Mit Blockchain in die Zukunft der NGOs

Die Blockchain-Technologie bietet großes Potenzial, die digitale Welt maßgeblich zu verändern: durch die Dezentralisierung von Prozessen und deren Bausteinen können ganze Branchen neu sortiert werden. Auch für NGOs ergeben sich dadurch innovative Optionen einer digitalen Weiterentwicklung, die längst überfällig ist.

Vertrauen in die Arbeit von NGOs schwindet

Die Arbeit von Nichtregierungs-Organisationen hat durch wenige Negativbeispiele in der öffentlichen Wahrnehmung gelitten. So zeigen verschiedene Studien auf, dass Unterstützer immer weniger daran glauben, ihre Hilfe könne tatsächlich etwas bewegen. Gerade der sinnvolle und richtige Einsatz von Spendengeldern liegt den Menschen am Herzen, denn zu oft verliert sich deren Weg nach kurzer Zeit in einem unübersichtlichen Netz der Projektarbeit.

Auch wenn die meisten NGOs durch Selbstkritik, neue Konzepte und digitale Angebote versuchen, ihre Unterstützer weitestgehend in ihre Arbeit einzubeziehen, bleibt noch ein langer Weg, um in einem ohnehin umkämpften Markt Klarheit und Transparenz zu schaffen. Lösungen bietet hier die Blockchain-Technologie mit ihrem dezentralen Ansatz.

Die Blockchain-Technologie als Sicherheit

Bis auf wenige Ausnahmen gelten Blockchain-Prozesse als nahezu fälschungssicher. Gleichzeitig bieten sie in erster Linie Transparenz - und machen die Abläufe für alle Beteiligten nachvollziehbar.

Das grundsätzliche Prinzip der Blockchain schafft Vertrauen für alle Beteiligten: durch die Garantie, dass jede Information oder jeder Datensatz nur einziges Mal existiert, kann deren sachliche Richtigkeit jederzeit belegt werden. Die Unterstützer einer NGO können sich so darauf verlassen, dass gespendetes Geld nicht zweckentfremdet wird und tatsächlich einem gewünschten oder geplanten Ziel zu Gute kommt. Selbst kooperierende Organisationen oder Organisationsbereiche können über dieses Prinzip eine vertrauensvolle Zusammenarbeit gewährleisten.

Insbesondere das Tracking individueller Vorgänge bietet für Unterstützer große Vorteile: da ihre Transaktionen mit nicht veränderbaren IDs versehen werden, lässt sich darüber nahezu in Echtzeit nachvollziehen, wo ein gespendeter Betrag aktuell eingesetzt wird. Über diesen Mechanismus ließe sich zum Beispiel darstellen, dass die monatliche Geldspende an einem bestimmten Tag für die Finanzierung einer Augenoperation oder an einem anderen für den Kauf von Wasser-Containern verwendet wurde. Der Unterstützer kann somit sicher sein: “Ich habe etwas bewirkt!

Effizienz im Ernstfall

Bürokratie kann in Krisen-Situationen die schnelle Hilfe vor Ort merklich bremsen und damit verhindern, dass die benötigten Mittel rechtzeitig ihr Ziel erreichen. In der Blockchain festgelegte Regeln und digitale IDs sind auch in diesem Fall besonders hilfreich, denn automatisierte Transaktionen und damit verbundene Echtzeit-Analysen erhöhen eine mögliche Reaktionszeit deutlich und erlauben währenddessen, sich den Situationen vor Ort anzupassen.

Davon profitieren auch die Empfänger. Je nach Bedarf können zugewiesene Transaktionen für einen bestimmten Anlass gekennzeichnet werden, oder aber auch frei eingesetzt werden. So können gespendete Beträge notfalls auch in Gutscheine oder alternative Bezahlmethoden getauscht werden, wenn regionale oder lokale Bedingungen keine echten Auszahlungen erlauben.

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Beispiel |Das United Nations World Food Programme

In Jordanien setzt das UN-WFP auf die Blockchain: nach der Erfassung biometrischer Daten werden Syrischen Flüchtlinge mit digitalen Wallets versorgt, um ihnen so Finanzmittel zur Verfügung zu stellen. Gleichzeitig können sie sich bei Lebensmittel-Shops über einen Iris-Scan ausweisen, um so sicherzustellen, dass sie die tatsächlichen Besitzer sind. Die Shop-Betreiber erhalten dann im Austausch gegen Güter digitale “Credits”, die sie monatlich über das WFP ausgezahlt bekommen.

Through blockchain, we aim to cut payment costs, better protect beneficiary data, control financial risks, and respond more rapidly in the wake of emergencies. Using blockchain can be a qualitative leap — not only for WFP, but for the entire humanitarian community
(Robert Opp, WFP’s Director of Innovation and Change Management)

Entscheidungen auf Basis sicherer Daten

Daten sind als Entscheidungsgrundlagen ohnehin die wichtigste Basis - und die Blockchain-Technologie generiert zusätzlich wertvolle Informationen, die zukünftig in gut geplante Daten-Analysen einfließen können. So ergeben sich für Organisationen neue und detailliertere Erkenntnisse, welche bei der Verteilung von knappen Ressourcen helfen können, oder aber auch dabei helfen, aus Fehlern wie Erfolgen für die Zukunft zu lernen.

Aufgrund der hohen Sicherheit von Daten aus der Blockchain lassen sich hier mehr und bessere Informationen generieren, die nicht nur Aufschlüsse über die Community aus Unterstützern bringen können, sondern auch wertvolle Erkenntnisse über die Empfänger von Hilfen erheben, um so eine gerechtere Verteilung zu gewährleisten.


Eine Auswahl an Beispielen

  • Clean Water Coin und Charity Water: Die beiden NGOs haben eine eigene Krypto-Währung entwickelt, die der Projektarbeit zu Gute kommt: durch das Mining der Coins wird automatisch ein Prozentsatz der Transaktion einem Charity Wallet gutgeschrieben.
  • BitHope Foundation: Als erste Bulgarische NGO bietet die Organisation ausnahmslos Spendenprojekte an, die über Bitcoins unterstützt werden können.
  • AIDTech: In 2 Feld-Test-Projekten im Libanon hat der Technologie-Anbieter zusammen mit NGO-Partnern auf Basis der Blockchain Versorgungs-Kampagnen durchgeführt. Ähnlich wie im Programm der UN wurde die individualisierte Zuordnung der Empfänger hier mit QR-Codes umgesetzt.
  • alice: Auf Basis von “Smart Contracts” bietet die Spendenplattform von alice Unterstützern die Teilnahme an Projekten an, welche nur bei Erreichen des Projekt-Zieles zu einer Abrechnung führen. Auf Basis der Etherium-Blockchain verläuft der gesamte Prozess maximal transparent und nachvollziehbar.
  • Die Schweizer ACT Foundation bietet ebenfalls eine dezentralisierte Spendenplattform mit einem eigenen Krypto-Token namens CE7. Einen Überblick über die Ziele von ACT gibt es im Artikel von Dwight Sproull: “ACT blockchain startup is creating NGO 2.0”.
  • Prepaid-Kreditkarten für Flüchtlinge in Finnland: Zwar keine NGO, aber ein gutes Beispiel: das finnische Start-Up MONI kooperiert mit der finnischen Regierung, und schafft auf Basis der Blockchain-Technologie die Chance, Flüchtlingen auch ohne Bank-Konto oder Ausweispapieren den Zugang zu finanziellen Mitteln zu ermöglichen.

Diese Beispiele zeigen deutlich auf, dass die Blockchain-Technologie neben dem Hype um Krypto-Währungen weit mehr Einsatzbereiche bietet, als bisher bekannt sind.


Neue Wege für NGOs

Auch wenn die Blockchain-Technologie erst jetzt mehr und mehr zum Thema wird und erste Anwendungsfälle auch abseits der Finanzbranche Erfolge zeigen, lässt sich festhalten, dass auch für NGOs und ihre Projekte viel Potenzial vorhanden ist.

Es wäre ein Fehler, diesen Weg nicht mitzugehen und daraus zu lernen.