Weihnachten zu Hause

By Caroline Kulmhofer

Focusing on the celebration of Christmas in Austria, Caroline Kulmhofer from the University of Graz in Austria describes how inseparable it is from her sense of home. She discusses specific rituals associated with the holiday, all meant to help reconnect a family and express gratitude.

ORIGINAL

Wenn ich über die Ansichten anderer Menschen über mein Heimatland nachdenke, bin ich mir nie ganz sicher, was diese Menschen mit dem kleinen Land Österreich verbinden, das gelegen ist im Herzen Europas. Das Gefühl, wenn ich zu meinem Heimatort zurückkomme, weit weg von dem stressigen Stadtleben, ist natürlich das Gefühl in meinem zu Hause anzukommen. Im harmonischen und friedlichen Landleben scheint es, egal was passiert, dass alles irgendwie in Ordnung kommen wird.

Dieses Gefühl ist besonders stark zu Weihnachten. Nach der Bescherung am Weihnachtsabend unternimmt meine Familie, mit einer Gruppe von anderen Leuten, immer eine Wanderung mit Laternen und Fackeln und folgt dem Weg eines Heimatdichters. Um 1900 unternahm dieser Dichter in der Weihnachtsnacht die Wanderung, um die Kirche für die Weihnachtsmesse mitternachts zu erreichen. Diesen Weg beschreibt er in einem seiner Gedichte, die er in regionalem Dialekt verfasst hat. Dabei erfahren wir die Dankbarkeit und die Aufregung am Weihnachtsabend, die er als 10-jähriger, aufwachsend in Armut, erfährt und in dieser magischen Kurzgeschichte ausdrückt.

Während wir durch den Schnee stapfen, machen wir uns auf den Weg von seinem Geburtsort, einem Bauernhaus im Wald, in den Dorfkern zur Kirche. Dies erinnert uns nicht nur an die relativ harten Lebensbedingungen dieser Zeit, sondern gibt uns auch die Möglichkeit die wunderschöne Natur zu genießen. Hier findet sich eine von Österreichs faszinierendsten Landschaften: Dunkle, tiefe Wälder von scharfen Bergkämmen, weite Felder, die bis zur Bergspitze reichen und mein geliebter Schnee, der die Hügel wie mit einer Samtschicht bedeckt. Nach diesem Eintauchen in die Kindheit der Vergangenheit in den Steiermärkischen1 Alpen, sitzen wir danach alle zusammen bei einer Tasse Tee und reden über das Jahr, das sich dem Ende zuneigt.

Irgendwie wurde das Ritual dieses Dichters nun zu unserem. Doch gerade das ist das Wundervolle an Ritualen. Immer wieder aufs Neue lernt man diesen Ritus mehr zu schätzen, wenn man ihn wiederholt. Wir lernen noch etwas anderes bei dieser jährlichen Weihnachtswanderung. Die Gewohnheit dankbar zu sein, für das was wir haben. Dankbar zu sein und wahrzunehmen und darauf Acht zu geben was rund um uns passiert.

1 Die Steiermark ist eines der neun Bundesländer in Österreich.

TRANSLATION

Thinking about other people’s perceptions of my home country, I’m never entirely sure what comes to their minds when hearing about Austria, a small country in the heart of Europe. The feeling I get when I come back to the place where I grew up, far away from the bustling city life, is the feeling of coming home. When I’m home in the harmonious and peaceful countryside, it seems that no matter what happens in this world, it will be alright.

This feeling is especially strong on Christmas. After our celebration on Christmas Eve, my family, with a group of other people with lanterns and torches, walks a special trail in the nearby woods of Styria1. Back in 1900 a famous regional poet walked on this trail on Christmas Eve to go to church for the service at midnight. Through his poems, that are written in the regional dialect, we get to experience the gratefulness and excitement about Christmas that he, a ten-year-old, growing up in poverty, experienced.

Starting from his birthplace, a farmhouse in the middle of nowhere, we trudge through the snow to the town center. This reminds us both of the harsh living conditions of that time and gives a great opportunity to enjoy the beauty of nature. To me, it’s one of Austria’s most fascinating landscapes: deep, dark forests flanked by steep mountain ridges, gentle meadows reaching up to exposed summits, and my beloved snow, covering the hills like velvet. After this experience of a childhood in Styria’s Alpine uplands, we sit together with a cup of hot tea and reminisce about what happened in the year that is coming to an end. Somehow, his ritual has become ours. This is the wonderful aspect about ritual: it makes you connect to something you love even more every time you repeat it. There is also something else we can learn from this annual very personal Christmas hike. The habit of being grateful for what we have. Being grateful, and recognizing and listening to what is happening around us.

1 Styria is one of the nine regions in Austria.

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