldbörse. Aber nach fünf Jahren des Lebens im Süden — in Charlotte, North Carolina — habe ich mir ein wenig Mut zugelegt. Jetzt fahre ich ohne Fahrschein ohne auch nur im Geringsten zu zögern.

Es ist wahr; ich kann jetzt nicht wieder nach Hause gehen. Ich greife nach unten und berühre die stacheligen doStoffsitze, die gleichen Sitze auf denen ich mit acht Jahren saß, neben meiner überängstlichen amerikanischen Mutter, auf dem Weg, Eiscreme, meine Lieblingsspeise, zu kaufen. Die Sitze haben sich nicht verändert, nur die Größe des Mädchens in dem Sitz (oder, sollte ich sagen, Frau?). Achtzehn Jahre des Lebens, das Erwachsensein — die Gedanken daran sind mir immer noch fremd. Alles in der Straßenbahn ist still, mit Ausnahme des leichten Wackelns der Körper im Gleichklang mit dem Rattern der Straßenbahn. Aber draußen, vor dem Fenster, verändert sich die Welt ständig: eine Filmrolle, die die Vergangenheit, Gegenwart und bald, die Zukunft, zeigt.

Nadia sitzt mir gegenüber, und ich denke an das erste Mal, dass wir beide ohne unsere Eltern in der Straßenbahn fuhren. Es war die Zeit unseres ersten Schultanzes, und wir waren auf dem Weg, neue Kleidung für eine Party einzukaufen. Ich muss bei dem Gedanken kichern, wenn ich an uns in unseren Leopardenröcken und Baumwoll T-Shirts denke. Zum Glück sind wir aus dieser peinlichen Phase herausgewachsen, und jetzt sind wir auf dem Weg, ein paar Freunde aus unserer ehemaligen Schule, bei deren Abschlussfeier zu besuchen.

In unserer internationalen Schule waren wir alle Ausländer: ein Klan von Außenseitern in der Fremde, inmitten der geordneten deutschen Gesellschaft. Das ruhige japanische Mädchen in der einen Ecke, ein deutsches Kind in der anderen. Aber ich hatte andere Ausländer an meiner Seite. Nur von einer Betonziegelwand getrennt waren mein Schlafzimmer und das von Nadia, weil das Schicksal die zwei besten Freundinnen und Klassenkameraden in benachbarte Stadthäuser verschlagen hatte. Aber unsere Nachbarschaft war ständig in Bewegung; eine spanische Familie zog ein und zwei Jahre später wurde sie nach China versetzt. Gleich am nächsten Tag nahm eine südafrikanische Familie ihren Platz ein. Es war einen unendlicher Kreislauf, und wir waren genauso ein Teil davon wie jeder andere Auswanderer in der Pastor-Bröhl-Straße.

Nach einem langen Freitagsspaziergang zurück von der Schule, saßen Nadia und ich auf unserer zeitgenössischen Ikea Couch vor dem Fernseher, während wir auf die zweihundert Quadratmeter großen, eingezäunten Gärten starrten. Wir lachten, weil dieser Ort derjenige war, in den wir hingehörten. Ich würde immer die Fremde sein, aber das war in Ordnung, solange ich immer ein paar andere Ausländer an meiner Seite hatte.

Alles veränderte sich. Ich fing an, es zu hassen, als meine Freunde und Nachbarn mich immer zurückließen. Ich fing an, den chronischen Stress zu hassen; Ich wusste nie, wann ich es sein würde, die ihr Leben in Kartons einpacken musste, weil der Beruf vom Vater so unvorhersehbar war. Ich fing an, die blendend weißen Wände zu hassen, wenn ich mehr Zeit zu Hause verbrachte, und weniger Zeit draußen mit “Freunden” (die Bekanntschaften, die ich als Ersatz benutzte für meine echten Freunde, die jetzt mehrere Kontinente entfernt wohnten). Ich fing an, die konstante Entfremdung zu hassen, die ich auch jedes Mal fühlte, wenn ein Kellner mir eine englisches Speisekarte zureichte. So stark wie ich es auch versuchte meine deutsche Aussprache zu perfektionieren, blieb es doch immer noch meine Zweitsprache. Und, das Eis schmeckte nicht mehr so ​​süß, wie es damals an meinem jungen Gaumen geschmeckt hatte.

Nach drei Jahren zog Nadia nach Kanada zurück, und eine andere Familie mit kleinen Kindern aus Schweden zog auf der anderen Seite der Betonziegelwand ein. In ihren Augen sah ich mich als Kind: ein Mädchen, das ständig von den “Neuheiten” der deutschen Kultur erstaunt war. In meinem fünften Jahr in Düsseldorf wurden diese Neuheiten tägliche Routine, und ich sehnte mich nach den einst alltäglichen Gegebenheiten der amerikanischen Kultur, mit denen ich aufgewachsen bin. Ich wollte in einem netten Backsteinhaus mit bemalten Fensterläden und einladenden beigen Wänden sein. Ich wollte klebriges, abgepacktes Essen zu mir nehmen. Ich wollte fernsehen und jedes Wort verstehen. Ich wollte wieder “nach Hause” gehen. Meine Wünsche wurden erfüllt, und auf einmal war ich wieder in Charlotte, meinem Geburtsort. Ich packte die Boxen aus, und träumte von der Person, die ich in den nächsten fünf Jahren werden würde.

Man kann jetzt nicht wieder nach Hause gehen. Die Schritte erreichten meinen Sitz und eine dicke Hand öffnete sich in meine Richtung. “Fahrschein bitte.” Meine Hände zitterten und ich schrie (in Englisch), dass ich eine Amerikanerin war, die nicht wusste, wie das deutsche Fahrscheinsystem funktionierte. Dann schaute ich in seinen Augen, und bat um Gnade, für die Lüge, die gerade aus meinem Mund rutschte. In dem Moment, gab ich jedwede Qualitäten, die ich über meine fünf Jahren in Deutschland erworben hatte, weg: meine Toleranz gegenüber anderen Kulturen, meine Flexibilität, meine internationalen Kenntnisse. Ich wurde wieder das naive amerikanische Mädchen, das ich war, als ich mit nur acht Jahren nach Deutschland zog. Ich verlor dabei die Gelegenheit, den Stereotypus der Amerikaner im Ausland zu durchbrechen. Alle Augen in der Straßenbahn starrten auf mich: die dumme, zitternde Amerikanerin. Die “stillen Urteile” der schweigenden Deutschen habe ich definitiv nicht übersehen. Nach 20 Sekunden Stille gab der Schaffner mir eine Verwarnung, und ließ mich an der nächsten Haltestelle aussteigen. Und damit entkam ich meiner erste Begegnung mit dem deutschen Gesetz.

Nadia und ich stiegen aus der Straßenbahn aus. Die Straßenbahn fuhr weiter zu dem nächsten Ziel, und es spielte keine Rolle, ob ich in ihr saß oder nicht. Eine andere Straßenbahn würde in sieben Minuten an dieser Station sein, und ich würde gleich wieder einsteigen. Genau wie die Straßenbahn, eilen wir immer vorwärts. Wir stoppen nur kurz, um einige Menschen in unser Leben rein und andere Menschen aus unserem Leben raus zu lassen. Man kann nicht wieder nach Hause gehen.

Ich presse meine Stirn gegen das Fenster, und gucke in ein schmales Stadthaus rein. An der Hauswand hängt ein Schild mit der Aufschrift “Zu Vermieten”. Mein Atem beschlägt die Scheibe und nimmt mir die wenige Sicht, die ich auf den leeren, gefliesten Küchenboden habe, und ich reibe die beschlagene Stelle mit der Hand ab, um nur einen letzten Blick zu erhaschen. Ich drücke auf die Klingel und halte mein Ohr an die Tür, um die Melodie zu hören, als sie durch das leere Haus hallt. Und dann gucke ich auf die Wand neben die Tür. Es ist fünf Jahre her, seitdem ich umgezogen bin, aber auf dem Briefkasten steht immernoch die Aufschrift “Witheford”.

TRANSLATION

Thump, thump, thump. The beat of his footsteps is loud enough to overtake the erratic rattling of the tram car, whisking me back home for the first time since I left five years ago. My heart begins to pound to the metronome’s rhythm. The beat only stops for him to announce, “Fahrschein, bitte,”[1] a hoarse command in the disguise of a polite request. Once he has collected a ticket from the woman three rows behind me, the footsteps begin to thump in unison with my heart once again. I anticipate my turn like a patient awaiting her annual vaccinations.

When I lived in Düsseldorf, Germany during the tender years of elementary and middle school, I only heard cafeteria rumors about this kind of thing, rumors that middle school students would circulate to achieve the “bad-ass” label. OMG Johannes is sooo epic! I can’t believe he got away with riding the tram without a ticket! I, on the other hand, never aspired to this label; I was perfectly content with being the good American rule-follower that I had always been. I did my homework, went to bed when my parents told me to, and always kept a surplus of tram tickets in my pink and purple Roxy wallet. But after five years of southern exposure, living in the sticky suburbs of Charlotte, North Carolina, this recent high school-graduate had acquired a little grit. When once I only imagined that one of those black-haired punks would be insane enough to ride the tram without a ticket, I now rode ticket-less without even the slightest hesitation.

It’s true; you can’t go home again. I reach down and touch the prickly cloth seats, the same seats I used to sit in at eight years old, feet dangling, next to my overprotective American mother, on our way to get ice cream, my favorite after-school snack. The seats haven’t changed, only the size of the girl sitting in them (Or should I say woman? Eighteen years of life, the thought of adulthood — it still hasn’t sunk in yet). Everything in the tram is still, except for the slight jiggling of bodies in unison with the rattling of the tram. But outside the window, the world is ever-changing, a film reel unwinding the past, present, and soon, future.

Nadia sits facing me, and I can’t help but think back to the first time the two of us rode the tram together without our parents. It was our first middle school dance, and we were in desperate need of a shopping trip for some new party clothes. I giggle at the thought of us dancing in our cheetah skirts and cotton tees, pathetically trying to look cute for our crushes. Luckily, by now we’ve grown out of our awkward phase, and we’re back to cheer on the few friends we have left at our former school’s graduation (but really, all we’re thinking about is the after party).

At our international school we were all aliens, a clan of misfits placed into the foreign, orderly society that the Germans so fervently established. I felt more in common with the quiet Japanese girl than the cackling German children sitting across from me on the tram. But I had other aliens by my side. Literally. Only a cinderblock wall separated my bedroom from Nadia’s, because fate had placed two best friends and classmates into adjacent townhouses. But our neighborhood was in constant flux; one Spanish family would move in, and then two years later they would be shipped off to China, or back to Spain, and then the next day a South African family would take their place. It was a never-ending cycle, and we were just as much a part of it as was every other expatriate on Pastor-Bröhl-Straße.

After a long Friday stroll home from school, Nadia and I would collapse onto my temporary Ikea couch in front of the TV in my blindingly white living room, stare out onto the fenced-in two-hundred-square-foot backyard (or “garden” as the Germans respectfully called it), and smile, because this was where we belonged. I would always be the alien, but that was okay as long as I had a couple of fellow aliens with me.
It all changed. I began to hate the incessant flocks of friends and neighbors leaving me behind. I began to hate the chronic stress of never knowing when I would have to pack up my life into cardboard boxes just like they had, because my father’s job overseas was so unpredictable. I began to hate the blindingly white walls, as I spent more time at home, and less time out with “friends,” the acquaintances I used to fill the void left by my real friends, now continents away. I began to hate the constant alienation I felt every time a waiter handed me the English menu, as hard as I tried to perfect my German accent. Ice cream treats no longer tasted as sweet as they did to my youthful taste buds.

After three years, Nadia moved back to Canada, and another family with small children from Sweden moved in on the other side of the cinderblock wall. In their eyes I saw my eight-year-old self, a girl constantly amazed by the novelties of German culture. By my fifth year in Düsseldorf, these novelties had become commonplace, and I longed for the once-commonplace aspects of American culture that I had grown up with. I wanted a cute brick house with painted shutters and inviting beige walls. I wanted gooey processed foods. I wanted to watch TV and understand every word. I wanted to go “home.” My requests were fulfilled, and suddenly I was back in Charlotte, my birthplace, unpacking boxes and daydreaming about who I would become in the next five years.

You can’t go home again. The footsteps reach my seat and a plump hand reaches in my direction. “Fahrschein, bitte.” My hands tremble and I cry out (in English) that I’m an American who doesn’t know how the German ticket system works, then look into his eyes for mercy for the complete and utter lie that just slipped from my mouth. In that moment, I give away every quality I had acquired over my five years in Germany: my tolerance of other cultures, my flexibility, my international street-smarts. I become the vulnerable, naïve American girl I was when I moved there at just eight years old. I lose every attempt I ever made at defying the stereotypes of Americans abroad. Every eye in the tram car is on me, the stupid, trembling American. The Germans’ silent judgment is definitely something I don’t miss. After a twenty second pause, in which I’m sure the ticket-collector notices that I am on the verge of tears, he gives me a warning, and instructs me to get off immediately at the next stop. And with that I escape my first run-in with the German law.

Nadia and I hop off the tram, adrenaline rushing. The tram continues on to its next destination; it doesn’t matter whether I’m on it or not. Another one will be at this stop in seven minutes, and I’ll hop right back onto it. Just like the tram, we are ever rushing forward through new surroundings, only stopping briefly to let people in and out of our lives. You can’t go home again.

I place my forehead against the window, cup my hands around my eyes, and peer into the narrow townhouse now labeled with a sign that reads, “Zu Vermieten”[2]. My breath fogs up whatever scant vision I have of the empty tiled kitchen floor, and I rub off the spot of fog just to get one last glimpse. I ring the doorbell and rest my ear against the door to hear the familiar four-chimed tune as it echoes eerily through the empty house. It’s been five years since I moved, but the mailbox still reads “Witheford.”

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