Neue Wege

28.10.2011: Drei Umzüge quer durch die Republik innerhalb von sechs Monaten, von einem neuen Job zum nächsten — freiwillig. Nur um letztlich in einem Job zu stranden, der mich gnadenlos unterfordert, überhaupt nicht interessiert und mit jedem Tag ein Stück mehr Lebensenergie aus mir heraussaugt. Also noch mehr als die Jobs davor, die ich ja aus genau diesem Grund gekündigt hatte. Der Preis der finanziellen Sicherheit. So macht «man» das ja schließlich, wenn man über 30 ist: Man sucht sich einen sicheren Job mit regelmäßigem Einkommen, macht Karriere, heiratet, zieht aufs Land, baut ein Haus, kriegt Kinder und hat mindestens eine zusätzliche private Altersvorsorge.

Auf dem Papier bin ich auf einem guten Weg. In der Realität bestenfalls auf dem Holzweg, habe mich in meinem selbstgewebten Netz aus Scheinsicherheiten verfangen und drohe langsam aber sicher darin zu ersticken. Tatsächlich schnürt es mir mit jedem Meter, den ich mich morgens dem Büro nähere, ein bisschen mehr die Kehle zu.

Wenn ich nicht aufpasse, lande ich schneller in einer ausgewachsenen Depression, als ich gucken kann. Ich bin verzweifelt, habe keine Ahnung, wie ich aus dieser leblosen Misere je wieder herauskommen soll. Das Einzige, was ich weiß, ist, dass es so nicht weitergehen kann. Noch ein Umzug, noch ein Jobwechsel, noch eine Illusion, dass beim nächsten Mal bestimmt alles anders und endlich gut wird. Wie oft will ich das alte Muster noch wiederholen und mich dann wundern, dass auch das Ergebnis gleich bleibt? Probleme können niemals in dem Bewusstsein gelöst werden, in dem sie überhaupt erst entstanden sind. Nein, es muss einen besseren Weg geben, auch wenn ich ihn jetzt noch nicht sehen kann.

Mir fällt ein Gespräch ein, das ich vor Wochen mit meiner Mutter führte. Meine Cousine hatte ihr von einem buddhistischen Kloster hier ganz in der Nähe erzählt. Kloster! Das ist es. Computer an, Google fragen und zack, innerhalb von Sekunden ist er auf einmal da, der neue Weg…

#BuddhasWeg.

Es ist 13 Uhr, ich bin Feuer und Flamme, greife sofort zum Telefon. Der Anrufbeantworter meldet sich: «Sie erreichen uns werktags von 10 bis 11:30 Uhr.» Soll das ein Scherz sein? Nicht einmal zwei Stunden Erreichbarkeit pro Tag? Wo gibt es denn so was? Offensichtlich im Kloster. Gut, dann schicke ich eben eine E-Mail, da wird sich ja wohl schnell jemand drauf melden. Fehlanzeige. Offensichtlich sind dem Kloster Turn Around Times und Servicelevel ziemlich schnuppe. Ok, good things come to those who wait, Geduld, Elena, und morgen früh gleich wieder anrufen.

Fast 30 Stunden übe ich mich in Geduld, bis ich schließlich mitten im Odenwald vor Buddhas Weg stehe. Ich, die gestandene, rationale Businessfrau aus der Marketing-Welt im buddhistischen Kloster. Na das kann ja was werden. Schon beim Einchecken stelle ich fest: overdressed und overpacked. Egal. Ich bin offen und lasse mich auf die nächsten Tage ein. Ich hätte ein Einzelzimmer haben können, entscheide mich aber für das Bett im Doppelzimmer, möchte «das Schicksal» entscheiden lassen, ob ich dieses Wochenende alleine oder in Gesellschaft verbringe.

Einfache Ausstattung stand im Internet. Das war nicht übertrieben: zwei kleine Holzbetten mit Nachttisch jeweils links und rechts an der Wand, vor dem Fenster ein Tisch und ein Stuhl und daneben zwei einfache Holzschränke. Hier geht es definitiv nicht um Dinge im Außen, das ist selbst mir schnell klar. Gemütlich ist zwar anderes, dennoch fühle ich mich in der Einfachheit und Klarheit des Raumes sehr wohl. Von dieser wird allerdings wenig übrig bleiben, wenn ich erst mal mein ganzes Gepäck ausgebreitet habe. Was schleppe ich da eigentlich alles mit mir herum? Wo dachte ich denn, dass ich hin gehe? Zu einer Modenschau? Und wie lange wollte ich bleiben? Drei Monate? Meine Taschen sind voll mit Klamotten, Schuhen und Kosmetika. Witzig ist, dass ich die nächsten Tage ausschließlich in einer einzigen Jogginghose verbringe und Straßenschuhe in weiten Teilen des Klosters gar nicht erlaubt sind. Das weiß ich aber noch nicht, als ich inmitten meines Gepäckberges alleine im Doppelzimmer stehe und mir schlagartig klar wird: Viel zu lange habe ich mich mit dem Außen beschäftigt, mehr und mehr materielles und emotionales Gepäck angehäuft. Selbst wenn ich mich in den großen Schlafsaal eingemietet hätte, wären die restlichen Betten wohl leer geblieben. Die Zeit ist gekommen nach innen zu schauen, mir selbst zu begegnen und dort aufzuräumen.

Der Wecker reißt mich unsanft aus dem Tiefschlaf. 5:15 Uhr. Das kann nur ein Scherz sein. Um diese Zeit gehe ich sonst eher schlafen. Im Halbschlaf dämmert mir aber, dass es wohl doch kein Scherz ist und ich tatsächlich eigenhändig den Wecker gestellt habe. In 15 Minuten beginnt die einstündige Morgenmeditation in der Buddha-Halle. Soll ich da wirklich hin? Um diese Zeit? Das Bett erscheint mir gerade deutlich gemütlicher als noch gestern Abend, als ich mich eine gefühlte Ewigkeit hin und her wälzte, bis ich endlich eingeschlafen konnte. Jetzt aber ist es so kuschelig und warm. Reiß‘ dich zusammen! Okay, okay, ich stehe auf …


So geht’s weiter…

Was für ein Tag! Nun liege ich erschöpft aber zufrieden mit neu erlangtem #QiGong-Wissen im Bett. Erst durch ihre Gegensätze bilden Ying und Yang eine Einheit. Klar, ohne Nacht kein Tag, ohne Sommer kein Winter. Das leuchtet ein. Qi ist Energie, Lebensenergie, die frei durch den Körper fließen will. Oje, jetzt tut mir #MeinArmesQi ganz schön leid. Von freiem Fluss kann da momentan keine Rede sein. Alles in mir ist verspannt, meine Beweglichkeit auch durch mein Gewicht so eingeschränkt, dass mich bereits die leichten Übungen am Abend an meine körperlichen Grenzen bringen. Kein Wunder, dass ich mich so blockiert fühle, innen wie außen. Das Universum unterscheidet nicht zwischen positiver und negativer Energie. Die Energie folgt einfach der Aufmerksamkeit, egal in welche Richtung diese geht. Wenn also Qi Energie ist und Energie der Aufmerksamkeit folgt, steuert mein Qi geradewegs in eine Sackgasse. Na toll, nein, da will ich nicht enden. Und mein Qi ganz bestimmt auch nicht. Halte durch Qi, ich rette dich! Gleich morgen fange ich damit an, aber jetzt muss ich schlafen.


… Der Qi Gong-Kurs ist beendet, die Abreise naht. Aber etwas hält mich zurück, ich bin noch nicht bereit diesen Ort zu verlassen und gehe stattdessen in das benachbarte …

#Teehaus. Dort treffe ich eine Kursteilnehmerin und bei Bubble Tea und Schokotorte schütten wir uns gegenseitig das Herz aus. Gewaschenes Knochenmark macht redselig…


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ANASHA — Die Reise beginnt.

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