Shelling Out: Die UrsprĂŒnge des Geldes

Aus dem Original “Shelling Out: The Origins of Money” von Nick Szabo (2002)

Fab The Fox 🩊
Dec 24, 2019 · 53 min read

Der Artikel findet sich nun ebenfalls auf unserem Verlags-Blog:

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Original-Titel: Shelling Out: The Origins of Money, Nick Szabo 2002, Übersetzung: Fab The Fox 🩊 , Co-Founder Aprycot Media fĂŒr die Bitcoin-Mediathek 📖

Muschel-Geld (Link)

Abstrakt

Die VorlĂ€ufer des heutigen Geldes ermöglichten es den Menschen der frĂŒhen Neuzeit, in Verbindung mit sprachlichem Austausch, Probleme der Zusammenarbeit zu lösen, die andere Lebewesen nicht lösen können — Probleme wie die des reziproken Altruismus, der Verwandtenselektion und der Linderung von Aggressionspotential. Diese VorlĂ€ufer hatten einige sehr spezifische Eigenschaften mit Nicht-Fiat-WĂ€hrungen gemeinsam — sie waren mehr als nur symbolische oder dekorative GegenstĂ€nde.

Inhaltsverzeichnis

Geld

Von Anfang an hatten Englands Kolonien des 17. Jahrhunderts in Amerika ein grosses Problem — einen Mangel an MĂŒnzen.⁶ Âčâč Die GrundĂŒberlegung war, große Mengen Tabak anbauen zu lassen und Holz fĂŒr die Schiffe ihrer globalen Flotte und Handelsmarine zu gewinnen, um damit die entsprechenden VorrĂ€te besorgen zu können, die sie fĂŒr erforderlich hielten, um die Amerikaner bei der Arbeit zu halten. TatsĂ€chlich sollten frĂŒhe Besiedler fĂŒr die Handelsgesellschaft arbeiten, im Gegenzug dafĂŒr aber nur deren Produkte konsumieren. Die Investoren und die britische Staatskrone zogen dies der Bezahlung in MĂŒnzen vor, und ließen die Bauern lediglich die bereitgestellten VorrĂ€te konsumieren, bevor sie — Gott bewahre — auch noch auf die Idee kommen einen Teil ihres Lohnes zur Seite zu legen.

Die Lösung der Siedler lag auf der Hand, aber es dauerte einige Jahre, bis sie sie erkannten. Die Einheimischen hatten Geld, aber es war ganz anders als das Geld, an das die EuropĂ€er gewöhnt waren. Amerikanische Indianer benutzten Geld seit Jahrtausenden und es stellte sich heraus, dass es fĂŒr die Neuankömmlinge aus Europa sehr nĂŒtzlich war. Auch wenn einige der Meinung waren, dass nur Metall, mit den Gesichtern ihrer politischen FĂŒhrer darauf, echtes Geld war. Schlimmer noch, die Ureinwohner verwendeten weder Silber noch Gold. Stattdessen benutzten sie das am besten geeignete Geld, das in ihrer Umgebung zu finden war — langlebige Skelettteile ihrer Beute. Genauer gesagt, verwendeten sie Wampum-Perlen, Venus- und andere Muschelschalen, die zu schmuckvollen BĂ€ndern und Ketten aufgefĂ€delt wurden.

Halskette aus Wampum. WĂ€hrend des Handels wurden die Perlen gezĂ€hlt, entfernt und auf neuen Halsketten wieder aufgefĂ€delt. Die Muschelperlen der Ureinwohner Amerikas wurden auch manchmal in GĂŒrtel oder andere symbolische und Zeremonial-GegenstĂ€nde eingewebt, die den Reichtum und das Engagement eines Stammes fĂŒr einen Pakt zeigten.

Normale Muscheln wurden nur am Meer gefunden, aber Wampum-Perlen handelte man bis weit ins Landesinnere. Muschelgeld verschiedener Arten konnte in StĂ€mmen auf dem gesamten amerikanischen Kontinent gefunden werden. Den Iriquois gelang es, den grĂ¶ĂŸten Wampum-Schatz ĂŒberhaupt zu sammeln, ohne sich auch nur in die NĂ€he des Meeres zu begeben.⁶ Es gab nur eine Handvoll StĂ€mme, wie die Narragansetts, die sich auf die Herstellung von Wampum spezialisiert hatten. Sie wurden aber von Hunderten von anderen StĂ€mmen, darunter viele JĂ€ger und Sammler, als Geld genutzt. Wampum-AnhĂ€nger gab es in verschiedenen LĂ€ngen, wobei die Anzahl der Perlen proportional zur LĂ€nge war. Die Ketten und AnhĂ€nger konnten also gekĂŒrzt oder verbunden werden, je nachdem wie deren Preis sein sollte.

Nachdem sie ihre GrundsĂ€tze bezĂŒglich dessen was ein echtes Geld ausmacht ĂŒberdacht hatten, stĂŒrzten sich die Kolonisten regelrecht auf den Handel mit Wampum. “Muscheln” (Clams) betraten die amerikanische Sprache als ein neues Wort fĂŒr “Geld”. Der niederlĂ€ndische Gouverneur von New Amsterdram (heute New York) nahm einen großen Kredit von einer englisch-amerikanischen Bank auf — in Wampum. Nach einer Weile wurden die britischen Behörden gezwungen, mitzumachen. So wurde Wampum zwischen 1637 und 1661 in Neuengland zum gesetzlichen Zahlungsmittel. Die Kolonisten hatten nun ein liquides Tauschmittel und der Handel in den Kolonien florierte.⁶

Der Anfang vom Ende der Wampum-Perlen kam, als die Briten begannen, mehr MĂŒnzen nach Amerika zu verschiffen und die EuropĂ€er begannen, ihre Techniken der Massenproduktion anzuwenden. Um 1661 hatten die britischen Behörden das Handtuch geworfen und beschlossen, dass sie wieder auf die MĂŒnzen umsteigen wĂŒrden. Diese waren aus echtem Gold und Silber und und hatten eine PrĂ€gung, welche durch die Krone geprĂŒft und geprĂ€gt werden konnte und damit noch bessere monetĂ€re Eigenschaften als Muscheln. In diesem Jahr endete Wampum als gesetzliches Zahlungsmittel in Neuengland. Im Jahr 1710 wurde es kurzzeitig noch einmal gesetzliches Zahlungsmittel in North Carolina. Die Perlen dienten zwar weiterhin als Tauschmittel, teilweise bis ins 20. Jahrhundert hinein, aber ihr Wert war durch die westlichen Sammel- und Produktionstechniken auf ein Hundertstel des ursprĂŒnglichen Wertes geschrumpft. Damit gingen sie einen Ă€hnlichen Weg, den Gold- und Silberschmuck nach der Erfindung der MĂŒnzprĂ€gung im Westen gegangen war — vom gut verarbeiteten Geld bis zur Degradierung zum Schmuck-Objekt. Der amerikanische Sprachgebrauch bezĂŒglich des Muschelgeldes wurde zu einem malerischen Überbleibsel — “hundert Muscheln” (“a hundred clams”) wurden zu “hundert Dollar”. “Shelling out” (bezahlen, Geld zahlen) bedeutete, in MĂŒnzen oder Scheinen zu zahlen, und spĂ€ter schließlich per Scheck oder Kreditkarte.⁶ Wir wussten nicht, dass wir dabei die UrsprĂŒnge unserer Spezies erfasst hatten.

Sammelobjekte

Das Geld der Indianer nahm neben Muscheln viele weitere Formen an. Pelze, ZĂ€hne und eine Vielzahl anderer Objekte mit Eigenschaften, auf die wir im Folgenden eingehen werden, wurden auch hĂ€ufig als Austauschmedium verwendet. Vor 12.000 Jahren, im heutigen Staat Washington, entwickelten die Clovis einige wunderbar lange Hornsteinklingen. Diese brachen jedoch viel zu leicht und waren dadurch nutzlos zum Schneiden. Die Feuersteine wurden tatsĂ€chlich “zum reinen VergnĂŒgen” hergestellt — oder zumindest zu einem anderen Zweck, der nichts mit dem Schneiden zu tun hatte.âč Wie wir sehen werden, war dieser scheinbare Leichtsinn wahrscheinlich sehr wichtig fĂŒr ihr Überleben.

Die Ureinwohner Amerikas waren jedoch weder die Ersten, die kunstvolle, aber nutzlose Klingen herstellten, noch hatten sie Muschelgeld erfunden. Die EuropĂ€er allerdings auch nicht, obwohl auch sie in der Vergangenheit weitlĂ€ufig Muscheln und ZĂ€hne als Geld nutzten — ganz zu schweigen von Rindern, Gold, Silber, Waffen und vielem mehr. Asiaten nutzten all das auch, aber waren die Ersten die dies taten. Zumindest haben ArchĂ€ologen Muschel-Ketten aus dem frĂŒhen PalĂ€olithikum gefunden, die dem indianischen Geld nahezu identisch waren.

Perlen aus Muscheln der erbsengroßen Schnecke Nassarius kraussianus, die in einer nahegelegenen MeeresmĂŒndung lebte. Blombos Höhle, SĂŒdafrika, vor ca. 75.000 Jahren.Âł

Ende der 90er Jahre entdeckte der ArchĂ€ologe Stanley Ambrose in einem Felsbunker im Rift Valley von Kenia einen Vorrat an Perlen aus Straußeneierschalen und Muschelfragmenten. Sie werden mit dem Argon-Argon-VerhĂ€ltnis (40Ar/39Ar) auf ein Alter von mindestens 40.000 Jahren datiert.ÂČ Durchbohrte TierzĂ€hne wurden auch in Spanien aus dieser Zeit gefunden.ÂČÂł Perforierte Muscheln wurden aus frĂŒhen palĂ€olithischen StĂ€tten im Libanon geborgen.⁞ KĂŒrzlich fand man in der Blombos Höhle in SĂŒdafrika normale Muscheln, die als aufgefĂ€delte Perlen prĂ€pariert wurden und noch weiter zurĂŒckreichen, bis 75.000 Jahre vor unserer Zeit.Âł

Straußeneierschalen-Perlen, Kenya Rift Valley, 40.000 Jahre alt, (Dank an Stanley Ambrose)

Unsere moderne Subspezies war nach Europa ausgewandert und dort tauchten auch Muschel- und Zahnketten auf, 40.000 Jahre alt. Muschel- und ZahnanhĂ€nger erscheinen in Australien ab 30.000 B.P. (before present; vor Heute).Âč⁷ In allen FĂ€llen ist die Verarbeitung hochwertig, was auf eine Praktik hinweist, die wahrscheinlich noch viel weiter zurĂŒckliegt. Der Ursprung des Sammelns und SchmĂŒckens liegt wahrscheinlich in Afrika, der ursprĂŒnglichen Heimat der anatomisch modernen Subspezies. Das Sammeln und Herstellen von Halsketten muss einen wichtigen, evolutionĂ€ren Selektionsvorteil gehabt haben, da es sehr kostspielig war. Die Herstellung dieser Muscheln erforderte viel Geschick und Zeit in einer Epoche, in der die Menschen stĂ€ndig am Rande des Verhungerns lebten.⁎

Praktisch alle menschlichen Kulturen, auch solche die keinen bedeutenden Handel betreiben oder modernere Geldformen verwenden, kreieren und schĂ€tzen Schmuck und begehren bestimmte Objekte mehr wegen ihrer kĂŒnstlerischen oder kulturellen QualitĂ€ten als wegen ihres Nutzens. Wir Menschen sammeln Halsketten aus Muscheln und andere Arten von Schmuck zum puren Genuss. FĂŒr die Evolutionspsychologie ist eine ErklĂ€rung, dass der Mensch etwas fĂŒr “das bloße VergnĂŒgen daran” tut, ĂŒberhaupt keine ErklĂ€rung — sondern das Aufwerfen eines Problems. Warum finden so viele Menschen das Sammeln und Tragen von Schmuck angenehm? FĂŒr den Evolutionspsychologen stellt sich hier die folgende Frage: “Was hat dazu gefĂŒhrt, dass sich diese Begeisterung entwickelt hat?”

Detail der Halskette aus einer Bestattung in Sungir, Russland, 28.000 B.P., ineinandergreifende und austauschbare Perlen. Jede Mammut-Elfenbeinperle muss möglicherweise ein bis zwei Stunden Arbeit in Anspruch genommen haben.ÂČ⁎

Evolution, Kooperation und Sammelobjekte

Die Evolutionspsychologie beginnt mit einer wichtigen mathematischen Entdeckung von John Maynard Smith⁔. Unter Verwendung von Bevölkerungsmodellen, von sich entwickelnden Genen aus dem gut analysierten Bereich der Populationsgenetik, definierte Smith Gene, die fĂŒr gute oder schlechte Strategien sorgen können, die in einfachen strategischen Problemstellungen (den “Spielen” der Spieltheorie) verwendet werden. Smith bewies, dass diese Gene, die um die Verbreitung in zukĂŒnftigen Generationen konkurrieren, Strategien entwickeln werden, die Nash-Gleichgewichte zu den strategischen Problematiken der Konkurrenz sind. Diese Simulationen umfassen das Gefangenendilemma, ein typisches Problem der Zusammenarbeit und das Falke-Taube-Spiel, ein exemplarisches Problem der Linderung von Aggressionspotential.

Von entscheidender Bedeutung fĂŒr Smiths Theorie ist, dass diese Strategiespiele, obwohl sie unmittelbar zwischen den einzelnen PhĂ€notypen ausgetragen werden, in Wirklichkeit Spiele zwischen den Genen auf dem allerhöchsten Niveau sind — dem Niveau des Wettbewerbs um die Fortpflanzung. Die Gene — nicht unbedingt die Individuen — beeinflussen das Verhalten, als wĂ€ren sie begrenzt rational (Codierung fĂŒr möglichst optimale Strategien, innerhalb der Grenzen dessen, was PhĂ€notypen angesichts der biologischen Rohmaterialien und der Vorgeschichte der Evolution ausdrĂŒcken können) und “egoistisch” (um Richard Dawkins’ Metapher zu verwenden). Genetische EinflĂŒsse auf das Verhalten sind Anpassungen an die sozialen Probleme von Genen, die durch ihre PhĂ€notypen konkurrieren. Smith nannte diese entwickelten Nash-Gleichgewichte “evolutionĂ€r stabile Strategien”.

Die “Epizyklen”, die auf frĂŒheren individuellen Selektionstheorien aufbauen, wie der sexuellen Selektion und der Verwandtenselektion, verschwinden in diesem allgemeineren Modell, das auf kopernikanische Weise die Gene und nicht den Einzelnen in den Mittelpunkt der Theorie stellt. So wie Dawkins’ metaphorische und oft missverstandene Formulierung, “egoistisches Gen”, die Smith’s Theorie beschreibt.

Nur wenige andere Arten kooperieren in der Form, wie es der palĂ€olithische Mensch tut. In einigen FĂ€llen — Brutpflege, Ameisen-, Termiten- und Bienenvölker usw., kooperieren die Tiere, weil sie verwandt sind — weil sie Kopien ihrer “egoistischen Gene” helfen können, die sie in ihrer Verwandtschaft finden. In einigen sehr begrenzten FĂ€llen gibt es auch eine kontinuierliche Zusammenarbeit zwischen Nicht-Verwandten, die die Evolutionspsychologen als reziproken Altruismus bezeichnen. Wie Dawkins es beschreibt⁔, kann die eine oder andere Partei betrĂŒgen, es sei denn, ein Austausch von GefĂ€lligkeiten ist gleichzeitig (und manchmal sogar dann). Und das tun sie normalerweise. Dies ist das typische Ergebnis eines Spiels das der Theoretiker “Gefangenendilemma” nennt — wenn beide Parteien kooperieren wĂŒrden, wĂ€ren beide besser dran, aber wenn man betrĂŒgt, gewinnt man auf Kosten des Naivlings. In einer Population von BetrĂŒgern und Naiven gewinnen die BetrĂŒger immer. Manchmal kommen Tiere jedoch durch wiederholte Interaktionen und eine Strategie namens Tit-for-Tat (wie du mir so ich dir) zur Zusammenarbeit: Sie beginnen mit der Zusammenarbeit und halten die Zusammenarbeit aufrecht, bis die andere Partei betrĂŒgt — dann gestehen sie sich den Fehler ein. Die Gefahr von Vergeltungsmaßnahmen motiviert zur weiteren Zusammenarbeit.

Die Situationen, in denen eine solche Zusammenarbeit tatsĂ€chlich in der Tierwelt stattfindet, sind sehr begrenzt. Die HaupteinschrĂ€nkung besteht darin, dass sich diese Zusammenarbeit auf Beziehungen beschrĂ€nkt, in denen mindestens einer der Teilnehmer mehr oder weniger gezwungen ist, in der NĂ€he des anderen zu sein. Am hĂ€ufigsten passiert das, wenn sich Parasiten und Wirte, die den Körper teilen, zu Symbionten entwickeln. Wenn die Interessen des Parasiten und des Wirtes ĂŒbereinstimmen, so dass beide zusammen besser funktionieren als einzeln, (d.h. der Parasit bringt auch dem Wirt einen gewissen Nutzen), dann werden sie, wenn sie ein erfolgreiches Wie-du-mir-so-ich-dir spielen können, eine Symbiose entwickeln — ein Zustand, in dem ihre Interessen und vor allem der Austrittsmechanismus der Gene von einer Generation zur nĂ€chsten ĂŒbereinstimmen. Sie werden zu einem einzigen Organismus. Aber es gibt hier viel mehr als nur Zusammenarbeit — es gibt auch Ausbeutung. Beides tritt oft gleichzeitig auf. Das ist analog zu einer Situation, die Menschen entwickeln wĂŒrden — ein Tribut — welches wir im Folgenden analysieren.

Es treten einige sehr spezielle FĂ€lle auf, bei denen Parasit und Wirt nicht den gleichen Körper teilen und sich zu Symbionten entwickeln. Es handelt sich um Tiere, die nicht artverwandt sind, und um sehr spezifische BedĂŒrfnisse. Ein prominentes Beispiel, das Dawkins beschreibt, sind Putzerfische. Diese Fische schwimmen in und aus dem Mund ihrer Wirte, fressen dort die Bakterien und kommen den Wirtsfischen zugute. Der Wirtsfisch könnte betrĂŒgen — er könnte warten, bis der Reiniger seine Arbeit beendet hat, und ihn dann essen. Aber das tun sie nicht. Da sie beide mobil sind, sind sie beide potentiell frei, die Partnerschaft zu verlassen. Die Putzfische haben jedoch ein sehr starkes GefĂŒhl fĂŒr die individuelle TerritorialitĂ€t entwickelt und haben Streifen und TĂ€nze, die schwer zu fĂ€lschen sind — Ă€hnlich einem schwer zu fĂ€lschenden Markenlogo. So wissen die Wirtsfische, wohin sie gehen mĂŒssen, um sich reinigen zu lassen — und sie wissen, dass sie, wenn sie mogeln, von neuem mit einem neuen misstrauischen Putzfisch von vorne anfangen mĂŒssen. Die Eintrittskosten und damit die Austrittskosten der Beziehung sind hoch, so dass sie ohne einen Betrug funktioniert. Außerdem sind die Putzfische winzig, so dass der Nutzen des Verzehrs nicht groß ist, verglichen mit dem Nutzen einer oder mehrerer Reinigungen.

Eines der wichtigsten Beispiele ist die Vampirfledermaus. Wie ihr Name schon sagt, saugt sie das Blut von Beutetieren aus. Das Interessante ist, dass sie in einer guten Nacht einen Überschuss zurĂŒckbringt; in einer schlechten Nacht nichts. Ihr dĂŒsteres GeschĂ€ft ist sehr unberechenbar. Daher teilen sich die erfolgreichen (oder erfahrenen) FledermĂ€use oft Blut mit den weniger erfolgreichen (oder erfahrenen) FledermĂ€usen in ihrer Höhle. Sie erbrechen das Blut und der dankbare EmpfĂ€nger isst es.

Die ĂŒberwiegende Mehrheit dieser EmpfĂ€nger sind Verwandte. Von 110 solcher Regurgitationen, die der Biologe G.S. Wilkinson beobachtete, waren 77 FĂ€lle MĂŒtter, die ihre Kinder fĂŒtterten, und die meisten anderen FĂ€lle betrafen auch genetische Verwandte. Es gab jedoch eine kleine Zahl, die sich nicht mit verwandtschaftlichem Altruismus erklĂ€ren ließ. Um zu zeigen, dass es sich um FĂ€lle von reziprokem Altruismus handelte, vereinte Wilkinson die Populationen von FledermĂ€usen aus zwei verschiedenen Gruppen. FledermĂ€use, mit sehr wenigen Ausnahmen, fĂŒtterten nur alte Freunde aus ihrer ursprĂŒnglichen Gruppe.⁔ Eine solche Kooperation erfordert den Aufbau einer langfristigen Beziehung, in der die Partner hĂ€ufig interagieren, sich gegenseitig erkennen und das Verhalten des anderen im Auge behalten. Die Fledermaushöhle hilft, die FledermĂ€use in langfristige Beziehungen zu zwingen, in denen sich solche Bindungen bilden können.

Wir werden sehen, dass auch einige Menschen schwer zu ergatternde und seltene BeutegegenstĂ€nde nahmen und deren ÜberschĂŒsse mit Nicht-Verwandten teilten. TatsĂ€chlich haben sie dies sogar weitaus öfter getan als die Vampirfledermaus. Wie sie das gemacht haben, ist das Hauptthema unseres Essays. Dawkins meint, “Geld ist ein formales Zeichen fĂŒr verzögerten wechselseitigen Altruismus”, verfolgt aber diese faszinierende Idee dann nicht weiter. Wir werden das tun.

In kleinen Menschengruppen kann das öffentliche Ansehen fĂŒr ein einzelnes Individuum wichtiger werden, als aufgrund eines Vorfalls Rache auszuĂŒben, um die andauernde Kooperation bei der verzögerten Gegenleistung (ReziprozitĂ€t) sicherzustellen. Allerdings können reputationsbezogene Überzeugungen unter zwei Arten von Fehlern leiden — Fehlinformationen darĂŒber, welche Person was getan hat und Fehler bei der Bewertung des Wertes oder der SchĂ€den, die durch diese Handlung verursacht wurden.

Die Notwendigkeit, sich an Gesichter und GefĂ€lligkeiten zu erinnern, ist eine große kognitive HĂŒrde, die aber fĂŒr die meisten Menschen relativ leicht zu ĂŒberwinden ist. Gesichter zu erkennen ist einfach, aber sich in dem Moment daran zu erinnern, dass ein Gefallen geschah, in dem es notwendig ist dies abzurufen, kann relativ schwierig sein. Sich an die Einzelheiten eines Gefallens zu erinnern, dem ein anderer einen gewissen Wert zugeschrieben hatte, ist noch schwieriger. Die Vermeidung von Streitigkeiten und MissverstĂ€ndnissen kann je nach Situation abwegig oder unvorstellbar schwierig sein.

Das Problem der Bewertung oder Wertbestimmung ist sehr weitreichend. FĂŒr Menschen kommt es in jedem System des Austauschs ins Spiel — Gegenleistung von GefĂ€lligkeiten, Tausch, Geld, Kredit, BeschĂ€ftigung oder der Kauf in einem Markt. Es ist wichtig in Bezug auf Erpressung, Besteuerung, Abgaben und die VerhĂ€ngung von gerichtlichen Sanktionen. Es ist sogar wichtig fĂŒr den gegenseitigen Altruismus bei Tieren. Betrachtet man Affen, die GefĂ€lligkeiten austauschen — sagen wir FruchtstĂŒcke gegen RĂŒckenkratzer: Die gegenseitige Pflege kann Zecken und Flöhe entfernen, die ein Individuum nicht sehen oder erreichen kann. Aber wie viel Pflege im Vergleich zu wie vielen FruchtstĂŒcken stellt eine Gegenleistung dar, die von beiden Seiten als “fair”, d.h. nicht als ĂŒbertrieben angesehen wird? Sind zwanzig Minuten RĂŒckenkratzen ein oder zwei FrĂŒchte wert? Und wie groß muss ein StĂŒck dann sein?

Selbst der einfache Fall des Handels mit Blut gegen Blut ist komplizierter, als er scheint. Wie schĂ€tzen die FledermĂ€use den Wert des erhaltenen Blutes ein? SchĂ€tzen sie den Wert einer GefĂ€lligkeit nach Gewicht, nach Masse, nach Geschmack, nach ihrer FĂ€higkeit Hunger zu stillen, oder nach anderen Variablen? Gleichwohl entstehen Komplikationen bei der Messung auch beim einfachen Affentausch von “du kratzt mir den RĂŒcken und ich kratze deinen”.

FĂŒr die ĂŒberwiegende Mehrheit der potenziellen Austausche ist das Messproblem fĂŒr Tiere unlösbar. Noch mehr als die Problematik, sich an Gesichter zu erinnern und sie mit GefĂ€lligkeiten abzugleichen, ist die FĂ€higkeit beider Parteien, sich mit ausreichender Genauigkeit auf eine SchĂ€tzung des Wertes zu einigen, wahrscheinlich das Haupthindernis fĂŒr gegenseitigen Altruismus bei Tieren.

Die Stein-Werkzeuge des frĂŒhen palĂ€olithischen Menschen hingegen, die wir zum GlĂŒck bis heute gut erhalten finden konnten, waren in mancher Hinsicht tatsĂ€chlich zu kompliziert fĂŒr Gehirne unserer GrĂ¶ĂŸe. Den Überblick ĂŒber die GefĂ€lligkeiten zu behalten, die sie betreffen — wer welche QualitĂ€t des Werkzeugs fĂŒr wen hergestellt hat und wer also wem was schuldet und so weiter — wĂ€re außerhalb der Grenzen des Clans zu schwierig gewesen. Hinzu kommt wahrscheinlich eine große Vielfalt an organischen Objekten, flĂŒchtigen Dienstleistungen (wie z.B. Pflege) und so weiter, die natĂŒrlich heute nicht mehr auffindbar sind. Nachdem auch nur ein kleiner Bruchteil dieser Waren transferiert worden war und die Dienstleistungen erbracht wurden, konnte unser Gehirn, so aufgeblĂ€ht es auch sein mag, unmöglich den Überblick behalten, wer wem was schuldet. Heute schreiben wir diese Dinge oft auf — aber der Steinzeitmensch hatte keine Möglichkeit zu schreiben. Wenn es zu einer Zusammenarbeit zwischen Clans und sogar StĂ€mmen kam, wie die archĂ€ologischen Aufzeichnungen zeigen, wird das Problem noch viel gravierender, da JĂ€ger-Sammler-StĂ€mme in der Regel sehr antagonistisch und gegenseitig misstrauisch waren.

Wenn Muscheln Geld sein können, Pelze Geld sein können, Gold Geld sein kann, und so weiter — wenn Geld nicht nur MĂŒnzen oder Scheine sind, die von einer Regierung nach den Gesetzgebungen fĂŒr Zahlungsmittel ausgegeben werden, sondern vielmehr eine große Vielfalt von Objekten sein kann — was ist dann ĂŒberhaupt Geld? Und warum haben die Menschen, die oft am Rande des Hungers lebten, so viel Zeit damit verbracht, diese Halsketten herzustellen und wertzuschĂ€tzen, obwohl sie hĂ€tten mehr jagen und sammeln können? Der Ökonom Carl MengerÂč⁔ aus dem 19. Jahrhundert beschrieb erstmals, wie sich Geld auf natĂŒrliche und unvermeidliche Weise aus einem ausreichenden Volumen an Warentausch entwickelt. Die heutigen wirtschaftlichen VerhĂ€ltnisse sprechen fĂŒr die Herleitung von Menger.

Tauschhandel erfordert eine Übereinstimmung der Interessen. Alice baut einige PekannĂŒsse an und will einige Äpfel; Bob baut Äpfel an und will einige PekannĂŒsse. Sie haben zufĂ€llig ihre ObstgĂ€rten in der NĂ€he zueinander und Alice vertraut Bob zufĂ€llig genug, um zwischen der Pekannuss- und der Apfelernte zu warten. Unter der Annahme, dass alle diese Bedingungen erfĂŒllt sind, funktioniert der Tausch ziemlich gut. Aber wenn Alice Orangen anbauen wĂŒrde, auch wenn Bob Orangen genau so gern wie PekannĂŒsse wollte, hĂ€tten sie Pech — Orangen und Äpfel wachsen nicht im selben Klima gut. Wenn Alice und Bob einander nicht trauen wĂŒrden und keinen Dritten finden könnten, der ein vermitteltÂč⁎,oder einen Vertrag durchsetzt, hĂ€tten sie ebenfalls Pech gehabt.

Weitere Komplikationen können auftreten. Alice und Bob können das Versprechen, in Zukunft PekannĂŒsse oder Äpfel zu verkaufen, nicht vollstĂ€ndig einhalten, denn unter anderem könnte Alice die besten PekannĂŒsse fĂŒr sich behalten (und Bob die besten Äpfel) und dem anderen die schlechteren geben. Der Vergleich der Eigenschaften sowie der Mengen zweier verschiedener Warenarten ist umso schwieriger, da der Zustand einer der Waren nur eine Erinnerung ist. Außerdem kann man auch keine Ereignisse wie eine schlechte Ernte vorhersehen. Diese Komplikationen sorgen dafĂŒr, dass Alice und Bob sich nicht darĂŒber einigen können, ob ein wechselseitiger Gefallen ausgeglichen war. Diese Art von Komplikationen nehmen zu, je grĂ¶ĂŸer das Zeitintervall und die Unsicherheit zwischen der ursprĂŒnglichen Transaktion und der Gegenleistung ist.

Ein damit verbundenes Problem ist, dass, wie Ingenieure sagen wĂŒrden, der Tauschhandel “nicht skaliert”. Tauschhandel funktioniert gut bei kleinen Mengen, wird aber bei großen Mengen immer teurer, bis er zu teuer wird, um den Aufwand zu rechtfertigen. Wenn es n Waren und Dienstleistungen gibt, die gehandelt werden sollen, erfordert ein Tauschmarkt nÂČ Preise. FĂŒnf Produkte wĂŒrden fĂŒnfundzwanzig Preise erfordern, was nicht allzu schlimm ist, aber 500 Produkte wĂŒrden 250.000 Preise erfordern, was weit ĂŒber das hinausgeht, was fĂŒr eine Person praktikabel ist. Mit Geld gibt es nur n Preise — 500 Produkte, 500 Preise. Geld kann zu diesem Zweck entweder als Tauschmittel oder einfach als Maßstab fĂŒr den Wert dienen — solange die Anzahl der Geldpreise selbst nicht zu groß wird, um sie sich zu merken oder sie sich nicht zu oft Ă€ndern. (Das letztgenannte Problem, zusammen mit einem impliziten Versicherungs-“Vertrag” und dem Fehlen eines wettbewerbsorientierten Marktes, könnte erklĂ€ren, warum die Preise oft durch alte Gewohnheiten und nicht durch unmittelbare Verhandlungen festgelegt wurden).

Tauschhandel erfordert, mit anderen Worten, ZufÀlle von Angebot oder FÀhigkeiten, PrÀferenzen, Zeit und niedrige Transaktionskosten. Seine Kosten steigen weitaus schneller als das Wachstum der Zahl der gehandelten Waren. Tauschhandel funktioniert sicherlich viel besser als gar kein Handel und ist weit verbreitet. Aber er ist im Vergleich zum Handel mit Geld recht eingeschrÀnkt.

Primitives Geld existierte lange vor großen Handelsnetzen. Geld hatte einen noch frĂŒheren und wichtigeren Nutzen. Geld verbesserte die Funktionsweise selbst kleiner TauschgeschĂ€fte erheblich, indem es den Bedarf an Krediten stark reduzierte. Die zeitgleiche Koinzidenz der PrĂ€ferenz war weitaus seltener als die Koinzidenz ĂŒber lange ZeitrĂ€ume. Mit Geld konnte Bob Alice bezahlen, wĂ€hrend der Reifung der Heidelbeeren in diesem Monat und jagte dafĂŒr fĂŒr Alice wĂ€hrend der Wanderung der Mammutherden sechs Monate spĂ€ter, ohne dass sie entweder den Überblick behalten mussten, wer wem etwas schuldet, noch der Erinnerung oder Ehrlichkeit des anderen vertrauen mussten. Die viel grĂ¶ĂŸere Investition einer Mutter in die Kindererziehung konnte durch Geschenke von nicht fĂ€lschbaren Wertsachen gedeckt werden. Geld wandelt die Arbeitsteilung von einem Gefangenendilemma in einen einfachen Tausch um.

Das Prototypen-Geld, das von vielen JĂ€ger-Sammler-StĂ€mmen verwendet wurde, sieht sehr anders aus als modernes Geld, dient jetzt einer anderen Rolle in unserer modernen Kultur und hatte eine Funktion, die sich wahrscheinlich auf kleine Handelsnetzwerke und andere lokale Institutionen beschrĂ€nkte, die im Folgenden erlĂ€utert werden. Ich werde daher solche Gelder nun Sammelobjekte nennen, anstelle von Geld an sich. Die in der anthropologischen Literatur fĂŒr solche Objekte verwendeten Begriffe sind in der Regel entweder “Geld”, das weiter gefasst ist als nur staatlich gedruckte Banknoten und MĂŒnzen, aber enger als wir in diesem Essay “Sammelobjekt” verwenden werden, oder das vage “Wertgegenstand”, das sich manchmal auf GegenstĂ€nde bezieht, die keine Sammelobjekte im Sinne dieses Essays sind. Es werden GrĂŒnde fĂŒr die Wahl des Begriffs Sammelobjekt gegenĂŒber anderen möglichen Namen fĂŒr Prototypen-Geld ersichtlich werden. SammlerstĂŒcke hatten sehr spezifische Eigenschaften. Sie waren nicht nur symbolisch. WĂ€hrend die als SammlerstĂŒcke geschĂ€tzten konkreten Objekte und Attribute zwischen den Kulturen variieren können, waren sie keineswegs willkĂŒrlich. Die primĂ€re und ultimative evolutionĂ€re Funktion von SammlerstĂŒcken war als Medium fĂŒr die Speicherung und Übertragung von Vermögen zu agieren. Einige Arten von SammlerstĂŒcken, wie z.B. Wampum, waren dem heutigen Geld sehr Ă€hnlich, da auch dort die wirtschaftlichen und sozialen Bedingungen den Handel förderten. Ich werde gelegentlich die Begriffe “Prototypen-Geld” und “primitives Geld” synonym mit “Sammelobjekt” verwenden, wenn ich ĂŒber die Medien des Vermögenstransfers vor der MĂŒnzprĂ€gung spreche.

Gewinne durch den Vermögenstransfer

Menschen, Clans oder StĂ€mme handeln freiwillig, weil beide Seiten glauben, etwas zu gewinnen. Ihre Überzeugungen ĂŒber den Wert können sich nach dem Handel Ă€ndern, z.B. wenn sie Erfahrungen mit dem Gut oder der Dienstleistung machen. Ihre Überzeugungen zum Zeitpunkt des Handels sind zwar bis zu einem gewissen Grad ungenau in Bezug auf den Wert, aber in der Regel immer noch korrekt in Bezug auf die Tatsache, dass der Handel ein Gewinn war. Besonders im frĂŒhen Zwischenhandel, der sich auf hochwertige GegenstĂ€nde beschrĂ€nkte, gab es fĂŒr jede Partei einen starken Anreiz, ihre Überzeugungen richtig zu formulieren. So kam der Handel fast immer beiden Parteien zugute. Handel schuf Wert ebenso wie der physische Akt, etwas zu produzieren.

Da Einzelpersonen, Clans und StĂ€mme alle in ihren Vorlieben unterschiedlich sind und auch in ihrer FĂ€higkeit, diese Vorlieben zu befriedigen, sowie in ihren Vorstellungen ĂŒber diese FĂ€higkeiten und Vorlieben und die daraus resultierenden Objekte, werden immer wieder Gewinne aus dem Handel erzielt. Ob die Kosten fĂŒr die DurchfĂŒhrung dieser GeschĂ€fte — Transaktionskosten — niedrig genug sind, um die GeschĂ€fte lohnenswert zu machen, ist eine andere Frage. In unserer heutigen Zivilisation sind weit mehr GeschĂ€fte möglich als in den meisten anderen Teilen der Menschheitsgeschichte. Dennoch, wie wir sehen werden, waren einige Arten von GeschĂ€ften fĂŒr einige Kulturen wahrscheinlich schon seit der Entstehung des Homo sapiens sapiens mehr wert als Ihre Transaktionskosten und scheinen sich damit gelohnt zu haben.

Freiwillige SpontangeschĂ€fte sind nicht die einzigen Arten von Transaktionen, die von niedrigen Transaktionskosten profitieren. Dies ist der SchlĂŒssel zum VerstĂ€ndnis der Herkunft und Entwicklung des Geldes. FamilienerbstĂŒcke konnten als Sicherheit verwendet werden, um das Kreditrisiko aus verzögerten TauschgeschĂ€ften zu beseitigen. Die FĂ€higkeit eines siegreichen Stammes, den Besiegten den Tribut zu entziehen, war fĂŒr den Sieger von großem Nutzen. Der FĂ€higkeit des Siegers, Tribute zu sammeln, lagen einige der gleichen Arten von Transaktionskosten zugrunde wie beim Handel. So auch der KlĂ€ger bei der Beurteilung von Schadenersatz fĂŒr VerstĂ¶ĂŸe gegen Sitten oder Gesetze und Verwandtengruppen, die eine Ehe arrangieren. Angehörige profitierten auch von den zeitnahen und friedlichen Schenkungen von Vermögen durch Erbschaft. Die großen menschlichen Lebensereignisse, die moderne Kulturen von der Handelswelt trennen, haben nicht weniger als der Handel, und manchmal sogar noch mehr, von Technologien profitiert, die die Transaktionskosten senken. Keine dieser Technologien war effektiver, wichtiger oder schon frĂŒher genutzt als primitives Geld — Sammelobjekte.

Als der Homo sapiens sapiens den Homo sapiens neanderthalis verdrĂ€ngte, folgten Bevölkerungsexplosionen. Belege aus der Übernahme in Europa, ca. 40.000 bis 35.000 B.P., deuten darauf hin, dass Homo sapiens sapiens die Belastbarkeit seiner Umwelt um den Faktor zehn gegenĂŒber Homo sapiens neanderthalis erhöhte — d.h. die Bevölkerungsdichte verzehnfachte sich.⁎ DarĂŒber hinaus hatten die Neuankömmlinge freie Zeit gewonnen, um die weltweit erste Kunst zu schaffen. Wie die wunderbaren Höhlenmalereien, eine Vielzahl von gut gefertigten Figuren und natĂŒrlich die wunderbaren AnhĂ€nger und Halsketten aus Muscheln, ZĂ€hnen und Eierschalen zeigen.

Diese Objekte waren keine nutzlosen ZiergegenstĂ€nde. Neue effektive Vermögenstransfers, die durch Sammelobjekte sowie andere Fortschritte der Epoche, der Sprache, ermöglicht wurden, schufen neue kulturelle Institutionen, die wahrscheinlich die fĂŒhrende Rolle bei der Erhöhung der Nutzbarkeit spielten.

Die Neulinge, Homo sapiens sapiens, hatten ein gleichgrosses Gehirn, schwĂ€chere Knochen und kleinere Muskeln als die Neandertaler. Ihre Jagdwerkzeuge waren ausgefeilter, aber in 35.000 B.P. waren sie im Grunde genommen die gleichen Werkzeuge — sie waren wahrscheinlich nicht einmal doppelt so effektiv, geschweige denn zehnmal so effektiv. Der grĂ¶ĂŸte Unterschied mag der Vermögenstransfer gewesen sein, der durch Sammelobjekte effektiver oder sogar erst möglich wurde. Homo sapiens sapiens genoss es, Muscheln zu sammeln, daraus Schmuck herzustellen, sie zu prĂ€sentieren und zu handeln. Homo sapiens neanderthalis nicht. Die gleiche Dynamik war in der Serengeti am Werk gewesen, Zehntausende von Jahren zuvor, als der Homo sapiens sapiens zum ersten Mal in diesem dynamischen Sog der menschlichen Evolution in Afrika auftauchte.

Wir werden aufzeigen, wie die Sammelobjekte die Transaktionskosten bei jeder Art von Vermögenstransfer gesenkt haben — bei der freiwilligen freien Schenkung von Erbschaften, beim freiwilligen gegenseitigen Handel oder bei der Ehe und bei der unfreiwilligen Übertragung auf gerichtliche Urteile hin.

All diese Arten des Wertetransfers fanden in vielen Kulturen der menschlichen Vorgeschichte statt, wahrscheinlich seit Beginn des Homo sapiens sapiens. Die Vorteile, die eine oder beide Parteien aus diesen großen, lebensverĂ€ndernden Transfers von Vermögenswerten zu erzielen hatten, waren so groß, dass sie trotz hoher Transaktionskosten entstanden sind. Im Vergleich zu modernem Geld hatte primitives Geld eine sehr geringe Umlaufgeschwindigkeit — es konnte nur eine Handvoll Mal im Leben eines durchschnittlichen Menschen ĂŒbertragen werden. Dennoch konnte ein langlebiges SammlerstĂŒck, das wir heute ein ErbstĂŒck nennen wĂŒrden, ĂŒber viele Generationen bestehen bleiben und bei jedem Transfer einen erheblichen Mehrwert darstellen — oft sogar den Transfer ĂŒberhaupt erst ermöglichen. StĂ€mme verbrachten daher oft viel Zeit mit den scheinbar leichtfertigen Aufgaben der Herstellung und Erforschung der Rohstoffe von Schmuck und anderen Sammelobjekten.

Das Kula-Handelsnetz der prĂ€kolonialen Melanesier. Die WertgegenstĂ€nde der Kula dienten als “hochrangiges” Geld und als GedĂ€chtnisstĂŒtze fĂŒr Geschichten und GerĂŒchte. Viele der gehandelten Waren, vor allem landwirtschaftliche Produkte, waren in verschiedenen Jahreszeiten erhĂ€ltlich und konnten daher nicht in Naturalien gehandelt werden. Kula SammlerstĂŒcke lösten dieses Problem des Doppelzufalls als ein unnachahmlich kostspieliges, tragbares (zur Sicherheit) und zirkulierendes (wörtlich!) Geld. Halsketten zirkulierten im Uhrzeigersinn, Armschalen gegen den Uhrzeigersinn in einem sehr regelmĂ€ĂŸigen Muster. Durch die Lösung des Problems des doppelten Zufalls wĂŒrde sich eine RĂŒstung oder Halskette nach nur wenigen GeschĂ€ften als wertvoller erweisen als ihre Anschaffungskosten, könnte aber Jahrzehnte lang zirkulieren. GerĂŒchte und Geschichten, die ĂŒber frĂŒhere Besitzer der SammlerstĂŒcke erzĂ€hlten, lieferten weitere Informationen ĂŒber die stromaufwĂ€rtige Kredit- und LiquiditĂ€tslage. In anderen neolithischen Kulturen wurden SammlerstĂŒcke, meist Muscheln, in einem weniger regelmĂ€ĂŸigen Muster zirkuliert, hatten aber Ă€hnliche Zwecke und Eigenschaften.Âč⁎

Kula Armschelle (Mwali)
Kula Halsketten (Bagi)

FĂŒr jede Institution, in der der Vermögenstransfer ein wichtiger Bestandteil ist, stellen wir die folgenden Fragen:

  1. Welcher Zufall in der Zeit zwischen dem Ereignis, dem Angebot fĂŒr das ĂŒbertragene Gut und der Nachfrage fĂŒr das ĂŒbertragene Gut war notwendig? Wie unmöglich wurde bzw. wie hoch war die Barriere fĂŒr den Vermögenstransfer, durch die Unwahrscheinlichkeit des Zufalls?
  2. WĂŒrden die Vermögenstransfers einen geschlossenen Kreislauf von Sammelobjekten bilden, der nur auf dieser Basis erfolgt, oder wĂ€ren andere Vermögenstransferinstitutionen notwendig gewesen, um die Umlaufzyklen abzuschließen? Es ist entscheidend fĂŒr das VerstĂ€ndnis der Entstehung von Geld, den tatsĂ€chlichen Verlauf des Geldkreislaufs zu begreifen. Die allgemeine Zirkulation unter einer Vielzahl von Handelsbereichen fehlte und existierte nicht fĂŒr den grĂ¶ĂŸten Teil der menschlichen Vorgeschichte. Ohne abgeschlossene und sich wiederholende KreislĂ€ufe wĂŒrden Sammelobjekte nicht zirkulieren und wĂŒrden wertlos werden. Ein SammlerstĂŒck, musste einen Mehrwert in genĂŒgend Transaktionen schaffen, um es wert zu sein es herzustellen und um seine Kosten zu amortisieren.

Wir werden zunĂ€chst die Art der Übermittlung prĂŒfen, die uns heute am vertrautesten und wirtschaftlich sehr wichtig ist — den Handel.

Die Hunger-Versicherung

Bruce WinterhalderÂČ⁶ untersucht Modelle, wie und warum Nahrungsmittel manchmal zwischen Tieren ausgetauscht werden: geduldeter Diebstahl, Produktion/Schnorren/Opportunismus, risikosensitives Überleben, Gegenseitigkeitsprinzip, verzögerte Gegenseitigkeit, Handel/Austausch nicht in Naturalien und andere Auswahlmodelle (einschließlich Verwandtschaftsaltruismus). Dabei konzentrieren wir uns auf risikosensitives Überleben, verzögerte Gegenseitigkeit und Handel (Austausch ungleicher Waren/Dienstleistungen). Wir argumentieren, dass das Ersetzen des Handels mit Lebensmitteln durch SammelgegenstĂ€nde aufgrund verzögerter Gegenseitigkeit des Austausch der Lebensmittel erhöhen kann. Dies geschieht, indem die Risiken einer variablen Nahrungsmittelversorgung gemildert und gleichzeitig die weitgehend unĂŒberwindbaren Probleme der verzögerten ReziprozitĂ€t zwischen den Gruppen vermieden werden. Wir werden uns im Folgenden auch mit verwandtschaftlichem Altruismus und Diebstahl (toleriert oder nicht) in einem breiteren Kontext befassen.

Nahrung ist den hungernden Menschen viel mehr wert als den gut gesĂ€ttigten. Wenn der hungernde Mensch sein Leben retten kann, indem er seine wertvollsten Wertsachen eintauscht, kann es fĂŒr ihn Monate oder sogar Jahre der Arbeit wert sein, die es dauern könnte, diesen Wert zu ersetzen. Er wird sein Leben in der Regel fĂŒr mehr wert halten als den sentimentalen Wert der FamilienerbstĂŒcke. Wie Körperfett selbst können Sammelobjekte eine Versicherung gegen Nahrungsmangel bieten. Der Hungertod durch lokale EngpĂ€sse könnte durch mindestens zwei verschiedene Arten von Handeln abgewendet werden — fĂŒr das Essen selbst, oder fĂŒr Nahrungssuche und JĂ€gereirechte.

Dennoch waren die Transaktionskosten in der Regel zu hoch — Gruppen kĂ€mpften viel hĂ€ufiger miteinander, als dass sie sich vertrauten. Die hungrige Bande, die ihr Essen nicht auftreiben konnte, verhungerte meist. Wenn jedoch die Transaktionskosten gesenkt werden könnten, indem das BedĂŒrfnis nach Vertrauen zwischen den Gruppen gesenkt wird, könnte Essen, das einen Tag Arbeit fĂŒr eine Gruppe wert war, mehrere Monate Arbeit fĂŒr die hungernde Gruppe wert sein.

Lokaler, aber Ă€ußerst wertvoller Handel, so argumentiert dieser Aufsatz, wurde in vielen Kulturen durch das Aufkommen von Sammelobjekten zur Zeit des JungpalĂ€olithikums ermöglicht. Die SammlerstĂŒcke ersetzten die ansonsten notwendigen, aber nicht vorhandenen vertrauensvollen langfristigen Beziehungen. Wenn es ein hohes Maß an nachhaltiger Interaktion und Vertrauen zwischen StĂ€mmen oder Individuen verschiedener StĂ€mme gegeben hĂ€tte, so dass sie sich gegenseitig ungesicherte Kredite gegeben hĂ€tten, hĂ€tte dies den Tauschhandel mit Zeitverzögerung stimuliert. Ein so hohes Maß an Vertrauen ist dann jedoch höchst unwahrscheinlich — aus den oben genannten GrĂŒnden des gegenseitigen Altruismus, bestĂ€tigt durch die empirischen Beweise, dass die meisten Beziehungen zwischen JĂ€ger und Sammler als sehr antagonistisch angesehen wurden. JĂ€ger-Sammler-Gruppen trennten sich in der Regel die meiste Zeit des Jahres in kleinere GrĂŒppchen und trafen sich fĂŒr einige Wochen im Jahr zu “Versammlungen”, in etwa wie bei mittelalterlichen europĂ€ischen Messen. Trotz des fehlenden Vertrauens zwischen den Gruppen fand ein wichtiger Handel mit Grundnahrungsmitteln, wie in der nebenstehenden Abbildung dargestellt, fast sicher in Europa und wahrscheinlich auch anderswo statt, wie beispielsweise bei den GroßwildjĂ€gern in Amerika und Afrika.

Rentiere, Bisons und andere Beutetiere wanderten zu verschiedenen Zeiten des Jahres. Verschiedene StĂ€mme spezialisierten sich auf verschiedene Beutetiere, bis zu dem Punkt, an dem ĂŒber 90% und manchmal sogar bis zu 99% der Überreste von vielen StĂ€tten wĂ€hrend des PalĂ€olithikums in Europa von einer einzigen Tierart stammen.⁎ Dies deutet auf eine zumindest saisonale Spezialisierung und möglicherweise eine Vollzeitspezialisierung eines Stammes auf eine einzelne Spezies hin. Soweit sie sich spezialisierten, wurden die Mitglieder eines einzelnen Stammes zu Experten fĂŒr das Verhalten, die Wandergewohnheiten und andere Muster rund um ihre spezifische Beuteart sowie fĂŒr die speziellen Werkzeuge und Techniken zu ihrer Jagd. Einige StĂ€mme, die in jĂŒngster Zeit beobachtet wurden, sind bekannt dafĂŒr, dass sie sich spezialisiert haben. Einige nordamerikanische IndianerstĂ€mme spezialisierten sich jeweils auf die Jagd auf Bison, Antilope und das Angeln von Lachsen. In Nordrussland und Teilen Finnlands haben sich viele StĂ€mme, darunter auch heute noch die LapplĂ€nder, auf die Haltung einer einzigen Rentierart spezialisiert.

Eine solche Spezialisierung war wahrscheinlich weitaus ausgeprĂ€gter, als grĂ¶ĂŸere Beutetiere (Pferde, Auerochsen, Riesenelche, Bison, Riesenfaultiere, Mastodons, Mammuts, Zebras, Elefanten, Nilpferde, Giraffen, Moschusochsen usw.) in Nordamerika, Europa und Afrika noch in großen Herden (wĂ€hrend des PalĂ€olithikums) wanderten. Große Wildtiere, die keine Angst vor Menschen haben, gibt es heute nicht mehr. Im PalĂ€olithikum wurden sie entweder ausgelöscht oder die Angst vor Menschen und unseren Schusswaffen hat sich eingeprĂ€gt. FĂŒr den Großteil der Zeitspanne des Homo Sapiens Sapiens waren diese Herden jedoch sehr zahlreich vorhanden und fĂŒr spezialisierte JĂ€ger leicht zu erbeuten. Nach unserer Theorie der handelsbasierten Beutejagd war die Spezialisierung wahrscheinlich weitaus ausgeprĂ€gter, als große Beutetiere wĂ€hrend des Altsteinzeitalters in großen Herden durch Nordamerika, Europa und Afrika streiften. Die handelsbasierte Arbeitsteilung bei der Jagd zwischen den StĂ€mmen steht im Einklang mit den archĂ€ologischen Beweisen aus dem PalĂ€olithikum in Europa (wenn auch nicht sicher bestĂ€tigt).

Diese wandernden StĂ€mme, die ihren Herden folgten, interagierten hĂ€ufig mit anderen und schufen dabei viele Möglichkeiten fĂŒr den Handel. Amerikanische Indianer konservierten Lebensmittel durch Trocknen, Herstellen von Pemmikan usw. auf eine Weise, die einige Monate dauerte, aber normalerweise nicht ein ganzes Jahr. Solche Lebensmittel wurden allgemein gehandelt, zusammen mit HĂ€uten, Waffen und Sammelobjekten. Oftmals fanden diese Transaktionen wĂ€hrend der jĂ€hrlichen Handelstreffen statt.Âčâč

Große Herdentiere wanderten nur zweimal im Jahr durch ein Gebiet, in einem Zeitraum von meist ein bis zwei Monaten. Ohne eine andere Proteinquelle als der auf deren Jagd sie sich spezialisiert hatten, wĂ€ren diese hoch spezialisierten StĂ€mme verhungert. Der sehr hohe Grad der Spezialisierung, der sich in der archĂ€ologischen Aufzeichnung zeigt, konnte nur dann aufkommen, wenn es Handel gab.

Selbst wenn also der zeitversetzte Tausch von Fleisch die einzige Art von Handel wĂ€re, reicht dies völlig aus, um die Verwendung von Sammelobjekten durchaus lohnenswert zu machen. Die Halsketten, Feuersteine und alle anderen GegenstĂ€nde, die als Geld verwendet werden, zirkulieren in einem geschlossenen Kreislauf, hin und her, in etwa gleichen Mengen, solange der Wert des gehandelten Fleisches ungefĂ€hr gleich bleibt. Es reicht natĂŒrlich nicht als Beweis, dass die in diesem Papier dargelegte Theorie der Sammelobjekte richtig ist, dass einzelne vorteilhafte GeschĂ€fte möglich waren. Wir mĂŒssen geschlossene KreislĂ€ufe von gegenseitig nĂŒtzlichen GeschĂ€ften identifizieren. Bei geschlossenen KreislĂ€ufen zirkulieren die SammlerstĂŒcke weiter und amortisieren ihre Kosten.

Wie bereits erwĂ€hnt, wissen wir aus archĂ€ologischen Überresten, dass viele StĂ€mme sich auf eine einzige große Tierart als Beute spezialisiert haben. Diese Spezialisierung war zumindest saisonal; wenn es sehr umfangreichen Handel gab, hĂ€tte es eine auch eine VollzeitbeschĂ€ftigung sein können. Ein Stamm, der sich zu Experten fĂŒr die Gewohnheiten und Migrationsmuster und die besten Methoden zur Erlegung entwickelte, erlangte enorme ProduktivitĂ€tsvorteile. Diese Vorteile wĂ€ren jedoch normalerweise nicht erreichbar, denn die Spezialisierung auf eine einzige Art bedeutete, den grĂ¶ĂŸten Teil des Jahres ohne Nahrung auskommen zu mĂŒssen. Die Arbeitsteilung zwischen den StĂ€mmen hat sich aber gelohnt — und der Handel hat es ermöglicht. Die Nahrungsversorgung wĂŒrde sich durch den Handel nur zwischen zwei komplementĂ€ren StĂ€mmen fast verdoppeln. Es gab jedoch statt zwei Beutetieren, oft bis zu einem Dutzend verschiedener Arten, die durch die meisten Jagdreviere in Gebieten wie der Serengeti und der europĂ€ischen Steppe wanderten. Die Fleischmenge, die einem auf Arten spezialisierten Stamm zur VerfĂŒgung steht, wĂŒrde sich daher mit einem solchen Handel zwischen einer Handvoll benachbarter StĂ€mme wahrscheinlich mehr als nur verdoppeln. Außerdem wĂ€re das zusĂ€tzliche Fleisch genau dann verfĂŒgbar wenn man es am dringendsten benötigt, dann wenn das Fleisch von der Beute eines Stammes bereits gegessen worden ist und die JĂ€ger ohne Nahrung verhungern wĂŒrden.

Demnach gab es mindestens vier Vorteile oder Gewinnquellen durch einen simplen Handelszyklus aus zwei Tierarten, und zwei nicht-simultane, aber ausgleichende GeschÀfte. Diese Gewinne sind deutlich, aber nicht unbedingt unabhÀngig:

  1. Eine verfĂŒgbare Fleischquelle zu einer Zeit des Jahres, in der man sonst verhungern wĂŒrde.
  2. Eine Erhöhung des gesamten Fleischangebots — sie tauschten den Überschuss ĂŒber das hinaus, was sie sofort essen oder lagern konnten; was sie nicht tauschten, wĂ€re zu Abfall geworden.
  3. Eine Erhöhung der Vielfalt der NÀhrstoffversorgung aus Fleisch durch den Verzehr verschiedener Fleischsorten.
  4. Erhöhte ProduktivitÀt durch Spezialisierung auf eine einzelne Beuteart.

Die Herstellung oder das Aufbewahren von GegenstĂ€nden, die fĂŒr den Handel mit Lebensmitteln selbst bestimmt waren, war nicht die einzige Möglichkeit, sich gegen schlechte Zeiten zu versichern. Vielleicht sogar noch hĂ€ufiger, vor allem dort, wo keine großen Beutetiere verfĂŒgbar waren, existierte eine TerritorialitĂ€t in Verbindung mit dem Handel mit Weiderechten, sozusagen der Erlaubnis zur Nahrungssuche in einem Gebiet. Dies kann sogar in einigen der Überbleibsel der JĂ€ger- und Sammlerkultur festgestellt werden, die es heute gibt.

Die Kung San im sĂŒdlichen Afrika leben, wie alle anderen modernen Nachfahren der JĂ€ger- und Sammlerkulturen, auf marginalem Land. Sie haben keine Möglichkeit, sich zu spezialisieren, sondern mĂŒssen sich mit den spĂ€rlichen BestĂ€nden begnĂŒgen. Sie sind daher vielleicht eher untypisch fĂŒr viele antike JĂ€ger- und Sammlerkulturen und untypisch fĂŒr den ursprĂŒnglichen Homo Sapiens Sapiens, der zuerst die ĂŒppigsten LĂ€nder und besten Wildrouten von den Homo Sapiens Neanderthalis eingenommen hat und erst viel spĂ€ter die Neandertaler aus den marginalen LĂ€ndern vertrieben hatte. Doch trotz ihres schweren ökologischen Handicaps nutzen die Kung die Sammelobjekte als Handelswaren.

Wie die meisten JĂ€ger und Sammler verbringen die Kung die meiste Zeit des Jahres in kleinen, verstreuten Gruppen und einige Wochen im Jahr in einer Zusammenkunft mit mehreren anderen Gruppen. Die Versammlung ist wie eine Messe mit weiteren Besonderheiten — es wird gehandelt, BĂŒndnisse werden eingegangen, Partnerschaften gestĂ€rkt und Ehen geschlossen. Die Vorbereitung fĂŒr die Zusammenkunft ist mit der Herstellung von handelbaren GegenstĂ€nden verbunden, die zum Teil Gebrauchswert, meistens aber Sammelcharakter haben. Das Tauschsystem, das von den Kung “Hxaro” genannt wird, beinhaltet einen umfangreichen Handel mit Perlenschmuck, einschließlich AnhĂ€ngern aus Straußenschalen, die denen in Afrika vor 40.000 Jahren sehr Ă€hnlich sind.

Modell des Hxaro-Austausches und der familiÀren Beziehungen zwischen den benachbarten StÀmmen der JÀger und Sammler der Khung San.
Halsketten, die im Hxaro-Tauschhandel verwendet werden.

Eines der wichtigsten Dinge, die die Kung mit ihren SammlerstĂŒcken kaufen und verkaufen, sind abstrakte Rechte, das Gebiet einer anderen Gruppe zu betreten und dort zu jagen oder Nahrung zu sammeln. Der Handel mit diesen Rechten ist besonders rege wĂ€hrend lokaler EngpĂ€sse, die durch die Nahrungssuche auf dem Territorium eines Nachbarn gemildert werden können.ÂČÂč ÂČÂČ Kung-Banden markieren ihre Territorien mit Pfeilen; unbefugtes Betreten ohne das Recht auf Einreise und Nahrungssuche kommt einer KriegserklĂ€rung gleich. Wie der oben besprochene Inter-Banden-Handel mit Nahrungsmitteln stellt die Verwendung von Sammelobjekten zum Kauf von Futterrechten eine “Versicherung gegen den Hunger” dar, um den Ausdruck von Stanley Ambrose zu verwenden.ÂČ

Obwohl der anatomisch moderne Mensch sicherlich ĂŒber bewusste Gedanken, Sprache und eine gewisse PlanungsfĂ€higkeit verfĂŒgte, hĂ€tte es wenig bewusste Gedanken oder Sprache und sehr wenig Planung erfordert, um Handel zu betreiben. Es war nicht notwendig, dass die Stammesmitglieder die Vorteile von etwas anderem als einem einzigen Handel herausfinden. Um diese Institution zu schaffen, hĂ€tte es genĂŒgt, dass die Menschen ihrem Instinkt folgten, um Sammelobjekte mit den unten beschriebenen Eigenschaften zu erhalten (wie durch Beispiel-Beobachtungen angezeigt, die ungefĂ€hre SchĂ€tzungen fĂŒr diese Charakteristiken angeben). Dies gilt in unterschiedlichem Maße fĂŒr die anderen Institutionen, die wir untersuchen werden — sie haben sich entwickelt, anstatt bewusst entworfen worden zu sein. Niemand, der an den Ritualen der Institution teilgenommen hat, hĂ€tte ihre Funktion im Sinne einer letztendlichen evolutionĂ€ren Funktion erklĂ€rt; vielmehr erklĂ€rten sie ihre Funktion im Sinne einer Vielzahl von Mythologien, die eher als unmittelbare Motivatoren des Verhaltens als als Theorien des letztendlichen Zwecks oder Ursprungs dienten.

Die direkten Beweise fĂŒr den Handel mit Lebensmitteln sind lĂ€ngst zerfallen. Wir könnten in Zukunft vielleicht mehr direkte Beweise finden, als jetzt fĂŒr diesen Artikel verfĂŒgbar sind, indem wir die Jagdreste in einem Stamm mit den Konsummustern in einem anderen Stamm vergleichen — wobei der schwierigste Teil dieser Aufgabe wahrscheinlich darin besteht, die Grenzen der verschiedenen StĂ€mme oder Verwandtschaftsgruppen zu identifizieren. Unserer Theorie zufolge war ein solcher Fleischtransfer von einem Stamm zum anderen wĂ€hrend der Altsteinzeit in vielen Teilen der Welt ĂŒblich, wo großflĂ€chige und spezialisierte Großwildjagden stattfanden.

Derzeit haben wir umfangreiche indirekte Belege fĂŒr den Handel, ĂŒber die Bewegung der Sammelobjekte selbst. GlĂŒcklicherweise gibt es eine starke Korrelation zwischen der gewĂŒnschten Haltbarkeit der SammlerstĂŒcke und den Bedingungen, unter denen ein Artefakt ĂŒberlebt hat, um von den heutigen ArchĂ€ologen gefunden zu werden. Im frĂŒhen PalĂ€olithikum, als alle menschlichen Bewegungen zu Fuß erfolgten, haben wir FĂ€lle von perforierten Muscheln gefunden, die bis zu 500 Kilometer von der nĂ€chsten natĂŒrlichen Fundstelle entfernt waren.⁎ Es gab eine Ă€hnliche Fernwanderung bei Feuersteinen.

Leider wurde der Handel durch hohe Transaktionskosten zu den meisten Zeiten und an den meisten Orten stark eingeschrĂ€nkt. Die primĂ€re Barriere war der Antagonismus zwischen den StĂ€mmen. Das vorherrschende VerhĂ€ltnis zwischen den StĂ€mmen war ein VerhĂ€ltnis des Misstrauens an guten Tagen und der völligen Gewalt an schlechten Tagen. Nur Heirats- oder Verwandtschaftsbeziehungen konnten die StĂ€mme in ein VertrauensverhĂ€ltnis bringen, wenn auch nur gelegentlich und in begrenztem Umfang. Die geringe FĂ€higkeit, Eigentum zu schĂŒtzen, selbst Sammelobjekte, die an der Person getragen oder in guten Verstecken vergraben wurden, bedeutete, dass Sammelobjekte ihre Kosten in einigen wenigen Transaktionen amortisieren mussten.

Der Handel war also nicht die einzige Art des Vermögenstransfers und wahrscheinlich auch nicht die wichtigste Art wĂ€hrend der langen menschlichen Vorgeschichte, in der hohe Transaktionskosten die Entwicklung der Art von MĂ€rkten, Firmen und anderen Wirtschaftsinstitutionen, die wir heute als selbstverstĂ€ndlich ansehen, verhinderten.Âč⁎ Unter unseren großen Wirtschaftsinstitutionen befinden sich weitaus Ă€ltere Strukturen, die auch den Vermögenstransfer beinhalten. Diese waren in prĂ€historischer Zeit die wichtigsten Arten des Wohlstandstransfers. All diese Strukturen unterschieden den Homo Sapiens Sapiens von anderen Spezies. Wir wenden uns nun einer der grundlegendsten Arten des Vermögenstransfers zu, die wir Menschen als selbstverstĂ€ndlich ansehen, die andere Tiere aber nicht haben — der Weitergabe von Reichtum an die nĂ€chste Generation.

Verwandtenselektion ĂŒber den Tod hinaus

Die zeitliche und örtliche Koinzidenz von Angebot und Nachfrage im Handel war selten — so selten, dass die meisten Arten von Gewerbe und handelsbezogenen Wirtschaftsinstitutionen, die wir heute als selbstverstĂ€ndlich ansehen, nicht existieren konnten. Noch unwahrscheinlicher war die dreifache Übereinstimmung von Angebot und Nachfrage bei einem wichtigen Ereignis fĂŒr eine Verwandtschaftsgruppe — die GrĂŒndung einer neuen Familie, Tod, Verbrechen oder Sieg und Niederlage im Krieg. Wie wir sehen werden, profitierten Clans und Einzelpersonen wĂ€hrend dieser Ereignisse in hohem Maße von einem rechtzeitigen Transfer des Eigentums. Ein solcher VermögensĂŒbertrag war wiederum viel weniger verschwenderisch, wenn es sich um den Transfer eines Vermögensspeichers handelte, der bestĂ€ndiger und universeller war als VerbrauchsgĂŒter oder Werkzeuge, die fĂŒr andere Zwecke bestimmt waren. Die Nachfrage nach einem dauerhaften und allgemeinen Vermögensspeicher zur Verwendung in diesen Institutionen war daher noch dringlicher als fĂŒr den Handel selbst. DarĂŒber hinaus können die Institutionen Ehe, Erbschaft, Streitbeilegung und Tribut dem stammesĂŒbergreifenden Handel vorausgehen und fĂŒr die meisten StĂ€mme einen grĂ¶ĂŸeren Vermögenstransfer als Handel mit sich brachten. Diese Strukturen dienten also mehr als der Handel selbst als Motivator und Inkubator des frĂŒhesten primitiven Geldes.

In den meisten JĂ€ger- und SammlerstĂ€mmen kam dieses Vermögen in einer Form, die uns absurd reichen modernen Menschen als trivial erscheint — eine Sammlung von HolzgerĂ€ten, Werkzeugen und Waffen aus Feuersteinen und Knochen, Muscheln an SchnĂŒren, vielleicht eine HĂŒtte und in kĂ€lteren Klimazonen einige Felle. Manchmal konnte man das alles am Körper tragen. Dennoch waren diese bunt gemischten Sortimente fĂŒr einen JĂ€ger und Sammler nicht weniger als Immobilien, Aktien und Anleihen es fĂŒr uns sind — Vermögen. FĂŒr den JĂ€ger und Sammler waren Werkzeuge und manchmal warme Kleidung zum Überleben notwendig. Viele der GegenstĂ€nde waren hochgeschĂ€tzte SammlerstĂŒcke, die gegen den Hunger versicherten, Mitstreiter erkauften und im Falle von Krieg und Niederlage ein Massaker oder den Hungertod verhindern konnten. Die FĂ€higkeit, das Kapital zum Überleben auf seine Nachkommen zu ĂŒbertragen, war ein weiterer Vorteil, den der Homo Sapiens Sapiens gegenĂŒber frĂŒheren Tieren hatte. DarĂŒber hinaus konnte der geschickte Stammesangehörige oder Clan einen Überschuss an Reichtum aus dem gelegentlichen, aber im Laufe des Lebens kumulierten Handel mit ĂŒberschĂŒssigen VerbrauchsgĂŒtern gegen dauerhaften Wohlstand, insbesondere Sammelobjekte, eintauschen. Ein vorĂŒbergehender Vorteil konnte in einen dauerhafteren Vorteil fĂŒr die Nachkommen ĂŒbersetzt werden.

Eine andere Form des Vermögens, die dem ArchĂ€ologen verborgen blieb, waren die Titel von Ämtern. Solche sozialen Positionen waren in vielen JĂ€ger- und Sammlerkulturen wertvoller als die greifbaren Formen des Reichtums. Beispiele fĂŒr solche Positionen waren ClanfĂŒhrer, FĂŒhrer von Kriegergruppen, FĂŒhrer von Jagdgesellschaften, die Mitgliedschaft in einer bestimmten langfristigen Handelspartnerschaft (mit einer bestimmten Person in einem benachbarten Clan oder Stamm), Hebammen und religiöse Heiler. Oft verkörperten Sammelobjekte nicht nur Reichtum, sondern dienten auch als GedĂ€chtnisstĂŒtze und reprĂ€sentierten den Titel einer Clanposition mit Verantwortung und Privilegien. Nach dem Tod mussten, um die Ordnung aufrechtzuerhalten, die Erben solcher Positionen schnell und klar bestimmt werden. Verzögerungen konnten zu bösartigen Konflikten fĂŒhren. So war ein ĂŒbliches Ereignis das Totenfest, bei dem der Verstorbene gefeiert wurde, wĂ€hrend seine materiellen und immateriellen ReichtĂŒmer an die Nachkommen verteilt wurden, wie es die Sitte, die Clan-EntscheidungstrĂ€ger oder der Wille des Verstorbenen bestimmten.

Andere Arten von Schenkungen waren in vor-modernen Kulturen recht selten, wie Marcel MaussÂč⁶ und andere Anthropologen festgestellt haben. Scheinbar kostenlose Geschenke beriefen sich in der Tat implizit auf eine Verpflichtung des EmpfĂ€ngers. Vor dem Vertragsrecht war diese implizite Verpflichtung des “Geschenks”, neben der Schande der Gemeinschaft und den Strafen, die sich aus der Nichteinhaltung der impliziten Verpflichtung ergaben, vielleicht der hĂ€ufigste Motivator fĂŒr eine Gegenleistung im verzögerten Tausch und sie ist immer noch ĂŒblich in der Vielfalt der informellen GefĂ€lligkeiten, die wir uns gegenseitig erweisen. Vererbung und andere Formen des familiĂ€ren Altruismus waren die einzigen weit verbreiteten Formen dessen, was wir heute als das eigentliche Geschenk bezeichnen wĂŒrden, nĂ€mlich ein Geschenk, das dem EmpfĂ€nger keine Verpflichtung auferlegt.

FrĂŒhe westliche HĂ€ndler und Missionare, die die Eingeborenen oft als kindische Primitive ansahen, nannten ihre Huldigungszahlungen manchmal “Geschenke” und den Handel “Geschenktausch”, als ob sie mehr Ähnlichkeit mit dem Weihnachts- und Geburtstagsgeschenkttausch westlicher Kinder hĂ€tten als mit den vertraglichen und steuerlichen Verpflichtungen der Erwachsenen. Zum Teil mag dies ein Ausdruck von Vorurteilen gewesen sein, zum Teil war es aber auch der Tatsache geschuldet, dass im Westen zu dieser Zeit die Verpflichtungen meist schriftlich fixiert waren, was den Einheimischen nicht möglich war. So ĂŒbersetzten die Westler die reiche Vielfalt an Wörtern, die die Eingeborenen fĂŒr ihre Tauschinstitutionen, Rechte und Pflichten hatten, meist als “Geschenk”. Im siebzehnten Jahrhundert waren französische Siedler in Amerika dĂŒnn verstreut unter viel grĂ¶ĂŸeren Populationen von IndianerstĂ€mmen und fingen mit der Zeit oft an diesen StĂ€mmen den geforderten Tribut zu zollen. Diese Zahlungen als “Geschenke” zu bezeichnen, war fĂŒr sie eine Möglichkeit, ihr Gesicht gegenĂŒber anderen EuropĂ€ern zu wahren, die keine Notwendigkeit dazu sahen und es feige fanden.

Mauss und andere moderne Anthropologen haben diese Terminologie leider beibehalten. Der unzivilisierte Mensch wird immer noch wie ein Kind dargestellt, aber jetzt ist er unschuldig wie eines, ein Geschöpf von moralischer Überlegenheit, das sich nicht vor unserer Art von niederen, kaltblĂŒtigen wirtschaftlichen Transaktionen beugen wĂŒrde. Im Westen, besonders in der offiziellen Terminologie unserer Gesetze fĂŒr Transaktionen, bezieht sich ein “Geschenk” auf einen Transfer, der keine Verpflichtung auferlegt. Wenn man auf anthropologische Diskussionen ĂŒber den “Geschenktausch” stĂ¶ĂŸt, sollte man diese Vorbehalte im Auge behalten — moderne Anthropologen beziehen sich keineswegs auf die kostenlosen oder informellen Geschenke, die wir in unserem modernen Gebrauch des Begriffs “Geschenk” gewöhnlich bezeichnen. Vielmehr beziehen sie sich auf eine Vielzahl von oft recht ausgeklĂŒgelten Systemen von Rechten und Pflichten, die mit Vermögenstransfers verbunden sind. Die einzigen grĂ¶ĂŸeren Transaktionen in prĂ€historischen Kulturen, die unserer modernen Schenkung insofern Ă€hneln, als sie weder selbst eine weithin anerkannte Verpflichtung war noch dem EmpfĂ€nger irgendwelche Verpflichtungen auferlegte, waren Eltern oder mĂŒtterliche Verwandte, die fĂŒr ihre Kinder und das Erbe sorgten. (Eine Ausnahme war, dass die Vererbung eines Amtes dem Erben die Verantwortung des Amtes sowie dessen Privilegien auferlegte).

Die Vererbung einiger NachlĂ€sse mag zwar ĂŒber mehrere Generationen ununterbrochen verlaufen, aber sie bildete nicht von sich aus einen geschlossenen Kreislauf von SammelgutĂŒbertragungen. ErbstĂŒcke waren nur dann wertvoll, wenn sie schließlich fĂŒr etwas anderes verwendet wurden. Sie wurden oft in HeiratsgeschĂ€ften zwischen Clans verwendet, die geschlossene KreislĂ€ufe von Sammelobjekten bilden konnten.

Das familiÀre TauschgeschÀft

Ein frĂŒhes und wichtiges Beispiel fĂŒr ein kleines geschlossenes Handelsnetz, das durch Sammelobjekte ermöglicht wird, beinhaltet die viel höheren Investitionen des Menschen in die Aufzucht von Nachkommen als unsere Primatenverwandten und die damit verbundene menschliche Institution der Ehe. Durch die Kombination von langfristigen, zwischen den Clans ausgehandelten Paarungs- und Erziehungsvereinbarungen mit dem Transfer von Vermögen, ist die Ehe ein menschliches Universalkonzept, das wahrscheinlich auf den ersten Homo Sapiens Sapiens zurĂŒckgeht.

Die elterliche Investition ist eine langfristige und meist einmalige Angelegenheit — es gibt keine Zeit fĂŒr wiederholte Interaktionen. Die Scheidung von einem nachlĂ€ssigen Vater oder einer untreuen Frau stellt in der Regel eine Zeitverschwendung von mehreren Jahren dar, wenn man die genetische Eignung des Verlassenen betrachtet. Die Treue und das Engagement fĂŒr die Kinder wurden in erster Linie von den Schwiegereltern — dem Clan — durchgesetzt. Die Ehe war der Vertrag zwischen den Clans, der in der Regel solche Treue- und Verpflichtungsversprechen sowie den Vermögenstransfer beinhaltete.

Die BeitrĂ€ge, die ein Mann und eine Frau in eine Ehe einbringen, sind selten gleich. Dies galt umso mehr in einer Zeit, in der die Partnerwahl weitgehend von den Clans bestimmt wurde und die Bevölkerung, aus der die ClanfĂŒhrer wĂ€hlen konnten, recht klein war. Meistens wurde die Frau als wertvoller angesehen und der Clan des BrĂ€utigams zahlte einen Brautpreis an den Clan der Braut. Ziemlich selten im Vergleich dazu war eine Mitgift, eine Zahlung des Braut-Clans an das neue Paar. Meist wurde dies von den Oberschichten monogamer, aber höchst ungleicher Gesellschaften im mittelalterlichen Europa und Indien praktiziert und war letztlich durch das weitaus grĂ¶ĂŸere Reproduktionspotential der Söhne der Oberschicht motiviert, als durch die Töchter der Oberschicht in diesen Gesellschaften. Da Literatur meist ĂŒber die Oberschicht geschrieben wurde, spielt das Mitgift in den traditionellen europĂ€ischen Geschichten oft eine Rolle. Dies spiegelt dessen tatsĂ€chliche HĂ€ufigkeit in den menschlichen Kulturen aber nicht wider — es war recht selten.

Ehen zwischen Clans konnten einen geschlossenen Kreislauf von Sammelobjekten bilden. TatsĂ€chlich wĂŒrden zwei Clans, die ihre Paar-Partner verheiraten, ausreichen, um einen geschlossenen Kreislauf aufrechtzuerhalten, solange die Ehepartner dazu neigen, aus dem selben Stamm zu kommen. Wenn ein Clan durch eine andere Art des Transfers reicher an Sammelobjekten war, konnte er mehr seiner Söhne mit besseren BrĂ€uten (in monogamen Gesellschaften) oder einer grĂ¶ĂŸeren Anzahl von BrĂ€uten (in polygamen Gesellschaften) verheiraten. In einem Kreislauf, der nur Ehen umfasste, wĂŒrde primitives Geld einfach dazu dienen, das BedĂŒrfnis nach Erinnerung und Vertrauen zwischen den Clans ĂŒber eine lange Zeitspanne der Verzögerung zwischen unausgewogenen Transfers von reproduktiven Ressourcen zu ersetzen.

Wie Erbschaft, Rechtsstreits und Tribute erfordert die Ehe eine dreifache Übereinstimmung des Ereignisses, in diesem Fall der Ehe, mit Angebot und Nachfrage. Ohne einen ĂŒbertragbaren und dauerhaften Wertespeicher war es sehr unwahrscheinlich, dass die derzeitige FĂ€higkeit des BrĂ€utigam-Clans, die aktuellen WĂŒnsche des Braut-Clans zu befriedigen, groß genug ist, um das WertgefĂ€lle zwischen Braut und BrĂ€utigam auszugleichen und gleichzeitig die politischen und romantischen ZwĂ€nge des Paares zu befriedigen. Eine Lösung besteht darin, dem BrĂ€utigam oder seinem Clan eine stĂ€ndige Dienstverpflichtung gegenĂŒber dem Clan der Braut aufzuerlegen. Dies kommt in etwa 15% der bekannten Kulturen vor.⁷ In einer weitaus grĂ¶ĂŸeren Zahl, nĂ€mlich 67%, zahlt der Clan des BrĂ€utigams oder der BrĂ€utigam selbst dem Clan der Braut einen erheblichen Teils seines Vermögens. Ein Teil dieses Brautpreises wird in unmittelbaren VerbrauchsgĂŒtern, in zu sammelnden Pflanzen, die geerntet werden, und in Tieren, die fĂŒr das Hochzeitsfest geschlachtet werden, bezahlt. In Hirten- oder Landwirtschaftsgesellschaften wird ein Großteil des Brautpreises in Vieh, einer langlebigen Form des Reichtums, bezahlt. Beim Rest und in Kulturen ohne Vieh wird mit den wertvollsten FamilienerbstĂŒcken bezahlt — den seltensten, teuersten und haltbarsten AnhĂ€ngern, Ringen und so weiter. Die westliche Tradition, dass der BrĂ€utigam der Braut einen Ring schenkt — und ein Verehrer einer Jungfrau andere Arten von Schmuck — war einst ein erheblicher Vermögenstransfer und war in vielen anderen Kulturen ĂŒblich. In etwa 23% der Kulturen, vor allem der modernen, gibt es keinen substantiellen Vermögensaustausch. In ca. 6% der Kulturen gibt es einen gegenseitigen Austausch von substantiellem Vermögen zwischen Braut- und BrĂ€utigam-Clans. In nur ca. 2% der Kulturen zahlt der Clan der Braut dem neuen Paar eine Mitgift.⁷

Leider waren manche VermögensĂŒbertragungen alles andere als der Altruismus bei der Erbschaftsgabe oder der Freude an der Ehe. Im Falle von Tributen jedoch, war das Gegenteil der Fall.

Die Kriegsbeute

Die Sterblichkeitsraten durch Gewalt in Schimpansentruppen und JĂ€ger und Sammler Kulturen sind weit höher als in modernen Zivilisationen. Dies geht wahrscheinlich zurĂŒck bis zu unseren gemeinsamen Affen-Vorfahren — auch diese waren stĂ€ndig in KĂ€mpfe verwickelt.

KriegsfĂŒhrung beinhaltete unter anderem Töten, VerstĂŒmmelung, Folter, EntfĂŒhrung, Vergewaltigung und die Erpressung von Tributen im Austausch fĂŒr die Vermeidung solcher Schicksale. Wenn sich zwei benachbarte StĂ€mme nicht im Krieg befanden, zollte der eine dem anderen gewöhnlich Tribut. Der Tribut konnte auch dazu dienen, Allianzen zu binden, um GrĂ¶ĂŸenvorteile in der KriegsfĂŒhrung zu erzielen. Meist war er eine Form der Ausbeutung, die fĂŒr den Sieger lukrativer war als weitere Gewalt gegen die Besiegten.

Auf den Sieg im Krieg folgte manchmal eine sofortige Zahlung von den Verlierern an die Gewinner. Oftmals geschah dies nur in Form von PlĂŒnderungen durch die euphorischen Sieger, wĂ€hrend die Verlierer ihre Sammelobjekte verzweifelt versteckten. HĂ€ufiger wurde jedoch regelmĂ€ĂŸig Tribut verlangt. In diesem Fall konnte und wurde die dreifache Koinzidenz durch einen ausgeklĂŒgelten Zeitplan fĂŒr Sachleistungen umgangen, der die FĂ€higkeit des unterlegenen Stammes, ein Gut oder eine Dienstleistung zu liefern, mit der Nachfrage des Siegers nach diesem Gut oder dieser Dienstleistung in Einklang brachte. Aber selbst dieser Methode gegenĂŒber hatte primitives Geld Vorteile, und zwar ein gemeinsames Wertmedium, das die Zahlungsbedingungen stark vereinfachte. Dies war sehr wichtig in einer Zeit, in der die Vertragsbedingungen nicht aufgezeichnet werden konnten, sondern auswendig gelernt werden mussten. In einigen FĂ€llen, wie beim Wampum, wie es in der Iriquois-Konföderation verwendet wurde, fungierten die Sammelobjekte zusĂ€tzlich als primitive GedĂ€chtnisstĂŒtze, die zwar nicht wörtlich, aber doch als Hilfsmittel zur Erinnerung an die Vertragsbedingungen verwendet werden konnte. FĂŒr die Gewinner stellten die Sammelobjekte eine Möglichkeit dar, Tribute zu sammeln, die nĂ€her am Lafferschen Optimum lagen. FĂŒr die Verlierer boten die in Verstecken vergrabenen SammlerstĂŒcke eine Möglichkeit, Vermögen zu unterschlagen, was die Sieger dazu veranlasste, zu glauben, dass die Verlierer weniger wohlhabend waren und sie daher weniger verlangen liess, als sie könnten. Zwischenspeicher von SammlerstĂŒcken boten auch eine Versicherung gegen ĂŒbereifrige Tributsammler. Ein großer Teil des Reichtums in den primitiven Gesellschaften entging aufgrund seiner höchst geheimnisvollen Beschaffenheit der Aufmerksamkeit der Missionare und Anthropologen. Nur die ArchĂ€ologie kann die Existenz dieses verborgenen Reichtums aufdecken.

Das Verstecken und andere Strategien stellten ein Problem dar, das Tribut-Sammler mit modernen Steuereintreibern teilen — wie kann man die Menge des Reichtums, den sie abziehen können, abschĂ€tzen. Die Messung des Wertes ist ein heikles Problem bei vielen Arten von Transaktionen, aber nie schwieriger als bei der antagonistischen Erhebung von Steuern oder Tributen. Indem sie diese sehr schwierigen und nicht-intuitiven Kompromisse eingehen und dann eine Reihe von Abfragen, Kontrollen und Eintreibungsaktionen durchfĂŒhren, optimierten die Steuereintreiber effizient ihre Einnahmen, auch wenn die Ergebnisse dem Beitragszahler ziemlich unnĂŒtz erschienen.

yesStellen Sie sich einen Stamm vor, der Tribute von mehreren NachbarstĂ€mmen sammelt, die er zuvor im Krieg besiegt hat. Er muss abschĂ€tzen, wie viel er von jedem einzelnen Stamm erhalten kann. Schlechte SchĂ€tzungen lassen den Reichtum einiger StĂ€mme unterbewertet, wĂ€hrend andere gezwungen sind, Tribut zu zahlen, der auf SchĂ€tzungen des Reichtums basiert, den sie eigentlich nicht haben. Das Ergebnis: Die verletzten StĂ€mme neigen dazu, zu schrumpfen. Die StĂ€mme, die davon profitieren, zahlen weniger Tribut, als entnommen werden könnte. In beiden FĂ€llen wird fĂŒr die Sieger weniger Einkommen generiert, als sie mit besseren Regeln erzielen könnten. Dies ist eine Anwendung der Laffer-Kurve auf das Schicksal bestimmter StĂ€mme. Auf dieser Kurve, die der brillante Ökonom Arthur Laffer auf die Einkommenssteuern anwendet, steigt mit zunehmendem Steuersatz die Höhe der Einnahmen, jedoch in einem zunehmend langsameren Tempo als der Steuersatz, da die Vermeidungs- und Hinterziehungspraktiken zunehmen und vor allem der Anreiz zur AusĂŒbung der besteuerten TĂ€tigkeit abflaut. Ab einem bestimmten Satz werden aus diesen GrĂŒnden die Steuereinnahmen optimiert. Eine Anhebung des Steuersatzes ĂŒber das Laffer-Optimum hinaus fĂŒhrt eher zu geringeren als zu höheren Einnahmen fĂŒr die Regierung. Ironischerweise wurde die Laffer-Kurve von BefĂŒrwortern niedrigerer Steuern verwendet, obwohl es sich um eine Theorie handelt, die Staatseinnahmen durch Steuererhebung optimieren soll, und nicht um eine Theorie die soziale Wohlfahrt oder die Zufriedenheit des Einzelnen optimiert.

In einem grĂ¶ĂŸeren Maßstab mag die Laffer-Kurve das wichtigste Wirtschaftsgesetz der politischen Geschichte sein. Charles AdamsÂč benutzt sie, um den Aufstieg und Fall von Imperien zu erklĂ€ren. Die erfolgreichsten Regierungen haben sich implizit von ihren eigenen Anreizen leiten lassen — sowohl von ihrem kurzfristigen Wunsch nach Einnahmen als auch von ihrem langfristigen Erfolg gegenĂŒber anderen Regierungen — um ihre Einnahmen gemĂ€ĂŸ der Laffer-Kurve zu optimieren. Regierungen, die ihre Steuerzahler ĂŒberforderten, wie die Sowjetunion und spĂ€ter das Römische Reich, landeten auf dem Schutthaufen der Geschichte, wĂ€hrend Regierungen, die unterhalb des Optimums sammelten, oft von ihren finanziell besser gestellten Nachbarn erobert wurden. Demokratische Regierungen können hohe Steuereinnahmen ĂŒber die historische Zeit hinweg mit friedlicheren Mitteln aufrechterhalten, als die Eroberung unterfinanzierter Staaten. Sie sind die ersten Staaten in der Geschichte, deren Steuereinnahmen im VerhĂ€ltnis zu externen Bedrohungen so hoch sind, dass sie den Luxus haben, das meiste Geld in nicht-militĂ€rischen Bereichen auszugeben. Ihre Steuersysteme haben nĂ€her am Laffer-Optimum operiert als die der meisten frĂŒheren Regierungsformen. (Alternativ kann dieser Luxus durch die Effizienz von Atomwaffen zur Abschreckung von Angriffen ermöglicht werden, anstatt durch die erhöhten Anreize der Demokratien, die Steuereinnahmen zu optimieren). Wenn wir die Laffer-Kurve anwenden, um die relative Auswirkung von Vertragsstatuten auf verschiedene StĂ€mme zu untersuchen, kommen wir zu dem Schluss, dass der Wunsch, die Einnahmen zu optimieren, die Sieger dazu veranlasst, das Einkommen und den Reichtum der Besiegten genau messen zu wollen. Die Messung des Wertes ist entscheidend, um die Anreize zu bestimmen, den Tribut zu vermeiden oder ihm durch Verstecken von Vermögen, Kampf oder Flucht zu entgehen. DemgegenĂŒber können die Tributpflichtigen diese Messungen auf verschiedene Weise verfĂ€lschen, z.B. durch Vergraben von SammlerstĂŒcken. Die Tributsammlung ist ein Bemessungsspiel mit nicht abgestimmten Anreizen.

Mit SammlerstĂŒcken kann man den Tribut zu strategisch optimalen Zeiten verlangen, anstatt zu dem Zeitpunkt, an dem GegenstĂ€nde vom Tributpflichtigen geliefert werden können oder vom Sieger gefragt sind. Die Sieger können dann wĂ€hlen, wann sie den Reichtum in der Zukunft verbrauchen, anstatt ihn zum Zeitpunkt der Entnahme des Tributs verbrauchen zu mĂŒssen. Viel spĂ€ter, bis weit in die FrĂŒhzeit der Geschichte hinein, im Jahr 700 v. Chr., war Geld trotz des weit verbreiteten Handels immer noch in Form von Sammelobjekten vorhanden. Es bestand zwar eher aus Edelmetallen, aber in seinen grundlegenden Eigenschaften, wie z. B. dem Mangel an einheitlichem Wert, war es Ă€hnlich wie die meisten der seit den AnfĂ€ngen des Homo Sapiens Sapiens verwendeten Urgelder. Dies wurde durch eine griechischsprachige Kultur in Anatolien (moderne TĂŒrkei), die Lydier, verĂ€ndert. Insbesondere die Könige von Lydien waren die ersten großen Emittenten von MĂŒnzen in den archĂ€ologischen und historischen Aufzeichnungen.

Von diesem Tag an bis heute sind die staatlichen MĂŒnzprĂ€geanstalten mit selbst eingerĂ€umten Monopolen, und nicht private MĂŒnzprĂ€geanstalten, die Hauptausgeber von MĂŒnzen. Warum wurde die MĂŒnzprĂ€gung nicht von privaten Interessen, wie z.B. Privatbankiers, dominiert, die es damals in diesen semimarktwirtschaftlichen LĂ€ndern gab? Die HaupterklĂ€rung fĂŒr die staatliche Dominanz der MĂŒnzprĂ€gung war, dass nur die Regierungen Maßnahmen zur BekĂ€mpfung von FĂ€lschungen durchsetzen konnten. Sie hĂ€tten jedoch solche Maßnahmen zum Schutz konkurrierender privater PrĂ€geanstalten durchsetzen können, so wie sie heute und damals auch fĂŒr geschĂŒtzte Markenzeichen sorgten.

Der Wert einer MĂŒnze ließ sich — vor allem bei niedrigen Transaktionswerten — viel leichter schĂ€tzen als der eines Sammelobjektes. Es konnten weitaus mehr GeschĂ€fte mit Geld statt mit Tauschhandel gemacht werden; tatsĂ€chlich wurden viele Arten von GeschĂ€ften mit geringem Wert ĂŒberhaupt erst möglich, da die geringen Gewinne aus dem Handel erstmals die Transaktionskosten ĂŒberstiegen. Sammelobjekte waren Geld mit geringer Umlaufgeschwindigkeit, das in eine kleine Anzahl von Transaktionen mit hohem Wert involviert war. MĂŒnzen waren schnell umlaufendes Geld, das eine große Anzahl an GeschĂ€ften von geringem Wert ermöglichte.

Angesichts dessen, was wir ĂŒber die Vorteile von Urgeld fĂŒr Tribut- und Steuereintreiber gesehen haben, sowie der Problematik der Wertbestimmung bei der optimalen Durchsetzung solcher Zahlungen, ist es nicht ĂŒberraschend, dass die Steuereintreiber, insbesondere die Könige von Lydien, die ersten großen Emittenten von MĂŒnzen waren. Der König, der seine Einnahmen aus der Steuererhebung erzielte, hatte einen starken Anreiz, den Wert des von seinen Untertanen gehaltenen und eingetauschten Vermögens genauer zu messen. Dass der Tausch auch von einer billigeren Messung durch die HĂ€ndler des Tauschmittels profitierte, wodurch etwas geschaffen wurde, das nĂ€her an effizienten MĂ€rkten lag und es Einzelpersonen ermöglichte, zum ersten Mal in grĂ¶ĂŸerem Umfang in den Markt einzutreten, war fĂŒr den König ein zufĂ€lliger Nebeneffekt. Der grĂ¶ĂŸere Vermögensfluss durch die MĂ€rkte, der nun fĂŒr die Besteuerung zur VerfĂŒgung stand, steigerte die Einnahmen des Königs sogar ĂŒber den normalen Laffer-Kurven-Effekt hinaus, der die Fehlmessung zwischen den einzelnen Steuerquellen reduzierte.

Diese Kombination aus effizienterer Steuererhebung und effizienteren MÀrkten bedeutete einen enormen Anstieg der gesamten Steuereinnahmen. Die Steuereintreiber trafen fast sprichwörtlich eine Goldmine, und der Reichtum der lydischen Könige Midas, Krösus und Giges ist bis heute weltbekannt.

Einige Jahrhunderte spĂ€ter eroberte der griechische König Alexander der Große Ägypten, Persien und einen großen Teil Indiens und finanzierte seine spektakulĂ€re Eroberung, indem er Ă€gyptische und persische Tempel plĂŒnderte, die mit Ansammlungen von Sammelobjekten geringer Umlaufgeschwindigkeit gefĂŒllt waren, und diese zu MĂŒnzen mit hoher Umlaufgeschwindigkeit einschmolz. Effizientere und flĂ€chendeckende Marktwirtschaften sowie eine effizientere Steuererhebung entstanden in dessen Folge.

Tributzahlungen bildeten fĂŒr sich genommen keinen geschlossenen Kreislauf von Sammelobjekten. Diese waren nur dann wertvoll, wenn sie letztlich von den Siegern fĂŒr etwas anderes verwendet werden konnten, wie z.B. Heirat, Handel oder Sicherheiten. Die Sieger konnten die Besiegten jedoch zur Herstellung von Sammelobjekten zwingen, auch wenn dies nicht den Interessen der Besiegten diente.

Konflikte und Lösungen

Die alten JĂ€ger und Sammler hatten nicht unser modernes Delikts- oder Strafrecht, aber sie hatten ein analoges Mittel zur Beilegung von Streitigkeiten, die oft von Clan- oder StammesfĂŒhrern oder durch Abstimmung geregelt wurden. Davon wurde abgedeckt, was das moderne Recht Verbrechen und Delikte nennt. Die Beilegung von Streitigkeiten durch Strafen oder Zahlungserleichterungen durch die Clans der streitenden Parteien ersetzte Rachezyklen oder Rachekriege. Die meisten vormodernen Kulturen, von den Iriquois in Amerika bis zu den vorchristlichen Germanen, entschieden, dass Bezahlung besser als Bestrafung war. Preise (z.B. das germanische “Wasgeld” und das iriquistische Blutgeld) wurden fĂŒr alle verfolgbaren Vergehen, von kleinem Diebstahl ĂŒber Vergewaltigung bis hin zu Mord, verwendet. Wo Geld zur VerfĂŒgung stand, erfolgte die Bezahlung in Form von Geld. Das Vieh wurde in der Viehzucht verwendet. Ansonsten war die Bezahlung von Sammelobjekten das am hĂ€ufigsten verwendete Rechtsinstrument.

Die Zahlung von Schadenersatz in einem Rechtsstreit oder einer Ă€hnlichen Klage fĂŒhrte zu der gleichen Art von Problem des dreifachen Zusammentreffens von Ereignis, Angebot und Nachfrage, wie es bei Erbschaft, Heirat und Tribut auftrat. Die Entscheidung des Falles musste mit der FĂ€higkeit des KlĂ€gers, den Schadenersatz zu zahlen, sowie mit der Möglichkeit und dem Wunsch des Angeklagten, davon zu profitieren, zusammenfallen. Wenn es sich bei dem Rechtsmittel um ein Konsumgut handelte, von dem der KlĂ€ger bereits reichlich besaß, diente das Rechtsmittel zwar immer noch als Strafe, wĂŒrde den Angeklagten aber wahrscheinlich nicht zufrieden stellen — und somit den Kreislauf der Gewalt nicht eindĂ€mmen. Wir wollen hier also noch einmal den Mehrwert von Sammelobjekten aufzeigen — in diesem Fall, ermöglichen sie, einen Streit zu lösen oder einen Rachezyklus zu beenden.

Wenn die Zahlungen zur vollstĂ€ndigen Beseitigung von RachefeldzĂŒgen dienten, wĂŒrden die Streitbeihilfen keinen geschlossenen Kreislauf bilden. Wenn die Zahlungen jedoch die Vendetta nicht vollstĂ€ndig beseitigen, könnten die Zahlungen einen Kreislauf bilden, der dem Rachezyklus folgt. Aus diesem Grund ist es möglich, dass das System ein Gleichgewicht erreicht hat, wenn es die Rachezyklen zwar reduzierte, aber nicht eliminierte, zumindest bis zum Aufkommen dichter verbundener Handelsnetze.

Merkmale von Sammelobjekten

Da sich die Menschen in kleinen, weitgehend autarken und sich gegenseitig feindlich gesinnten StĂ€mmen entwickelten, war die Verwendung von Sammelobjekten, um die Notwendigkeit der Gunstgewinnung zu reduzieren und die anderen menschlichen Institutionen des Vermögenstransfers, die wir erforscht haben, zu ermöglichen, fĂŒr die meiste Zeit unserer Spezies weitaus wichtiger als die Skalenprobleme des Tauschhandels. In der Tat stellten Sammelobjekte eine fundamentale Verbesserung der Funktionsweise des gegenseitigen Altruismus dar, indem sie es den Menschen ermöglichten, auf eine Art und Weise zu kooperieren, die anderen Spezies nicht zur VerfĂŒgung stand. FĂŒr sie ist reziproker Altruismus durch ein unzuverlĂ€ssiges GedĂ€chtnis stark eingeschrĂ€nkt. Einige andere Spezies haben große Gehirne, bauen ihre eigenen HĂ€user oder stellen Werkzeuge her und benutzen sie. Keine andere Spezies hat jedoch eine solche Verbesserung der Funktionsweise des gegenseitigen Altruismus hervorgebracht. Die Beweise zeigen, dass diese neue Entwicklung um 40.000 B.P. ausgereift war.

Menger nannte dieses erste Geld, dass in diesem Essay als Sammelobjekt bezeichnet wird, ein “Zwischengut”. Ein Artefakt, das fĂŒr andere Dinge, wie z.B. Schneiden, nĂŒtzlich ist, könnte auch als Sammelobjekt verwendet werden. Sobald jedoch Unternehmungen, die einen Vermögenstransfer beinhalteten, wertvoll wurden, wĂŒrden SammlerstĂŒcke teilweise nur noch deshalb hergestellt und ihr eigentlicher Zweck vernachlĂ€ssigt. Was sind diese Eigenschaften? Damit ein bestimmtes Gut als wertvolles SammlerstĂŒck ausgewĂ€hlt werden kann, hĂ€tte es im Vergleich zu Produkten, die als SammlerstĂŒcke weniger wertvoll sind, mindestens die folgenden wĂŒnschenswerten Eigenschaften gehabt:

  1. Sicher vor versehentlichem Verlust und Diebstahl. FĂŒr den grĂ¶ĂŸten Teil der Geschichte bedeutete dies, dass es von der Person mitgefĂŒhrt werden konnte und leicht zu verstecken war.
  2. Es war schwer, seinen Wert zu fĂ€lschen oder es nachzumachen. Eine wichtige Teilgruppe davon sind Produkte, die aus den nachfolgend erlĂ€uterten GrĂŒnden fĂ€lschungssicher, sowie teuer in der Herstellung sind und daher als wertvoll gelten.
  3. Der Wert konnte durch einfache Beobachtungen oder Messungen genauer geschĂ€tzt werden. Die Beobachtungen hatten eine zuverlĂ€ssige Aussagekraft gehabt, waren aber dennoch kostengĂŒnstig.

Menschen auf der ganzen Welt sind stark motiviert, GegenstĂ€nde zu sammeln, die diese Eigenschaften optimal erfĂŒllen. Zu dieser Motivation gehören wahrscheinlich auch genetisch entwickelte Instinkte. Solche Objekte werden aus purer Freude am Sammeln gesammelt (nicht aus besonders guten expliziten und nahen GrĂŒnden) und diese Leidenschaft ist in allen menschlichen Kulturen nahezu universell. Eine der unmittelbaren Motivationen ist die Verzierung. Laut Dr. Mary C. Stiner, einer ArchĂ€ologin an der UniversitĂ€t von Arizona, ist “Ornamentik universell unter allen modernen menschlichen JĂ€gern”.ÂČ⁷ FĂŒr einen Evolutionspsychologen ist ein solches Verhalten, das letztlich eine gute ErklĂ€rung in Form von natĂŒrlicher Auslese hat, aber keine andere naheliegende BegrĂŒndung als VergnĂŒgung hat, ein erstklassiger Kandidat fĂŒr ein genetisch entwickeltes Verlangen, das dieses Verhalten motiviert. Dies ist in diesem Fall, wenn die Argumentation in diesem Essay richtig ist, der menschliche Instinkt, seltene GegenstĂ€nde, Kunst und vor allem Schmuck zu sammeln.

Punkt 2 bedarf einiger weiterer ErlĂ€uterungen. ZunĂ€chst erscheint die Herstellung einer Ware allein schon deshalb, weil sie kostspielig ist, recht verschwenderisch. Die unfĂ€lschlich kostenintensive Ware bringt jedoch immer wieder einen Mehrwert, indem sie nutzbringende Vermögenstransfers ermöglicht. Jedes Mal, wenn eine Transaktion ermöglicht oder gĂŒnstiger gemacht wird, wird mehr von den Kosten wieder hereingeholt. Die Kosten, zunĂ€chst eine komplette Verschwendung, werden ĂŒber viele Transaktionen amortisiert. Der monetĂ€re Wert von Edelmetallen basiert auf diesem Prinzip. Es gilt auch fĂŒr SammelgegenstĂ€nde, die umso höher bewertet werden, je seltener sie sind und je weniger fĂ€lschbar diese Seltenheit ist. Es gilt auch dort, wo dem Produkt nachweislich qualifizierte oder einzigartige menschliche Arbeit hinzugefĂŒgt wird, wie beispielsweise bei Kunst.

Wir haben noch nie ein Produkt entdeckt oder hergestellt, das in allen drei Punkten wirklich gut abschneidet. Kunst und SammlerstĂŒcke (in dem Sinne, dass das Wort in der modernen Kultur verwendet wird, statt in dem technischen Sinne, wie es in dieser Arbeit verwendet wird) erfĂŒllen Punkt 2, aber nicht 1 und 3. Gewöhnliche Perlen befriedigen Punkt 1, aber nicht 2 oder 3. Schmuck, der zunĂ€chst aus den schönsten und weniger verbreiteten Muscheln, aber schließlich in vielen Kulturen aus Edelmetallen hergestellt wird, kommt der ErfĂŒllung aller drei Eigenschaften nĂ€her. Es ist kein Zufall, dass Edelmetallschmuck in der Regel in dĂŒnnen Formen wie Ketten und Ringen angeboten wird, was eine gĂŒnstige PrĂŒfung an zufĂ€llig ausgewĂ€hlten Stellen ermöglicht. Eine weitere Verbesserung waren die MĂŒnzen — das ÜberprĂŒfen durch kleine Standardgewichte und Markenzeichen reduzierte die Kosten fĂŒr kleine Transaktionen mit Edelmetallen erheblich. Das eigentliche Geld war nur ein weiterer Schritt in der Entwicklung von Sammelobjekten.

Die Art der mobilen Kunst, die auch von den Menschen der Altsteinzeit geschaffen wurde (kleine Figuren und Ă€hnliches), passt ebenfalls gut zu diesen Eigenschaften. In der Tat hat der palĂ€olithische Mensch nur sehr wenige GegenstĂ€nde hergestellt, die nicht entweder zweckmĂ€ĂŸig waren oder die Eigenschaften 1–3 teilten.

Es gibt viele rÀtselhafte FÀlle von nutzlosen oder zumindest ungenutzten Feuersteinen bei Homo Sapiens. Wir haben die unbrauchbaren Feuersteine der Clovis-Leute angesprochen. Culiffe⁎ bespricht einen Fund aus dem europÀischen Mesolithikum mit Hunderten von Feuersteinen, die sorgfÀltig hergestellt wurden, aber deren mikroskopische Analyse zeigt, dass sie nie zum Schneiden verwendet wurden.

Die Feuersteine waren wahrscheinlich die ersten SammlerstĂŒcke, die vor speziellen Sammelobjekten wie SchmuckstĂŒcken entstanden. TatsĂ€chlich wĂ€ren die ersten SammlerstĂŒcke aus Feuerstein fĂŒr ihren Nutzen beim Schneiden hergestellt worden. Ihr Mehrwert als Medium des Vermögenstransfers war ein zufĂ€lliger Nebeneffekt, der die in diesem Artikel beschriebenen Institutionen aufblĂŒhen ließ. Diese Institutionen wiederum hatten die Herstellung spezieller SammlerstĂŒcke angeregt, zunĂ€chst Feuersteine, die keinen tatsĂ€chlichen Nutzen als Schneidewerkzeuge haben, dann die Vielzahl anderer Arten von Sammelobjekten, die vom Homo Sapiens Sapiens entwickelt wurden.

Muschelgeld von Sumer, ca. 3.000 v. Chr.

WĂ€hrend der Jungsteinzeit wurden in vielen Teilen des Mittleren Ostens und Europas einige Schmuckarten stĂ€rker standardisiert — bis zu dem Punkt, an dem StandardgrĂ¶ĂŸen und PrĂŒfbarkeit oft ĂŒber die Schönheit gestellt wurden. In gewerblichen Bereichen ĂŒbertraf die Menge dieses Schmucks, die der traditionellen SchmuckstĂŒcke teilweise erheblich. Dies ist ein Zwischenschritt zwischen Schmuck und MĂŒnzen, als einige SammlerstĂŒcke zunehmend eine fungible Form annahmen. Um 700 v. Chr. begannen die lydischen Könige, wie oben beschrieben, MĂŒnzen auszugeben. Die fĂ€lschungssichere Kostspieligkeit von Standardgewichten von Edelmetallen konnte nun auf einem Marktplatz, von LohnempfĂ€ngern oder von Steuereintreibern per Markenzeichen, d.h. im Vertrauen auf die Marke der MĂŒnzstĂ€tte, “geprĂŒft” werden, anstatt an einer zufĂ€llig ausgewĂ€hlten Stelle gewickelten Draht zu zerschneiden.

Es ist kein Zufall, dass die Eigenschaften von Sammelobjekten Gemeinsamkeiten mit Edelmetallen, MĂŒnzen und den Reserverohstoffen (die die meisten Fiat-WĂ€hrungen deckten) haben. Das Geld selbst hat diese Eigenschaften in einer reineren Form umgesetzt als die SammlerstĂŒcke, die in fast der gesamten menschlichen Vorgeschichte verwendet wurden.

Silberring und Ringgeld von Sumer, ca. 2.500 v. Chr. Man beachte die StandardgrĂ¶ĂŸe der Querschnitte. Viele der StĂŒcke hatten ein Standardgewicht, das von einem Zwölftelschekel bis zu sechzig Schekel reichte. Um einen Ring oder eine Spule zu untersuchen, konnte man sie wiegen und an beliebigen Stellen schneiden. (Mit freundlicher Genehmigung des Orientalischen Instituts der UniversitĂ€t Chicago)

Ein Novum des 20. Jahrhunderts war die Ausgabe von Fiat-WĂ€hrungen durch die Regierungen. (“Fiat” bedeutet, dass sie nicht durch eine Reserveware gesichert sind, wie es die auf Gold und Silber basierenden WĂ€hrungen der vergangenen Jahrhunderte waren). Obwohl sie im Allgemeinen als Tauschmittel ausgezeichnet sind, haben sich Fiat-WĂ€hrungen als sehr schlechtes Wertaufbewahrungsmittel erwiesen. Die Inflation hat so manchen “Notgroschen” zerstört. Es ist kein Zufall, dass MĂ€rkte fĂŒr seltene Objekte und einzigartige Kunstwerke — die meist die oben beschriebenen Eigenschaften von SammlerstĂŒcken teilen — im letzten Jahrhundert eine Renaissance erlebt haben. Einer unserer fortschrittlichsten High-Tech-MĂ€rkte, eBay, ist um diese Objekte von ursprĂŒnglicher ökonomischer QualitĂ€t herum zentriert. Der Sammlermarkt ist grĂ¶ĂŸer denn je, auch wenn der Anteil unseres Vermögens, der in sie investiert wird, geringer ist als zu der Zeit, als sie fĂŒr den evolutionĂ€ren Erfolg entscheidend waren. SammlerstĂŒcke befriedigen unseren instinktiven Drang, bleiben aber auch in ihrer alten Rolle als sicherer Wertaufbewahrungsort nĂŒtzlich.

Fazit

Viele Arten von VermögensĂŒbertragungen — einseitig und gegenseitig, freiwillig und unter Zwang — sind mit Transaktionskosten verbunden. Bei freiwilligen GeschĂ€ften profitieren beide Parteien; eine wirklich kostenlose Gabe ist in der Regel ein Akt des familiĂ€ren Altruismus. Diese Transaktionen schaffen fĂŒr eine oder beide Parteien ebenso viel Wert wie der physische Akt, etwas zu schaffen. Der Tribut kommt dem Sieger zugute, und ein Schadensersatzurteil kann weitere Gewalt verhindern und dem Opfer zugute kommen. Die Vererbung machte den Menschen zu den ersten Lebewesen, die den Reichtum an ihre nĂ€chste Generation von Verwandten weitergaben. Diese ErbstĂŒcke konnten wiederum als Sicherheit oder als Bezahlung im Warenhandel, fĂŒr Lebensmittel zur Vermeidung von Hunger oder zur Bezahlung des Brautpreises verwendet werden. Ob die Kosten fĂŒr diese Transfers — die Transaktionskosten — niedrig genug sind, damit sich die Transfers lohnen, ist eine andere Frage. Entscheidend fĂŒr die erstmalige Ermöglichung dieser Art von Transaktionen waren die SammlerstĂŒcke.

Collectibles (Sammelobjekte) haben unsere großen Gehirne und unsere Sprache als Lösung fĂŒr das Gefangenendilemma, das fast alle Tiere davon abhĂ€lt, ĂŒber verzögerte Gegenleistungen mit Nichtverwandten zu kooperieren, erweitert. ReputationsĂŒberzeugungen können unter zwei Hauptarten von Fehlern leiden — Fehler in Bezug darauf, welche Person was getan hat und Fehler in der EinschĂ€tzung des Wertes oder des Schadens, der durch diese Handlung verursacht wurde. Innerhalb von Clans (kleine und unmittelbar lokale Verwandtschaftsgruppe oder die Großfamilie, die eine Untergruppe eines Stammes bildete), konnten unsere großen Gehirne diese Fehler minimieren. Der öffentliche Ruf und Zwangssanktionen machten die begrenzte Motivation sich alles zu merken hinfĂ€llig. Durch die FĂ€higkeit der Gegenseite zur Kooperation war in der Zukunft das Hauptmerkmal der verzögerten Gegenleistung gegeben. Sowohl beim Homo Sapiens Neanderthalis als auch beim Homo Sapiens Sapiens, mit der gleichen HirngrĂ¶ĂŸe, ist es sehr wahrscheinlich, dass jedes lokale Clanmitglied ĂŒber die Gunst der anderen lokalen Clanmitglieder die Übersicht behielt. Die Verwendung von Sammelobjekten fĂŒr den Handel innerhalb der kleinen lokalen Verwandtschaftsgruppe mag minimal gewesen sein. Zwischen den Clans innerhalb eines Stammes wurden jedoch sowohl GefĂ€lligkeiten verfolgt als auch SammlerstĂŒcke verwendet. Zwischen den StĂ€mmen ersetzten Sammelobjekte vollstĂ€ndig den Ruf als Vollstrecker von Gegenleistungen, obwohl Gewalt immer noch eine große Rolle bei der Durchsetzung von Rechten spielte und hohe Transaktionskosten die meisten Arten von Handel verhinderten.

Wenn Kostbarkeiten fĂ€lschbar werden — Glashandelsperlen, hergestellt in Venedig im 16. oder 17. Jahrhundert, ausgegraben in Mali, Afrika. Solche Perlen waren ĂŒberall dort sehr beliebt, wo europĂ€ische Kolonialisten auf neolithische oder JĂ€ger- und Sammlerkulturen trafen.

Um als universeller Vermögensspeicher und Mittel zur VermögensĂŒbertragung nutzbar zu sein, musste ein Sammelobjekt in mindestens eine Institution mit einem geschlossenen Kreislauf eingebettet sein, so dass die Kosten fĂŒr die Entdeckung und/oder Herstellung des Objekts ĂŒber mehrere Transaktionen abgeschrieben wurden. Zudem war ein SammlerstĂŒck nicht nur irgendein schönes SchmuckstĂŒck. Es musste bestimmte funktionelle Eigenschaften haben, wie die Sicherheit, am Körper getragen werden zu können, Kompaktheit zum verstecken oder vergraben und eine fĂ€lschungssichere Kostspieligkeit. Diese Kostspieligkeit muss vom EmpfĂ€nger der Überweisung nachprĂŒfbar gewesen sein, was in vielerlei Hinsicht den FĂ€higkeiten gleicht, die Sammler heute zur Bewertung von SammlerstĂŒcken einsetzen mĂŒssen.

Die in dieser Arbeit vorgestellten Theorien können getestet werden, indem man nach diesen Merkmalen (oder dem Fehlen dieser Merkmale) bei den in diesen Kulturen hĂ€ufig ausgetauschten “Wertsachen” sucht, und die wirtschaftlichen Gewinne aus den Zyklen analysiert, durch die sich diese Wertsachen bewegen und indem man die PrĂ€ferenzen fĂŒr Objekte mit diesen Merkmalen in einer Vielzahl von Kulturen (einschließlich der modernen) beobachtet.

Mit seiner beispiellosen Kooperationstechnologie war der Mensch zum furchterregendsten Raubtier geworden, das je auf dem Planeten zu sehen war. Er passte sich an ein sich verĂ€nderndes Klima an, wĂ€hrend Dutzende seiner großen Beutetiere durch die Jagd und den Klimawandel in Amerika, Europa und Asien zur Ausrottung getrieben wurden. Heute haben die meisten großen Tiere auf dem Planeten Angst vor Projektilen — eine Anpassung an nur eine Raubtierartâč⁶. Auch Kulturen, die mehr auf dem Sammeln als auf der Jagd basierten, haben davon profitiert. Es folgte eine Bevölkerungsexplosion — der Homo Sapiens Sapiens konnte mehr Teile des Planeten besiedeln und zwar in einer Dichte, die mehr als zehnmal so hoch war wie die des Homo Sapiens Neanderthalis⁎, trotz schwĂ€cherer Knochen und keiner VergrĂ¶ĂŸerung des Gehirns. Ein großer Teil dieses Anstiegs kann den sozialen Institutionen zugeschrieben werden, die durch effektiven Reichtumstransfer und Sprache ermöglicht wurden — Handel, Heirat, Vererbung, Tribut, Sicherheiten und die FĂ€higkeit, SchĂ€den zu bewerten, um Rachezyklen zu dĂ€mpfen.

Primitives Geld war kein modernes Geld, wie wir es kennen. Es ĂŒbernahm einen Teil der Funktion, die modernes Geld heute erfĂŒllt, aber seine Form war die von ErbstĂŒcken, Schmuck und anderen Sammelobjekten. Der Gebrauch dieser GegenstĂ€nde ist so alt, dass der Wunsch, Sammelobjekte zu erforschen, zu sammeln, herzustellen, auszustellen, zu bewerten, sorgfĂ€ltig zu lagern und zu tauschen, ein menschliches BedĂŒrfnis ist — bis zu einem gewissen Grad ein Instinkt. Diese Konstellation menschlicher WĂŒnsche könnte man als Sammlerinstinkt bezeichnen. Die Suche nach den Rohstoffen, wie Muscheln und ZĂ€hnen, und die Herstellung von SammlerstĂŒcken nahm einen betrĂ€chtlichen Teil der Zeit vieler frĂŒherer Menschen in Anspruch, ebenso wie viele moderne Menschen erhebliche Ressourcen fĂŒr diese AktivitĂ€ten als Hobbys aufwenden. Das Ergebnis fĂŒr unsere antiken Vorfahren waren die ersten sicheren Formen eines verankerten Wertes, der sich vom konkreten Nutzen sehr stark unterschied und der VorlĂ€ufer des heutigen Geldes war.

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Quellen

[1]Adams, Charles, For Good and Evil: The Impact of Taxes on Civilization ↩

[2] Tim Appenzeller, “Art: Evolution or Revolution?”, Science 282(Nov 20, 1998), p. 1452. See also the home page of Stanley Ambrose ↩ ↩

[3]The Blombos Cave Project ↩ ↩

[4] Culiffe, Barry, ed., The Oxford Illustrated History of Prehistoric Europe, Oxford University Press 1994. ↩ ↩ ↩ ↩ ↩

[5] Dawkins, Richard, The Selfish Gene, Oxford University Press 1989. ↩ ↩ ↩

[6] Davies, Glyn, A History of Money, From Ancient Times to the Present Day, University of Wales Press 1994. ↩ ↩ ↩ ↩

[7] Daly, Martin and Wilson, Margo, Homicide, New York: Aldine (1998). ↩ ↩

[8] Gilead, I. 1995. “The Foragers of the Upper Paleolithic Period,” in Archaeology and Society in the Holy Land. Ed. by T. E. Levy. New York, Facts on File. ↩

[9] [ref: http://www-geology.ucdavis.edu/~GEL115/115CH1.html] ↩

[10] Graeber, David, Towards an Anthropological Theory of Value, Palgrave 2001.

[11] Ifrah, Georges, The Universal History of Numbers, John Wiley & Sons 1998, pg. 73.

[12] Kohn, M. and Mithen, S. “Handaxes: Products of sexual selection?”, Antiquity, 73, 518–526.

[13] Kohn, M. and Mithen, S. “Handaxes: Products of sexual selection?”, Antiquity, 73, 518–526.

[14] Landa, Janet, Trust, Ethnicity, and Identity: Beyond the New Institutional Economics of Ethnic Trading Networks, Contract Law, and Gift-Exchange, The University of Michigan Press, second edition, 1998. ↩ ↩ ↩

[15] Menger, Carl, “On the Origins of Money” Economic Journal, volume 2,(1892) p. 239–55. translated by C.A. Foley, at http://www.socsci.mcmaster.ca/~econ/ugcm/3ll3/menger/money.txt ↩

[16] Mauss, Marcel, The Gift, 1950, English translation by W.D. Halls, W.W. Norton 1990. ↩

[17] (Morse 1993) via http://www.wac.uct.ac.za/wac4/symposia/papers/s095wht1.pdf ↩

[18] Riddley, Matt, The Origins of Virtue, Viking 1996.

[19] Taylor, Alan, American Colonies — The Settling of North America, Penguin 2001. ↩ ↩

[20] Plattner, Stuart, Economic Anthropology, Stanford University Press 1989.

[21] Wiessner, P. 1977. Hxaro: a regional system at reciprocity for reducing risk among the !Kung San. Unpublished PhD thesis: University of Michigan. ↩

[22] Wiessner, P. 1982. Risk, reciprocity and social influences on !Kung San economies. In: Leacock, H. R. & Lee, R.B. (eds) Politics and history in band societies: 61–84. London: Cambridge University Press.

[23] White, Randall, “Ivory Personal Ornaments of Aurignacian Age: Technological, Social and Symbolic Perspectives”, Institute For Ice Age Studies, http://www.insticeagestudies.com/library/Ivory/Ivorypersonal.html ↩

[24] White, Randall, “From Materials To Meaning”, Institute For Ice Age Studies, http://www.insticeagestudies.com/library/materialstomeaning/index.html ↩

[26] Winterhalder, Bruce, “Intra-Group Resource Transfers: Comparative Evidence, Models, and Implications for Human Evolution”, http://www.unc.edu/depts/ecology/winterweb/intra_group.html ↩

[27] Wilford, John, “Debate is Fueled on When Humans Became Human”, New York Times, February 26th, 2002 ↩

Danksagungen

Grossen Dank an Jerome Barkow, Andrew Odlyzko, Bruce Smith, K. Eric Drexler, Markus Krummenacker, Mark Wiley, Norm Hardy, und weitere fĂŒr Ihre aufschlussreichen Kommentare.

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